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Allergie Cannabis Berufsallergie

Allergie auf Cannabis: Eine neue Berufsallergie?

Allergie auf Cannabis: Eine neue Berufsallergie?

Ja, es gibt sie tatsächlich: Die Allergie auf Cannabis, auch als Berufsallergie. Cannabis ist als psychoaktive Droge bekannt, verschiedene Cannabisprodukte kommen aber auch zunehmend für medizinische Zwecke und in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz. Obwohl Handel, Anbau und Besitz von Cannabis laut Betäubungsmittelgesetz in Deutschland verboten sind, ist es der Konsum nicht. Doch dass es nach dem Konsum auch zu allergischen Reaktionen oder allergieähnlichen Symptomen kommen kann, wissen viele nicht.

 

Autor: Dr. med. Anna Eger

Allergie auf Cannabis: Wie häufig ist das?

Experten gehen von ca. 600.000 Cannabis-konsumierenden deutschen Erwachsenen aus. Wie hoch die Rate an allergischen Reaktionen ist, ist noch unklar. Jedoch gab es in den letzten Jahren immer häufiger Allergien die durch den Umgang mit Cannabis ausgelöst wurden. Exakte Zahlen existieren hierüber noch nicht. Alarmierend ist jedoch vor allem, dass nicht nur Cannabiskonsumenten oder Passivraucher von Allergien gegen Cannabis betroffen sind, sondern auch die zahlreichen in dieser aufstrebenden Branche beschäftigten Arbeiter, das heißt die, die Cannabispflanzen anbauen und auf vielfältige Art und Weise verarbeiten. Und das sind nicht wenige! Schon 2021 werden wohl nach aktuellen Schätzungen alleine in den USA ca. 300.000 Arbeitnehmer in der Branche beschäftigt sein.

Allergie auf Cannabis: Gibt es Risikopatienten?

Als besonders gefährdet, eine Allergie auf Cannabis zu entwickeln, gelten Asthmatiker und Atopiker, das sind Menschen mit einer genetisch festgelegten erhöhten Allergiebereitschaft, ohne vorherige Exposition. Aber auch solche Menschen, die bereits gegenüber anderen Allergenen sensibilisiert sind, tragen ein höheres Risiko für eine Allergie auf Cannabis. Das bedeutet, dass Personen, die bereits andere Allergien haben, wie beispielsweise auf Äpfel, Feigen, Pfeffer, Mandeln, Auberginen, Tomaten, Pfirsiche, etc. ein deutlich erhöhtes Risiko für Überempfindlichkeitsreaktionen haben.

Allergie auf Cannabis: Wie sehen die Symptome aus?

Bei der inhalativen Exposition gegenüber Cannabis (sei es beruflicher oder privater Natur, medizinischer oder nichtmedizinischer Art) beobachtet man in erster Linie eine reizende Wirkung auf die Atemwege. Dies äußert sich durch:

  • Rhinitis (Fließschnupfen)      
  • Konjunktivitis (Anschwellen, Rötung der Bindehäute und vermehrter Tränenfluss)
  • Husten
  • Keuchen
  • Atemnot
  • Verschlimmerung eines bestehenden Asthmas
  • Anaphylaktischer Schock

Beim direkten Umgang mit Cannabis im Rahmen der Verarbeitung können folgende Symptome beim Anwender auftreten:

  • Kontakturtikaria (Quaddeln im Bereich der Kontaktareale)
  • Ausschlag, Pusteln
  • Angioödeme (Schwellung der Haut, Unterhaut und/ oder Schleimhaut)

Sowohl die Dauer, als auch die qualitative Natur der Exposition spielen dabei eine Rolle auf das Ausmaß der Reaktion.

Allergie auf Cannabis: Welche Berufe sind gefährdet?

Die Cannabis-Industrie ist eine aufstrebende Branche, in der eine zunehmende Zahl an Mitarbeitern beschäftigt wird. Die Cannabispflanze ist sehr vielfältig einsetzbar: Die Hanffasern der Cannabispflanze kommen unter anderem in der Herstellung von hochwertigen Papieren, Textilien, Bau- und Dämmstoffen zur Anwendung. Auch Taue oder Verbandsstoffe können daraus produziert werden. Hanföl kann in der Nahrungsmittelindustrie und als Brennstoff genutzt werden. Zu den Beschäftigten zählen demnach nicht nur die Züchter von medizinischem Cannabis, sondern auch Land- und Getreideanbauer; Mitarbeiter in der Futtermittel-, Lebensmittel- und Ölproduktion, aber auch Beschäftigte in der Faserverarbeitung für Textilien, in der Papierherstellung und in der Baustoff-Industrie. Arbeiter in der Biokraftstoff- und Bauindustrie sind ebenfalls in unterschiedlichem Ausmaß der Cannabisexposition ausgesetzt. Vereinzelt wurden auch allergische Symptome auf Cannabis bei Mitarbeitern von Strafverfolgungsbehörden, Polizeibeamten und forensischen Labormitarbeitern beschrieben. Nicht zuletzt sind noch die Freizeit-Marihuana-Farmarbeiter zu nennen.

Allergie auf Cannabis: Welche Allergene sind relevant?

In der Cannabispflanze sind über 600 verschiedene Verbindungen enthalten, unter anderem Phytocannabinoide und perpenophenolische Pflanzenmetaboliten. Es stellt jedoch eine Herausforderung dar, den Beitrag der einzelnen Komponenten zu Allergiesymptomen herauszukristallisieren. Dies ist Gegenstand verschiedener aktueller Forschungsbemühungen.

Die psychoaktive Komponente des Cannabis, THC (Tetrahydrocannabinol), wird von epidermalen Anhängseln an Blüten, Blättern und Hochblättern weiblicher Pflanzen, sogenannten Trichomen, produziert, die Blüten selbst enthalten kein THC.

In und an der Pflanze sowie deren Samen sind zahlreiche potentiell allergene Substanzen vorhanden, beispielsweise organische Stäube, Endotoxine und Pilze. Als Hauptursache für allergische Reaktionen auf Cannabis wird das Lipidtransferprotein Can S3 angesehen, ebenso als Vermittler anderer kreuzreaktiver Allergien.

Allergie auf Cannabis: Wo verstecken sich die Allergene?

Cannabis wird je nach Sorte, Anbaugebiet und Wuchsform entweder manuell von Hand (medizinisches oder Freizeit-Cannabis) oder maschinell mit beispielsweise Mähdreschern (Hanf) geerntet. Bei der Ernte und der Verarbeitung sind die Arbeiter durch Inhalation oder Kontakt mit unter anderem den organischen Stäuben, Bioaerosolen, flüchtigen organischen Verbindungen und ätherischen Ölen ausgesetzt.

Cannabispollen werden auch als potentielles Allergen mit Bedeutung für die öffentliche Gesundheit angesehen, da die Pollen sehr leicht sind und durch Wind weit über das Land verbreitet werden können. Pollen, Öle und Blätter lösen im Körper immunvermittelte allergische Reaktionen mit den bereits genannten Symptomen aus.

Vorsicht – auch in verschiedenen Lebensmitteln befinden sich inzwischen Hanfsamen, wie zum Beispiel in Öl, Brotaufstrichen oder Schokoriegeln. Deshalb sollten Menschen mit Allergien lieber auf deren Verzehr verzichten.

Allergie auf Cannabis: Wie sieht die Diagnose aus?

Es ist nicht trivial, objektive diagnostische Methoden zu finden, die imstande sind, „echte“ Cannabisallergien von unspezifischen Reaktionen und Reizungen zu unterscheiden. Hierzu laufen verschiedene Forschungen mit dem Ziel, das Spektrum und die Prävalenz der beruflichen Cannabisallergien zu verbessern. Prinzipiell kommen bei der Diagnostik von Allergien, auch der Allergie auf Cannabis, sogenannte Pricktests zur Anwendung. Hierbei werden die Stoffe mit dem potentiellen Allergen in flüssiger Form auf die Haut – in der Regel den Unterarm – eines Patienten aufgetragen und dann mit einer kleinen Lanzette angestochen. Der Arzt überprüft nach einer gewissen Zeit, ob sich allergische Symptome an der Einstichstelle, zum Beispiel Rötung, Quaddeln oder Juckreiz, oder sonst irgendwo am Körper entwickeln. Die Tests, die bisher verfügbar sind, befinden sich noch im Anfangsstadium der Entwicklung und erfassen möglicherweise nicht alle in Cannabis vorhandenen Allergene. Grundlagenforscher und Kliniker beschäftigen sich deshalb mit der Entwicklung sensibler und spezifischer diagnostischer Instrumente, um allergische Sensibilisierung gegen Cannabis von Arbeitnehmern zeitnah objektiv nachweisen zu können.

Allergie auf Cannabis: Wie sieht die Therapie aus?

Eine wirkliche standardisierte Therapie bei Cannabisallergie gibt es bisher nicht. Hyposensibilisierungen, wie sie bei anderen Allergien mitunter durchgeführt werden, sind bei Cannabisallergie kein Standard und werden nur selten durchgeführt. Im Falle einer akuten allergischen Reaktion oder Anaphylaxie sind entsprechende notfallmedizinische Maßnahmen durch einen Arzt erforderlich.

Allergie auf Cannabis: Kann man vorbeugen?

Die einzige Möglichkeit, einer allergischen Reaktion bei entsprechender allergischer Prädisposition vorzubeugen ist die Allergenkarenz, d.h. das konsequente Meiden des Cannabis-Allergens. Findet die Cannabisverwendung im Rahmen medizinischer und nicht-medizinischer Zwecke statt, können hier allergische Reaktionen verhindert werden, indem die freiwillige Exposition gegenüber Cannabis und seinen Derivaten eingestellt wird.

Bei berufsbedingter Exposition ist das schon schwieriger. Um die Arbeitnehmer zu schützen, ist es deshalb notwendig verschiedene arbeitsschutztechnische Maßnahmen einzuführen. Beispiele hierfür sind eine geeignete persönliche Schutzausrüstung und technische Kontrollen. Um spezifische Expositionsrisiken zu erweitern, ist es wichtig, dass das Verständnis über Cannabisanbau, -verarbeitung und Produktentwicklung erweitert wird. Die Forschungen hierzu sind in vollem Gange.

Quellen:

  1. https://academic.oup.com/annweh/article/64/7/679/5823930?login=true
  2. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S2213219820309417
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6237171/
  4. http://www.lexikon.wohnen.de/hanf/ 

 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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