Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden und als erstes erfahren wann unsere Webinare stattfinden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Neurodermitis Infektionen sauber wäscht Waschmaschine

Prof. Dr. Dirk Bockmühl, Leiter der Arbeitsgruppe „Hygiene und Mikrobiologie“ an der Hochschule Rhein-Waal zum Thema: Neurodermitis? Infektionen? Wie sauber wäscht die Waschmaschine?

Neurodermitis? Infektionen? Wie sauber wäscht die Waschmaschine?

Infektionen der Haut mit Bakterien können bei vielen Hauterkrankungen, z.B. auch bei der Neurodermitis, zu einem Problem werden und die Haut zusätzlich schädigen. Der Fokus liegt dann auf der Behandlung der Grunderkrankung und der Bekämpfung der Bakterien auf der Haut. Könnte aber auch nicht sauber gewaschene Wäsche eine Rolle bei Bakterieninfektionen der Haut spielen? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Dirk Bockmühl, Leiter der Arbeitsgruppe „Hygiene und Mikrobiologie“ an der Hochschule Rhein-Waal über die Frage: Wie sauber wäscht die Waschmaschine?

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Prof. Dr. Dirk Bockmühl

Herr Prof. Bockmühl, moderne Waschmaschinen waschen mit niedrigen Temperaturen und verbrauchen möglichst wenig Wasser, welche Auswirkungen hat das auf die Sauberkeit der Wäsche?

Die modernen Waschprogramme sind in der Tat auf möglichst wenig Energieverbrauch ausgelegt, das heißt, dass tendenziell niedrigere Temperaturen und dafür längere Zeiten genutzt werden. Das funktioniert für normal verschmutzte Wäsche sehr gut.

Wann sind moderne Waschprogramme nicht ausreichend, um die Wäsche wirklich sauber zu waschen?

In einigen Fällen, z.B. bei Infektionen der Haut, sollte  das 60°C Programm mit einem bleichehaltigen Vollwaschmittel in fester Form, d.h. Pulver, Perlen, Tabs etc., gewählt werden, da dadurch Bakterien sicher abgetötet werden.

Für Allergiker und Menschen mit atopischer Dermitis kann es auch sinnvoll sein, einen zusätzlichen Spülgang zu wählen, weil dadurch nicht nur Waschmittelreste sondern auch andere Verunreinigungen besonders gut entfernt werden.

Außerdem sollte man auch die Waschmaschine pflegen, da sie eine potenzielle Quelle für Bakterien ist. Dazu gehört, nach dem Waschgang die Waschmittelschublade herauszuziehen und trocknen zu lassen sowie den Schacht der Schublade und Gummidichtungen auszuwischen. Auch regelmäßige Waschgänge bei 60°C helfen bei der Waschmaschinenhygiene.

Anzeige

Wie hartnäckig halten sich Pollen in der Wäsche, auch nach einem Waschgang in der Waschmaschine?

Dazu gibt es relativ wenig Daten; allerdings ist davon auszugehen, dass Pollen in der Wäsche relativ sicher entfernt werden, wenn höhere Temperaturen genutzt werden. Auch Sauerstoffbleiche im Vollwaschmittel oder als Zusatzprodukt kann helfen, weil durch die oxidative Wirkung die Allergene zerstört werden.

Waschmittel sollen heute möglichst textilschonend reinigen, wie wirkt sich das auf die Sauberkeit aus?

Die heutigen Waschmittel wirken inzwischen sehr gut auch bei niedrigen Temperaturen, ohne das Textil negativ zu beeinflussen. Wichtig zu wissen ist, dass nur feste Vollwaschmittel  in Form von Pulver, Perlen, Tabs etc., Sauerstoffbleiche enthalten, die in der Lage sind, manche Verschmutzungen und auch Mikroorganismen sicher zu beseitigen. Außerdem wirkt die Bleiche erst ab 40°C wirklich gut.

Bei bestimmten Textilien wie Wolle oder Seide sollte außerdem ein Spezialwaschmittel genutzt werden, da sonst die Fasern geschädigt werden können.

Bei wieviel Grad werden in der Waschmaschine Erreger, Bakterien, Viren, Pilz etc. abgetötet?

Das kommt auf die Art der Mikroorganismen an, so werden zum Beispiel behüllte Viren wie das Coronavirus auch bei niedrigen Temperaturen sicher entfernt. Sicher ist man mit einem 60°C-Programm in Verbindung mit einem bleichehaltigen Vollwaschmittel.

Bei Patienten mit Neurodermitis findet man häufig das Bakterium Staphylococcus aureus auf der Haut. Könnte auch dieses in der Wäsche verbleiben, wenn man die genannten Regeln nicht beachtet?

Hier empfiehlt sich, wie bereits erwähnt, ein Waschgang bei 60°C und die Nutzung eines festen Vollwaschmittels mit Sauerstoffbleiche. Unter diesen Bedingungen wird Staphylococcus aureus sicher abgetötet und wir sehen in unseren Untersuchungen auch keine Übertragung auf andere Wäschestücke.

Gibt es noch etwas zu beachten, damit Bakterien wirklich aus den Textilien entfernt werden?

Da neben der Wahl des richtigen Waschmittels vor allem die Temperatur eine Rolle spielt, sollte sichergestellt werden, dass diese auch erreicht wird. Das ist leider vor allem in den sogenannten 60°-Ökoprogrammen in der Regel nicht der Fall, daher sollte man bei hygienisch anspruchsvoller Wäsche das Koch-Buntwäscheprogramm bei 60°C wählen, da hier die angegebene Temperatur auch tatsächlich erzielt wird.

Welche Rolle spielt das Material, aus dem die Textilien bestehen, in Bezug auf die Möglichkeit, sie gründlich zu reinigen?

Vor dem Hintergrund, dass Temperatur und Sauerstoffbleiche maßgeblich zur hygienischen Sauberkeit beitragen, sind alle Gewebe, die nur bei niedrigen Temperaturen und/oder ohne Bleichmittel gewaschen werden dürfen, natürlich in diesem Sinne ungünstiger als beispielsweise Baumwolle.

Anzeige

Laut Hygiene-Hypothese könnte „zu viel“ Sauberkeit von Nachteil sein, zumindest im Hinblick auf die Entwicklung von Allergien. Inwiefern ist vor diesem Hintergrund eine möglichst keimfreie Wäsche  überhaupt erstrebenswert?

Die sogenannte Hygiene-Hypothese ist sehr umstritten und kann sicher nicht auf die Aussage: „zuviel Sauberkeit ist schädlich“ reduziert werden.

Nach heutigem Kenntnisstand ist es wohl sinnvoll, gerade im Kindesalter auch mit Mikroorganismen in Kontakt zu kommen. Andererseits gibt es Krankheitserreger, vor denen wir uns durch gezielte Hygienemaßnahmen schützen müssen. Daher ist es wahrscheinlich am besten, mit Augenmaß vorzugehen und sich über mögliche Risiken durch Mikroorganismen in seinem Umfeld und sinnvolle Gegenmaßnahmen zu informieren, ohne gleich alles unnötig zu desinfizieren.

Herr Prof. Bockmühl, herzlichen Dank für dieses Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.