Risiko bei Asthma und COPD

Welche Atemwegsviren sind ein Risiko für Patienten mit Asthma oder COPD? Bildquelle: G.Rohde

Atemwegsviren - RSV: Ein Risiko bei Asthma und COPD?

Atemwegsviren sind allgegenwärtig. Insbesondere in der kalten Jahreszeit kann man ihnen kaum entgehen. Bei Asthma und COPD ist die Atmung chronisch beeinträchtigt. Sind Atemwegsviren deshalb ein Risiko? Bei der Fachveranstaltung Allergologie im Kloster sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. med. Gernot G. U. Rohde, Medizinische Klinik I, Zentrum der Inneren Medizin, Universitätsklinikum Frankfurt.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner:  Prof. Dr. med. Gernot G. U. Rohde

Herr Prof. Rohde, haben Atemwegsviren einen Einfluss auf ein bestehendes Asthma und sind deshalb ein Risiko? 

Es gibt durchaus einen Zusammenhang zwischen Virusinfektionen der Atemwege, Asthma und COPD. Man hat zum Beispiel bei Kindern mit Asthma beobachtet, dass es zu Zeiten, in denen bestimmte Atemwegsviren „unterwegs“ sind, öfter zu Krankenhausaufenthalten aufgrund von Asthmaanfällen kommt. Während der Schulferien kommt es bei diesen Kindern hingegen deutlich seltener zu Krankenhausaufenthalten aufgrund schwerer Exazerbationen.

 

 

 

Welche Atemwegsviren sind häufige Auslöser von Asthmaanfällen bei Kindern?

Bei Kindern mit Asthma-Anfällen hat man unter anderem auch die folgenden Viren nachweisen können:

  • Picornavirus
  • Coronavirus
  • Influenza Virus
  • Parainfluenza
  • Respiratorisches Synzytial Virus - RSV

Atemwegsviren sind aber auch häufige Auslöser von COPD-Exazerbationen.

Sind diese Viren auch Auslöser schwererer Asthmaanfälle bei Erwachsenen?

Ja, all diese Atemwegsviren können auch bei Erwachsenen schwere Asthmaanfälle auslösen.

Wie steckt man sich mit Atemwegsviren an, zum Beispiel mit RSV?

Die Übertragung erfolgt bei RSV vorwiegend in Form einer Tröpfcheninfektion. Die Inkubationszeit, das heißt der Zeitraum zwischen Ansteckung und Ausbruch der Symptome, beträgt vier bis sechs Tage. In der Regel dauert es sieben bis 14 Tage, bis die Infektion wieder abgeklungen ist.

Wie ansteckend sind RSV?

Die Ansteckungsfähigkeit respiratorischer Synzytial Viren ist hoch – sie beträgt ca. 50 Prozent. Es kommt jedes Jahr, vom Herbst bis zum Frühling, zu RSV-Epidemien. RSV gehören zu den häufigsten Erregern von Bronchiolitis und Pneumonie bei Kleinkindern. Bei Kindern im Alter von 5 Jahren findet man fast zu 100 Prozent RSV-Antikörper im Blutserum, was bedeutet, dass fast alle Kinder bis zu diesem Alter bereits einmal Kontakt zu RS-Viren hatten.

Sind alle, die eine RSV-Infektion durchgemacht haben, vor weiteren Infektionen geschützt?

Der Schutz nach einer RSV-Infektion hält bis ins Erwachsenenalter an. Ab 65 Jahren und bei Patienten mit Komorbiditäten steigt jedoch die Inzidenz, die Anzahl der RSV-Infektionen, wieder deutlich an. Bei Menschen über 65 Jahren konnte man feststellen, dass ein Krankenhausaufenthalt in Folge einer RSV-Infektion deutlich häufiger nötig wird. Bestehen Komorbiditäten, also weitere Erkrankungen, ist das Risiko sogar dreifach bis 33-fach erhöht.

Ist das Risiko bei einer RSV-Infektion bei Menschen über 65 vergleichbar mit dem Risiko bei Influenza?

Die mit einer RSV- Infektion im Alter verbundene Krankheitslast und Sterblichkeitsrate ist sogar höher als bei Influenza. RSV wurden neben Rhinoviren und Influenza als wichtige Auslöser von hospitalisierten COPD-Exazerbationen identifiziert.

Wie häufig kommt es durch Viren wie RSV zu Bronchitis und Lungenentzündungen?

Man schätzt, dass RSV weltweit ca. 33 Millionen Fälle von unteren Atemwegsinfektionen verursachen. Damit verbunden sind etwa 2 Millionen Krankenhausaufnahmen und circa 60.000 Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren. Eine Impfung gegen RS-Viren wäre deshalb sehr wichtig.

Gibt es denn eine RSV-Impfung?

Eine RSV-Schutzimpfung gab es bislang noch nicht, aber das könnte sich bald ändern, da die Zulassung für mehrere Präparate beantragt wurde.

Wann wird eine RSV-Impfung zur Verfügung stehen?

Aktuell werden mehr als 30 Impfstoffkandidaten entwickelt. Die ersten Zulassungen für Impfstoffe gegen das Respiratorische Synzytialvirus (RSV) werden wahrscheinlich noch in diesem Jahr erwartet. So ließe sich eine weitere wichtige Lücke in der Prävention respiratorischer Infektionen schließen.

Herr Prof. Rohde, herzlichen Dank für dieses Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.