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Profiline Polcalcine Allergene Heuschnupfen

Welche Rolle spielen Profiline und Polcalcine für die Symptome, in der Diagnostik und Therapie bei Pollenallergikern? Quelle: Pixabay, cenczi

Profiline und Polcalcine – wichtige Allergene bei Heuschnupfen?

Heuschnupfen, auch Pollenallergie oder Pollinosis genannt, ist die häufigste allergische Erkrankung in Deutschland. Sie kann bereits im Kindesalter auftreten. Allergische Symptome treten nach Kontakt mit Pollen verschiedener Pflanzen auf, nachdem diese durch die Luft übertragen und eingeatmet werden. Zu den Pflanzen, die allergische Symptome verursachen können, gehören Bäume, Gräser und Kräuter. Welche Pollenarten für eine allergische Reaktion verantwortlich sind, kann mit Hilfe einer genauen Symptomerfassung und eines Allergietests herausgefunden werden. Neben den entsprechenden spezifischen Major-Allergenen, die nur in bestimmten Pollenarten, zum Beispiel Birke, Esche, Roggen etc., vorkommen, gibt es jedoch auch Minor-Allergene. Diese sogenannten Profiline und Polcalcine, kann man als sogenannte Panallergene in allen Pollenarten nachweisen. Welche Rolle spielen Profiline und Polcalcine für die Symptome, in der Diagnostik und Therapie bei Pollenallergikern?

Autor: Dr. med. Anna Eger

Was sind multiple Sensibilisierungen?

Sensibilisierung bedeutet in der Allergologie eine erhöhte Allergiebereitschaft. Manchmal kommt es vor, dass Allergietests bei Pollenallergikern nicht nur eine, sondern multiple Sensibilisierungen nachweisen. Das heißt, dass beim Patienten laut Test nicht nur eine Sensibilisierung gegen ein Allergen, sondern gleich gegen mehrere oder gar gegen Allergene sämtlicher Pollenarten, eventuell sogar Nahrungsmittel, vorliegt. Allerdings heißt solch ein Testergebnis nicht unbedingt, dass der Patient auch wirklich multiple Allergien haben muss. Es gibt auch falsch positive Testergebnisse. Die beiden Proteingruppen Profiline und Polcalcine spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Was sind Panallergene?

Profiline und Polcalcine gehören zu den Panallergenen. Das sind Allergene, die ubiquitär, also in vielen verschiedenen Allergiequellen vorkommen. Es gibt sie also sowohl in Baumpollen, Gräserpollen als auch in Kräuterpollen. Die verschiedenen Allergene tragen dasselbe Epitop. Epitope sind bestimmte Molekülabschnitte eines Antigens, die eine spezifische Immunantwort auslösen können. Daran kann dann derselbe IgE-Antikörper des Allergikers binden.

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Was ist ein Majorallergen?

Ein Majorallergen ist ein Allergen oder eine Allergenkomponente, die bei mehr als 50 Prozent der betroffenen Allergiker eine IgE-Sensibilisierung auslöst.

Was ist ein Minorallergen?

Von einem Minorallergen spricht man, wenn ein Allergen oder eins seiner Komponenten bei weniger als 50 Prozent der Allergiker zu einer IgE-Sensibilisierung führt.

Was ist eine sekundäre Allergie?

Als sekundäre Allergie bezeichnet man eine auf dem Boden einer durch Pollenallergie entwickelte Sensibilisierung gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln. Sie kommt dadurch zustande, dass das Immunsystem Proteinstrukturen aus den Allergenen in der Luft, also Inhalationsallergene, auch in bestimmten Nahrungsmitteln wiedererkennt und darauf ebenso reagiert. Das nennt man auch Kreuzallergie.

Wo kommen Profiline und Polcalcine vor?

Profiline kommen als Strukturproteine in sämtlichen Pollen und fast allen pflanzlichen Nahrungsmitteln, aber auch in Latex und tierischen Organismen, vor. Dahingegen sind Polcalcine ausschließlich in Pollen zu finden. Das gilt für Baumpollen, Kräuterpollen und Gräserpollen gleichermaßen.

Wie kommt es zu falsch positiven Allergietests?

Zu falsch positiven Allergietests kann es kommen, wenn Patienten eine Sensibilisierung auf eins der Panallergene Profilin oder Polcalcin haben. Diese täuschen dann sozusagen den positiven Allergietest nur vor. Die Häufigkeit von Profilinsensibilisierungen unter den Pollenallergikern liegt bei 10 bis 15 Prozent, die Polcalcinallergie-Häufigkeit ist mit ca. 5 Prozent deutlich geringer.

Wenn ein Patient also auf Profiline und Polcalcine sensibilisiert ist, wird er im klassischen Hauttest und auch im Bluttest auf alle Pollenextrakte positive Reaktionen zeigen. Wenn dies der Fall ist, muss eine Testung auf die spezifischen Majorallergene erfolgen. Hierfür müssen die entsprechenden Allergenkomponenten der Allergenquelle differenziert werden. Das gelingt mit Hilfe der sogenannten molekularen Allergiediagnostik.

Pollenallergiker mit multiplen Sensibilisierungen: Müssen immer sämtliche Majorallergene einzeln getestet werden?

Sämtliche Majorallergene einzeln durchzutesten ist nicht notwendig, da zwischen entsprechenden Allergenen eine gewisse Ähnlichkeit besteht. Deshalb reicht es aus, bestimmte Allergene zur Testung auszuwählen.

Das sieht beispielsweise folgendermaßen aus:

  • Verdacht auf Sensibilisierung gegen Birken- und Buchengewächse => Testung des Majorallergens Bet v 1
  • Verdacht auf Eschenpollen-Allergie (gehört zu den Ölbaumgewächsen) => Nachweis der Sensibilisierung mittels des Majorallergens Ole e 1
  • Verdacht auf Gräserpollen-Allergie => Testung der beiden Major-Allergen-Gruppen Phl p 1 und Phl p 5 (beides Majorallergene des Lieschgrases)
  • Verdacht auf Sensibilisierung gegen Kräuterpollen => Major-Allergen des Beifuß Art v 1 und der Ambrosie Amb a 1 als Testbasis

Wie häufig sind Sensibilisierungen auf Profiline und Polcalcine bei Pollenallergikern?

Eine Sensibilisierung gegen Profiline und Polcalcine bei Pollenallergikern ist mit 5 Prozent bzw. 10 bis 15 Prozent eher selten. Sie gelten deshalb als Minorallergene, also Nebenallergene. Da sie jedoch in sämtlichen Pollen vorkommen, können sie allein dadurch für positive Hauttests auf zahlreiche Pollenextrakte verantwortlich sein. Deshalb haben diese Patienten aber noch keine Profilin-Allergie oder Polcalcin-Allergie.

Allergischen Reaktionen auf Nahrungsmittel? Wie unterscheidet man bei zwischen Sensibilisierungen auf Majorallergene und Sensibilisierungen auf Profiline und/oder Polcalcine?

Bei einem Pollenallergiker können beide Sensibilisierungen gemeinsam auftreten. Mit Abstand die häufigste Ursache für eine Nahrungsmittelallergie im Erwachsenenalter in Deutschland ist eine pollenassoziierte Kreuzallergie durch eine Sensibilisierung gegen das Majorallergen Bet v 1. Zusätzlich kann aber noch eine Sensibilisierung auf Profiline bestehen.

Eine Differenzierung zwischen diesen beiden ist mithilfe der molekularen Allergiediagnostik möglich. Mit ihr kann das IgE gegen ein spezielles Profilin bestimmt werden. Bei Profilin aus Gräserpollen ist es das Minorallergen Phl p 12, bei Profilin aus Birkenpollen ist es Bet v 2. In Latex kommt das Profilin Hev b 8 ebenfalls als Ursache einer Vortäuschung positiver Reaktionen in Betracht. Alle diese Profiline sind jedoch so ähnlich, dass bereits der Sensibilisierungsnachweis auf ein einziges dieser Profiline ausreicht, um zu wissen, dass eine Profilinsensibilierung vorliegt.

Welche Bedeutung hat der Nachweis einer Profilinsensibilisierung für den Allergiker?

Profiline sind eher selten für ernsthafte Beschwerden bei Allergikern verantwortlich. Profiline in Nahrungsmitteln können beispielsweise zu allergischen Beschwerden in Mundhöhle und Rachen führen. Das kann sich, ähnlich wie beim oralen Allergiesyndrom, in Form von Juckreiz in der Mundhöhle, Gaumenjucken und Schwellungsgefühl der Mundschleimhaut äußern. Allerdings sind bei Profilin-Allergien auch heftigere allergische Reaktionen möglich. Die Auslöser der Profilin-verursachten allergischen Reaktionen sind häufig andere als die Auslöser des Birkenpollen-assoziierten oralen Allergiesyndroms. Beispiele sind eher exotische Früchte wie Melone, Mango, Avocado oder Banane, aber auch Gemüsesorten wie Gurke. Man kann also eine Unverträglichkeitsreaktion zum Beispiel auf Melone als Hinweis auf eine Allergie auf Profiline ansehen, da Melone kein Bet v 1- verwandtes Allergen enthält.

Welche Aussagekraft hat der Nachweis einer Profilinsensibilisierung für die Betroffenen?

Der Nachweis einer Profilinsensibilisierung bedeutet nicht automatisch, dass der Patient auch klinische Symptome bekommen muss. Es gibt nachweislich Menschen mit Sensibilisierungen, die überhaupt keine Beschwerden aufweisen. Aus diesem Grund wird unter Allergologen zunehmend der Begriff Sensibilisierungstest anstatt Allergietest verwendet. Generell gilt, dass ein positives Testergebnis, sei es der klassischen oder der molekularen Allergiediagnostik, nur dann klinisch relevant ist, wenn es zusammen mit den dazugehörigen klinischen Symptomen festgestellt wird. Maßgeblich für die Interpretation der Testergebnisse sind die klinischen Angaben des Patienten. Nicht ein Allergietest entscheidet, ob ein Patient eine Allergie hat, sondern der behandelnde Arzt wertet die Testergebnisse zusammen mit dem Patienten und seinen Berichten über seine Symptome aus. Bei Unklarheiten bezüglich des Allergieverdachts kann eventuell ein Provokationstest weiterhelfen.

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Welche Konsequenzen hat der Nachweis einer Profilinsensibilisierung für den Patienten?

Profilinsensibilisierungen sind nur in den seltensten Fällen klinisch wirklich bedeutsam. Profiline sind in fast allen pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten. Wenn tatsächlich eine Profilinsensibilisierung nachgewiesen wird, muss der Patient mit dem Arzt zusammen entscheiden, welche Nahrungsmittel er vermeiden sollte. Denn ausschlaggebend hierfür ist nicht das Testergebnis, sondern die Frage, bei welchen Lebensmitteln es wirklich zu Symptomen kommt. Das Spektrum reicht von keinen, über sehr milde, bis hin zu sehr heftigen Beschwerden. Deshalb ist die Beratung durch einen erfahrenen Allergologen sehr wichtig. Dieser kann auch hilfreiche Empfehlungen beispielsweise zur Zubereitungsform geben, denn bei manchen Nahrungsmitteln hilft es zum Beispiel, sie zu erhitzen.

Welche Auswirkung kann ein falsch-positiver Allergietest bei einem Pollen-Allergiker haben?

Es wäre möglich, dass ein Pollen-Allergiker aufgrund eines multipel falsch-positiven Sensibilisierungstests unnötig eine ganze Menge an Nahrungsmitteln meidet, weil er glaubt, dass diese zu allergischen Reaktionen führen würden. Dies ist jedoch in vielen Fällen gar nicht nötig.

Des weiteren könnte es Auswirkungen auf die Therapie des Patienten haben, wenn man bei multiplen Sensibilisierungen nicht weiter nach dem tatsächlichen Allergen forscht. Stellt sich mithilfe der molekularen Allergiediagnostik nämlich heraus, dass der Patient beispielsweise doch nur auf Gräserpollen sensibilisiert ist, käme er für eine spezifische Immuntherapie mit Gräserpollen in Frage. Für eine Hyposensibilisierung auf Baum- oder Kräuterpollen wäre er aber nicht unbedingt geeignet. Ob die Immuntherapie jedoch auch gegen die durch Profiline verursachten Symptome im Frühjahr und Herbst hilft, kann man nicht sagen. Der Grund ist, dass der Gehalt an Minorallergenen in den Allergenextrakten, die zur Immuntherapie eingesetzt werden, nicht genau bekannt ist. Das liegt daran, dass die Extrakte nur anhand ihrer Hauptallergene standardisiert hergestellt werden.

Welche Rolle spielt die molekulare Allergiediagnostik bei der spezifischen Immuntherapie?

Die molekulare Allergiediagnostik differenziert bei mutmaßlichen multiplen Allergikern. Sie hilft dabei zu unterscheiden, ob eigentlich nur eine Sensibilisierung gegen Panallergene vorliegt oder ob möglicherweise doch mit einer gezielten Immuntherapie gegen eine bestimmte Allergiequelle, also Pollensorte, behandelt werden kann. Die Auswahl der Therapiestrategie wird nach Durchführung der molekularen Allergiediagnostik spezifischer möglich.

Außerdem kann man auch umgekehrt Schlüsse ziehen. Wenn bei einem Teil der spezifischen Immuntherapien bei Patienten mit multiplen Sensibilisierungen kein Therapieerfolg eintritt, sind die Testergebnisse nicht durch eine molekulare Allergiediagnostik überprüft worden.

 

Quellen

www.amboss.com/de/wissen/Allergische_Erkrankungen

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.