Chronische Allergie Rhinitis Rhinosinusitis

Prof. Dr. med. Wolf Jürgen Mann, Direktor der HNO-Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Johannes Gutenberg Universität, Mainz

Wenn Allergien chronisch werden: Chronische Rhinitis und Rhinosinusitis

Die bekannteste Form der allergischen Rhinitis ist der Heuschnupfen bzw. die Pollenallergie, eine allergisch bedingte Entzündung der Nasenschleimhaut. Aber auch Hausstaubmilben, Schimmelpilze und Tierhaare können allergische Reaktionen auslösen. Sind zusätzlich die Nasennebenhöhlen von den entzündlichen Veränderungen betroffen, spricht man von einer allergischen Rhinosinusitis. Bestehen allergische Rhinitis und allergische Rhinosinusitis über einen längeren Zeitraum, kann es zu einer chronischen Rhinitis bzw. zu einer chronischen Rhinosinusitis kommen. Über die Behandlungsmöglichkeiten sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. med. Wolf Jürgen Mann, Direktor der HNO-Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Johannes Gutenberg Universität, Mainz.

Herr Prof. Mann, eine chronische Rhinitis bzw. eine chronische Rhinosinusitis entsteht erst dann, wenn die Erkrankung über einen längeren Zeitraum besteht. Wie merkt der Patient, dass seine Erkrankungen chronisch geworden ist?

Wenn die Rhinitis chronisch geworden ist, merkt dies der Patient daran, dass die Nase nicht mehr aufhört zu laufen und verstopft zu sein. Bei der chronischen Rhinosinusitis zeigt sich die Chronifizierung ebenfalls durch ein schleimiges Nasensekret, das häufig nach hinten in den Nasen-Rachen-Raum abfließt. Auch bei der chronischen Sinusitis ist die Nasenatmung behindert - zusätzlich ist der Geruchssinn beeinträchtigt.

Wie lange dauert es in der Regel, bis Rhinitis und Rhinosinusitis chronisch werden?

Man geht davon aus, dass eine akute Entzündung, die nach sechs Wochen nicht behoben ist, zu einer Chronizität führt, d.h. chronisch wird.


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Können allergische Rhinitis und allergische Rhinosinusitis auch dann chronisch werden, wenn die Erkrankungen behandelt werden?

Eine Chronifizierung kann auch dann eintreten, wenn eine  Behandlung erfolgt. Das liegt daran, dass man die Ursache der Chronifizierung zunächst einmal identifizieren muss.

Auch bei der Allergischen Rhinopathie (allergische Rhinitis) kommt es zu chronischen Entzündungen. Eine weitere Ursache für eine chronische allergische Rhinitis bzw. eine chronische allergische Rhinosinusitis kann die nicht fachgerechte Behandlung von Bakterien, die sich im Naseninnenraum angesiedelt haben, sein. Auch anatomische Engstellen können eine Chronifizierung begünstigen.

 


Sie sagen "die nicht fachgerechte Behandlung" – wie sieht die fachgerechte Behandlung aus?

Bei einer eitrigen Sinusitis, die nach einer Woche persistiert, d.h. wenn nach einer Woche noch immer eitriges Sekret aus der Nase läuft, muss man bestimmte Maßnahmen ergreifen. Wichtig ist, dass man für das Abschwellen der Nase sorgt, Spülungen durchführt, eventuell topische Steroide (lokal eingesetzte Steroide) anwendet und ggf. auch Antibiotika, insbesondere bei akut eintretenden Schmerzen.


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Sie erwähnten anatomische Engstellen als mitverursachende Faktoren bei der chronischen Rhinitis und der chronischen Rhinosinusitis …

Damit sind enge Ausführungsgänge der Nasennebenhöhlen zur Nasenhöhle gemeint bzw. eine veränderte Belüftung der Nasennebenhöhlen. Es können aber auch engstehende Knochen, wie  bei einer Nasenscheidewandverkrümmung, zu einer Chronifizierung beitragen.

 

Wie behandelt man diese anatomischen Gegebenheiten?

Wenn sich eine akute Entzündung nicht beseitigen lässt und chronifiziert, muss man versuchen bessere Bedingungen zu erreichen. Man kann sich die Situation bei Nase und Nasennebenhöhlen vorstellen wie bei einem langen Gang von dem rechts und links Bürotüren abgehen. Bei geschlossenen Türen ist eine Belüftung der Räume nicht möglich. Man muss also die Türen öffnen, damit die Luft zirkulieren kann. Genauso muss man die "Tür" zu den Nasenebenhöhlen mit Hilfe eines operativen Eingriffs öffnen. So kann man zum einen, die eitrigen Sekrete aus den Nebenhöhlen entfernen und zum anderen über die Nase Wirkstoffe einbringen, die dann auch die Nebenhöhlen erreichen. Die Operation erfolgt dann in die chronische Entzündung hinein mit dem Ziel, sie zu beenden.


Gibt es Unterschiede bzgl. der Therapie von chronischer Rhinits und chronischer Rhinosinusitis, je nachdem ob die Erkrankung durch eine Pollenallergie, Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Tierhaare ausgelöst wurde?

Bei einer chronischen Rhinitis oder chronischen Rhinosinusits die von ganzjährig wirkenden Allergenen hervorgerufen wurde, sind die Voraussetzungen zum Abheilen der Entzündung schlechter, als bei Erkrankungen, die von Allergenen ausgelöst wurden, die bei der Nase nur kurzzeitig Entzündungen auslösen. Das heißt, die von Hausstaubmilben, Schimmelpilzen oder Tierhaaren ausgelösten Chronifizierungen sind schwerer zu behandeln, als eine von einer rein saisonalen Allergie (z.B. bei einer Pollenallergie auf Frühblüher, Gräser und Roggen) ausgelöste Chronifizierung.


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Wie behandelt man dann eine chronische Rhinitis bzw. eine chronische Rhinosinusitis, die von ganzjährig wirkenden Allergenen wie Hausstaubmilben, Schimmelpilzen oder Tierhaaren ausgelöst wurde?

Ist der Auslöser Hausstaub, ist die Sanierung des Schlafzimmers die erste Maßnahme. Auch eine Immuntherapie ist möglich, allerdings sind die Erfolgschancen hier deutlich geringer als bei saisonal bedingten Allergien.  

Ob eine Therapie durchgeführt werden sollte, entscheidet man in Abhängigkeit von den Ergebnissen bestimmter Tests, wie kutanen Testungen, dem RAST oder evtl. auch einer nasalen Provokation. Sind die Testergebnisse entsprechend pathologisch und dauern die entzündlichen Beschwerden an obwohl das Schlafzimmer saniert wurde, muss auch ein operativer Eingriff erwogen werden.

 

Beim SIT gegen Pollenallergie ist es für den Erfolg der Therapie maßgeblich, ob die Allergie gegen ein Hauptallergen oder ein Nebenallergen besteht. Ist dies bei der Immuntherapie gegen Hausstaubmilben auch so?

Nein, weniger. Bei den Hausstaubmilben gibt es noch keine so klaren Ergebnisse wie bei den saisonalen Allergien.


Bei der allergischen Rhinitis kann es zu einem Etagenwechsel zum allergischen Asthma kommen. Ist ein solcher Etagenwechsel auch möglich, wenn eine chronische Rhinitis bzw. eine chronische Rhinosinusitis besteht?

Durch die Behandlung einer chronischen Rhinitis bzw. einer chronischen Rhinosinusitis mit einer Immuntherapie kann man den Etagenwechsel verhindern. Ist der Etagenwechsel bereits eingetreten, kann man die Symptome durch die SIT verbessern.


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Bis zu welchem Erkrankungsstadium ist eine Immuntherapie noch möglich?

Eine Immuntherapie ist immer möglich, insbesondere wenn die entsprechenden nasalen Befunde bereits vorliegen, d.h. wenn bereits eine chronische polypöse Sinusitis besteht. Man unterscheidet die chronisch polypöse von der chronisch nicht-polypösen  Sinusitis. Gerade in unseren Breitengraden handelt es sich dabei meistens um eosinophile Infektionen.

Allerdings ist es wichtig zu wissen, dass nicht nur die inhalativen Allergene oder die Nahrungsmittelallergene zu einer chronischen Entzündung führen können. Es gibt auch eine spezielle nicht IgE-vermittelte Form der Intoleranz, die zu chronischen Entzündungen führen kann. Dabei handelt es sich um die Salicylatintoleranz, auch ASS-Intoleranz-Syndrom genannt.

Um dieses zu behandeln, muss man gegenüber Aspirin desaktivieren. Das bedeutet, man muss den Patienten mit Hilfe von zunächst geringen, sich regelmäßig steigernden Salicylat-Gaben gegen das Salicylat unempfindlich machen. Man kann hier aber nicht von einer Hyposensibilisierung im Sinne einer SIT sprechen, da es sich beim ASS-Intoleranz-Syndrom um eine Unverträglichkeitsreaktion und nicht um eine IgE-vermittelte Allergie handelt. Vielmehr handelt es sich hier um eine Toleranzinduktion und damit um eine Normalisierung des Arachidonsäure-Stoffwechsels.

 

Herr Prof. Mann, ganz herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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