Sensibilisierungen Allergietest multiple Allergien

Dr. Petra Zieglmayer zum Thema: Viele Sensibilisierungen im Allergietest = multiple Allergien?

Viele Sensibilisierungen im Allergietest = multiple Allergien?

Wenn sich in Allergietests viele Sensibilisierungen zeigen, ist das für die Betroffenen ein großer Schreck. Viele nehmen automatisch an, sie seien gegen all diese Stoffe allergisch. Allerdings ist dies oft gar nicht der Fall. Was genau dies bedeutet, erklärt Dr. Petra Zieglmayer, wissenschaftliche Leiterin der Wiener Provokationskammer und medizinisch-wissenschaftliche Direktorin bei Thermo Fisher Scientific im Interview mit MeinAllergiePortal bei den Düsseldorfer Allergie- und Immunologietagen 2019.

Frau Dr. Zieglmayer, was bedeutet es, wenn der Allergietest nicht nur eine, sondern viele Sensibilisierungen ausweist?

Wenn sich bei einem Patienten im Prick-Test oder IgE-Test mehrere positive Reaktionen zeigen, bedeutet dies keinesfalls, dass dieser Patient tatsächlich eine Allergie auf all diese Allergene hat. Eine Sensibilisierung ist lediglich ein Hinweis auf eine Allergiebereitschaft. Erst wenn eindeutig nachgewiesen wurde, dass die Sensibilisierung zu allergischen Symptomen führt, handelt es sich tatsächlich um eine Allergie. Allerdings ist es für den Arzt teilweise nicht ganz einfach zu differenzieren, welche die dominante Allergie des Patienten ist. Dies wäre aber wichtig, zum Beispiel für die Entscheidung, ob diese Allergie mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT) behandelt werden sollte.


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Was ist zu tun, wenn nach den Allergietests nicht eindeutig klar ist, welches Allergen die allergischen Beschwerden verursacht?

In den Fällen, in denen Prick-Test und IgE-Test keine klaren Aussagen liefern, kann eine komplexere serologische Diagnostik nötig sein. Dabei handelt es sich um die molekulare Allergiediagnostik, ebenfalls eine Untersuchung am Blut, denn diese kann die Hauptallergene präziser erfassen. In letzter Instanz kann ein Provokationstest Klärung bringen.

Heißt das, mit der molekularen Allergiediagnostik lässt sich in jedem Fall die Allergie, die die Beschwerden hervorruft, eindeutig bestimmen?

Nicht in jedem Fall. Eine Allergie kann auf sogenannte Hauptallergene, aber auch auf Nebenallergene bestehen. Die Nebenallergene kommen teilweise bei mehreren potenziellen Allergenquellen vor. So gibt es zum Beispiel die Polcalcine, die in den Pflanzen vorkommen und deshalb bei Pollenallergikern für nicht eindeutige Testergebnisse sorgen können. Hinzu kommen die Profiline, die bei allen Allergenquellen zu finden sind.

Optimal ist es dann, wenn Arzt aus den Testergebnissen in Verbindung mit der klinischen Anamnese herauslesen kann, welche Allergie den Patienten am meisten belastet. Ist dies nicht der Fall, weil die Symptome des Patienten unspezifisch sind und nicht eindeutig zu den Testergebnissen der molekularen Allergiediagnostik passen, muss ein weiterer Test erfolgen. Dann kann ein Provokationstest nötig werden, um die klinische Relevanz der Sensibilisierung zweifelsfrei nachzuweisen. Dabei wird der Patient mit den vermuteten Allergenen in Kontakt gebracht, bei Pollenallergien durch einen nasalen Provokationstest an der Nasenschleimhaut. Kommt es dann zu den allergischen Symptomen, ist das auslösende Allergen identifiziert.

Welche Vorteile hat es für den Patienten, dass das das auslösende Allergen identifiziert wird?

Die Bestimmung des auslösenden Allergens ist die Basis für die richtige Therapieentscheidung. Mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT) ist es möglich, bei vielen Allergien die Ursache der Allergie zu therapieren. Dies SIT wirkt aber nur dann, wenn sie gegen das relevante Allergen erfolgt.

Außerdem wirkt die Therapie deutlich besser, wenn die Allergie des Patienten durch ein Hauptallergen und nicht durch ein Nebenallergen ausgelöst wurde. Sollte eine Allergie auf ein Nebenallergen bestehen, muss der Patient dies wissen und entscheiden, ob er eine Therapie beginnen möchte, auch wenn die Erfolgsaussichten geringer sind.
Für die Lebensqualität der Patienten ist es entscheidend, über diese Zusammenhänge informiert zu werden und entweder richtig therapiert zu werden, oder bewusst auf die Therapie zu verzichten.

Frau Dr. Zieglmayer, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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