Mastjahr Pollenallergie Heuschnupfen

Prof. Hörmann erklärt, was Mastjahre für Pollenallergiker bedeuten!a

Mastjahr: Was bedeutet das für Pollenallergiker?

Treten Mastjahre nur bei Bäumen auf, oder auch bei Gräsern, Kräutern etc.?

Mastjahr als Begrifflichkeit gibt es nur bei Bäumen mit unregelmäßiger Fruktifikation (Fruchtbildung).
Während dieses Jahr die Birken ein Mastjahr haben, hat sich die Zahl der Gräserpollen kaum geändert.

Wie wirken sich Mastjahre auf Pollenallergiker aus?

Wie bereits erwähnt, steigt aufgrund der hohen Allergenkonzentration in Mastjahren die Zahl Pollenallergiegeplagter.

Ferner kann eine Zunahme der Schwere der Symptome beobachtet werden. So kann es häufiger bei Pollenallergikern zu akuter Atemnot kommen, aufgrund der hohen in der Luft sich befindenden Pollenkonzentration.

Allergikern bereiten so gut wie nur Pollen von Pflanzen Probleme, die vom Wind bestäubt werden, da es nur hierbei zu wirklich hohen Pollenkonzentrationen kommt. Pollen von Koniferen wie Kiefern spielen hier, trotz des hohen Bestandes, keine wesentliche Rolle, da die Pollen hierbei von einer Wachsschicht ummantelt sind, so dass die allergieauslösenden Bestandteile nicht hierdurch hervortreten können.

 


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Welche Pollenallergiker sind besonders betroffen?

Das wohl bedeutendste Baumpollenhauptallergen ist das Bet v1 der Birkenpollen. Ca. 90 Prozent der Birkenpollenallergiker weisen eine Sensibilisierung gegen Bet v1 auf, daher wird dieses auch Majorallergen genannt. In ca. 20 Prozent der Fälle liegt eine Sensibilisierung gegen Bet v2 vor, einem sogenannten Profilin, welches sehr weit verbreitet ist.

Kreuzallergien können zwischen artverwandten Spezies auftreten wie den Fagales, so z.B. bei Birke, Erle, Hasel, Hainbuche, Eiche und Kastanie, aber auch zu entfernten Spezies wie Obst und Gemüse. Sie bilden hier meist über Bet v1–Homologe und Profiline, das heißt Bet v2 Homologe, die sogenannten pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien, was z. B. das orale Allergiesyndrom verursacht, wie z. B. beim Verzehr von Kirschen, Äpfeln, Bananen, Kiwis, Litschis, Nüssen, Paprika, Sellerie, Zucchini, Gewürzen etc..

Kommt es in Mastjahren dann häufiger zum Oralen Allergiesyndrom?

Hier sollte man sich noch einmal vor Augen führen, dass Kreuzallergien entstehen, wenn die Proteinstruktur der Pollen oder anderer Allergieauslöser mit derjenigen in bestimmten Nahrungsmitteln eine sehr starke Ähnlichkeit aufweisen, hier spricht man auch von homolog. Das Immunsystem reagiert dann nicht nur auf das Aeroallergen, sondern auch auf das in bestimmten Nahrungsmitteln enthaltene Allergen. Somit ist das orale Allergie-Syndrom eine Folge der Pollenallergie. Etwa jeder zweite Baumpollenallergiker entwickelt eine Allergie auf Stein– und Kernobst. Während noch vor 15 bis 20 Jahren nur etwa 17 Prozent der Pollinosis (Heuschnupfen) Patienten an einer Nahrungsmittelkreuzallergie litten, sind es heute mehr als 50 Prozent. Es kann durchaus bei steigender Allergenbelastung zu einer Zunahme der Symptomatik und somit auch des oralen Allergie-Syndroms kommen.

Was sollten Pollenallergiker beachten? Gibt es Vorsichtsmaßnahmen?

Wichtig zu wissen ist, dass bei Pollenallergikern bereits der erste Kontakt mit dem kreuzallergieauslösenden Nahrungsmittel ausreicht, um eine allergische Reaktion zu triggern. Diese kann sich von einem oralen Allergie-Syndrom bis bin zu einem anaphylaktischem Schock präsentieren.

Zu den Vorsichtsmaßnahmen zählt natürlich zuallererst eine Reduktion des allergenen Materials, meist ist eine völlige Karenz bei Pollen nicht zu erreichen. Allergiker sollten versuchen, Pollen gar nicht erst ins Haus zu tragen, d.h. Schuhe und Jacken am besten noch vor dem Betreten der Wohnung ausziehen. Die Kleidung sollte man gegebenenfalls direkt wechseln. Duschen und Haare waschen ergänzen diese Präventionsmaßnahmen. Die gewaschenen Kleider sollten nicht draußen getrocknet werden.

Um die lokale Pollenbelastung am Erfolgsorgan Nase zu minimieren, können hier isotonische Kochsalzspülungen erfolgen. Pollenschutzgitter und Staubsauger mit HEPA Filter, sowie feuchtes Wischen der Oberflächen können weiterhin zur Reduktion der Allergenbelastung führen. Eine weitere therapeutische Säule stellt die medikamentöse-/symptomatische Therapie dar mit systemischen und topischen Antihistaminika und Glukokortikoiden, dies verhindert jedoch nicht das Fortschreiten der allergischen Erkrankungen im Sinne einer Polysensibilisierung und eines Etagenwechsels hin zu einem allergischen Asthmas. Bei bekannten Nahrungsmittelkreuzallergien sollte auch gegebenenfalls auf die entsprechenden Lebensmittel verzichtet werden. Hier reicht manchmal auch nur eine Reduktion der Verzehrmenge bereits aus. Weiterhin gilt, dass zum Beispiel trotz einer Apfel Kreuzallergie, bestimmte Sorten vertragen werden können. Eine Zubereitung der Lebensmittel durch Kochen, Erhitzen, Einfrieren etc. kann manche Allergene zerstören, und Nahrungsmittel dadurch verträglich machen. Stress, Alkohol, körperliche Anstrengungen können sich negativ auf die Allergie auswirken. Manchmal lässt sich erst durch bestimmte Summationsfaktoren, wie Stress, Alkohol, NSAR, d.h. Schmerzmittel-Einnahme oder Sport eine allergische Reaktion triggern.

Die wichtigste und einzig kausale Therapie ist jedoch die allergenspezifische Immuntherapie (AIT), diese kann subkutan oder sublingual erfolgen über einen Zeitraum von 3 Jahren.

Prof. Hörmann, herzlichen Dank für dieses Interview!

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