Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden und als erstes erfahren wann unsere Webinare stattfinden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

E-Zigaretten gesünder Tabakrauchen

Dr. med. Philipp Utz zum Thema: E-Zigaretten: Ist Dampfen besser als Rauchen?, Bildquelle: P. Utz

E-Zigaretten: Ist Dampfen besser als Rauchen?

E-Zigaretten haben den Ruf, gesünder zu sein als Tabak-Zigaretten. „Lieber Dampfen als Qualmen“ denken sich Viele. Aber ist das wirklich so? Ist Dampfen - das wird auch "Vaping" genannt - tatsächlich gesünder als Tabakrauchen? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. Philipp Utz, Oberarzt an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsmedizin Mannheim (UMM) über die Risiken und Gefahren, die sich hinter dem Dampfen von E-Zigaretten, aber auch E-Shishas verbergen.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Dr. med. Philipp Utz

Herr Dr. Utz, ist das Dampfen von E-Zigaretten besser als Rauchen?

Nein, als gesündere Alternative zu Tabak-Zigaretten kann man E-Zigaretten gewiss nicht bezeichnen, denn E-Zigaretten sind nicht harmlos! Man weiß, dass in den „Liquids“ der E-Zigaretten krebserregende und andere gesundheitsschädliche Stoffe enthalten sind. Hinzu kommt, dass auch das in E-Zigaretten enthaltene Nicotin abhängig machen und damit auch eine Art Einstiegsdroge zu den „richtigen“ Tabak-Zigaretten darstellen kann.

Besteht dann beim Dampfen von E-Zigaretten die gleiche Suchtgefahr wie bei Tabakrauchen?

Beim Dampfen besteht nicht nur die Gefahr einer Abhängigkeit, sondern es handelt sich tatsächlich um eine Sucht. E-Zigaretten werden konsumiert wie normale Zigaretten, typischerweise nach diesem Modell: Der Raucher ist gestresst und greift zur E-Zigarette. Das Nikotin flutet an und entfaltet ein mindestens genauso großes Suchtpotenzial wie herkömmliche Zigaretten. Hinzu kommt, dass Raucher von E-Zigaretten ja der Meinung sind, dass E-Zigaretten „ungefährlich“ seien. Womöglich rauchen manche dann die E-Zigarette „auf Lunge“ das heißt man nimmt dann mehr Züge und inhaliert tiefer. Auch besteht die Gefahr, dass man bei E-Zigaretten öfter raucht als bei Tabak-Zigaretten.

Angeblich enthalten aber E-Zigaretten weniger Giftstoffe als Tabak-Zigaretten, stimmt das?

Es ist richtig, dass E-Zigaretten nicht so viele Giftstoffe enthalten wie Tabak-Zigaretten. Es gibt auch einzelne Fälle, bei denen die E-Zigarette beim Ausstieg aus der Tabaksucht hilft. Dann können E-Zigaretten eine Art „Brücke“ sein, die dabei hilft, mit dem Rauchen aufzuhören. Aber bei den meisten Konsumenten und vor allem bei Kindern und Jugendlichen ist der Konsum von E-Zigaretten eher als Einstieg in die Tabaksucht zu werten.

Eine Rauchentwöhnung mit E-Zigaretten würde also nicht funktionieren?

In einem gemeinsamen Postitionspapier sprechen sich die pneumologischen Verbände in Deutschland gegen eine generalisierte Empfehlung von E-Zigaretten als Mittel zur Rauchentwöhnung aus. Ebenso wertet die Expertenrunde Vaping als große Gefahr für Kinder und Jugendliche, für welche die „trendigen“ Geschmacksrichtungen und die Werbeversprechen der E-Zigarettenhersteller einen Einstieg auch ins konventionelle Zigarettenrauchen vermitteln können.

Neue Studie!

Sind denn E-Zigaretten schädlicher oder gesünder als normale Zigaretten?

Auch E-Zigaretten sind keinesfalls frei von schädlichen Inhaltsstoffen. Viele „traditionellen“ Schadstoffe aus Zigaretten sind zwar in e-Zigaretten in niedrigerer Konzentration nachweisbar, jedoch muss allen klar sein, dass zum Beispiel für krebserregende Substanzen auch bei geringeren Konzentrationen ein Risiko bleibt.

In den USA gab es es auch Todesfälle unter E-Zigaretten-Rauchern. Gibt es da wirklich einen ursächlichen Zusammenhang?

Im Jahr 2019 ist ein Artikel dazu in dem weltweit bekanntesten medizinischen Fachjournal, dem „New England Journal of Medicine“, erschienen. Demnach haben wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt, dass der E-Zigaretten-Konsum bei Personen zwischen 18 Jahren und Ende 40 mit bislang unklaren Lungenerkrankungen vergesellschaftet war, die auch zu einzelnen Todesfällen geführt haben. Man hat herausgefunden, dass das Rauchen von E-Zigaretten tatsächlich kausal verknüpft ist mit Entzündungen in der Lunge. Unter den Probanden waren auch junge Erwachsene, die diese Liquids mit Cannabispräparaten vermischt hatten. Weil das aber nicht bei allen Betroffenen so war, geht man davon aus, dass die Krankheitsfälle wirklich auf den Konsum von E-Zigaretten zurückzuführen sind.

Die unklaren Lungenerkrankungen waren also nicht allein auf die unsachgemäße Mischung von Liquids mit Cannabis zurückführen?

Definitiv nicht. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen sind seriös und belastbar: Dass ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von E-Zigaretten und einer Lungenveränderung besteht, ist in dieser Studie erstmals nachgewiesen worden. Und diese Art Lungenerkrankung wurde bei jungen Erwachsenen und Jugendlichen bislang noch nicht beobachtet. Die Frage ist: Warum sollte bei einem jungen Menschen sonst eine Lungenveränderung auftreten, mit schwerem Sauerstoffmangel, Entzündungen und Umbauvorgängen in der Lunge?

Das mittlerweile in den USA verbotene Produkt Juul hatte in den vergangenen Jahren mit coolem Design und einem hohen Nicotinanteil den Vaping-Boom bei Jugendlichen maßgeblich befeuert. Die Verweigerung der Marktzulassung zeigt, dass auch vonseiten der Aufsichtsbehörden eine schärfere Beobachtung von E-Zigaretten stattfindet – wohl auch als Konsequenz auf die gehäuften Berichte von Erkrankungen.

Ist diese neu aufgetretene Lungenerkrankung vergleichbar mit COPD oder handelt es sich tatsächlich um eine völlig neue Lungenerkrankung, die allein bei E-Zigarettenkonsum auftritt?

Es gibt deutliche Unterschiede zwischen der neuen unklaren Lungenerkrankung bei Dampfern und COPD. Die chronische Lungenerkrankung COPD, die Raucherlunge, entsteht nach jahrelangem Rauchen, durch die Zerstörung des Lungengerüsts. Das kann man sich vorstellen wie bei einem Hochhaus mit Stahlgerüst, das irgendwann einstürzt. Genau auf die gleiche Weise schädigen die Umbauvorgänge in der Lunge von Rauchern über die Jahre das Lungengerüst, die Bronchien erschlaffen und es entsteht eine Asthmasymptomatik. Irgendwann ist die ganze Lunge betroffen und es kann Lungenkrebs entstehen.

Bei der Erkrankung, die durch den Konsum von E-Zigaretten entsteht, ist es anders. Hier ist nicht nur das Lungengerüst, sondern vor allem das Lungengewebe selbst beschädigt. Und während COPD sich langsam – über die Jahre – entwickelt, wurde die Erkrankung bei den untersuchten E-Zigaretten-Rauchern häufig schon nach ein paar Wochen E-Zigarettenkonsum beobachtet. Es handelt sich somit um eine neue Entität, also eine neue Krankheitsgruppe.

Anzeige

Hat die Lungenerkrankung, die durch den Konsum von E-Zigaretten hervorgerufen wird, denn schon einen Namen?

Mittlerweile hat auch dieses Krankheitsbild einen Namen: unter dem Akronym „EVALI“ – das steht für "e-cigarette, or vaping, product use associated lung injury" - beschreibt man mit Vaping assoziierte Lungenerkrankungen. Die Krankheit wird aktuell über Ausschlussdiagnose festgestellt: Im Gegensatz zu einer „normalen“ Lungenentzündung, die durch Bakterien und Viren verursacht wird, handelt es sich hier um eine unklare Lungenerkrankung, die assoziiert ist mit E-Zigaretten-Konsum. Ich möchte aber betonen: Diese Aussage schließt natürlich auch E-Shishas ein, die häufig in Clubs konsumiert werden. Die Inhaltsstoffe sind ähnlich. Besorgniserregend ist zudem, dass die meisten schwer an EVALI erkrankten Patienten junge Menschen sind: das mediane Alter liegt bei 24 Jahren!

Ist bekannt, ob man durch den Konsum von E-Zigaretten Asthma bronchiale entwickeln kann?

Bisher zu diesem Thema veröffentlichte Studien gehen in der Mehrzahl von einer schädlichen Wirkung aus, was nicht weiter verwundert: Patienten mit Asthma sind eine Risikogruppe, was die Inhalation von Reizstoffen angeht. Allein aus dieser Tatsache heraus wird dieser Gruppe natürlich besonders von E-Zigaretten abgeraten. Das bezieht sich natürlich auch auf Passivrauchen!

Hat man auch einen Zusammenhang zwischen E-Zigaretten-Konsum, E-Shishas und der Entstehung von Lungenkrebs festgestellt?

Zum Zusammenhang zwischen E-Zigaretten-Konsum, E-Shishas und der Entstehung von Lungenkrebs kann man noch keine Aussage treffen. Natürlich wissen wir heute noch nicht, welche Folgen beim Rauchen von E-Zigaretten in zehn Jahren auftreten könnten. Das ist ähnlich wie beim Asbest, dessen lungenschädigende Wirkung auch erst nach Jahren offenbar wurde: Asbest wurde ja bis 1989 beispielsweise in Fertighäusern verwendet und Asbest hatte viele Vorteile: Es dämmte gut und daher musste man nicht so viel heizen. Erst seit den 2000ern sieht man in den Lungenkliniken mehr und mehr Patienten mit Asbestosen – mit Lungenkrebs und anderen schweren Lungenerkrankungen, die auf Asbest zurückzuführen sind. Und die Häufigkeit nimmt zunächst auch weiter zu.

Neue Studie!

Dann kann man wohl sagen, dass der Konsum von E-Zigaretten für Allergiker und Asthmatiker ähnlich ungesund ist wie der Konsum normaler Zigaretten?

Absolut. Die Lunge wird durch das Rauchen von E-Shishas und E-Zigaretten ja gereizt. Und bei einigen Kindern wurden Umbauvorgänge im Lungengewebe beobachtet – alles verursacht durch die Inhaltsstoffe der E-Zigaretten. Nikotin selbst ist zwar nicht krebserregend. Aber eine Tabak-Zigarette enthält bis zu 1000 andere Inhaltsstoffe, die dem Raucher schaden können. Bei einer E-Zigarette sind es zwar weniger Schadstoffe, aber auch hier sind Chemikalien wie Propylenglycol enthalten. Man hat im Dampf von E-Zigaretten auch krebserregende Stoffe wie zum Beispiel Formaldehyd nachgewiesen. Formaldehyd ist ja ebenfalls krebserregend. Oft sind die Inhaltsstoffe von Liquids fürs Dampfen aber gar nicht bekannt. Dampfen ist also durchaus nicht gesünder als Rauchen.

Wieso kennt man die Inhaltsstoffe der Liquids für das Dampfen von E-Zigaretten oder E-Shishas nicht?

Das liegt daran, dass viele E-Zigaretten-Raucher Liquids im Internet kaufen, zum Beispiel hergestellt in China. Dann ist nicht nachvollziehbar, ob in diesen Nachahmerprodukten schädliche Acrylate oder andere Aromen enthalten sind, die dem Konsumenten schaden könnten und die möglicherweise sogar krebserregend sind. Das ist eine große Gefahr, denn gerade junge Leute kaufen ja gerne im Internet. Auch die gehört zu den schädlichen Auswirkungen von E-Zigaretten.

Aber grundsätzlich muss man sagen: Für die E-Zigaretten gibt es noch keine so belastbaren Daten wie bei den Tabak-Zigaretten. Bei normalen Zigaretten weiß man, dass das Risiko für Lungenkrebs je nach Menge des konsumierten Zigaretten um das x-fache steigt.

Gibt es bekannte Allergien gegen die gegen die Liquid-Inhaltsstoffe einer E-Zigarette oder E-Shisha?

Tatsächlich wurden schon Überempfindlichkeitsreaktionen beschrieben, die eher nach dem Muster von Arzneimittelunverträglichkeiten auftraten.

Wenn werdende Mütter Rauchen kann dies das Allergierisiko beim Kind steigern, was weiß man hierzu in Bezug auf die E-Zigaretten und E-Shishas?

Für eine Aussage hierzu ist es noch zu früh. Es gibt noch keine verlässlichen Daten oder Studien zum Einfluss vom Dampfen der Mutter auf das Allergiepotential beim Kind. Schwierig wird die Untersuchung dieser Fragestellung auch dadurch, dass viele werdende Mütter, die E-Zigaretten rauchen, auch normale Zigaretten konsumieren. Die ganz klare Präventionsempfehlung der Allergologen und Kinderallergologen, die auch in der S3-Leitline enthalten ist, lautet: Generell nicht Rauchen während der Schwangerschaft!

Anzeige

Die Einschätzung vieler Jugendlicher, dass Dampfe gesünder ist als Rauchen, ist also falsch?

Definitiv! Ich möchte nochmal betonen, dass die E-Zigarette häufig einen Einstieg in die Abhängigkeit darstellt, und zwar vor allem durch ihre psychologische Wirkung. Wenn man glaubt: „E-Zigaretten sind ja nicht so schlimm“ wird man mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann zu Tabak-Zigaretten übergehen oder andere Süchte entwickeln. Und gerade, wenn Kinder und Jugendliche „dampfen“, sind den E-Zigaretten oft Hanfpräparate, also Cannabis, beigemischt. Deren Wirkung kann man aufgrund dieser speziellen Darreichungsform noch gar nicht richtig einschätzen.

Gilt das allgemeine Rauchverbot im öffentlichen Raum eigentlich auch für’s Dampfen von E-Shishas und E-Zigaretten?

Mit der Umsetzung des Nichtraucherschutzgesetzes hatten wir seit 2009 schon ganz viel erreicht. In Anbetracht der „Konsumwelle“ der E-Zigaretten und E-Shishas sehe ich jedoch die große Gefahr, dass wir das „Rad“ damit ein bisschen „zurückdrehen“. Erfreulich ist somit die Anpassung des Tabakwerbeverbotes, nach dem bereits jetzt Aussenwerbung für herkömmliche Zigaretten größtenteils verboten ist. Dies wird ab 2023 auch auf elektronische Zigaretten ausgeweitet.

Herr Dr. Utz, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:


1) Jennifer E. Layden, M.D., Ph.D., Isaac Ghinai, M.B., B.S., Ian Pray, Ph.D., Anne Kimball, M.D., Mark Layer, M.D., Mark Tenforde, M.D., Ph.D., Livia Navon, M.S., Brooke Hoots, Ph.D., Phillip P. Salvatore, Ph.D., Megan Elderbrook, M.P.H., Thomas Haupt, M.S., Jeffrey Kanne, M.D., et al., Pulmonary Illness Related to E-Cigarette Use in Illinois and Wisconsin — Preliminary Report, NEJM, September 6, 2019

DOI: 10.1056/NEJMoa1911614 https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1911614

2) Siegel DA, Jatlaoui TC, Koumans EH, et al. Update: Interim Guidance for Health Care Providers Evaluating and Caring for Patients with Suspected E-cigarette, or Vaping, Product Use Associated Lung Injury — United States, October 2019. MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2019;68:919–927. DOI: http://dx.doi.org/10.15585/mmwr.mm6841e3external icon

3) Outbreak of Lung Injury Associated with the Use of E-Cigarette, or Vaping, Products | Electronic Cigarettes | Smoking & Tobacco Use | CDC , accessed Sept 03, 2022

4) Qiu J, Barnes S, Wijesinghe R, Limaye S, Reddel SW. Vaping and e-cigarettes: a life-threatening hypersensitivity reaction. Intern Med J. 2020 Oct;50(10):1294-1295. doi: 10.1111/imj.15027. PMID: 33111412. 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.