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Riechstörung

Was bedeutet es, wenn man eine Riechstörung hat? Bildquelle: Meduni Wien-Matern

Was bedeutet es, wenn man eine Riechstörung hat?

Eine Riechstörung gilt nicht als schwerwiegende Erkrankung. Aber was bedeutet das für die Betroffenen? Welche Ursachen führen zur Entwicklung einer Riechstörung? Welche Formen der Riechstörung gibt es? Welche Therapien sind sinnvoll? MeinAllergiePortal sprach mit Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Christian Müller, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten an der Medizinischen Universität Wien über die verschiedenen Formen der Riechstörung und therapeutische Möglichkeiten.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Priv.-Doz. Dr. Christian Müller

Herr Prof. Müller, wie häufig sind Riechstörungen?

Riechstörungen sind häufiger als man annehmen würde. So haben voneinander unabhängige Studien übereinstimmend ergeben, dass etwa 5 Prozent der Bevölkerung gar nicht riechen können und etwa 15 Prozent einen eingeschränkten Geruchssinn haben. Diese Daten wurden durch repräsentative Untersuchungen mittels validierter Riechtests erhoben und belegen die hohe gesundheitliche Relevanz. Die Ursache der hohen Prävalenz von Riechstörungen liegt in der Häufigkeit von Erkrankungen, die mit Riechstörungen einhergehen, wie zum Beispiel Allergien oder chronische Nasennebenhöhlen-Entzündungen.

Ist „Riechstörung“ gleichbedeutend mit „Parosmie“?

Nein, „Riechstörung“ ist der Überbegriff, darunter fallen die Anosmie (das komplette Fehlen des Riechvermögens) und die Hyposmie (das verminderte Riechvermögen), die beide also quantitative Riechstörungen darstellen, und die Parosmie (Fehlriechen, also vorhandene Duftstoffe riechen anders, meist unangenehmen) sowie die Phantosmie (Wahrnehmung von Gerüchen ohne Duftstoffquelle), die sog qualitativen Riechstörungen.

Was genau versteht man unter einer Riechstörung?

Eine Riechstörung bezeichnet die Verminderung oder den Verlust des Riechvermögens, also einen Geruchsverlust. Dies bezieht sich auf jegliche Form der verminderten Wahrnehmung von Duftstoffen. Gemeint ist damit aber ebenso die retronasale Wahrnehmung von Duftstoffen. Das bedeutet, wer eine Riechstörung hat, hat auch eine Geschmacksstörung. Geruchssinn und Geschmackssinn sind eng miteinander verbunden. Im physiologischen Sinne heißt das, dass die Feingeschmackswahrnehmung von Speisen und Getränken gestört ist, bei normaler Wahrnehmung von süß, sauer, salzig und bitter.

Wie kommt es zu einer Riechstörung, was sind die Ursachen?

Es gibt eine Reihe von möglichen Ursachen für eine Geruchsstörung. Zum einen gibt es die konduktiven Riechstörungen. Das sind die Riechstörungen, die sozusagen auf ein "Zuleitungsproblem" zurückzuführen sind. In diesen Fällen gelangen die Duftstoffe nicht über den Lufttransport zur Riechspalte im Nasendach, wo sich die Riechschleimhaut befindet.

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Wie kommt es dazu, dass die Gerüche nicht zur Riechschleimhaut gelangen?

Ausschlaggebend ist bei der konduktiven Riechstörung, dass die Duftstoffe eventuell weder von vorne, über die Nase, noch von hinten, beim Essen, zur Riechspalte gelangen. Man spricht dann auch von einem retronasalen Riechen.

Der Lufttransport zur Riechschleimhaut kann aus vielerlei Gründen eingeschränkt sein:

1. die Nasenschleimhaut kann geschwollen sein, durch:

2. massive Nasenscheidewandverkrümmungen

3. Tumoren können den Lufttransport der Duftstoffe zur Riechschleimhaut stören

Es gibt aber auch postinfektiöse Riechstörungen, eine Form der sensori-neuralen Riechstörung.

Was ist eine postinfektiöse Geruchsstörung, tritt sie nach Infekten auf?

Bei einer postinfektiösen Riechstörung handelt es sich um eine Störung in der Riechschleimhaut selbst, das heißt in den Nervenzellen. Diese Störung kann zum Beispiel dann auftreten, wenn die Riechnerven nach einer Infektion geschädigt sind. Dann kann es vorkommen, dass die Patienten zwar nach Abklingen des Infektes wieder gut Luft holen können, sie können aber nichts mehr Riechen und Schmecken. Der Duftstoff kommt hier zwar ungehindert zur Riechschleimhaut, aber durch die Schädigung der Nervenzellen können die Signale nicht verarbeitet werden. Die Ursache hierfür ist, dass die Riechnervenzellen sogenannte primäre Sinneszellen sind. Das bedeutet, der Duftstoff trifft aus der Nasenhöhle direkt auf die Nervenzelle. In der Nasenschleimhaut haben die Riechnervenzellen keine Synapsen, die nächste Synapse ist bereits im Riechkolben im Gehirn gelegen. Eine postinfektiöse Riechstörung kann durch einen viralen Infekt verursacht werden, aber auch durch eine Bronchitis, bei der die Nase gar nicht betroffen war.

Wie lange bleibt eine Riechstörung nach einem viralen Infekt?

Die postinfektiöse Riechstörung muss nicht bleibend sein. Grundsätzlich regenerieren sich die Riechnerven ausgehend von den Basalzellen in der Riechschleimhaut permanent und stellen die Verbindung zum Riechkolben erneut her. Das bedeutet, sie verschalten sich erneut. Sind jedoch die Basalzellen ebenfalls zerstört, ist ein Nachwachsen nicht mehr möglich.

Die dritte Variante, die in unserer Ambulanz recht häufig vorkommt, ist die posttraumatische Riechstörung.

Manche Patienten empfinden nach einer Erkältung auch eine unangenehme, „komische“ Geruchswahrnehmung bzw. ein Fehlriechen, insbesondere nach der Anwendung von Nasensprays. Worauf ist das zurückzuführen?

Durch die Schädigung der Riechnervenzellen im Rahmen eines Infekts kommt es anfangs zu einem Ausfall des Riechvermögens und im Rahmen der Regeneration müssen sich die Riechnervenzellen erst wieder neu mit dem Riechkolben (die erste Umschaltstation am Weg der Duftstoffinformation zum Gehirn) vernetzen. Dabei entstehen oft Fehlvernetzungen, womit die Duftstoffe „falsch“ programmiert werden und dann meist als unangenehm wahrgenommen werden. Je mehr Duftstoffe, zum Beispiel nach Anwendung abschwellender Nasensprays, zur Riechschleimhaut gelangen, desto stärker ist diese veränderte Wahrnehmung.

Gibt es andere Gründe für einen „komischen“ Geruch?

Natürlich können auch Infektionen der Nasenhöhle und der Nasennebenhöhlen zu unangenehmen Geruchswahrnehmungen führen. Außerdem kann eine zentrale Ursache (als im Gehirn, zum Beispiel nach einem Trauma) vorliegen.

Wie kann es sein, dass man nicht vorhandene Gerüche riecht?

Da die bewusste Wahrnehmung von Gerüchen erst durch die Aktivierung von Nervenzellen in der Großhirnrinde zustande kommen, können Schädigungen im gesamten Verlauf der Riechbahn (also von der Riechschleimhaut beginnend, über den Riechkolben und die primären Riechzentren bis zur Großhirnrinde) zu einer Aktivierung der Nervenzellen führen, die uns einen Duftstoff vermitteln. Daher kommt es nicht nur aufgrund von Schädigungen an der Riechschleimhaut, zum Beispiel durch Infektionen, sondern auch bei Erkrankungen und Verletzungen des Gehirns (Epilepsie, Trauma) zu einer Phantosmie.

Was ist eine posttraumatische Riechstörung?

Bei der posttraumatischen Geruchsstörung wurden die Riechfäden, die sich zwischen Riechschleimhaut und Riechkolben befinden, gezerrt oder durchtrennt. Dies kann durch Unfälle, bei denen das Siebbein verletzt wurde, verursacht worden sein. Dann ist eine Weiterleitung der Duftstoffe nicht mehr möglich. Mögliche Ursachen für die posttraumatischen Riechstörungen können jedoch auch Blutungen im Gehirn oder Gehirnerschütterungen sein. Und zwar dann, wenn das Zentrum im Gehirn geschädigt ist, das an der Verarbeitung von Geruchsinformationen beteiligt ist. Der klassische Unfall ist ein Schädel-Hirn-Trauma, bei dem man mit dem Hinterkopf aufschlägt und bei dem es zu einer Art "Herumschwanken" des Gehirns kommt. Dies kann zu Verletzungen und schlimmstenfalls zur Durchtrennung der Riechfäden führen, dann sind die Riechfäden gerissen, oder auch zu Vernarbungen im Bereich des Siebbeindaches.

Eine weitere mögliche Ursache für Riechstörungen bzw. Geruchsverlust sind Gehirntumoren, die die Riechfasern im Gehirn "abdrücken" und so eine Schädigung des Riechvermögens auslösen können. Seltenere Formen der Riechstörung sind medikamentöse, toxisch bedingte und angeborene Riechstörungen.

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Kann der Riechnerv durch eine Krankheit, Allergie oder Trauma auch durchtrennt werden und zu einem Geruchsverlust führen?

Typischerweise führen Schädel-Hirn-Traumata zur Verletzung oder Durchtrennung der feinen Riechnervenfäden (Fila olfactoria) an ihrem Durchtritt von der Nasenhöhle ins Schädelinnere durch das Siebbein der vorderen Schädelbasis. Bei Allergien und Infektionen oder anderen Erkrankungen, die zu einem Riechverlust führen, werden die Riechnervenzellen insgesamt in ihrer Funktion geschädigt, aber nicht durchtrennt.

Bei welchen Allergien kann es zu Riechstörungen kommen?

Es kann bei allen Formen der Allergischen Rhinitis zu Riechstörungen kommen.

Ein Geruchsverlust ist bei folgenden Allergien möglich:

Um welche Art von Riechstörung handelt es sich, wenn sie bei Pollenallergien, Hausstaubmilbenallergie, Allergie auf Schimmelpilze oder Allergie auf Tierhaare auftritt?

Bei diesen Allergien spielen zwei Arten von Riechstörungen eine Rolle, die konduktive Riechstörung und die sensori-neurale Riechstörung. Durch die Schleimhautschwellung kommt es zum einen zu einer verminderten Zuleitung der Duftstoffe. Zum anderen spielt die allergische Entzündung auch in der Riechschleimhaut selbst eine Rolle, denn durch die entzündlichen Prozesse kommt es zur Schädigung der Riechschleimhaut. Bei Patienten, die unter einer Pollenallergie leiden, kann es sein, dass während der Pollensaison deutliche Reichstörungen auftreten. Außerhalb der Pollensaison sind diese dann weniger stark ausgeprägt. Bei den ganzjährigen Allergien, wie etwa der Hausstaubmilbenallergie, treten die Beschwerden eher über das ganze Jahr verteilt auf.

Wie häufig kommen Riechstörungen im Zusammenhang mit Allergischer Rhinitis, also Pollenallergien, Hausstaubmilbenallergie, Allergie auf Schimmelpilze oder Allergie auf Tierhaare vor?

50 Prozent der Patienten mit einer Allergischen Rhinitis geben an, dass sie zumindest zeitweise an Riechstörungen leiden. Konkret nachvollziehen lässt sich dies allerdings nur mit Hilfe eines Riechtests, denn wir wissen aus vielen Studien, dass die subjektive Wahrnehmung des Patienten nicht ausreichend ist, um die Riechstörung zu quantifizieren. Es gibt keine Korrelation zwischen der Selbsteinschätzung und dem tatsächlichen Riechvermögen. Dafür gibt es seit Ende der 90er Jahre, ausgehend von der Arbeitsgemeinschaft Olfaktologie und Gustologie der deutschen HNO-Gesellschaft, die sogenannten Riechstifte oder Sniffin' Sticks.

Spielt es für die Ausprägung einer Riechstörung eine Rolle, um welche Allergie es sich handelt?

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass die Patienten, die unter einer ganzjährigen Allergie leiden, deutlich häufiger ein signifikant vermindertes Riechvermögen haben, als die Patienten mit saisonalen Allergien. Bei den Pollenallergikern hingegen sind die Riechstörungen in der Pollensaison ganz besonders häufig. Allgemein beeinflussen der Schweregrad der Allergieausprägung und die Dauer der Erkrankung auch den Schweregrad der Ausprägung der Riechstörung.

Manche Frauen haben in den Wechseljahren neu auftretende Geruchsstörungen. Gibt es dafür eine Erklärung?

Die Ursache dafür wird in der hormonellen Umstellung des Körpers gesehen, auf die die empfindlichen Riechnervenzellen reagieren können. Ebenfalls verantwortlich sein kann der veränderte Schwellungszustand der Nasenschleimhäute. Trotzdem ist immer die Abklärung beim HNO-Arzt bzw. der HNO-Ärztin erforderlich, um seltene Ursachen nicht zu übersehen.

Wie wird der Riechtest zur Diagnose einer Riechstörung mit den Sniffin' Sticks durchgeführt?

Der Riechtest mit den Sniffin' Sticks setzt sich aus drei Teilen zusammen. Er untersucht drei Fähigkeiten, die den Geruchssinn ausmachen:

1. Die Riechschwelle, hier wird ermittelt, ab welcher Duftstoffkonzentration der Patient einen Geruch wahrnimmt,

2. Die Diskrimination, hier geht es darum, wie gut der Patient Duftstoffe unterscheiden kann

3. Die Identifikation, dabei wird untersucht, wie gut der Patient Duftstoffe benennen kann

Ziel ist es, eine Hyposmie bzw. eine Anosmie klar zu diagnostizieren.

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Wie erkennt man beim Riechtest mit den Sniffin' Sticks, was ein normaler Geruchssinn ist und was ein gestörter bzw. was ist eine Hyposmie und was ist eine Anosmie?

Anhand einer Vielzahl uns vorliegender Normdaten von über 3.000 gesunden Probanden wissen wir, wie ein "normales" altersentsprechendes Riechvermögen aussehen sollte. Riecht der Patient im Vergleich hierzu unterdurchschnittlich spricht man von einer Hyposmie, riecht der Patient gar nichts mehr nennt man dies Anosmie. Der Riechtest ist auch deshalb sehr wichtig, weil so ermittelt werden kann, ob der Patient tatsächlich die Duftstoffe wahrnimmt, oder ob es sich nur um eine trigeminale Wahrnehmung handelt.

Was ist der Unterschied zwischen einem Riechtest, bei dem der Patienten tatsächlich Duftstoffe wahrnimmt und einer trigeminalen Wahrnehmung?

"Trigeminal" leitet sich vom Nervus trigeminus ab, der die gesamte Nasenhöhle auskleidet. Über den Nervus trigeminus werden scharfe, brennende Anteile von Duftstoffen wahrgenommen. Über den Nervus trigenimus werden diese Anteile aber lediglich "wahrgenommen" und nicht wirklich "gerochen".

Duftstoffe in höheren Konzentrationen enthalten immer auch einen trigeminalen Anteil. Man kennt das zum Beispiel von Zwiebeln, Knoblauch, Menthol, Parfüms mit Alkohol etc.. Deshalb kann es vorkommen, dass selbst Patienten mit Hyposmie oder Anosmie glauben zu riechen, obwohl es sich lediglich um eine trigeminale Wahrnehmung der scharfen Bestandteile der Duftstoffe handelt. Mit dem Riechtest messen wir also die tatsächliche Riechfähigkeit der Patienten. Unabhängig von der Selbsteinschätzung des Patienten wissen wir dann, wie gut der Geruchssinn funktioniert bzw. welches Ausmaß die Riechstörung hat. Wir können anhand des Sniffin' Sticks Tests jedoch nicht sagen, welche Ursache der Riechstörung zugrunde liegt. Das bedeutet man weiß dann nicht, ob Riechschleimhaut, Riechfäden oder das Gehirn die Riechstörung verursachen.

Wie stellen Sie dann die Ursache der Riechstörung fest?

Zunächst wird durch die Anamnese ermittelt, welche Symptome seit wann bestehen und welche Ursachen in Frage kommen. Dann wird der HNO-Arzt die Nase zunächst mit Hilfe eines Endoskops untersuchen. Je nach Befund, zum Beispiel bei Verdacht auf eine chronische Sinusitis, würde dann eine Computer Tomographie (CT) durchgeführt werden. Gibt es keinen Hinweis auf einen Infekt oder ein Trauma muss man zum Ausschluss von zentralen Ursachen eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchführen. Wenn ein Allergieverdacht besteht, kommen Allergietests hinzu.

Kann eine Allergie nicht nur zu einer Störung des Geruchssinns, sondern sogar zu einem Geruchsverlust führen?

Obwohl ein vollständiger Verlust des Geruchssinns im Rahmen einer Allergie vorkommen kann, ist dies seltener der Fall als eine graduelle Verminderung des Riechvermögens.

Kann auch die Einnahme von Medikamenten, wie zum Beispiel, Kortison, eine Geschmacksstörung verursachen?

Eine Reihe von Medikamenten, wie zum Beispiel Antibiotika, können zu einer Beeinträchtigung des Riech- und/oder Schmeckvermögens führen. Kortison macht nur sehr selten eine Geschmacksstörung. Zu beachten gilt aber, dass diesbezügliche Berichte auf den subjektiven Angaben beruhen und selten wirkliche Messungen des Riech- und Schmeckvermögens mittels validierter Messverfahren vorliegen.

Können Faktoren wie Stress das Riechvermögen beeinflussen?

Ja, wie alle Sinne unterliegt auch der Geruchssinn der möglichen Beeinflussung durch unsere Psyche.

Welche Folgen hat es, wenn man sein Riechvermögen verliert?

Das Riechvermögen hat einerseits eine Warnfunktion vor Gefahren, die mit einer bestimmten Geruchsentwicklung verbunden sind. Klassische Warnfunktionen betreffen beispielsweise Feuer, Rauch, austretendes Gas und verdorbene Lebensmittel. Aber auch bei der Körperhygiene, im sozialen Bereich und bei der unbewussten Wahrnehmung des Partners spielt das Riechvermögen eine Rolle. Wenn das Riechvermögen nicht vorhanden ist, führt das zu Problemen. Gravierende Auswirkungen hat das Riechvermögen auf Menschen, die berufsbedingt auf ihren Geruchssinn angewiesen sind.

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Können Sie Beispiele dafür nennen, wie der Verlust des Geruchssinns den Beruf beeinträchtige?

Der Geruchssinn ist für viele Berufe enorm wichtig. Das gilt zum Beispiel für Köche, Lebensmitteltester, Menschen, die mit Wein, Tee, Kaffee etc. arbeiten. Aber auch alle, die bei der Feuerwehr oder der Polizei arbeiten, benötigen einen funktionierenden Geruchssinn. Der allerwichtigste Faktor bei einer Riechstörung ist jedoch die verminderte Lebensqualität.

Wie beeinträchtiget eine Riechstörung die Lebensqualität?

Die Lebensqualität leidet bei Patienten mit einer Riechstörung vor allem über die verminderte Wahrnehmung beim Essen. Hinzu kommen Gewichtsprobleme, denn manche Patienten mit Riechstörungen versuchen, den fehlenden Geschmackssinn durch Süßigkeiten zu kompensieren und nehmen dann an Gewicht zu. Die meisten Patienten verlieren durch ihre Riechstörung jedoch eher die Lust am Essen und verlieren Gewicht.

Wie therapieren Sie eine Riechstörung?

Bei der Diagnose einer Riechstörung spielt eine gute Diagnose eine wichtige Rolle.

Die Therapie ist diagnosespezifisch, das heißt, sie richtet sich nach der diagnostizierten Ursache des Riechproblems:

1. Liegt die Ursache in einer Entzündung der Nase, das heißt ist sie postinfektiös, allergisch bedingt oder durch eine chronische Sinusitis, würde man versuchen, diese Entzündung zu behandeln. Bei einer chronischen Sinusitis wären dies eine Therapie mit Kortisonnasensprays und Kortisontabletten oder eine antibiotische Therapie.

2. Liegt eine Allergie vor würde man eine Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie (SIT) genannt, einsetzen. Hier hat sich anhand von Studien gezeigt, dass sich unter dieser Therapie auch das Riechvermögen verbessert.

3. Handelt es sich um ein rein mechanisch-konduktives Problem, gibt es operative Möglichkeiten. Dann kann zum Beispiel eine Operation der Nasenscheidewand oder der Nebenhöhlen helfen.

4. Auch bei einer Allergie kann eine Operation angeraten sein. Wenn die unteren Nasenmuscheln, das sind die Schwellkörper, die den Luftstrom in der Nase regulieren, chronisch angeschwollen sind, wirkt sich die allergiebedingte Schwellung der Nasenschleimhaut deutlich negativer aus.

5. Das gleiche gilt für eine vorbestehende Nasenscheidewandverkrümmung.

Gibt es heutzutage neue Behandlungsmethoden, bei der die Regeneration der Riechnerven und Riechschleimhaut beschleunigt werden können?

In den letzten Jahren haben viele Studien gezeigt, dass ein strukturiertes und vor allem regelmäßig durchgeführtes Riechtraining zu einer beschleunigten Regeneration des Riechvermögens führen kann. Dabei sollte 2 x täglich für jeweils 2 Minuten an 4 Duftölen gerochen werden. Es ist wichtig, das Riechtraining über einen längeren Zeitraum, das heißt Monate bis Jahre durchzuführen, da sich die Regeneration oft über einen langen Zeitraum erstreckt. Begleitend sollen Raucher aufhören zu rauchen, da die Regeneration sonst deutlich beeinträchtigt wird.

Kann Akupunktur bei einer Riechstörung helfen?

Obwohl es vereinzelt Berichte zur Wirksamkeit der Akupunktur bei Riechstörungen gibt, liegt derzeit dazu keine wissenschaftlich begründete Evidenz vor.

Gibt es auch andere Erkrankungen, die mit einer Riechstörung einhergehen können?

Hier gibt es eine ganze Reihe von Erkrankungen, die das Riechvermögen beeinflussen.

Bei vielen internistischen Erkrankungen haben Untersuchungen gezeigt, dass sie zumindest einen Beitrag zur Entwicklung einer Riechstörung oder Geschmacksstörung leisten können.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Lebererkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Erkrankungen der Schilddrüse
  • Diabetes

Seit längerem ist bekannt, dass Riechstörungen Frühsymptome von neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson sein können. Bei Morbus Parkinson ist sogar bei 90 Prozent der Patienten eine Riechstörung ein anamnestisches Erstsymptom, noch vor allen anderen Symptomen.

Welche anderen Ursachen gibt es bei einem Geruchsverlust?

Wichtig zu beachten ist, dass selten auch Tumoren, wie das Olfaktorius-Meningeom (ein gutartiger, jedoch langsam wachsender Tumor der Hirnhaut) zu einer progredienten Riechstörung führen kann. Bei Fehlen einer klaren Ursache der Riechstörung sollte daher immer eine Magnetresonanz-Tomographie des Schädels durchgeführt werden.

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Viele Corona-Betroffene klagen über Geruchsverlust oder Geruchsstörung. Wie lange kann es dauern, bis der Geruch nach einem viralen Infekt wieder komplett vorhanden ist?

Dazu laufen derzeit noch Untersuchungen, auch an unserer Klinik. So sehen wir, dass zwar die meisten Patienten nach einer Corona-Infektion nur wenige Tage oder Wochen an einer Riechstörung leiden, vereinzelt jedoch auch mehrjährige Verläufe vorkommen. Ob und wie häufig ein bleibender Schaden vorliegen wird, ist derzeit noch nicht abzuschätzen.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

Das hängt von der individuellen Ausprägung der Beschwerden ab, ich würde aber empfehlen, nicht zu lange zu warten, sondern innerhalb der ersten 3 bis 4 Monate eine Abklärung anzustreben.

Wie erklärt sich ein Geruchsverlust nach der Corona-Impfung?

Ein Verlust des Geruchssinns durch die Corona-Impfung selbst ist sowohl epidemiologisch als auch pathophysiologisch nicht nachgewiesen. Es kommt natürlich nicht selten zu einem zufälligen Zusammentreffen der Impfung mit dem Auftreten einer Riechstörung, beide Ereignisse haben jedoch nichts miteinander zu tun. Daher muss man sich diesbezüglich auch keine Sorgen machen.

Herr Prof. Müller, herzlichen Dank für das Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.