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Neurodermitis chronisch Triggerfaktoren

Prof. Dr. Thomas Werfel, Stellvertretender Direktor der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie der Medizinischen Hochschule Hannover und Präsident der DGAKI

Neurodermitis: Typischer, chronischer Krankheitsverlauf und Triggerfaktoren!

Bei chronischen Erkrankungen, die die Lebensqualität stark einschränken, kann es vermehrt zu psychischen Problemen kommen. Ist dies bei der Neurodermitis auch der Fall?

Ich denke nicht, dass jeder Patient mit Neurodermitis ein psychisches Problem entwickelt.

Statistisch gesehen scheint der Anteil psychisch bedingter Erkrankungen bei Neurodermitis-Patienten jedoch höher zu sein, als bei hautgesunden Menschen, hierzu gibt es Erhebungen. Zu diesen psychisch bedingten Erkrankungen gehört z. B. die klassische Depression oder, im frühen Kindesalter, die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS). Eine Verbindung von Neurodermitis und ADHS wurde von mehreren Studien, auch international, gefunden.

Gibt es einen typischen Krankheitsverlauf für die Neurodermitis?

Beim häufigeren Verlauf der Neurodermitis beginnt die Erkrankung im ersten oder zweiten Lebensjahr mit Ekzemen, die klassischerweise im Gesicht, an den Streckseiten der Extremitäten oder an Bauch und Rücken zu finden sind.

Im Verlauf der Kindheit ändert sich das Muster der von Neurodermitis betroffenen Hautstellen, dann treten die klassischen Beugeekzeme, juckende Entzündungen der Haut, in Kniekehlen und Ellenbeugen auf. Klassischerweise bleiben diese Symptome während der späteren Kindheit und frühen Pubertät bestehen. Eventuell kommt es in der Folge zur Abheilung der Ekzeme, die dann jedoch wieder aufflackern. Im frühen Erwachsenenalter kann es deshalb zu relativ unsystematisch auftretender Neurodermitis z.B. an den Händen, den Beugen oder im Gesicht kommen. Die gute Nachricht ist jedoch, dass es bei ca. einem Drittel der Kinder, welche unter Neurodermitis leiden, auch zur kompletten Abheilung der Ekzeme kommen kann.

Ein weiteres Drittel der Kinder mit Neurodermitis entwickelt im Erwachsenenalter hin und wieder Ekzeme, und ein letztes Drittel leidet auch im Erwachsenenalter, zumindest zeitweilig, unter einer moderaten oder schweren Form der Neurodermitis.

Gibt es auch andere Erkrankungen, die häufig mit der Neurodermitis assoziiert sind?

Die zum atopischen Formenkreis gehörenden Erkrankungen Heuschnupfen, Asthma und Lebensmittelallergien sind klassischerweise mit der Neurodermitis assoziiert, d. h. sie treten gehäuft auf und gelten als klassische Komorbiditäten der Neurodermitis.

Dafür gibt es sogar einen feststehenden Begriff, den „atopischen Marsch“, der besagt, dass ein Kind zunächst eine Neurodermitis eventuell zusammen mit einer Nahrungsmittelallergie entwickelt, die Neurodermitis dann etwas zurückgeht und sich dafür ein allergisches Asthma einstellt. Noch später kann dann eine allergische Rhinitis, z. B. ein Heuschnupfen oder eine Hausstaubmilbenallergie hinzukommen.

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Gibt es bei der Neurodermitis auch Komorbiditäten, d. h. zusätzliche Erkrankungen, die nicht zum atopischen Formenkreis gehören?

Ja, die gibt es, dazu gehört das allergische Kontaktekzem. Durch den Hautbarrieredefekt ist bei der Neurodermitis die Gefahr, sich gegen Kontaktallergene zu sensibilisieren, etwas erhöht. Zu diesen Kontaktallergenen gehören z. B. kleine Moleküle in den Cremes, die zur Behandlung der Neurodermitis eingesetzt werden. Potenzielle Allergene in Cremes sind z. B. Wollwachsalkohole, d. h. Lanolin oder bestimmte Emulgatoren, wie Cetylstearylalkohol, ein häufiger Auslöser von Kontaktallergien.

Ein großes Thema ist zurzeit das Konservierungsmittel Methylisothiazolinon (MIT), das in den letzten Jahren sehr häufig zu Sensibilisierungen geführt hat, weil es von der EU in einer zu hohen Konzentration zugelassen wurde. Viele Menschen, nicht nur mit Neurodermitis, haben sich gegen Methylisothiazolinon sensibilisiert. Durch die Kontaktallergie kann es ebenfalls zu Ekzemen kommen, die von den Ekzemen der Neurodermitis schwer zu unterscheiden sind. Eine Kontaktallergie lässt sich mit dem Epikutantest aber gut diagnostizieren.

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