Duftstoff-Deklarationspflicht Duftstoffallergikern

Prof. Dr. med. Wolfgang Uter, Dermatologe an der Friedrich-Alexander Universität (FA) Erlangen und Präsident der European Society of Contact Dermatitis (ESCD): Duftstoff-Deklarationspflicht - hilft sie Menschen mit Allergie auf Duftstoffe?

Duftstoff-Deklarationspflicht: Hilft sie Duftstoffallergikern?

Wie kam es zur aktuellen EU-Deklarationspflicht für Duftstoffe?

Bei der Einführung der Deklarationspflicht für Kosmetika in den 70er Jahren hat man Duftstoffe von der Deklarationspflicht ausgenommen. In Bezug auf die Duftstoffe wurde es zugelassen, dass die Hersteller die einzelnen Duftstoffe unter dem Begriff „Parfüm“ zusammenfassten. Dies geschah aus Rücksicht auf die Industrie, die es nicht für leistbar hielt, sämtliche verwendeten Duftstoffe konkret zu kennzeichnen.

In den 90er Jahren hat sich dann erstmals das Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) der EU mit der Frage der Duftstoffe beschäftigt und eine Reihe von Duftstoffen identifiziert, von denen bekannt war, dass sie allergen sind. Damals war bereits anhand der Allergietestergebnisse klar, dass Duftstoffe, nach den Metallen, die häufigsten Kontaktallergene sind. Bei einem positiven Testergebnis konnte man dem Patienten wegen der fehlenden Einzelangaben aber leider keine konkreten Angaben zum Auslöser seiner Allergiesymptome machen. Eine Beratung zur Allergenmeidung war dementsprechend ebenfalls nicht möglich. Diese erste SCCS-Empfehlung führte zur Deklarationsverpflichtung von 26 Duftstoffen. Das heißt, alle anderen Duftstoffe mussten wiederum nicht einzeln deklariert werden, sondern wurden weiterhin unter „Parfüm“ zusammengefasst.

Das zweite SCCS-Gutachten aus dem Jahr 2012, an dem ich auch mitgewirkt habe, verfolgte das Ziel, den Informationsgehalt der verpflichtenden Angaben auf der Verpackung von Kosmetikprodukten zu erhöhen und empfahl eine Deklarationspflicht für insgesamt 126 Duftstoffe. Im Grunde müsste aber eine Deklarationspflicht für sämtliche Duftstoffe bestehen, egal, ob sie durch einen Begutachtungsprozess gegangen sind und als Allergene aufgefallen sind, oder nicht – genau wie sämtliche anderen Kosmetika-Bestandteile. Dann hätten die Empfehlungen des SCCS auch nicht den Charakter einer Schwarzen Liste, was für die Industrie unangenehm ist.

Die Empfehlungen des Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) zur Deklaration von Duftstoffen aus dem Jahr 2012 sind aber bisher noch nicht umgesetzt…

Die Empfehlungen des SCCS waren zunächst ein „Risk Assessment“, in dem definiert wurde, worin das Problem besteht und wie gravierend es ist. Das darauf basierende „Risk Management“ wird von anderen Gremien der EU-Kommission durchgeführt und hier werden die Industrieinteressen mit berücksichtigt. Die SCCS-Empfehlungen sind mittlerweile über vier Jahre alt und noch immer im Beratungszustand, einen wirklichen Fortschritt hat man noch nicht erreicht.

Der Fokus der EU-Kommission liegt anscheinend aktuell auf den neuen Mechanismen zum Risikomanagement vor Markteinführung, die die Industrie zukünftig einsetzen will, dem sogenannten Quantitative Risk Assessment (QRA), das kürzlich in einer revidierten Version vorgestellt wurde (QRA 2). Zur Evaluierung des QRA2 definiert man gerade Studien, aber mit der Empfehlung der SCCS zur Deklarierung von Duftstoffen hat dies eigentlich nichts zu tun. Hier ging es ja vorrangig darum zu definieren, was Verbraucher auf der Verpackung von Produkten sehen sollten, die Duftstoffe enthalten und darum, z.B. die Duftstoffe Hydroxyisohexyl 3-cyclohexene carboxaldehyde (HICC), Atranol  und Chloratranol, die als besonders allergen gelten, EU-weit zu verbieten. Dies ist aber noch nicht erfolgt.

Man findet auf manchen Kosmetikprodukten den Claim „Frei von Duftstoffen“, wie ist der Claim zu bewerten?

Sobald einer der 26 Duftstoffe, die in der ersten SCCS-Empfehlung aufgeführt sind, im Produkt enthalten ist, unterliegt dies der Deklarationspflicht, wenn der Anteil des besagten Stoffes über 10 ppm (Parts per Million) in Kosmetika liegt, die auf der Haut verbleiben („leave-on“) bzw. über 100 ppm bei Kosmetika, die von der Haut wieder entfernt werden („rinse-off“). Alle anderen Duftstoffe müssen aktuell pauschal als „Parfüm“ deklariert werden. Wenn jemand eine Allergie auf einen anderen als einen der 26 gelisteten Duftstoffe hat, oder auf einen nicht identifizierten Duftstoff, hilft ihm diese Deklaration entsprechend nicht.

Man müsste dann den Patienten empfehlen, alle Duftstoffe global zu meiden. Verlässt er sich dann auf den Claim „frei von Duftstoffen“ hat dies aber seine Tücken. Das liegt daran, dass einige Substanzen, die als Duftstoff fungieren, nicht nur als Duftstoffe eingesetzt werden, sondern auch als Konservierungsmittel oder Hilfsstoffe. Zum Beispiel können die Duftstoffe Benzylalkohol oder das antimikrobiell wirksame Farnesol in einem „duftstofffreien“ Produkt enthalten sein, weil sie in diesem Produkt nicht als Duftstoff eingesetzt werden, sondern wegen ihrer anderen Funktionen, und Rosenöl könnte z.B. eingesetzt werden, weil es „hautberuhigend“ ist. In diesen Fällen könnte der Hersteller den Claim „parfümfrei“ oder „duftstofffrei“ einsetzen, obwohl das Produkt durchaus Duftstoffe enthält.  

Herr Prof. Uter, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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