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Daniela Halm zum Thema: Neurodermitis: Die besten Anti-Juckreiz-Strategien!

Neurodermitis & Kind: Beste Anti-Juckreiz-Strategien

Für viele Eltern von an Neurodermitis erkrankten Kindern steht fest: Der Juckreiz ist das schlimmste Symptom bei Neurodermitis! Was aber ist zu tun, wenn das Kind sich blutig kratzt oder nachts nicht schlafen kann? „Dann müssen Eltern kreativ werden“ – dachte sich Daniela Halm, Mutter einer Tochter, die an Allergien leidet, Medizinjournalistin und Autorin des Mutmacherbuchs „Total allergisch – na und?“ MeinAllergiePortal sprach mit ihr über die besten Anti-Juckreiz-Strategien.

Frau Halm, bei starkem Juckreiz aufgrund von Neurodermitis gibt es klassische Anti-Juckreiz-Strategien, von kühlender Creme und Thermalspray bis zu Kratzalternativen wie den Kratzklotz. Wann ist der Punkt gekommen, dass das nicht ausreicht?

Wenn diese Strategien angewendet werden und den Juckreiz lindern, ist das super. Sie sind auf jeden Fall fester Bestandteil einer Anti-Juckreiz-Strategie und wichtig zu erlernen. Aber der Juckreiz kann so quälend sein, dass das Kind gar keine Technik mehr anwenden mag, weil der Drang zum Kratzen so groß ist. Wird die Haut aufgekratzt, lindert das zwar den Juckreiz, aber leider meist nur kurzfristig, er kommt wieder. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist es wichtig, auf mehreren Ebenen zu arbeiten: Ablenkung und Entspannung können zusätzlich helfen, eine solche Attacke in den Griff zu bekommen. Wenn das alles nicht hilft, sollte man aber auf jeden Fall den Arzt um Rat fragen, dann müssen vielleicht zusätzlich wirkstoffhaltige Cremes oder Medikamente eingesetzt werden.

Wie sind Sie vorgegangen, bei der Suche nach Anti-Juckreiz-Strategien bei Neurodermitis?

Wir kannten einige der Anti-Juckreiz-Strategien aus den Neurodermitis-Patientenschulungen der Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung e.V., kurz AGNES, die ich nur empfehlen kann. Wir haben aber vieles auch einfach ausprobiert, denn oft haben Kinder ganz persönliche Vorlieben, was ihnen in diesen Situationen am besten hilft. Und das gilt es herauszufinden, am besten spielerisch und vor allem, wenn das Kind gerade keinen heftigen Juckreiz hat. Hilft es, wenn ich einen kalten Waschlappen auf die Haut lege oder ist es angenehmer, wenn ich etwas Spucke auf die Haut mache und dann puste?

Die Anti-Juckreiz-Techniken allein reichen manchmal aber nicht, vor allem wenn der Juckreiz stark ist.

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Wie kamen Sie auf die Ideen. die Ihre Tochter bei starkem Juckreiz durch Neurodermitis ablenken?

Wenn der Juckreiz bei der Neurodermitis sehr stark ist, dann können Ablenkung und Entspannung weitere gute Strategien zur Bewältigung der Juckreiz-Krise sein. Einige Ideen hatten wir aus der Neurodermitis-Schulung, weitere Ideen habe ich zusammen mit meiner Tochter überlegt. Sie hat zum Beispiel Tagebuch geschrieben, um Gefühle verarbeiten zu können. Als sie kleiner war, habe ich mit ihr Fantasiereisen oder kleine Entspannungsübungen gemacht oder kindgerechte Meditationstexte vorgelesen. Auch Atemübungen haben ihr gut geholfen. Zur Ablenkung hat sie oft gebacken, sie ist da mittlerweile eine richtige Meisterin 😊. Wir haben einfach versucht herauszufinden, was ihr Spaß macht und was ihr guttut.

Und welche Neurodermitis-tauglichen Anti-Juckreiz-Strategien haben Sie dabei entdeckt?

Wir haben eine Art „Schatzkiste“ für Juckreiz-Krisen zusammengestellt. Darin waren natürlich die klassischen Helfer gegen Juckreiz: ein Igelball, ein Thermalspray, ein Baumwollhandschuh und eine Creme. Aber es waren auch Dinge drin, die ablenken und entspannen, zusätzliche Krisenhelfer sozusagen. Meine Tochter hat ein Familienfoto in die Kiste gepackt, einen glatten kühlen Stein zum Ablenken, ein kleines Witzebuch. Wir haben uns vor allem auf das Positive konzentriert: Was tröstet mich in einer stressigen Situation? Was macht mir Spaß, welches Foto würde ich gerne in die Schatzkiste legen? Was finde ich sogar witzig, worüber kann ich lachen? Danach hat meine Tochter entschieden, was alles in die Kiste kommt.

In den Deckel der Kiste haben wir dann nochmal einen Erinnerungszettel gepackt: mit einer Liste, was bei ihr am besten bei Juckreiz hilft, denn Juckreiz bedeutet Stress und in so einer Situation vergisst man auch mal die besten Strategien…

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Würden Sie sagen, dass so eine „Schatzkiste“ gegen den Juckreiz für viele Kinder passt, oder ist das eher individuell ?

Ich kann mir vorstellen, dass die Schatzkiste für viele Kinder passt. Dennoch sollte jedes Kind individuell entscheiden, was es gerne hineinlegen möchte. Das Kind kann auch für die Kiste schöne Dinge sammeln, sie muss ja nicht direkt gefüllt sein. Man kann die Kiste als „Projekt“ sehen. Und man darf natürlich Dinge austauschen. Vielleicht möchte das Kind nach einiger Zeit ein aktuelles Urlaubsfoto hineinlegen, einen neuen Brief von einer Freundin oder das Geschenk von der Oma. Und natürlich kann man die Kiste auch bunt bemalen oder bekleben.

Wie weiß das Kind, dass der Moment gekommen ist, die Schatzkiste mit den Anti-Juckreiz-Strategien zu aktivieren?

Meine Tochter hatte die Kiste immer griffbereit neben dem Bett stehen, das war auch nachts manchmal eine gute Unterstützung. So konnte sie jederzeit reinschauen und aussuchen, was ihr gerade hilft oder guttut. Die Kinder wissen in der Regel sehr gut über ihre Haut Bescheid und spüren, wann es Zeit ist, etwas gegen den Juckreiz zu tun. Allerdings gelingt es nicht immer, den Juckreiz perfekt zu verhindern, auch nicht mit den besten Strategien oder Techniken. Manchmal ist er so stark oder kommt so überraschend, dass das Kind dennoch kratzt. Rückschläge gehören dazu. Deshalb ist mein Tipp, die Anti-Juckreiz-Strategien und auch die Entspannung zu üben, wenn es dem Kind gutgeht. Dann klappt es auch immer besser in akuten Phasen. Es ist eine Schatzkiste, keine Wunderkiste 😉.

Frau Halm, herzlichen Dank für dieses Interview!