Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Allergie Erlenpollsen Frühblüherallergie

Dr. Norbert Pasch, Hals-Nasen-Ohren Facharzt und Allergologe in Aachen

Allergie gegen Erlen-Pollen – eine typische Frühblüherallergie!

Erlen gehören zu den ersten Bäumen, deren Blütenkätzchen den Frühling ankündigen. Hat man eine Erlenpollenallergie, ist die Freude jedoch nicht ganz so groß, denn die Heuschnupfen-Symptome lassen oft nicht lange auf sich warten. Kommt eine Allergie gegen Erlen-Pollen allein oder ist sie mit anderen Allergien assoziiert? Kann es zu Kreuzallergien kommen? Wie erfolgt die Diagnose und welche Therapie ist wann sinnvoll. Diese Fragen beantwortete Dr. Norbert Pasch,  Hals-Nasen-Ohren Facharzt und Allergologe in Aachen für MeinAllergiePortal.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Dr. Norbert Pasch

Zur Frage der Häufigkeit des Auftretens einer alleinigen Erlenpollenallergie lässt sich leider keine genaue Angabe machen.

Es handelt sich um eine inhalative Typ I-Soforttypallergie auf Erlenpollen. Dabei geht es um die folgenden Erlenarten:  Die  Schwarzerle oder Alnus glutinosa, die Grauerle oder Alnus incana sowie die Grüne Erle oder Alnus viridis. Die Allergenbezeichnung des Erlenallergens lautet Aln g 1. Erlen gehören botanisch zu den Birkengewächsen oder Betulaceae.

Es besteht deshalb eine sehr hohe Ähnlichkeit zwischen Birken-, Erlen-, Hainbuchen-und Eichenpollen. Auch besteht eine große Ähnlichkeit zu Haselpollen.

Die Hauptallergene dieser Pflanzenpollen stimmen in ihrer Aminosäurenbaustruktur in bis zu 86 Prozent miteinander überein, (insbesondere zwischen Birke, Erle und Hainbuche). Deshalb sind Menschen mit einer Erlenpollenallergie so gut wie immer auch auf Birkenpollen allergisch, meistens auch auf Haselpollen.
Eine Sensibilisierung gegen die frühblühenden Baumpollen, auch Frühblüherallergie genannt, ist nach der Gräserpollenallergie die zweithäufigste Pollenallergie in Mitteleuropa.

Etwa 20 bis 30 Prozent aller Patienten mit einer Pollenallergie sind auf Frühblüher sensibilisiert, davon sind etwa 80% der Betroffenen auch auf Erlenpollen empfindlich.

Wo findet man Grauerlen, Schwarzerlen und Grünerlen und wann fliegen deren Pollen?

Grauerlen findet man als Ziergehölz häufig in Parkanlagen. Die Schwarzerle findet man sehr verbreitet wild wachsend an Bachläufen, auf Feuchtwiesen und in Feuchtwäldern. Grünerlen sind Gebirgsbesiedler.

Die am häufigsten vorkommende Schwarzerle blüht schon sehr früh im Jahr. In sehr milden Wintern kann es schon im Dezember zu nennenswertem Pollenflug kommen. Die Hauptblütezeit ist Februar bis April.

Erlenpollen-Allergiker haben also häufig auch andere Allergien?

Wie bereits geschildert, besteht eine sehr große Ähnlichkeit zu den Frühblüherpollen von Birke, Hainbuche und Haselpollen. Deshalb sind Erlenpollenallergiker meistens auch gleichzeitig darauf allergisch. Wie bei der Birkenpollenallergie entwickeln ca. 20 Prozent der betroffenen Allergiker auch eine Kreuzallergie auf Nahrungsmittel. Vor allem auf Nüsse wie Haselnüsse, Walnüsse und Mandeln. Aber auch auf Kern- und Steinobst, wie  Äpfel, Pfirsiche, Pflaumen und Kirschen können Menschen mit einer Allergie auf Erlenpollen kreuzallergisch reagieren, ebenso auf Möhren und Tomaten.

Zur Diagnose von Allergien stehen die klassischen Diagnosetools zur Verfügung, aber auch die Komponentendiagnostik. Was ist bei der Allergie auf Erlen-Pollen ausreichend bzw. erforderlich?

Die Erlenpollenallergie wird, wie alle Pollenallergien, klassisch zunächst durch Anamnese (Arzt- Patientengespräch) mit der Erfassung der typischen Allergiesymptome, wie sie auch beim Heuschnupfen bekannt sind, festgestellt. Typisch für eine Allergie auf Erlenpollen ist, dass die Beschwerden schon sehr früh im Winter, manchmal sogar schon im Dezember, auftreten. Die Erle ist sozusagen der erste Frühblüher in der Pollensaison.

Die Erlenpollen zeigen beim Prick- Hauttest meist eine typische Hautreaktion mit Rötung und gegebenenfalls Quaddelbildung.

Beim RAST- Test ( nach Blutprobenentnahme ), zeigt sich eine Erhöhung des allergenspezifischen Immunglobulins der Klasse E ( IgE ) auf das Erlenpollenallergen Aln g 1.

Da beim Nachweis einer positiven Hautreaktion auf Erlenpollen in den meisten Fällen auch eine positive Reaktion auf Birkenpollen und Haselpollen nachweisbar ist, wird man in der Regel von einer Frühblüherallergie sprechen.

Stimmen die anamnestisch erhobenen Befunde mit den Ergebnissen des Hauttestes überein, ist die Blutuntersuchung nicht unbedingt erforderlich.
Eine weitere Überprüfung, ob es bei den in Frage kommenden allergieauslösenden Pollen nach Schleimhautkontakt tatsächlich zur Auslösung allergischer Reaktionen kommt, ist der Provokationstest, bei dem der Pollenextrakt in der Regel auf die Nasenschleimhaut appliziert wird. Auch die Bindehaut des Auges eignet sich gut, um einen Provokationstest durchzuführen.

Der Sinn dieses Testes besteht vor allem darin, bei einer geplanten Hyposensibilisierungsbehandlung ( Spezifische Immuntherapie, SIT ) mit dem spezifischen allergieauslösenden Allergenextrakt sicher zu gehen, dass dieses Allergen auch tatsächlich die Allergiesymptome auslöst.

Wie häufig kommt es bei Erlenpollen-Allergikern zu Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittelallergene und kann es auch zum allergischen Schock kommen?

Wie bereits schon erwähnt, ist bei einer Allergie auf Erlenpollen wegen der großen Ähnlichkeit mit den Birkenpollen ebenfalls in etwa 20 Prozent der Fälle mit einer Kreuzallergie auf Nüsse, Kernobst, Steinobst, Möhren und Tomaten zu rechnen.

Hierbei handelt es sich in der Regel um das sogenannte orale Allergiesyndrom, mit urtikariellen Schleimhautreaktionen im Mund- und Rachenraum.
Es kommt zu Juckreiz und Brennen, auch zu Schleimhautschwellungen, die in der Regel gut mit symptomatisch wirksamen Antiallergika zu behandeln sind.
Ein anaphylaktischer Schock in diesem Zusammenhang ist extrem selten. Eher wäre damit zu rechnen, wenn zusätzlich eine seltene Kreuzreaktivität zwischen Haselnuss - und Erdnuss vorliegt und erdnusshaltige Nahrungsmittel konsumiert werden.

Welche Therapieoptionen gibt es für die Allergie auf Erlenpollen?

Da der Pollenflug nicht zu beeinflussen ist, lässt sich der Kontakt mit ihnen in der Saison nicht vermeiden, sofern man nicht in der Lage ist, in der Pollensaison in einer anderen Klimazone Urlaub zu machen. Regentage sind angenehmer, da die Luft dann weniger Pollen enthält. Sonnige, windige Tage sind besonders unangenehm. Da die Birke, Erle und Hasel sogenannte Windbestäuber sind, produzieren sie große Mengen von Pollen, die sehr weit in der Luft fortgetragen werden. Es hilft also nicht viel, sich von diesen Bäumen fern zu halten.

Steht er aber direkt vor dem Schlafzimmer, sollte man ihn schon, sofern möglich, entfernen.

Einen gewissen, aber nicht vollständigen Schutz bieten sog. Pollenschutzgitter vor dem Fenster.

Regelmäßige Nasenspülungen mit Kochsalzlösung (z.B. Meersalznasenspray, Nasendusche) spülen die eingeatmeten Pollen aus der Nase und reduzieren die Kontakt- und Einwirkzeit auf der Schleimhaut. Nasensprays mit einer speziell die Schleimhaut schützenden Emulsion kommen ebenfalls vorbeugend zum Einsatz.
Typischerweise behandelt man die Frühblüherallergie mit symptomatisch- antiallergisch wirkenden Nasentropfen und Augentropfen.

Hier gibt es verschiedene Präparate unterschiedlicher Stärke und Wirkmechanismen. Cromoglycinsärehaltige Tropfen können die Freisetzung von Histamin aus den Allergiemastzellen verhindern.

Antihistaminika in Tropfen- und Sprayform unterdrücken die Wirkung des freigesetzten Histamins auf der Schleimhaut, als Tabletten oder Tropfen eingenommen, wirken sie auch im Gewebe und zentral antiallergisch.

In Fällen ausbleibender Besserung kommt auch Cortison, lokal oder oral eingenommen, zum Einsatz.

Die Injektion oder Infusion von Kortison ist Notfallsituationen vorbehalten.

Bei asthmatischen Beschwerden werden ebenfalls entsprechende Medikamente zur Inhalation gegeben.

Die Indikation zu einer spezifischen Immuntherapie SIT) oder Hyposensibilisierung besteht in den folgen Fällen:

  • Wenn sich die Beschwerden während des Pollenfluges nicht ausreichend behandeln lassen
  • Wenn die Beschwerden von Saison zu Saison zunehmen
  • Wenn die Beschwerden sich auf immer mehr Schleimhautregionen des inhalativen Systems ausweiten ( Etagenwechsel )
  • Wenn weitere Sensibilisierungen hinzukommen

Hier wird das allergieauslösende Pollenextrakt in regelmäßigen Abständen subcutan (unter die Haut )gespritzt oder in Tropfenform oder als Tablette unter die Zunge gegeben. Durch eine Umstimulation von Immunprozessen im Bereich der T- Lymphozyten, die eine entscheidende Rolle bei der Allergieentstehung spielen, kommt es durch die langfristige Behandlung mit den Therapieallergenen zu einer Toleranzbildung des Körpers gegenüber den natürlich vorkommenden Pollen.

Die Erfolgsaussichten sind umso größer, je früher man mit der Behandlung beginnt. Dabei ist nicht das Lebensalter des Patienten, sondern der Beginn der Erkrankung entscheidend.Das heißt, dass auch ein Mensch im höheren Lebensalter durchaus von einer SIT profitieren kann, wenn er die Pollenallergie erst seit kurzem erworben hat.

Bei einer gleichzeitig bestehenden Kreuzallergie auf die o.g. Nahrungsmittel wird eine Besserung der oralen Allergiesymptome durch eine SIT eher erreicht, wenn sie sublingual durchgeführt wird.

Die Dauer einer SIT wird meistens für mindestens 3 Jahre empfohlen.

Herr Dr. Pasch, herzlichen Dank für dieses Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.