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Roggenallergie Symptome Diagnose Therapieoptionen

Dr. med. Pascal Werminghaus zum Thema: was spricht für eine Allergie auf Roggenpollen? Wie sehen die Symptome aus? Wie wird die Diagnose gestellt und welche Therapieoptionen gibt es?

Roggenallergie: Symptome, Diagnose und Therapieoptionen

Wenn im Sommer die Nase läuft, liegt der Verdacht nahe, dass eine Pollenallergie die Ursache sein könnte. Darauf, dass Roggen der Übeltäter sein könnte, kommen viele Betroffene zunächst nicht. Was spricht für eine Allergie auf Roggenpollen? Wie sehen die Symptome aus? Wie wird die Diagnose gestellt und welche Therapieoptionen gibt es? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. Pascal Werminghaus, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Allergologie in Düsseldorf.

Herr Dr. Werminghaus, ist eine Pollenallergie auf Roggen eine häufige oder eine seltene Allergie?

Roggenpollen gehören zur Gruppe der Getreidepollen und sind in Europa eines der bedeutendsten Allergene. Getreide gehören gemeinsam mit Futtergräsern botanisch zur Gruppe der Süßgräser. Sie erfüllen mehrere Voraussetzungen eines potenten Allergens. Gräser und Getreidepollen verteilen sich auf große Flächen unserer Region - selbst in Bergregionen blühen Gräser - sie produzieren reichlich Pollen von so geringer Größe und Gewicht, dass sie über den Wind weitflächig verbreitet werden. Innerhalb der Gräser ist Roggen eines der potentesten und damit häufigsten Allergene.

Wie sehen die Symptome einer Allergie auf Roggenpollen aus?

Eine allergische Reaktion auf Roggenpollen kann bei jedem Patienten ganz unterschiedlich aussehen. Typische Orte der allergischen Reaktion sind die Augen und die Nase, bei längerer Erkrankung auch die Bronchien. Es kann zu Jucken und Brennen von Augen und Nase kommen, zu Niesreiz und vermehrtem Tränenfluss und Fließschnupfen. Besonders beeinträchtigend für die Lebensqualität der Betroffenen ist die Nasenatmungsbehinderung. Bei bronchialer Beteiligung können sogar Kurzatmigkeit oder Luftnot auftreten.

Generell kann man sagen: Auch bei der Allergie auf Roggen fühlen sich Allergiker in der Zeit der Exposition nicht fit und sind weniger leistungsfähig.

Im Einzelfall können allergische Beschwerden auch sehr unspezifisch sein und sind dann für Arzt und Patient schwer zur deuten; scheinbar unspezifische Symptome wie Schluckbeschwerden oder Druckgefühl auf den Ohren lassen sich im Einzelfall auf eine Allergie gegen Roggenpollen zurückführen.

 

Gibt es Anzeichen, die auf eine Allergie auf die Pollen des Roggen hinweisen, welche?

Wichtigstes Zeichen ist die Assoziation typischer allergischer Symptome zur Blütezeit der Roggenpollen von April bis Anfang September, wobei die höchste Allergenkonzentration in der Luft in der Regel zwischen Mai und Juni besteht.

Kann es bei einer Roggenallergie auch zu Kreuzreaktionen kommen, worauf?

Die Roggenpollen sind molekular eng mit den übrigen Getreide- und Gräserpollen verwandt, sodass Patienten, die auf Roggen allergisch reagieren, häufig auch zur Blütezeit der übrigen Getreide- und Gräserpollen unter den Symptomen leiden.

Darüber hinaus gibt es das orale Allergiesyndrom. In der Regel tritt diese Reaktion innerhalb von einigen Minuten nach Genuss roher, kreuzreaktiver Lebensmittel auf. Beim Genuss von Hülsenfrüchten und Tomate, seltener auch Kartoffel, Kiwi und Melone, aber auch bei Produkten, die Roggen und Weizen enthalten und nicht ausgebacken sind, kann es zu einem Kribbeln im Mund-Rachen-Raum kommen.

Wie wird die Diagnose „Allergie auf Roggenpollen“ gestellt?

Zu Beginn der Diagnostik steht das Anamnesegespräch. Die Beschwerden sollten, wie erwähnt, im Zusammenhang zur Blütezeit der Roggenpollen stehen.

Im Haut-Prick-Test kann der klinische Verdacht unmittelbar bestätigt werden. Sollte dieser nicht möglich sein, kann alternativ im Blut serologisch die Konzentration des spezifischen IgE Antikörpers, der die allergische Reaktion vermittelt, bestimmt werden.

Seit einigen Jahren besteht zudem die Möglichkeit auch außerhalb wissenschaftlicher Studien spezifisches IgE auf die einzelnen molekularen Allergenkomponenten der jeweiligen Pollen nachzuweisen. Dies ist im klinischen Alltag sehr hilfreich, um bei Patienten mit vielen Reaktionen im Haut- oder Bluttest, sogenannten Multisensibilisierungen, festzustellen, ob sie tatsächlich auf viele verschiedene Pollen reagieren oder an überwiegend kreuzreaktiven Allergien leiden.

Bei darüber hinaus bestehenden Unklarheiten kann ein Provokationstest mit Roggenpollen helfen. Unter kontrollierten, standardisierten Bedingungen wird mit Sprays oder Tropfen das Allergen auf die Schleimhaut der Nase, der Bronchien oder der Augen aufgetragen, sodass man die klinische Reaktion und die Relevanz für den Patienten nachvollziehen kann.

Welche Therapieoptionen gibt es bei der Allergie auf Roggen?

Wir unterscheiden drei Therapieansätze:

Die Vermeidung des Allergens ist in der Blütezeit nicht einfach, insbesondere, da es, je nach Wohnort, zu Schwankungen der Pollenkonzentration innerhalb des Tages kommt. Generell empfiehlt es sich, eher nachts zu lüften als tagsüber. Zur Senkung der Allergenlast ist es hilfreich, abends, vor dem zu Bett gehen, die Kleidung bereits außerhalb des Schlafzimmers auszuziehen und täglich die Haare zu waschen. Darüber hinaus kann die regelmäßige Anwendung von Nasenspülungen die Allergenbelastung lokal vermindern.

Kortikosteroide und Antihistaminika, die sowohl lokal am betroffenen Organ, als, bei schwereren Fällen, auch als Tabletten oder sogar Infusionen systemisch genutzt werden können, vermindern die allergische Reaktion. Abschwellende Nasentropfen oder bronchienerweiternde Sprays lindern kurzfristig die Beschwerden. Diese Behandlung ist rein symptomatisch.

Ursächlich behandelt werden kann allein mit der „Allergenspezifischen Immuntherapie“, vielen noch unter veralteten Begriffen wie „De“- oder „Hyposensibiliserung“ geläufig. Sie kann bei schweren, nicht ausreichend mit o.g. Maßnahmen behandelbaren Allergien dem Etagenwechsel vom Heuschnupfen zum allergischen Asthma vorbeugen. Dabei ist der Wirkmechanismus, durch die regelmäßige Konfrontation mit dem Allergen als Tropfen, Tabletten oder subkutanen Injektion über drei bis fünf Jahre eine Immunreaktion einzuleiten, die über die Linderung der Beschwerden hinaus eine Toleranz des Allergens erzielen kann, die über die Dauer der Behandlung hinaus Bestand hat.

Herr Dr. Werminghaus, herzlichen Dank für dieses Interview!

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