Internationaler Hautschutztag Berufsallergie Kontaktekzem

Prof. Swen Malte John begrüßte die Teilnehmer mit seinem Vortrag über den betrieblichen Hautschutz aus europäischer Perspektive.

Internationaler Hautschutztag 2017: Viel erreicht, noch viel zu tun

Krefeld, 24.05.2017    Am 10. und 11. Mai fand der Internationale Hautschutztag im Zeughaus in Neuss statt. Vor einem internationalen Auditorium widmeten sich die Referenten in ihren Fachbeiträgen unter anderem der Frage, wie man Hautschutzmaßnahmen in Betrieben erfolgreich verankert, welche Konsequenzen sich aus BK 5103 für den betrieblichen UV-Schutz ergeben sowie den rechtlich-regulatorischen Herausforderungen, denen sich die Hersteller von Hautschutzprodukten gegenübersehen. Am Ende der beiden Veranstaltungstage waren sich Teilnehmer und Veranstalter einig: In den letzten Jahren wurde im Bereich des beruflichen Hautschutzes viel erreicht, aber viele Hürden gilt es auch in Zukunft noch zu überwinden.

Prof. Swen Malte John, Wissenschaftlicher Direktor und Chefarzt des Instituts für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation (iDerm) an der Universität Osnabrück, begrüßte die Teilnehmer des Internationalen Hautschutztag mit seinem Vortrag über den betrieblichen Hautschutz aus europäischer Perspektive. Er konnte seine Ausführungen mit einer positiven Meldung beginnen: Durch die konsequente Umsetzung von Therapiemaßnahmen sei es gelungen, viele Menschen, die von der Berufsunfähigkeit bedroht waren, in ihren Tätigkeiten zu halten. Trotzdem müsse konsequent weiter in die Aufklärung und die Prävention investiert werden, denn Angestellte in Risikoberufen wüssten oft nicht, welchen Gefahren sie sich täglich aussetzen bzw. wie sie ihre Haut vor schädlichen Einflüssen schützen können. Der Hautschutz scheitert demnach im Einzelfall oft nicht an den zur Verfügung stehenden Mitteln, sondern vor allem am Bewusstsein der Betroffenen.

Mitarbeiter motivieren zum Hautschutz

Im Themenblock „Verhaltensänderung“ ging es vor allem um die Frage, wie man die Botschaft der Prävention zu den Betroffenen bringt und sie von ihrer Wirkung überzeugen kann. Das psychologische Fundament für die Diskussion lieferte der Sportpsychologe Prof. Jens Kleinert von der Sporthochschule in Köln. Aus seiner Erfahrung im Umgang mit Leistungssportlern konnte er berichten, dass diese in der Vorbereitung auf Wettkämpfe oft vor ganz ähnlichen Problemen stehen wie der Metallarbeiter, der zur Handpflege aufgefordert wird: Beide wissen, was geboten ist und welche Konsequenzen ihnen drohen, aber es gelingt ihnen dennoch nicht, sich zu überwinden, weil die Aufgabe, der sie sich gegenübersehen, für sie mit Unlust verbunden ist.  

 Diese „Unlust“ in „Lust“ umzuwandeln, ist nahezu unmöglich, wohl aber kann man ihre Überwindung erleichtern. Ein Schlüssel zum Erfolg ist die sogenannte Selbstwirksamkeit: Das bedeutet, dass man nicht nur weiß, was man tun muss, sondern durch einen genauen Plan in die Lage versetzt wird, die gebotenen Maßnahmen umzusetzen. Übertragen auf den Metallarbeiter heißt das etwa, dass ihm die passenden Schutz- und Pflegeprodukte zur Verfügung stehen, er weiß, welchen Zweck sie erfüllen, wie und nicht zuletzt wann und wo sie anzuwenden sind. Hilfreich kann es darüber hinaus sein, eine unangenehme Handlung – also das Eincremen der Hände – mit einer angenehmen oder neutralen mental zu verknüpfen. Die Handpflege fällt unter Umständen leichter, wenn sie als Bestandteil der Handreinigung aufgenommen wird.

UV-Schutz: Hautkrebs als Berufskrankheit

Wie wichtig der betriebliche Hautschutz ist, zeigt auch die Tatsache, dass eine Form des durch natürliche UV-Strahlung hervorgerufenen weißen Hautkrebs, das sogenannte Plattenepithelkarzinom, vor zwei Jahren unter der Nummer BK 5103 in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen wurde. Insofern stand auch das Thema „UV-Schutz“ auf der Agenda der Veranstaltung. Eine allgemeine Einführung in das Thema des beruflichen UV-Hautschutzes lieferte Prof. Christian Surber von den dermatologischen Universitätskliniken in Basel und Zürich. Er stellte noch einmal die Gefahr heraus, die vor allem für solche Berufstätige besteht, die den Großteil ihrer Arbeitszeit im Freien verbringen. Hier sind sowohl weitere Aufklärung als auch die Vorkehrung bestimmter Schutzmaßnahmen gefragt. Schutzkleidung, Schatten und die Meidung direkter Sonneneinstrahlung besonders zwischen 11 und 15 Uhr seien die effektivsten Mittel, erst danach folgen die Sonnenschutzcremes, bei denen es sowohl auf den richtigen Zeitpunkt des Auftrags sowie die Dosierung ankommt. Der auf der Packung angegeben Lichtschutzfaktor bezieht sich nämlich immer auf eine Auftragsmenge von mindestens zwei Milligramm pro Quadratzentimeter, die der Anwender meist erst beim Nachcremen erreicht. Die immer beliebter werdenden Schutzsprays seien auch aus diesem Grund nicht zu empfehlen: Der Großteil verliert sich noch vor dem Auftreffen auf der Haut. Im Anschluss an Prof. Surber schilderte Prof. Thomas L. Diepgen, Klinische Sozialmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg, was sich seit der Anerkennung von Hautkrebs als Berufskrankheit verändert hat und welche Entwicklungen in den kommenden Jahren zu erwarten sind. Nicht zuletzt aus seiner Sicht hätte man schon vor geraumer Zeit auf die hohe Zahl an Hautkrebserkrankungen reagieren müssen, denn das Risiko, an einem Plattenepithelkarzinom zu erkranken, ist gerade für sogenannte „Outdoor Worker“ immens.

Das belegte auch der Vortrag von Dr. Marc Wittlich: Für die DGUV stattete er im Rahmen des Langzeitprojekts „Genesis-UV“ mehr als 800 Arbeiter mit einem Gerät aus, das die UV-Belastung während des Arbeitstages aufzeichnete. Wie zu erwarten war, zeigten Angehörige des Baugewerbes die höchsten Werte: Den Spitzenwert erzielte der Kanalbauer mit 581 SED im Jahr (ein SED entspricht der UV-Dosis, die beim hellen Hauttypen einen Sonnenbrand auslöst). Die Auswertung der Ergebnisse brachte für die Zukunft aber auch wichtige systematische Erkenntnisse: So splitteten sich manche Berufe in Tätigkeitsfelder mit stark voneinander abweichenden UV-Belastungsprofilen und gebotenen Präventionsmaßnahmen. Ein gutes Beispiel sind Briefträger: In Abhängigkeit von ihren Routen (sind sie eher ländlich unterwegs oder zwischen großen, schattenspendenden Gebäuden) fallen die Belastungsprofile sehr unterschiedlich aus.

Blick nach vorn

Man darf gespannt sein, wie die neuen Herausforderungen, vor denen der betriebliche Hautschutz steht, bewältigt werden. Ganz sicher wird der nächste Internationale Hautschutztag Aufschluss darüber liefern. Gegenüber der letzten Veranstaltung konnten die Teilnehmerzahlen verdoppelt werden. „Die Fachvorträge waren von außerordentlicher Güte“, bemerkte eine Betriebsärztin aus Ingolstadt und ein Sicherheitsbeauftragter aus Kiel ergänzte, dass der Hautschutztag sich vor allem durch den „lebendigen Austausch mit Fachkräften aus ganz unterschiedlichen Orten und Branchen“ auszeichne. Das bestätigten auch Prof. Sawko Wassilew als wissenschaftlicher Leiter der Veranstaltung sowie Johannes Sitzmann, Managing Director der Deb-Stoko Europe GmbH: „Ohne die kompetenten Redebeiträge der Teilnehmer wäre der Internationale Hautschutztag nicht die herausragende Veranstaltung, die er ist. Wir bedanken uns bei allen, die unserer Einladung nach Neuss gefolgt sind“, so Sitzmann.

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