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Duftstoff Allergie Symptome Ursachen Risiken Therapie

Prof. Dr. med. Wolfgang Uter zu Duftstoff Allergien: Ursachen, Symptome, Risiken & Therapie!

Duftstoff Allergie: Symptome, Ursachen, Risiken, Therapie

Duftstoff Allergien gehören zu den häufigsten Kontaktallergien. Wie äußern sich die Symptome einer Allergie auf Duftstoffe? Welche Ursachen können Duftstoffallergien haben? Gibt es Risiken für eine Parfüm Allergie? Und: Wie sehen Diagnose und Therapie aus? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Wolfgang Uter, Dermatologe an der Friedrich-Alexander Universität (FA) Erlangen und Präsident der European Society of Contact Dermatitis (ESCD).

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Prof. Dr. med. Wolfgang Uter

Herr Prof. Uter, wie macht sich eine Duftstoffallergie bemerkbar?

Häufig berichten Duftstoffallergiker zum Beispiel, dass es erstmals zu einem Ekzem in der Achselhöhle kam, nachdem sie ein bestimmtes Deo benutzt hatten. Sie berichten dann weiter, dass es danach auch an anderen Stellen des Körpers zu Allergiesymptomen kam. Dies auch durch geringere Mengen desselben Duftstoffes in einer Körperlotion oder Handcreme. Das Deo ist als Auslöser von Ekzemen in den Achselhöhlen noch relativ eindeutig zu identifizieren. Aber wenn eine Creme großflächig aufgetragen wird, macht das die Zuordnung der Symptome zu einem relevanten Allergen schon deutlich schwieriger.

Welche Symptome sind typisch für eine Duftstoff Allergie?

Die Patienten merken, wie bei anderen Kontaktallergien auch, an bestimmten Symptomen der Haut, dass sie eine Parfüm Allergie haben.

Typische Symptome bei einer Duftstoffallergie sind:

  • Rötungen
  • Juckreiz
  • Bläschen
  • Nässen
  • Krusten
  • Risse

Kommt es bei einer Kontaktallergie auf Duftstoffe immer nur dort zu allergischen Symptomen, wo das Allergen mit der Haut in Kontakt kommt?

Normalerweise treten bei einer Duftstoff Allergie, die allergischen Symptome immer nur dort auf, wo man mit dem Allergen in Berührung kam. Allerdings gibt es auch sogenannte Streuphänomene. Wenn ein Patient eine sehr ausgeprägte Allergie hat, kann es sein, dass sich Symptome inselartig zeigen. Dann kann es beispielsweise auch an den Armen oder sogar am Körper zu Symptomen kommen, obwohl nur die Hände mit dem Allergen in Kontakt kamen.

Wie kommt es dazu, dass es bei einer Duftstoff Allergie auch dort zu Hautveränderungen kommen kann, die nicht mit dem Duftstoff in Berührung kamen?

Man nimmt an, dass dies dadurch ausgelöst wird, dass allergene Stoffe in den Blutkreislauf gelangen. Dadurch kommt es auf erratische, also abweichende, Art und Weise zu Symptomen.

Wann kommt es bei einer Duftstoff Allergie zu ersten Symptomen?

Allgemein treten Symptome nicht unmittelbar nach dem Kontakt mit einem Duftstoff-Allergen auf. Je nach Dosis kommt es meist frühestens nach einigen Stunden oder sogar erst nach einigen Tagen zu allergischen Hautreaktionen. Dadurch wird es eventuell schwerer, die Symptome einer konkreten Ursache zuzuordnen.

Kann es bei Parfüm Allergikern auch durch Gerüche, Raumdüfte und Raumsprays zu allergischen Reaktionen an den Atemwegen kommen?

Zu Kontaktreaktionen oder Duftstoff Allergien kann es prinzipiell auch an den Schleimhäuten der Nase bzw. der Atemwege kommen. Allerdings ist eine ausreichend intensive Exposition bei Duftstoffen schwer vorstellbar. Das ist anders als bei Zahnmetallen oder Augentropfen-Bestandteilen. Dies kann sich durch Rötungen und Erosionen zeigen. Heuschnupfen- oder asthmaartige Symptome, wie man sie von den Atemwegsallergien kennt, sind im Alltag eher selten.

Welche Risikofaktoren gibt es für die Entwicklung einer Parfüm Allergie?

Der größte Risikofaktor für die Entwicklung von Duftstoff Allergien sind Kosmetika.

Zu den Kosmetikprodukten, die eine Parfüm Allergie auslösen können, gehören unter anderem:

  • Cremes
  • Seifen
  • Duschgels
  • Shampoos
  • Pflegespülungen
  • Haarfärbemittel
  • Make-up
  • Reinigungsmittel
  • Waschmittel

Welche Rolle spielt der Beruf bei der Entwicklung einer Duftstoff Allergie?

Im Prinzip sind all jene Menschen gefährdet, eine Duftstoffallergie zu entwickeln, die beruflich bedingt in intensiven Kontakt mit parfümierten Produkten kommen. Dazu gehören Mitarbeiter von Kosmetikstudios und Friseuren, Reinigungskräfte und Pflegekräfte. Auch die Berufsgruppe der Altenpfleger ist mit einem erhöhten Risiko behaftet, denn zur Hautpflege der Senioren werden in der Regel deren eigene Kosmetikprodukte genutzt. Nicht immer werden dabei Schutzhandschuhe getragen oder duftstofffreie Produkte benutzt.

Der Beruf kann aber auch einen Hinweis darauf geben, mit welchen Duftstoffen ein Duftstoffallergiker in Berührung gekommen sein könnte. So wird ein Masseur potenziell in Kontakt mit ätherischen Ölen kommen, weil diese für Massagen sehr häufig eingesetzt werden.1) Aber auch Arbeitsschutzmaßnahmen können das Risiko bergen, eine Duftstoff Allergie zu entwickeln.

Wie kann es durch Arbeitsschutzmaßnahmen zu einer Allergie auf Duftstoffe kommen?

In manchen Betrieben gehörte es zu, Arbeitsschutz, den Mitarbeitern Hautpflegeprodukte zur Verfügung zu stellen. Dazu gehören beispielsweise metallverarbeitende Betriebe und das Gesundheitswesen. In solchen Betrieben sollte man darauf achten, dass die bereitgestellten Pflegeprodukte frei von Duftstoffen sind. Sie sollten auch generell möglichst wenig Allergene enthalten aber zumindest die Duftstoffe sind für die Wirksamkeit von Hautpflegeprodukten nicht wirklich nötig. Ansonsten vermeidet man im Zuge des Arbeitsschutzes zwar irritative, reizende Schäden an der Haut. Indem man sich häufig eincremt, handelt man sich aber womöglich eine Duftstoff Allergie ein.

Und ein wichtiger Hinweis: Zu häufiges Händewaschen schädigt die Hautbarriere. Eine geschädigte Hautbarriere erleichtert zum Beispiel das Eindringen von Allergenen in die Haut. Berufsbedingt kann es dann auch zu einem sogenannten Zwei-Phasen-Ekzem kommen.

Was ist ein Zwei-Phasen-Ekzem?

Bei einem Zwei-Phasen-Ekzem kann es zunächst zu trockenen, rissigen, leicht entzündeten Händen kommen. Man nennt das „irritatives Handekzem“. Wenn man sich dann aufgrund dieser Hautirritationen verstärkt eincremt, kann es im zweiten Schritt zu einem allergischen Kontaktekzem kommen. Das kann durch die Hautcreme kommen oder auch durch andere Inhaltsstoffe, die dann ebenfalls leichter eindringen können.

Ist eine Allergie auf Duftstoffe vererbbar?

Das ist schwer zu sagen. Einerseits bekommt die große Mehrheit der Menschen, die mit Duftstoffen in Kontakt kommen, nie Probleme damit. Andererseits entwickeln manche Menschen unter gleichen Umständen Kontaktallergien.

Es gibt Hinweise, dass bestimmte genetische Enzymausstattungen eine Rolle spielen könnten. Aber deren Bedeutung ist wahrscheinlich nicht sehr ausgeprägt. Einen genetischen Marker für das Risiko, eine Allergie speziell auf Duftstoffe zu entwickeln, gibt es aktuell aber nicht.

Es gibt jedoch einen genetisch bedingten Zustand, der zwar nicht direkt die Allergiebereitschaft erhöht, aber indirekt doch das Risiko einer Kontaktallergie. Dabei handelt es sich um die Personengruppe mit Filaggrin Mutationen, die sehr stark mit dem Krankheitsbild Neurodermitis und Ichtyosis vulgaris assoziiert sind.

Was ist Filaggrin bzw. eine Filaggrin Mutation?

Filaggrin ist ein Protein, das in der Epidermis, der äußersten Hautschicht, vorkommt. Es verschließt die Tight Junctions, das sind die Lücken zwischen den einzelnen Zellen der Haut, wie eine Art „Kitt“. Bei zwischen 5 bis 10 Prozent der Mitteleuropäer ist dieses Protein defizient, das heißt unvollständig. Sie haben Mutationen, durch die das Filaggrin nicht so effektiv gebildet wird. Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Personengruppe ein leicht erhöhtes Sensibilisierungsrisiko trägt, weil Allergene die Hautbarriere leichter durchdringen können.

Kann man mit Neurodermitis wegen der Filaggrin Mutation leichter Kontakteallergien entwickeln?

Neurodermitis-Patienten haben bei leichteren Schüben bzw. zwischen den Schüben eine gestörte Hautbarriere. Sie können sich durch das Eincremen, das ja bei Neurodermitis zur Basistherapie gehört, leichter auf Kontaktallergene, auch auf Duftstoffe, sensibilisieren. Aus diesem Grund ist eine „allergenarme“ Pflege für diese Personengruppe besonders wichtig. Dafür haben Studien gezeigt, dass bei schweren Neurodermitis-Schüben die Immunabwehr der Patienten grundsätzlich heruntergeregelt ist. Der Vorteil ist, dass die Patienten in dieser Zeit weniger leicht eine Allergie entwickeln.

Welche Rolle spielt die Allergen-Dosis bei der Duftstoff Allergie, gibt es Erfahrungsberichte?

Wie bei allen anderen Kontaktallergien spielt bei der Duftstoff Allergie die Allergen Dosis eine große Rolle. Man misst dies mit der Menge eines Stoffes pro Fläche. Das bedeutet, ab einer gewissen Menge pro cm2-Fläche kann es zu einer allergischen Reaktion auf Duftstoffe kommen. Dabei gibt es erheblich Unterschiede zwischen den einzelnen Stoffen. Es gibt Substanzen, die bereits bei einer Menge, die sich im Mikrogramm-Bereich pro cm2 bewegt, eine Allergie auslösen können. Dazu gehören die außerordentlich potenten Duftstoff-Allergene Chloratranol und Atranol. Von anderen Stoffen kann man einige mg pro cm2 auftragen und das Allergierisiko ist recht gering. Deshalb wäre bei den Duftstoff Allergenen eine individuelle Mengen- bzw. Konzentrationsbegrenzung sinnvoll. Die Industrie versucht, das auch entsprechend umzusetzen.

Was sollte ein Patient tun, wenn er befürchtet, eine Duftstoff Allergie zu haben?

Wenn ein Patient ein Ekzem entwickelt, erkennt er manchmal direkt, wodurch die allergische Hautreaktion ausgelöst wurde. Der Patient ordnet das dann zum Beispiel als Parfüm Allergie oder Deo Allergie ein. Diese Patienten sollten dann auf das besagte Kosmetikprodukt verzichten. Die allergischen Hautreaktionen bilden sich dann zurück und ein Arztbesuch ist nicht nötig. Andererseits ist es gerade bei weit verbreiteten Duftstoffen möglich, dem mutmaßlichen Allergen in einem nächsten Produkt zu begegnen. Dann können ein Arztbesuch und ein Allergietest doch sinnvoll sein. Auch wenn nicht ersichtlich ist, wodurch es zu den Allergiesymptomen kam, aber der Patient vermutet eine Duftstoffallergie, sollte er einen Arzt aufsuchen.

Welcher Arzt ist bei einer Duftstoff Allergie der richtige?

Bei einer Allergie der Haut ist der Hautarzt oder Dermatologe der richtige Ansprechpartner. Der Dermatologe würde dann beim Patienten einen Epikutantest durchführen. Dafür sollte mindestens eine sogenannte Standardreihe mit einigen Duftstoffmixen zum Einsatz kommen. Man nennt das Standardreihe, weil sie grundsätzlich bei jedem epikutan getesteten Patienten eingesetzt werden sollte.

Wie erfolgt die Diagnose einer Duftstoffallergie mit Hilfe der Dufstoffmixe?

In der Standardreihe werden eine Reihe von Duftstoffallergenen an der Haut getestet. Dafür stehen zwei Mischungen zur Verfügung:

  • 1. Duftstoffmix I mit acht Einzelstoffen
  • 2. Duftstoffmix II mit sechs Einzelstoffen

Weiter testet man einen natürlichen Extrakt, den „Perubalsam“. Perubalsam wird von der Kosmetikindustrie nicht direkt in Form des getesteten Harzes eingesetzt, sondern als Destillate und Extrakte daraus. Unabhängig davon enthält Perubalsam eine Reihe von Stoffen, die auch anderweitig, zum Beispiel als synthetische Stoffe, in Duftstoffen vorkommen.

Was sind allergene Duftstoffe?

Die beiden Duftstoffmixe sollen die häufigsten bekannten Allergene kombinieren, um mittels zweier Testzubereitungen effektiv auf eine Allergie gegen einen der 14 enthaltenen Stoffe „screenen“ zu können.

Die Einzelstoffe des Duftstoffmix I sind:

  • Amyl cinnamal
  • Cinnamyl alcohol
  • Cinnamal
  • Eugenol
  • Geraniol
  • Hydroxycitronellal
  • Isoeugenol
  • Extrakt aus Evernia prunastri („Baummoos“)

Die Inhaltsstoffe des Duftstoffmix II sind:

  • Hydroxyisohexyl 3-cyclohexen carboxaldehyd („HICC“)
  • Citral
  • Citronellol
  • Farnesol
  • Coumarin
  • Hexyl cinnamal

Alle Angaben sind in der INCI-Terminologie aufgeführt, wie sie auch auf den Packungen stehen.

Die deutsche Kontaktallergie Gruppe hat seit einigen Jahren auch drei wichtige ätherische Öle in die Standardreihe zum Test auf Duftstoff Allergien aufgenommen, die als natürliche Duftstoffe eingesetzt werden:

  • 1. Sandelholz-Öl
  • 2. Jasmin-Extrakt
  • 3. Ylang Ylang-Öl

Bei etwa je 1 Prozent der getesteten Patienten kommt es hierauf zu Reaktionen.

Zusätzlich testet man noch den Duftstoff Hydroxyisohexyl 3-cyclohexene carboxaldehyde (HICC), weil Allergien gegen diese Substanz zumindest momentan noch besonders häufig festgestellt werden, wenngleich sie langsam abnehmen in Folge des Verbots von HICC.

Was passiert, wenn der Allergietest auf Duftstoffe positiv ausfällt?

Reagiert der Patient auf einen dieser Mixe positiv, ist ein erster Schritt getan. Geholfen ist dem Patienten dadurch aber noch nicht wirklich. Man kann zunächst lediglich sagen, dass der Patient mit einem der in den Mixen enthaltenen Allergene Kontakt hatte und eine Allergie darauf entwickelt hat. Unklar bleibt, um welchen Stoff, oder welche Stoffe, es sich handelt. Allerdings sollten anschließend die Mixe in die einzelnen Bestandteile aufgeschlüsselt werden. In vielen Fällen werden dann bei Duftstoff-Allergikern sogar Allergien auf mehrere Duftstoffe festgestellt. Allerdings wird eine solche Aufschlüsselungstestung in der Regel nur in spezialisierten Allergiezentren durchgeführt. Erst durch diese genaue Diagnostik kann festgestellt werden, welche Produkte, die der Patient benutzt hatte, und im Verdacht hatte, oder nicht, diesen Stoff enthalten haben. Dann kann man davon ausgehen, dass die auch die kontaktallergische Reaktion ausgelöst haben. Der Patient weiß dann auch, und das ist besonders wichtig, welche Produkte er künftig meiden muss, da sie den betreffenden Stoff enthalten. Allerdings muss der Patient nicht zwangsläufig auf einen der genannten Tests für Duftstoffallergien reagieren, wenn er eine Duftstoffallergie hat.

Heißt dass, man kann auch eine Duftstoff Allergie haben, obwohl man im Allergietest ein negatives Ergebnis hat?

Durchaus, denn der Patient kann ja auch allergisch auf einen Duftstoff sein, der in den Mixen nicht enthalten ist. In diesem Fall bleibt der Test auf Duftstoffe negativ, obwohl der Patient ein duftstoffbezogenes Problem hat. Dann ist die Frage, welches Duftstoffallergen der Auslöser sein könnte. Deshalb fordern wir die Erweiterung der Kennzeichnungspflicht auf weitere Duftstoffe, jenseits der bisher deklarationspflichtigen 26 Stoffe. Wir sind der Meinung, dass ein Patient anhand der Packung erkennen können sollte, ob ein Produkt den für ihn allergenen Stoff enthält oder nicht. Allgemeine Listen mit Allergenen oder Produkten, die man bei Verdacht auf Duftstoffallergie meiden sollte, gibt es nicht und sie sind auch nicht sinnvoll.

Welche Behandlung ist bei Duftstoff Allergien möglich?

Das Meiden des Allergens ist bei Duftstoffallergien, wie bei anderen Allergien, das A und O. Deshalb ist es auch so wichtig, das auslösende Allergen genau zu kennen. Meist klingen die Hautsymptome von alleine wieder ab, wenn das Allergen gemieden wird. Aber in manchen Fällen kann es sinnvoll sein, für ca. eine Woche eine Kortisoncreme einzusetzen und eine dermatologische Behandlung wird empfohlen!

Danach kommt es darauf an, Rückfälle zu vermeiden. Dazu ist es wichtig, dass man dem Patienten möglichst eine Liste, der für ihn allergenen Duftstoffe mitgibt. Je genauer der Patient weiß, was er meiden soll, desto besser.

Wie gehen Sie vor, wenn der Duftstoff Allergietest negativ ausfiel, aber dennoch der Verdacht auf eine Duftstoffallergie besteht?

In diesem Fall beginnt die Detektivarbeit, denn dann muss man weitertesten. Man kann dann den Patienten bitten, über drei Wochen hinweg ein verdächtiges Produkt mehrmals täglich auf die gleiche Stelle aufzutragen. Dazu eignet sich zum Beispiel die Innenseite des Unterarms. Man versucht, damit eine klinische Reaktion zu reproduzieren. Wenn dann ein Ekzem entsteht, hat man einen klaren Hinweis auf eine allergische Unverträglichkeit. Jedenfalls dann, wenn es sich um ein Kosmetik-Produkt handelt, das für den Verbleib auf der Haut bestimmt ist.

Wie findet man heraus, ob es das Parfüm ist, das die Reaktion auf das Kosmetikprodukt ausgelöst hat?

Im nächsten Schritt könnte man den Hersteller des Produktes anschreiben und um die einzelnen Komponenten für einen erneuten Epikutantest bitten. Bei „normalen“ Kosmetikbestandteilen sind die Hersteller hier durchaus kooperativ. Bei einem Parfüm mit 100 Einzelkomponenten stößt diese Kooperationsbereitschaft allerdings an ihre Grenzen. Verständlicherweise, denn eine Vielzahl dieser Komponenten besteht ihrerseits wieder aus Mischungen. Es gibt spezialisierte Kollegen, die versuchen, einzelne Komponenten mit hochauflösender analytischer Chemie zu isolieren und dann zu testen. Aber der Aufwand ist enorm und in der täglichen Praxis nicht leistbar.

Was müsste der Gesetzgeber tun, um Menschen mit Duftstoff Allergien zu helfen?

Eine weitreichendere Deklarationspflicht, als dies aktuell der Fall ist, wäre wünschenswert. Damit wäre es zunächst einmal möglich, bestehende Duftstoff Allergien besser zu diagnostizieren.

Im zweiten SCCS-Gutachten für die EU-Kommission aus dem Jahr 2012, an dem auch ich mitgewirkt habe, wurde eine Deklarationspflicht für 126 Duftstoffallergene vorgeschlagen.

Diese Liste ist nicht vollständig, aber damit decken wir zumindest „die Spitze des Eisbergs“ nach aktuellem Kenntnisstand ab. Aktuell, zehn Jahre später, gilt leider lediglich weiterhin nur für die 26 Allergene, die im ersten SCCS-Gutachten von 1999 vorgeschlagen wurden, eine Deklarationspflicht.

Man muss an dieser Stelle erwähnen, dass es für alle anderen Kosmetik-Bestandteile, außer den Duftstoffen, sowieso eine Deklarationspflicht gibt. Duftstoffe waren zunächst ausgenommen worden, da eine Deklaration der Industrie zu „schwierig“ erschien. Da es sich aber um eine bedeutende Allergengruppe handelt, ist es natürlich wichtig, dass wir auch hier eine möglichst umfassende Deklaration haben.

Ein (lösbares) Problem ist allerdings, dass wir für viele der 100 weiteren wichtigen Duftstoffallergene die Testlösungen für die Epikutantests noch nicht zur Verfügung haben. Für andere, wie die drei ätherischen Öle, die die Deutsche Kontaktallergie Gruppe seit einigen Jahren testet, allerdings durchaus.

Eine weitreichendere, am besten vollständige, Deklarationspflicht für Duftstoffe auf den Verpackungen, wie für alle anderen Bestandteile, könnte dazu beitragen, allergene Duftstoffe schneller zu identifizieren. Man könnte sie dann deutlich schneller aus dem Verkehr ziehen. Schließlich ist seit 2009 die EU Cosmetics Regulation in Kraft getreten. Diese besagt, dass Kosmetikprodukte nicht schaden dürfen, genau wie ihre Vorgängerin, die „Cosmetics Directive“, die noch jeweils in nationales Recht umgesetzt werden musste. Es sollte dem so informierten Verbraucher ermöglicht werden, Produkte zu wählen, die verlässlich frei von Duftstoffen und auch von anderen Inhaltsstoffen sind, die er nicht in seinen Produkten haben möchte.

Kann eine Desensibilisierung bzw. Allergen-Immuntherapie bei Duftstoffallergien helfen?

Bei den sogenannten Kontaktallergien wie gegen Duftstoffe, besteht im Unterschied zu den sogenannten Soforttyp-Allergien gegen Pollen, Tierhaare, Nahrungsmittel und vieles andere mehr leider keine Möglichkeit einer Immuntherapie, die die Allergie abschwächen oder gar zum Verschwinden bringen könnte. Somit bleibt die Allergenmeidung der einzige Weg, Ausbrüche einer allergischen Kontaktdermatitis zu vermeiden. Dafür ist eine umfassende Diagnostik ebenso wichtig wie eine vollständige(re) Information über Duftstoffe als Inhaltsstoffe von Kosmetika und anderen Produkten.

Herr Prof. Uter, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1) https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20946456/. DOI: 10.1111/j.1600-0536.2010.01768.x.

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.