Allergien im Friseurberuf

Prof. Dr. med. Swen Malte John, Leiter des Fachgebietes Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie der Universität Osnabrück

Allergien im Friseurberuf: Risiken minimieren durch sinnvolle Prävention!

Der Friseurberuf gehört zu den Berufen, die ein gewisses Allergierisiko bergen. Grund dafür sind allergene Stoffe, die in den unterschiedlichsten Arbeitsmaterialien der Friseure enthalten sind. Aber bedeutet eine vorhandene Allergie, dass man den Friseurberuf nicht ausüben kann? Welche Möglichkeiten zur Prävention gibt es im Friseurhandwerk? Wie schützt man sich als Friseur richtig? Fragen, die MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. med. Swen Malte John, Leiter des Fachgebietes Dermatologie, Umweltmedizin und Gesundheitstheorie der Universität Osnabrück ausführlich besprach. 

Herr Prof. John, der Friseurberuf gehörte in der Vergangenheit zu den Berufen mit erhöhtem Allergierisiko, ist das immer noch so?

In der Tat ist der Friseurberuf nach wie vor eine Tätigkeit, die mit Risiken für die Entwicklung von Hauterkrankungen einhergeht. Dies gilt übrigens nicht nur für allergisch bedingte Hauterkrankungen. Aus Untersuchungen geht jedoch hervor, dass man das Risiko, diese Hauterkrankungen durch den Friseurberuf zu erwerben, ganz deutlich vermindern kann, wenn man sich von Anfang an gut schützt.

In den 90er Jahren konnte man durch diese Maßnahmen die Häufigkeit beruflicher Hauterkrankungen im Friseurgewerbe um 60 Prozent vermindern, was ganz beachtlich ist. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass der Friseurberuf nach wie vor mit Risiken behaftet ist. Durch Prävention können wir da noch sehr viel erreichen und deshalb ist es uns ein Anliegen, die Auszubildenden im Friseurberuf von Anfang an darüber zu informieren, dass es sich lohnt, sich zu schützen.

Sind präventive Maßnahmen zu Schutz vor Allergien und anderen Hauterkrankungen im Friseurberuf in jedem Fall nötig?

Unbedingt! Viele denken: "Ich habe keine Probleme mit der Haut, warum soll ich mich schützen?" Eine allergische Erkrankung kann jedoch jederzeit entstehen und deshalb sind Schutzmaßnahmen der beste Weg um dafür zu sorgen, dass eine Allergie gar nicht erst entsteht. Am besten wirkt der Hautschutz dann, wenn man noch keine Probleme hat. Besteht bereits ein Handekzem, ist es nicht mehr so einfach mit einem Handschuh zu arbeiten, denn dann ist auch der Hautkontakt mit dem Handschuh unangenehm.

Bei welchen Tätigkeiten und Produkten kommt man als Friseur mit potenziellen Allergenen in Berührung – wo bestehen Risiken?

Das häufigste Allergen sind heutzutage Oxidationshaarfarben und die meisten Friseure tragen Handschuhe, wenn sie diese Farben auftragen, um eine Verfärbung der Finger zu vermeiden. Nicht immer sind diese Handschuhe allerdings geeignet dafür zu sorgen, dass die allergenen Substanzen auch wirklich nicht in die Haut eindringen können.

Vielfach werden die Einmal-Handschuhe auch mehrfach verwendet und auch dies ist nicht im "Sinne des Erfinders", denn dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man trotz Handschuh mit den Substanzen in Berührung kommt, weil sich die allergenen Moleküle auf der Oberfläche und im Handschuh befinden.

Beim An- und Ausziehen der Handschuhe sollten Friseure außerdem darauf achten, dass sie nicht mit der Außenseite des Handschuhs in Berührung kommen. Das muss gelernt sein und ist oft gar nicht so einfach. Es gibt aber einfache Kniffe, die dabei helfen können, die Risiken im Friseurgewerbe ganz deutlich zu reduzieren.

Außerdem gilt zu bedenken, dass auch beim Auswaschen  der Oxidationsfarben immer noch Farbreste in den Haaren haften können, d.h. auch dabei sollten geeignete Handschuhe getragen werden.  

Das größte Risiko im Friseurberuf ist jedoch die Nichtinformation, denn wenn man sich der Allergengefahr nicht bewusst ist, ist man auch nicht motiviert dazu, geeignete Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen.

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