Chemialien In Kinderkleidung uns Allergie

Barbara Mühlfeld, Kinderärztin in Bad Homburg und Pressesprecherin „Landesverband Hessen“ des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte

Allergien: Können Chemikalien in Kinderkleidung Allergien auslösen?

Zurück zu den Allergien: Weiß man, wie die allergieauslösende Wirkung dieser Chemikalien zu Stande kommt? Was passiert im Körper?

Am Anfang einer Allergieentwicklung steht ein Prozess, den wir Sensibilisierung nennen und der unterschiedlich lange dauern kann, d.h. Tage bis Jahre. Es kommt in den Zellen und im Blut zu komplexen Vorgängen, die letztlich zu einer Veränderung der Immuntoleranz führen – Stoffe, die uns eigentlich dienlich sein sollen und vom Körper bis dato akzeptiert wurden, werden nun plötzlich als "fremd" erkannt und führen durch eine Umprogrammierung von Teilen des Immunsystem  zu einer unterschiedlich heftigen, aber leider "sinnlosen" Abwehrreaktion, die sich letztlich gegen den eigenen Körper und gegen das eigene Wohlbefinden richtet. Hierbei spielt die Ausschüttung von Botenstoffen eine wichtige Rolle, der bekannteste davon ist das Histamin.

Kann man sagen, wie hoch das Risiko ist, durch das Tragen von chemisch behandelten Textilien Allergien zu entwickeln?

Wir wissen, dass das individuelle Risiko überhaupt eine Allergie zu entwickeln, unter anderem von genetischen Faktoren abhängt. Ist bereits ein Verwandter ersten Grades von Allergien irgendwelcher Art betroffen, so ist das individuelle Risiko, selbst an einer Allergie zu erkranken erhöht und steigt mit jedem weiteren nahen Verwandten exponentiell an. Es gibt also Personen, die durch das Tragen chemikalienhaltiger Kleidung keine Allergie entwickeln und andere, die deutlich gefährdeter sind.

Insgesamt gibt es angesichts der Bedeutung der Thematik viel zu wenig Forschung in diesem Bereich. Prof. Dr. Wolfgang Uter von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg hat einmal  zwei blaue Textilfarben bei insgesamt 3.041 Patienten getestet - bei 40 Patienten bestand eine Allergie. Allerdings ließen sich diese Ergebnisse in späteren Studien nicht mehr reproduzieren.

In einer anderen Untersuchung wurden 1.980 Farben hinsichtlich ihrer Unbedenklichkeit bewertet mit erschreckendem Ergebnis: nur 18 Prozent wurden als "vermutlich unbedenklich" eingestuft. 

Welche Rolle spielen Faktoren Tragehäufigkeit oder Tragedauer der Textilien für die Entwicklung von Allergien?

Eine große! Mehrfaches Waschen vermindert das Risiko deutlich, vor allem auch für die nichtallergischen Erkrankungen, die vielleicht noch wichtiger sind. Wir raten grundsätzlich den Eltern, besonders von Säuglingen, Second-hand Ware zu kaufen und geben ihnen bei der Vorsorgeuntersuchung U3 sogar entsprechende Adressen mit. Bis neue Kleidung "bekömmlich" gewaschen ist, ist das Kind sonst längst aus ihr herausgewachsen! Unser Eindruck ist aber, dass Eltern, die es sich leisten können,  gerne bereit wären, für "chemikalienfreie Textilen" einen höheren Preis zu zahlen.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.