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Mutter-Kind-Kur Kinder Neurodermitis

Dr. Wolfgang Franck: Hilft eine Mutter-Kind-Kur Kindern mit Neurodermitis? Bildquelle: W. Franck

Wie hilft eine Mutter-Kind-Kur Kindern mit Neurodermitis?

Neurodermitis oder auch "atopische Dermatitis" ist eine Krankheit, die den Alltag von betroffenen Kindern und ihren Familien stark beeinträchtigen kann. Der Juckreiz und die entzündlichen Hautveränderungen sind gerade für Kinder schwer zu ertragen. Oft leidet dann die ganze Familie mit. Das wichtigste Ziel bei der Behandlung von Neurodermitis ist es, Kindern und Eltern einen möglichst beschwerdefreien Alltag zu ermöglichen. Unter bestimmten Umständen ist eine Reha-Maßnahme, eine Mutter-Kind-Kur, in einer spezialisierten Klinik ein guter Weg, dieses Ziel zu erreichen. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Wolfgang Franck, Leitender Arzt an der Hochgebirgsklinik in Davos (Schweiz).

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Dr. Wolfgang Franck

Herr Dr. Franck, was versteht man bei der Neurodermitis-Reha unter einer Mutter-Kind-Kur?

Bei einer Rehabilitations Maßnahme steht der betroffene Patient im Fokus. Wir betreuen jüngere Kinder mit einer Begleitperson, Mutter oder Vater, in unserem Bereich der sogenannten "Kind-Eltern-Rehabilitation". Jugendliche wohnen in einer Gruppe Altersgleicher, ein Aufnahme- und Entlassungsgespräch erfolgt nach Möglichkeit mit den Eltern zusammen.

Bei jüngeren Patienten ist es elementar, sowohl die Patienten als auch ihr soziales Umfeld in die Behandlung einzubinden. Gegen Ende der Maßnahme rückt der Blick mehr und mehr in Richtung Zukunft. Geklärt wird, inwieweit Dinge heimatnah fortgeführt werden müssen, wenn ja in welcher Intensität und welche Hilfestellungen gegebenenfalls notwendig sind.

Bei einer Mutter-Kind-Kur steht meist die Mutter mit ihren Sorgen, Belastungen und Problemen im Fokus und erst in zweiter Linie ist das Kind im Blick.

Wir empfehlen bei deutlich betroffenem Kind klar eine Kinder-Rehabilitation, je nach Alter mit oder ohne Begleitperson.

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Wann hilft Kindern mit Neurodermitis ein Aufenthalt in einer Rehaklinik?

Sinnvoll ist eine stationäre Rehabilitations-Maßnahme bei Neurodermitis, wenn die vielfältigen gesundheitlichen und psychosozialen Beeinträchtigungen, die die Erkrankung für Kinder und Jugendliche mit sich bringen kann, ambulant nicht mehr bewältigt werden können. Hierzu zählt eine mangelnde Besserung des Hautzustandes unter ambulanter Therapie, ein quälender Juckreiz, der durch bisherige Maßnahmen nicht beherrschbar ist, sowie eine deutliche Verminderung der Lebensqualität z.B. durch eine Störung des nächtlichen Schlafes.

Welche Klinik ist die beste für eine Mutter Kind-Kur bzw. Neurodermitis-Reha beim Kind?

Kliniken sollten gute Erfahrung mit einer interdisziplinären Behandlung der Neurodermitis haben, das heißt, verschiedene Disziplinen wie Medizin, Pflege, Psychologie, Sporttherapie, Ernährungstherapie und weitere Disziplinen arbeiten eng abgestimmt zusammen. Die Therapie sollte vor dem Hintergrund der aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften für die Behandlung der Neurodermitis erfolgen, weiter sollte eine Patienten- und Begleitpersonenschulung Standard sein.

Ob der Ort der Rehabilitation zum Erfolg beiträgt, gilt es auszuprobieren. Hier kann es keine allgemeingültige Empfehlung geben. Eventuell profitiert ein Teil der Patienten von See- oder Bergklima, sämtliche Kliniken liegen in Regionen abseits von Großstädten.

Wann ist die beste Zeit für eine Reha oder Neurodermitis-Kur?

Rehakliniken stellen das ganze Jahr über ein Angebot und es gibt keine Jahreszeiten, die besser oder schlechter geeignet sind. Je nach Jahreszeit variieren selbstverständlich die Outdoor Möglichkeiten. Wenn saisonal Pollen eine große Rolle spielen, kann man versuchen, mit einer geeigneten Wahl des Ortes oder der Zeit die Exposition zu verringern.

Das Ziel einer Rehabilitation ist es jedoch, die Therapie so einzustellen, dass der Patient auch in der Zeit größerer Belastung bestehen kann. Dies entfällt möglicherweise, wenn die Rehabilitation an einem pollenarmen Ort durchgeführt wird.

In Bezug auf das Alter gibt es generell keine Grenzen. In der Regel ist eine Rehabilitation, etwa ab dem Alter von einem Jahr, sinnvoll. Unter einem Jahr, also für ein Baby ist die Beteiligung an Gruppenangeboten limitiert. Eventuell bieten bestimmte Einrichtung auch ein Programm für Begleitpersonen mit Säuglingen an.

Wird eine Mutter-Kind-Kur bei Neurodermitis von der Krankenkasse bezahlt oder durchgeführt?

Grundsätzlich kann eine Mutter-Kind-Kur bei Neurodermitis über die Rentenversicherung oder über die Krankenkasse beantragen. Die Beantragung übernehmen Eltern zusammen mit ihrem Arzt. Kinder und Jugendliche erhalten in der Regel eine Rehabilitations-Leistung über ihre versicherten Eltern. Ein Teil der Antragsformulare muss von den Eltern ausgefüllt werden, ein Teil von dem Arzt.

Antragsformulare bekommt man von der Rentenversicherung oder im Internet über den Suchbegriff "Anträge Kinderreha" - dann entsprechende Formulare wählen.

Alternativ kann die Rehabilitation auch über die Krankenkasse durchgeführt werden, hier sind entsprechende Formulare bei der Krankenkasse erhältlich.

Hat der Patient Einfluss auf die Auswahl der Reha bei Neurodermitis?

Patient und Eltern haben ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Einrichtung. Wir empfehlen, die Wunscheinrichtung bereits bei Antragstellung mit anzugeben. Allerdings ist die Belegung von Häusern teilweise auf bestimmte Kostenträger limitiert.

Was passiert bei einer Neurodermitis-Kur oder Reha beim Kind? Was sind die Vorteile?

In einer Mutter-Kind-Kur für Neurodermitis besteht die Möglichkeit, sich interdisziplinär, d.h. in Zusammenarbeit verschiedenster Fachdisziplinen, intensiv um den Patienten und seine Familie zu kümmern. Neben Ärzten und Krankenschwestern sind hier ggf. auch Oecotrophologen, d.h. Ernährungsberater, sowie Neurodermitis-Trainer, Entspannungs-Trainer und Psychologen involviert. Dadurch, dass wir die Patienten und Familien hier vor Ort begleiten, kann sehr viel intensiver mit dem Patienten gearbeitet, die Haut beobachtet und können Veränderungen der Therapie sozusagen "hautnah" verfolgt werden.

Auch ist es sehr viel einfacher möglich, eine erweiterte Diagnostik - u.a. Allergiediagnostik sowie auch gezielte Eliminationsdiät, d.h. Weglassen bestimmter Nahrungsmittel mit nachfolgend strukturierter Nahrungsmittelprovokation - durchzuführen. Dies ist in einem ambulanten Rahmen meist nur sehr eingeschränkt bzw. gar nicht möglich.

Zum Teil sehen wir Patienten, die über die Jahre eine komplexe - nicht immer sinnvolle - Diät entwickelt haben. Dies kann unter Umständen die Gefahr einer Fehlernährung bedeuten, wenn entscheidende Nahrungsmittel im Speiseplan fehlen.

Darüber hinaus stehen bei einer Reha-Maßnahme für Kinder mit Neurodermitis auch die psychischen Aspekte im Fokus.

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Warum ist das Thema „Psyche“ wichtig bei der Reha für Kinder mit Neurodermitis?

Emotionen und Psyche können als Schubfaktoren eine Rolle spielen. Unser Leben ist nicht frei von Emotionen. Auf der einen Seite kann so Stress das Hautbild verschlechtern, auf der anderen Seite reagiert bei einer schlechten Haut oft sekundär auch die Psyche mit.

Es gilt Patienten bzw. Familien so zu stabilisieren, dass sie Krisensituationen adäquat verarbeiten können. In den Schulungen lernen Patienten bzw. Familien auch dieses.

Insbesondere das Thema Jucken und Kratzen spielt eine große Rolle, Betroffene lernen sogenannte "Kratz-Alternativen" kennen. Auch Entspannungstechniken können hier eine wertvolle Hilfe sein.

Eine über längere Zeit deutlich entzündete Haut führt nicht selten zu einem chronischen Juckreiz, der neben einer verminderten Lebensqualität auch Probleme im sozialen Zusammenleben nach sich ziehen kann. Auch erleben wir nicht selten eine Ausgrenzung wegen auffälliger Ekzeme.

Weiter unterstützen wir die Arbeit an einem positiven Selbstbild und gesunden Selbstbewusstsein.

Wie lange dauert eine Reha bei Neurodermitis und was passiert konkret?

Eine Rehabilitations-Maßnahme bei Neurodermitis dauert im Kindesalter minimal 4 Wochen, im Jugendbereich oft 6 Wochen, gegebenenfalls auch länger.

Zu Beginn der Maßnahme steht meist eine Überprüfung der bisherigen Therapie sowie gegebenenfalls eine erweiterte medizinische Diagnostik. Bei Bedarf fällt die Entscheidung zur Einführung einer sogenannten Eliminationsdiät, wobei aus dem Speiseplan bestimmte Nahrungsmittel weggelassen werden. Parallel dazu erfolgt eine Optimierung der Externa-Therapie, d.h. der Therapie mit Cremes und Salben.

Vom ersten Tag an geht es darum, Patienten bzw. Eltern einen besseren Umgang mit einer oft chronischen Erkrankung zu vermitteln. Neben dem Erlernen einer stadiengerechten Therapie der Haut sowie passender Körperpflege, geht es um einen angemessenen Umgang mit dem Juckreiz. Ziel ist es, das Selbstmanagement so zu stärken, dass der Umgang mit der Erkrankung zu Hause sich auch nachhaltig verbessert.

Herr Dr. Franck, herzlichen Dank für das Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.