Neurodermitis Kleidung

Dr. Nadine Mothes-Luksch, Neurodermitistrainerin und Dermatologin in eigener Praxis und bei AllergyCare in Wien.

Neurodermitis und Kleidung: Was anziehen bei neurodermitischer Haut?

Was empfiehlt man heute bei der Neurodermitis-Hautpflege?

Nach der neusten Neurodermitis-Leitlinie ist es nicht mehr so, dass den Patienten empfohlen wird, nur einmal in der Woche zu baden, häufigeres Baden und Duschen sind erlaubt. Wichtig ist nur wie. Das Wasser sollte nicht zu heiß sein und der Dusch- oder Badevorgang nicht zu lange dauern. Danach, möglichst in den ersten Minuten, sollte die Haut mit einer guten rückfettenden Hautpflege versorgt werden.

Starken Neurodermitikern mit vielen Ekzemen und Schuppungen empfehle ich sogar, zunächst in klarem Wasser zu baden, da dadurch Hautschuppen gelöst werden. Wenn man von Anfang an ein Badeöl benutzt, legt es sich wie ein Film über die Haut und die Schuppen können sich nicht lösen. Sind die Schuppen abgelöst, kann man das Badeöl zur Rückfettung der Haut in den letzten fünf Minuten zufügen.  

Muss man auch den aktuellen Hautzustand bei der Wahl der Kleidung berücksichtigen?

Nicht im Detail, aber natürlich sollte man bei einem akuten Ekzem z.B. keinen Sport treiben, wenn man weiß, dass Schweiß eine triggernde Wirkung hat.

Grundsätzlich rät man heute dazu, besser frühzeitig für wenige Tage eine konsequente gut wirksame Therapie durchzuführen, als eine schwach dosierte Kortisoncreme über mehrere Wochen oder gar Monate anzuwenden. Bemerkt man eine rote Stelle und beginnt es zu jucken, bringt es nichts zu versuchen, das Problem allein über die Pflege in den Griff zu bekommen.  

Steigt man hingegen rechtzeitig mit gut wirksamen Präparaten in den Schub ein, verkürzt sich die Therapiedauer und die Entzündungszellen lassen sich viel besser aus dem Hautareal eliminieren. Neben gut wirksamem Kortison in unterschiedlichen Dosierungen stehen topische Calcineurininhibitoren, wie die Wirkstoffe Pimecrolimus und Tacrolimus, zur Verfügung, die sich gut zur Erhaltungstherapie eignen.

Allerdings verursacht das Kortison richtig angewendet auch nicht mehr die Nebenwirkungen, die man vor Jahren kannte. Damals hat man Kortison viel zu lange angewendet, weil man glaubte, die schwach dosierten Kortisone hätten keine Nebenwirkungen. Die durch topisches Kortison hervorgerufenen Probleme beruhen häufig aufgrund von Anwendungsfehlern.

Advertorial

Gibt es auch Zusammenhänge zwischen Hautpflegeprodukten und Kleidung?

Auch hier ist nicht jedem Patienten die gleiche Creme angenehm. Hier können die Empfehlungen des/der betreuenden Arztes/Ärztin helfen, das richtige Pflegeprodukt zu finden. Es empfiehlt sich auch, nach dem Eincremen ein wenig zu warten, bis die Creme eingezogen ist, bevor man sich anzieht. Eine Creme zieht dann besonders schnell ein, wenn man sie unmittelbar nach dem Duschen oder Baden aufträgt. In den ersten Minuten sind die Poren der Haut offen und die Creme zieht sehr schnell ein. Je mehr Zeit zwischen Duschen oder Baden und Eincremen liegt, umso eher bildet sich ein unangenehmer Cremefilm auf der Haut.

Man kann eine Therapie durch die Kleidung intensivieren, insbesondere bei schweren Neurodermitis-formen. Dafür cremt man den Patienten mit der Therapiecreme sehr dick ein und wickelt ihn dann für ca. ein bis zwei Stunden in feuchte Baumwolltücher, damit die Pflege richtig gut einziehen kann.

Wie funktioniert das zu Hause? Nach dem Duschen gleich dick eincremen, einen Baumwollschlafanzug anziehen und den Schlafanzug mit Wasser oder Schwarztee, z.B. mit einer sauberen Blumenspritze besprühen, bis er feucht wird, denn unter feuchten Umschlägen kann die Creme viel besser wirken.

Bei kleinen Kindern, kann man den Schlafbody oder Baumwolltücher tränken. Mikrosilbercremen oder -schaum in Kombination mit feuchter Kleidung wirken beruhigend und reizlindernd.

Advertorial

Was wäre noch wichtig zu wissen?

Es ist mir sehr wichtig zu betonen, dass die Rolle der Nahrungsmittelallergien bei Neurodermitis allgemein überschätzt wird. Ich erlebe immer wieder, dass Patienten unsinnige Diäten machen, insbesondere bei Kindern, obwohl ihre Neurodermitis nach näherem Nachfragen oder dem Führen von Beschwerdetagebüchern nichts mit der Ernährung zu tun hat.

Deshalb ist es wichtig, jeweils mit einem/er Spezialisten/in zu sprechen und abzuklären ob hier echte Nahrungsmittelallergien vorliegen und ob das eine oder andere Nahrungsmittel wirklich im zeitlichen Zusammenhang einen Ekzemschub auslöst. Gerade Kindern sollten wichtige Nährstoffe nicht vorenthalten werden.

Frau Dr.  Mothes-Luksch, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.