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Neurodermitis Fragen Antworten

Neurodermitis: Was ist das? 15 Fragen und Antworten!

Neurodermitis: Was ist das? 15 Fragen und Antworten!

Neurodermitis ist keine seltene Krankheit: Immerhin 10 bis 20 Prozent aller Kinder in Deutschland leiden unter den juckenden Ekzemen, im Erwachsenenalter sind es noch bis zu 5 Prozent. Leider gibt es gegen Neurodermitis nicht „die eine“ Pille. Umso wichtiger ist es, dass Betroffene genau wissen, was hinter ihrer Erkrankung steckt und welche Trigger die Erkrankung verschlimmern. Antworten auf die 15 wichtigsten Fragen rund um die Neurodermitis gibt es hier.

Autor: Dr. med. Miriam Hagemeyer

Neurodermitis: Was ist die Ursache?

Neurodermitis ist in gewissem Maß eine genetisch bedingte Krankheit, d.h. eine Neurodermitis wird häufig vererbt. Betroffene tragen damit die genetische Anlage zur Entwicklung einer Neurodermitis in ihren Körperzellen. Die Neurodermitis-Gene schwächen die Schutzfunktion der Haut, da sie bestimmte Proteine der Haut nicht bilden. Weil die Neurodermitis aber immer häufiger wird, vermuten Wissenschaftler, dass auch eine übertriebene Hygiene oder andere Umwelteinflüsse für die Neurodermitis verantwortlich sein könnten. Übrigens: Nicht bei jedem Menschen mit entsprechender Veranlagung tritt die Neurodermitis auch auf. Erst Trigger-Faktoren sorgen dafür, dass es zu akuten Neurodermitis-Schüben kommt. Zu den häufigsten Triggern zählen Allergene, Nahrungsmittel oder Stress.

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Neurodermitis: Ist das eine Immunschwäche?

Ganz im Gegenteil: Bei dem häufigsten Neurodermitis-Typ (=extrinsisches atopisches Ekzem) reagiert das Immunsystem zu stark auf eigentlich harmlose Reize. Kommt ein Neurodermitiker in Kontakt mit einem Allergen wie z. B. Tierhaaren, bilden sich im Vergleich zum Gesunden zu viele IgE-Antikörper aus. Diese Antikörper sorgen wiederum dafür, dass zu viele entzündungsfördernder Botenstoffe ausgeschüttet werden, z. B. Histamin. Die Folge sind die typischen Ekzeme und Juckreiz.

Neurodermitis: Was löst das aus? Trigger?

Trigger für die Neurodermitis gibt es zahlreiche. Allerdings reagiert jeder Neurodermitiker anders und nicht jeder Trigger löst zwangsläufig einen Schub aus.

Typische Trigger sind:

  • Klimafaktoren: Kälte, Trockenheit, hohe Luftfeuchtigkeit
  • Hautirritationen: Schwitzen, Textilien wie Wolle, Schminke oder Hautpflegeprodukte mit Duft- und Konservierungsstoffen
  • Allergien auf Pollen, Milben, Nahrungsmittel oder Tiere
  • Tabakrauch
  • Wasch- und Pflegeprodukte sowie Kosmetika
  • Psychischer Stress
  • Hormonelle Faktoren (Schwangerschaft, Menstruation)

Wichtig: Wer seine eigenen Trigger genau kennt, der kann diese gezielt vermeiden und sich so vor einem Schub schützen.

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Neurodermitis: In welchem Alter bekommt man das?

Bei 60 Prozent aller Patienten mit Neurodermitis treten die Beschwerden schon vor dem ersten Lebensjahr auf. Oft macht sich die Neurodermitis zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat herum bemerkbar – etwa durch Bläschen, Schuppen und Krusten an Wangen und Kopfhaut (Milchschorf). Nur in seltenen Fällen tritt die Neurodermitis erst im Erwachsenenalter auf, z. B. während der Schwangerschaft.

Neurodermitis: Kann sie plötzlich auftreten?

Plötzlich ja, aber in aller Regel nur bis zu einem bestimmten Alter. Meist manifestiert sich eine Neurodermitis spätestens im Jugendalter – bei 60 Prozent der Betroffenen sogar bis zum ersten Lebensjahr. Manchmal verschwindet die Neurodermitis im Jugendalter komplett, um dann im Erwachsenenalter ganz plötzlich wieder aufzuflammen. Manche Experten gehen davon aus, dass der Anteil an erwachsenen Neurodermitis-Patienten unterschätzt ist, weil solche neu auftretenden Ekzeme beispielsweise als atopisches Handekzem fehlgedeutet werden1.

Neurodermitis: Kann sie auch wieder verschwinden?

Ja! Eine im Kindesalter aufgetretene Neurodermitis verschwindet in bis zu 70 Prozent der Fälle bis zum Erwachsenalter. Die trockene Problemhaut und die Veranlagung für atopische Erkrankungen bleiben allerdings oft bestehen. Das heißt, dass Betroffene zwar nicht mehr unter Neurodermitis leiden, ihr Immunsystem aber trotzdem verstärkt auf Allergene reagiert. Oft findet dann ein sogenannter Etagenwechsel statt, das heißt dass die Neurodermitis von der Haut beispielsweise auf die Atemwege wechselt.. Viele Neurodermitiker leiden also unter Heuschnupfen oder Asthma, was auch bleibt, wenn die Hautsymptome verschwunden sind. Übrigens: Verschwindet die Neurodermitis nicht, können die Betroffenen trotzdem auch schubfreie Intervalle haben. In dieser Zeit ist die Haut frei von den juckenden Ekzemen.

Neurodermitis: Wie erkenne ich ob ich Neurodermitis habe?

Meist sind es die Eltern, die eine Neurodermitis als erstes erkennen – denn die Neurodermitis-Erkrankung macht sich in aller Regel bereits bis zum 5. Lebensjahr bemerkbar. Im Säuglingsalter fällt dann der sogenannte Milchschorf auf, also typische gelbliche Schuppen am Kopf. Charakteristisch sind außerdem schubweise auftretende, stark juckende Bläschen und Krusten. In den schubfreien Intervallen ist die Haut oft extrem trocken und schuppig. Manchmal bilden sich auch Hautrisse aus oder die Hautfelderung ist gröber als bei Gesunden. Viele andere Hauterkrankungen haben aber ähnliche Symptome wie eine Neurodermitis. Einen Verdacht sollte man also immer in einer Hautarztpraxis oder beim Kinderarzt abklären.

Neurodermitis: Wie sieht die Haut dann aus?

Je nachdem ob gerade ein Schub vorliegt oder nicht, sieht die Haut bei Neurodermitis unterschiedlich aus. Allgemein ist die Haut sehr trocken und schuppig, häufig auch dicker und gröber. Flammt die Neurodermitis auf, so ist die Haut geschwollen und gerötet. Es entstehen stark juckende Ekzeme, oft mit Bläschen, die erst nässen und dann Krusten bilden.

Neurodermitis: Wann ist sie am schlimmsten?

„Die“ Neurodermitis gibt es nicht – denn die Betroffenen reagieren unterschiedlich stark auf verschiedenste Trigger. Als Faustregel gilt aber, dass Neurodermitiker besonders stark unter trockener Luft leiden. Auch im Winter, wenn die Haut durch die Kälte beansprucht, gleichzeitig aber durch viele Kleidungsschichten am „Atmen“ gehindert wird, verschlimmern sich die Beschwerden oft. Genauso kann aber auch starkes Schwitzen im Sommer die Neurodermitis verschlechtern. Neurodermitiker sollten ihre Symptome also gut beobachten, um herauszufinden, wann und warum „ihre“ Neurodermitis besonders schlimm ist.

Neurodermitis: Was hilft dagegen?

Bei der Behandlung der Neurodermitis sollten sich Ärzte an einem Stufenplan orientieren. Die Therapie hängt dabei von der Schwere der Neurodermitis ab:

  • Stufe 1, trockene Haut: In dieser Stufe sind noch keine Medikamente nötig. Wichtig ist die richtige Basistherapie mit speziell angepassten Hautpflegeprodukten, die die trockene Haut mit Feuchtigkeit versorgen. Außerdem sollten Trigger vermieden oder zumindest reduziert werden.
  • Stufe 2, leichte Ekzeme: In der zweiten Stufe kommen niedrig dosierte Glukokortikosteroide und/oder Calcineurininhibitoren zum Auftragen auf die Haut (Salben, Cremes) zur Basistherapie hinzu. Diese Behandlung wird topische Therapie genannt.
  • Stufe 3, moderate Ekzeme: Die topische Therapie mit Glukokortikosteroiden und/oder Calcineurininhibitoren wird gesteigert.
  • Stufe 4, schwer ausgeprägte, anhaltende Ekzeme oder Ekzeme, die nicht mit den bisherigen Maßnahmen ausreichend behandelbar sind: Reicht die topische Therapie nicht aus, werden zusätzlich systemisch wirkende Medikamente in Form von Tabletten oder Spritzen verordnet. Typische Medikamente sind beispielsweise der Antikörper Dupilumab oder das Immunsuppressivum Ciclosporin. Neu zugelassen wurden gerade die JAK-Inhibitoren Baricitinib und Upadacitinib.

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Neurodermitis: Was muss man beachten?

Wer seine Neurodermitis in den Griff bekommen will, muss sich selbst gut kennen. Die Grundlage der Therapie ist zwar die optimale Pflege der empfindlichen Haut. Darüber hinaus gilt es aber, seine individuellen Trigger zu identifizieren und konsequent zu vermeiden. Bei der Suche nach den Auslösern haben sich Beschwerdetagebücher bewährt, in denen die Symptome genau dokumentiert und sich so mit möglichen Triggern in Verbindung bringen lassen.

Neurodermitis: Welche Basispflege ist die Richtige?

Das A und O in der Basistherapie der Neurodermitis ist die speziell angepasste Hautpflege. Übertriebenes Waschen ist zu vermeiden, da sonst die natürliche Hautbarriere beschädigt wird und die bei Neurodermitis sowieso schon trockene Haut weiter an Feuchtigkeit verliert. Außerdem vertragen Neurodermitiker meist nur milde Pflegeprodukte ohne Duft- und Konservierungsstoffe. Beim Abtrocknen gilt: Statt abrubbeln, nur vorsichtig abtupfen, um die empfindliche Haut nicht zu reizen.

Am besten wird die Haut täglich, oder sogar nach jedem Waschen mit einem rückfettenden oder feuchtigkeitsspendenden Pflegeprodukt eingecremt. Auch dieses enthält bestenfalls keine Duft- und Konservierungsstoffe. Prinzipiell gilt für Neurodermitiker bei der Wahl der Pflegeprodukte: Je weniger Inhaltsstoffe, desto besser. Bewährt haben sich deswegen bei Neurodermitis an den Händen Pflegeprodukte mit Harnstoff (Urea) oder Linolsäure. Harnstoff wirkt feuchtigkeitsbindend, Linolsäure stabilisiert die Hautbarriere und fördert so den Feuchtigkeitserhalt. So lässt sich verhindern, dass die oft stark strapazierte Haut an den Händen wegen der Neurodermitis austrocknet.

Neurodermitis: Welche Lebensmittel sollte man essen?

Für Neurodermitiker gelten die gleichen Ernährungsregeln wie für Gesunde. Das heißt vereinfacht: frisch kochen, statt zu Fertigprodukten zu greifen, viel Obst und Gemüse in den Speiseplan integrieren, Fleisch, Fette und Zucker nur in Maßen verzehren. Nur rund 30 Prozent der Neurodermitiker reagieren auf bestimmte Lebensmittel allergisch.

Auf Nahrungsmittel verzichten sollte man also nur, wenn eine Nahrungsmittelallergie eindeutig diagnostiziert wurde.

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Neurodermitis: Welche Lebensmittel darf man nicht essen?

Jeder Neurodermitiker reagiert auf unterschiedliche Trigger. Lebensmittel zählen bei vielen Neurodermitikern nicht dazu: Nur 33 Prozent aller Neurodermitiker leiden unter einer Lebensmittelallergie. Wer vermutet, dass er ein bestimmtes Lebensmittel nicht verträgt, führt am besten über ca. 4 Wochen ein Nahrungsmittel-Tagebuch. Darin werden alle Nahrungsmittel und Symptome notiert. Die Auswertung erfolgt dann gemeinsam mit dem behandelnden Arzt. Ohne eine solche Diagnose sollte man auf keinen Fall pauschal auf bestimmte Lebensmittel verzichten, weil so das Risiko für eine Mangelernährung steigt.

Wird Neurodermitis jemals heilbar sein?

Neurodermitis ist eine genetisch bedingte Krankheit, für die es im Moment keine Heilung gibt. Aber: Mit der richtigen Therapie kann man die Krankheit gut in den Griff bekommen. Während es früher nur wenige und unspezifische Therapiemöglichkeiten gab, stehen Neurodermitis-Patienten heute neue Medikamente zur Verfügung. Ein besonderes Augenmerk legen die Ärzte dabei auf Antikörper und sogenannte Jak-Inhibitoren. Beide sollen auch bei schweren Neurodermitis-Fällen helfen und die Lebensqualität verbessern.

 

1 https://www.mein-allergie-portal.com/neurodermitis/1012-neurodermitis-typischer-chronischer-krankheitsverlauf-und-triggerfaktoren.html

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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