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RSV: Warum kann RSV so gefährlich sein? Wer trägt ein Risiko für schwere Infektionen?

RSV-Infektionen sehen viele als klassische Kinderkrankheit. Aber mittlerweile hat sich gezeigt, auch für Erwachsene kann RSV gefährlich werden. Warum das der Fall ist und für wen diese Infektionen ein Risiko sind, erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Gernot Rohde, Direktor der Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin am Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg im Gespräch mit MeinAllergiePortal.

RSV Asthma COPD
RSV: Warum kann RSV so gefährlich sein? Wer trägt ein Risiko für schwere Infektionen?, Bildquellen: Quellen: Großes Bild: Pexels; kleines Bild: Getty Images/G.Rohde

Autor: Sabine Jossé

Interviewpartner: Prof. Dr. med. Gernot Rohde

RSV: Die wichtigsten Fakten!

RS-Viren sind ähnlich weit verbreitet wie Grippeviren.

Ältere oder Erwachsene mit bestimmten chronischen Erkrankungen – sogenannten Grunderkrankungen - tragen ein höheres Risiko für schwerere RSV-Infektionen.

Die Symptome bei RSV unterscheiden sich kaum von anderen Atemwegsinfektionen.

Eine RSV-Diagnose wird am zuverlässigsten durch einen Rachenabstrich mit anschließender molekularer Virusdiagnostik gestellt.

Ein schwerer RSV-Verlauf kann sich durch Atemnot und Lungenentzündung mit starkem Krankheitsgefühl zeigen und muss zumeist stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Schwere Atemwegsinfektionen können Grunderkrankungen wie Asthma, COPD, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen negativ beeinflussen.

Eine spezielle Therapie steht bei RSV-Infektionen nicht zur Verfügung.

Die RSV-Impfung hat im ersten Jahr eine Impfstoffeffektivität von über 80 Prozent und Nebenwirkungen waren im Allgemeinen leicht bis mittelschwer und vorübergehend.

Herr Prof. Rohde, was genau ist RSV?

„RSV“ steht für „Respiratorisches Synzytial-Virus“ und bezeichnet einen Virus, der mit dem Grippevirus der Influenza vergleichbar ist. Bekannt sind die RS-Viren vor allen Dingen in der Pädiatrie, als häufige Auslöser von Atemwegsinfektionen bei Kindern. Im Alter von 5 Jahren hat so gut wie jedes Kind bereits eine RS-Virusinfektion hinter sich gebracht. Meist gleicht der Verlauf einer RSV-Infektion einer klassischen Erkältungserkrankung. Aber gerade bei kleinen Kindern unter 6 Monaten mit nicht ausreichender Immunität und noch nicht ausreichend trainiertem Immunsystem kann es auch zu der gefürchteten RSV-Bronchiolitis kommen. Die Kinder müssen dann oft sogar auf der Intensivstation behandelt werden. Aber auch für Erwachsene kann eine RSV-Infektion gefährlich werden.

Wie steckt man sich mit Atemwegsviren wie RSV an?

Mit RS-Viren steckt man sich genauso an, wie mit anderen Atemwegsviren auch, durch Tröpfcheninfektion. Wenn eine mit RSV infizierte Person niest oder hustet, entstehen Aerosole, die dann in der Luft verbleiben und diese sind ansteckend.

Warum kann RSV auch für Erwachsene gefährlich werden?

RS-Viren können für Erwachsene gefährlich werden, wenn sie bestimmten Risikogruppen angehören. Gerade in diesem Winter mussten wir in unserer Klinik sehr viele schwerkranke Patienten mit Atemwegsinfekten wie RSV stationär auf die Intensivstation aufnehmen.

Wann gehören Erwachsene zu den Risikogruppen für einen schweren Verlauf einer RSV-Infektion?

Generell haben ältere Menschen ein erhöhtes Risiko, schwerer an einer RSV-Infektion zu erkranken. Das gilt insbesondere dann, wenn sie an chronischen Atemwegserkrankungen leiden. Aber auch jüngere Menschen mit schweren Grunderkrankungen, zum Beispiel einer Autoimmunerkrankung oder nach einer Transplantation, die mit Immunsuppressiva behandelt werden, können schwere RSV-Verläufe entwickeln. Letztendlich dämpft aber auch eine länger andauernde Kortisonbehandlung die Immunabwehr und kann entsprechend zum Risikofaktor werden, ebenso wie eine angeborene Immunschwäche, die medikamentös immundämpfend behandelt wird. 

Diese Risikogruppen können schwere RSV-Infektionen bekommen
1. Ältere Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen
2. Jüngere Menschen mit schweren Grunderkrankungen
3. Menschen, die mit Immunsuppressiva behandelt werden, zum Beispiel unter einer Chemotherapie, nach einer Organtransplantation oder bei chronisch entzündlichen Erkrankungen mit Kortison
4. Menschen mit einer angeborenen Autoimmunerkrankung, bei denen das Immunsystem nicht richtig funktioniert.
5. Menschen mit einer Herzerkrankung
6. Hochbetagte Menschen
Quelle: Univ.-Prof. Dr. med. Gernot Rohde, www.mein-allergie-portal.com

Ab welchem Alter steigt das Risiko für eine schwere RSV-Erkrankung?

Bereits ab dem 40-sten Lebensjahr steigt die Infekt-Häufigkeit signifikant an und verdoppelt sich mit jeder weiteren Dekade. Das bedeutet: Je älter man wird, umso schwächer wird das Immunsystem. Für Hochbetagte besteht deshalb generell ein deutlich erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf von Atemwegsinfekten. Das gilt für die Influenza und ebenso für RSV-Infektionen.

Ist das gesundheitliche Risiko bei einer RSV-Infektion vergleichbar mit dem Risiko bei einer Grippe bzw. Influenza?

Anhand der Daten aus epidemiologischen Studien und Impfstoffstudien konnte man sehen, dass das gesundheitliche Risiko bei einer RSV-Infektion durchaus mit der Influenza vergleichbar ist, sowohl in Bezug auf die Ausprägung als auch den Schweregrad, wobei jedoch die notwendigen Krankenhausaufenthalte länger waren.

Weiß man, wie weit RS-Viren mittlerweile verbreitet sind?

RS-Viren haben eine relevante Verbreitung. Das hat die BUCCOS-Studie, an der wir beteiligt waren, gezeigt. Dafür wurde bei allen an einer akuten Atemwegsinfektion Erkrankten, die sich in Arztpraxen vorgestellt haben, Rachenabstriche gemacht und mittels molekularer Nachweisverfahren auf Viren untersucht. Das Ergebnis: Über fünf Prozent aller Untersuchten waren tatsächlich RSV-positiv und damit war die Infektionsrate fast gleichauf mit Influenza. Auffällig war hierbei, dass die von RSV-Betroffenen am häufigsten auch an chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD litten. Bei einer anderen Studie zeigte sich, dass RSV-Positive ein deutlich erhöhtes Risiko hatten, aufgrund kardiovaskulärer Ereignisse stationär aufgenommen zu werden. Bestätigt hat sich dies anhand sogenannter Real-World Data (RWD), das sind anonymisierte Gesundheitsdaten von zum Beispiel Krankenkassen.

Wie sehen bei RSV die Symptome aus, auch im Vergleich zu anderen Virusinfektionen?

Die Symptome einer RSV-Infektion sind vorwiegend die gleichen wie bei einer Grippe oder Erkältung, zum Beispiel:

  • Schnupfen
  • Husten
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Mattigkeit
  • Abgeschlagenheit

Je nach Schweregrad der Infektion kann man dann in leichten Fällen 1 bis 2 Wochen und in schweren Fällen über mehrere Wochen hinweg krank sein, bis hin zum Klinikaufenthalt.

Wie wird die Diagnose RSV gestellt?

Die Diagnose einer RSV-Infektion wird durch einen Rachenabstrich mit anschließender molekularer Virusdiagnostik gestellt. Diese Untersuchung wird mittlerweile standardmäßig gemacht, wenn ein entsprechender RSV-Verdacht besteht. In den meisten Krankenhäusern und Notaufnahmen werden zur RSV-Diagnose mittlerweile Schnelltestgeräte eingesetzt, die auf RSV, Influenza und Corona parallel testen. Das ist unter anderem auch deshalb wichtig, weil positiv getestete Fälle auf der Isolierstation behandelt werden müssen.

Wie zeigt sich bei einer Infektion mit RSV ein schwerer Verlauf?

Ein schwerer Verlauf zeigt sich bei einer RSV-Infektion anhand der Symptome, wenn es, zusätzlich zu den üblichen Symptomen einer Atemwegsinfektion, zu hohem Fieber, niedrigem Blutdruck, einem starken Krankheitsgefühl und Bettlägerigkeit kommt. Wenn sich eine beginnende Atemnot abzeichnet, kann das ein Hinweis auf eine Bronchitis oder Lungenentzündung sein. Bei dieser Symptomatik sollte man eine RSV-Diagnose durchführen und wenn man dann noch feststellt, dass sich die Sauerstoffsättigung im Blut verschlechtert, ist das ein Grund für die Einweisung in ein Krankenhaus.

Wie häufig kommt es durch RSV zu Bronchitis und Lungenentzündungen?

Genau Zahlen zu Bronchitis und Lungenentzündungen durch RSV liegen nicht vor. Man kann das aber von der Grippe ableiten. Hier wissen wir, dass ein Drittel der Fälle relativ leicht verläuft und kaum Symptome verursacht. Ein weiteres Drittel der Infizierten zeigt die klassischen Erkältungssymptome, dann ist man eine Woche erkältet, aber nicht schwer bettlägerig oder krankenhauspflichtig. Aber: Ein Drittel der Erkrankten kann durchaus auch eine schwer verlaufende Infektion durchmachen, so dass auch ein Krankenhausaufenthalt nötig werden kann. Deshalb würde ich schätzen, dass die Zahlen bei RSV ähnlich aussehen.

Warum sind Menschen mit Asthma stärker gefährdet, bei einer RSV-Infektion schwerer zu erkranken?

Asthma ist eine chronische Atemwegserkrankung mit entzündlicher Komponente, aber jede Asthmaerkrankung verläuft unterschiedlich. Das bedeutet: Wenn das Asthma gut eingestellt ist, die Entzündung gut unter Kontrolle ist, so dass keine Symptome auftreten und vielleicht sogar das Kriterium der Remission erreicht ist, ist das Risiko für eine gravierende RSV-Infektion nicht stark erhöht. Es entspricht dann dem eines vergleichbaren Menschen ohne Asthma. Ist das Asthma aber nicht in Remission oder sogar schlecht kontrolliert, steigt das Risiko für Asthma-Exazerbationen durch RSV.

Warum ist man bei COPD stärker gefährdet, schwerer an RSV zu erkranken?

Auch bei COPD steigt das Risiko für schwere RSV-Verläufe mit dem Grad der Instabilität der Grunderkrankung. Bei einer stabilen COPD ist die Gefahr einer schweren RSV-Infektion geringer als bei einer schlecht eingestellten. Allerdings stehen bei COPD keine Medikamente zur Verfügung, die eine Remission erreichen könnten. Man kann bei COPD maximal erreichen, dass sich die Erkrankung nicht noch weiter verschlechtert (Stabilität). Das bedeutet leider, dass man bei COPD auch bei optimaler medikamentöser Behandlung ein höheres Risiko hat, bei einer RSV-Infektion Komplikationen zu entwickeln.

Hat eine schwere RSV-Infektion auch einen Einfluss auf die Grunderkrankungen Asthma oder COPD?

Diese Frage ist gerade Gegenstand aktueller Forschungen, aber erste Daten lassen vermuten, dass schwere Atemwegsinfektionen das Asthma oder die COPD indirekt beeinflussen können. Der Grund: Wir wissen, dass eine Atemwegsinfektion wie RSV zu einer Exazerbation führen kann, und diese kann wiederum zu einer bleibenden Verschlechterung der Lungenfunktion führen und das Risiko für zukünftige Exazerbation erhöhen.1)

Wie hoch ist das Risiko für schwere RSV-Verläufe bei Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen im Vergleich zu gesunden Menschen?

Das Risiko für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen, die nicht optimal kontrolliert sind, ist im Vergleich zu lungengesunden Menschen höher. Das gilt sowohl für das Ansteckungsrisiko mit RSV als auch für den schwereren Verlauf. Der Grund: Bei diesen Erkrankungen ist einerseits das lokale Immunsystem gestört und andererseits kann es zu starken Entzündungsreaktionen kommen. Zudem ist die Virusabwehr bei chronischen Atemwegserkrankungen ebenfalls teilweise beeinträchtigt. Die Viren werden nicht so gut abgetötet, können tiefer in die Lunge eindringen und verursachen einen größeren Schaden. Das Risiko für schwere RSV-Erkrankungen ist aber auch bei Herz-Kreislauferkrankungen höher.

Warum ist eine RSV-Infektion bei Herz-Kreislauferkrankungen ein höheres Risiko?

Auch das ist Gegenstand aktueller Forschung. Man weiß aber, dass Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen ein 4-8-fach2) erhöhtes Risiko für weitere akute Herz-Kreislauf-Ereignisse tragen, wenn sie eine Virusinfektion hatten. Das könnte am entzündlichen Stimulus liegen, der durch eine Atemwegsinfektionen im Körper gesetzt wird. Atherosklerotische Plaques, das heißt die Ablagerungen in den Innenwänden der Arterien, bestehen schließlich nicht nur aus Kalkablagerungen, sondern zum Teil auch aus entzündlichem Gewebe. Wenn dann eine zusätzliche Entzündung durch das Virus in den Körper kommt, könnte dies die bestehenden Plaques destabilisieren. Allerdings sind Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen oft auch älter oder rauchen und haben COPD und haben allein dadurch ein schwächeres Immunsystem. Ein weiterer Risikofaktor ist jedoch auch Diabetes mellitus.

Was macht RSV-Infektionen gefährlich für Diabetes-Betroffene?

Diabetes mellitus gehört ebenfalls zu den Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen. Der ständig erhöhte Blutzuckerspiegel hat direkten Einfluss auf das Immunsystem und führt zu einer Abwehrschwäche. Dadurch wiederum entsteht ein erhöhtes Infektionsrisiko in Bezug auf Atemwegsviren und auch für einen schwereren Verlauf. Dabei spielt es auch eine Rolle, wie lange die Erkrankung besteht, wie gut die Symptome kontrolliert sind und welche Folgeerkrankungen bereits aufgetreten sind. Zudem gibt es auch bei Diabetes eine Rückkopplung der Virusinfektion auf die Grunderkrankung. Wir wissen, dass akute Infektionen bei Diabetes zu einer Verschlechterung der Blutzuckerregulation führen können.

Was hilft gegen RS-Viren, wie wird RSV behandelt, insbesondere bei schweren Fällen?

Bei RSV steht, anders als bei der Influenza oder Sars-CoV-2, aktuell keine gute antivirale Therapie zur Verfügung. Zwar gibt es ein antivirales Medikament, dies hat aber keine ausreichende Effektivität und wird daher bei Erwachsenen nur in Einzelfällen eingesetzt. RSV-Infektionen behandelt man deshalb genauso wie andere Atemwegsinfekte, je nach Symptomlage mit den üblichen Grippemitteln. Verschlechtert sich der Zustand der Erkrankten, sollte eine Einweisung ins Krankenhaus erfolgen.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt, wenn man wegen einer RSV-Infektion ins Krankenhaus muss?

Im Krankenhaus würde man bei einer RSV-Infektion zuerst die sogenannten Vitalparameter messen. Dazu gehören unter anderem die Sauerstoffsättigung, der Blutdruck und der Puls. Da es im Rahmen einer RSV-Infektion auch zu einer zerebralen Dysfunktion kommen kann, zu Delir, würde man die Betroffenen im Zweifelsfall in den ersten 24 Stunden zur Beobachtung stationär aufnehmen.

Wie sieht die Behandlung aus, wenn man wegen einer RSV-Infektion im Krankenhaus bleiben muss?

Auch im Krankenhaus könnte man die Symptome der eigentlichen RSV-Infektion nur mit den üblichen Therapien für Atemwegsinfekte behandeln. Ist die Lunge so stark entzündet, dass nicht mehr ausreichend Sauerstoff aufgenommen werden kann, hat die Sicherung der Sauerstoffversorgung erste Priorität. Dann würde man die Sauerstoff-Anreicherung der Atemluft einleiten. Ist der Kreislauf durch die Infektion in Mitleidenschaft gezogen würde man zunächst für eine ausreichende Flüssigkeitsgabe sorgen. Reicht das nicht aus würde man Kreislauf-stützende Medikamente, zum Beispiel Adrenalin, einsetzen. Parallel dazu würden auch alle weiteren Komplikationen, die zusätzlich zur RSV-Infektion auftreten können, individuell behandelt.

Warum ist man nach einer RSV-Infektion nicht vor erneuten RSV-Infektionen geschützt? Bei anderen Infektionskrankheiten ist das ja oft der Fall.

Auch nach einer Infektion mit RS-Viren ist man zunächst einmal vor weiteren RSV-Infektionen geschützt, zumindest im Alter von fünf Jahren. Allerdings ist das keine lebenslange Immunität, denn diese verliert man mit zunehmendem Alter. Das Alter ist deshalb ein wichtiger Risikofaktor bei RSV. Infiziert man sich mit 60 Jahren oder älter erneut mit RSV, ist das wie eine Erstinfektion. Deshalb empfiehlt sich eine Impfung gegen RS-Viren.

Für wen ist eine RSV-Impfung sinnvoll?

Zur RSV-Impfung gibt es im Moment unterschiedliche Empfehlungen. Die European Medicines Agency (EMA), die für den europäischen Raum zuständig ist, hat die RSV-Impfung für Menschen ab 18 Jahren zugelassen, weil durch gute Studien belegt ist, dass dadurch ein Vorteil besteht. Die Ständige Impfkommission (STIKO) ist noch dabei, diese Studien zu bewerten. Aktuell empfiehlt sie die RSV-Impfung als Standardimpfung generell für alle ab 75 Jahren, in Pflege lebenden Personen und bei schweren Grunderkrankungen ab dem 60. Lebensjahr.

Wie wird eine RSV-Impfung durchgeführt?

Bei einer RSV-Impfung wird per Spritze intramuskulär geimpft, wie bei fast jedem anderen Impfstoff auch. Da es sich um einen Totimpfstoff handelt, ist auch eine Ko-Administration mit anderen Impfstoffen sehr gut möglich. So kann man die RSV-Impfung mit einer Grippeimpfung, einer Corona Impfung und einer Pneumokokken-Impfung kombinieren. Aus der Reisemedizin wissen wir, dass diese Ko-Administration grundsätzlich sicher ist und manchmal sogar eine bessere Wirksamkeit erreicht werden kann.

Wann sollte man sich gegen RSV impfen lassen?

Man kann sich jederzeit gegen RSV impfen lassen, da das RS-Virus deutlich weniger schnell mutiert, als der Grippevirus und daher auch der Impfstoff nicht saisonal angepasst werden muss. Man kann dafür also auch das „Sommerloch“ in der Hausarztpraxis nutzen. Aber: Klassischerweise haben RS-Viren ähnlich der Grippe ab Oktober, November, Dezember „Hochsaison“. Optimal wäre daher eine kombinierte RSV- und Grippe-Impfung spätestens zwei Wochen vor Beginn des Infektions-Peaks von RSV, das wäre also in der Regel im Herbst.

Wie wirksam ist eine RSV-Impfung?

Die Impfstoffeffektivität beträgt bei allen drei Impfstoffen im ersten Jahr über 80 Prozent. Damit sind die Impfstoffe deutlich effektiver als die Impfstoffe gegen Influenza oder SARS-CoV-2.

Wie oft sollte man sich gegen RSV impfen lassen bzw. wie lange hält eine RSV-Impfung an?

Aktuell lautet die Empfehlung, sich einmal gegen RSV impfen zu lassen. Daten dazu, wie lange der Impfschutz anhält, liegen noch nicht vor. Wir wissen aber bereits durch die zuerst zugelassenen Impfstoffe, die am längsten nachbeobachtet wurden, dass auch nach drei Jahren noch ein ausreichender Impfschutz besteht. Dazu wird man bald mehr sagen können, denn Studien zur Wirksamkeit der RSV-Impfungen nach längeren Zeiträumen laufen gerade.

Gibt es Nebenwirkungen bei den RSV-Impfstoffen?

Wie bei jeder Impfung kann es auch bei der RSV-Impfung zu Schmerzen oder einem Druckgefühl an der Einstichstelle kommen. Weitere relevante Nebenwirkungen treten in der Regel nur sehr selten auf.

Kann man auf eine RSV-Impfung auch allergisch reagieren?

Eine allergische Reaktion auf RSV-Impfstoffe ist kaum möglich, denn es handelt sich um hochreine Impfstoffe, die sich spezifisch nur gegen das Fusions-Protein richten. Hühnereiweiß, das bei Grippe-Impfstoffen bei der Herstellung eine Rolle spielt, ist in den RSV-Impfstoffen nicht enthalten.

An wen sollte man sich wenden, wenn man sich zu RSV und der RSV-Impfung informieren möchte?

Die RSV-Impfung ist eine Standardimpfung, für die der Hausarzt zuständig ist, aber auch die niedergelassenen Lungenfachärzte impfen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die RSV-Impfung?

Generell werden alle Impfungen, die von der STIKO empfohlen werden, von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Für die RSV-Impfung bedeutet das, dass sie von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, wenn man zu den angegebenen Indikationsgruppen gehört.

Was empfehlen Sie den Menschen, die über eine RSV-Impfung nachdenken?

Es ist mir sehr wichtig, dass zumindest diejenigen, die aktuell zu den Risikogruppen gehören, und damit zunächst einmal alle über 60-jährigen, informiert sind, dass sie sich gegen RSV schützen können und dass es sehr gut verträgliche Impfstoffe gibt, die keine relevanten Nebenwirkungen und eine hohe Impfstoffeffektivität haben. Viele denken „das betrifft mich nicht, ich war noch nie krank – eine Impfung brauche ich nicht!“. Aber leider gibt es keine Garantie dafür, auch in Zukunft vor einer schweren Infektion gefeit zu sein, nur weil man bisher noch nie betroffen war.

Herr Prof. Rohde, herzlichen Dank für dieses Gespräch!


Prof. Dr. med. Gernot Rohde, Bildquelle: G. Rohde

Univ.-Prof. Dr. med. Gernot Rohde ist Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie. Er ist Direktor der Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin am Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Standort Marburg. Prof. Rohde ist Autor zahlreicher Fachpublikationen und Sprecher bei nationalen und internationalen Fachkongressen. Sein Forschungsschwerpunkt liegt bei den obstruktiven Atemwegserkrankungen der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) und dem Asthma bronchiale. Erreichbar ist er hier: https://www.ukgm.de/ugm_2/deu/umr_pne/umr_pne_team.php?id=12997

Quellen:

1) Ref.: Fonseca M.J. et al. präsentiert auf dem ESCMID Global 2025, 11.-15.April, Wien, Österreich

2) Ref: J Am Coll Cardiol. 2025 Apr 15;85(14):1504-1507. doi: 10.1016/j.jacc.2025.02.031. Epub 2025 Mar 17.

NP-DE-RSA-ADVR-260001; 04/2026 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

01. Mai 2026
Autor: S. Jossé/ Prof. Dr. med. Gernot G. U. Rohde, Mit freundlicher Unterstützung von GlaxoSmithKline

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