Zehn Regionen Erbgut Neurodermitis

Dr. Marie Standl vom Helmholtz Zentrum München

Neurodermitis - Gene – Umwelt – Lifestyle? Neues aus der Forschung!

In der weltweit größten genetischen Studie zu Neurodermitis hat ein internationales Forscherteam 350.000 Studienteilnehmer untersucht.1) Dabei konnten zehn Regionen im menschlichen Erbgut identifiziert werden, deren Veränderungen das Risiko, Neurodermitis zu entwickeln, signifikant erhöhen. Ein Wissenschaftlerteam des HelmholtzZentrumsMünchen und des ExzellenzclustersEntzündungsforschung“ war maßgeblich an dieser Studie beteiligt. MeinAllergiePortal sprach mit Co-Erstautorin Dr. Marie Standl vom Helmholtz Zentrum München über ihre Studienerkenntnisse zum Zusammenhang von Neurodermitis und Genen, deren Bedeutung für die Prävention und Behandlung von Neurodermitis.


Frau Dr. Standl, Ihre Studie zu Neurodermitis und Genen hat ergeben, dass es so etwas wie „eine vererbte Anfälligkeit für Entzündungserkrankungen“ gibt, welche Erkrankungen sind dies konkret?

Wir haben geprüft, ob die Genregion, die wir im Zusammenhang mit Neurodermitis identifizieren konnten, in der Vergangenheit bereits mit anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht wurde. Dabei haben wir uns auf Autoimmun- und Entzündungserkrankungen, unter anderem chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Psoriasis (Schuppenflechte), multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis oder Typ-1 Diabetes, konzentriert. Die Genregionen, die im Zusammenhang mit diesen Erkrankungen berichtet wurden, waren auch häufiger als erwartet für Neurodermitis relevant. Dies ist vor allem daher interessant, da bisher davon ausgegangen wurde, dass diesen Krankheiten andere immunologischen Mechanismen zu Grunde liegen. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass es hier eine größere Überschneidung gibt als bisher angenommen.

Neurodermitis tritt aber nicht unbedingt gemeinsam mit anderen Entzündungserkrankungen auf, sondern es ist davon auszugehen, dass manche Menschen generell anfälliger für Entzündungserkrankungen sind. In Kombination mit anderen genetischen Faktoren oder Umweltbedingungen kann sich dann Neurodermitis entwickeln.

Gibt es in Bezug auf die Anfälligkeit unterschiedliche Gewichtungen bei den einzelnen Erkrankungen bzw. welches Ranking nimmt die Neurodermitis ein?

Da wir die Ergebnisse bereits veröffentlichter Studien für diesen Vergleich verwendet haben und nicht alle Informationen für unsere Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer verfügbar waren, ist es nicht möglich die verschiedenen Entzündungserkrankungen im Einzelfall zu berücksichtigen und daher kann das Erkrankungsrisiko nicht genau festgestellt werden. Da wir aber einige Gene identifizieren konnten, die in diesem Zusammenhang relevant sind, kann dies in weiteren Studien genauer untersucht werden.

In Ihrer internationalen Studie zu Neurodermitis und Genen haben Sie auch Unterschiede zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen gesehen – was genau konnten Sie finden?

Die Analyse umfasste Teilnehmerinnen und Teilnehmern europäischer, asiatischer, afroamerikanischer und lateinamerikanischer Herkunft, wodurch die Ergebnisse in den verschiedenen Gruppen verglichen werden konnten. Dabei zeigten sich einige Gene, die nur in einzelnen ethnischen Gruppen eine Rolle spielen und beispielsweise nur für Personen asiatischer Herkunft und nicht für Personen europäischer Herkunft relevant sind. Grundsätzlich unterscheidet sich die Genetik zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen, und damit auch die Erkrankungshäufigkeit und –ursachen. Es gibt allerdings auch große Unterschiede in den Umweltbedingungen und Lebensgewohnheiten, deren Effekt, auch in Abhängigkeit von der Genetik, die Entstehung von Neurodermitis beeinflussen kann.

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