Duftstoff-Deklarationspflicht Duftstoffallergikern

Prof. Dr. med. Wolfgang Uter, Dermatologe an der Friedrich-Alexander Universität (FA) Erlangen und Präsident der European Society of Contact Dermatitis (ESCD): Duftstoff-Deklarationspflicht - hilft sie Menschen mit Allergie auf Duftstoffe?

Duftstoff-Deklarationspflicht: Hilft sie Duftstoffallergikern?

Wo überall findet man denn Duftstoffe, die eine Duftstoffallergie auslösen können?

Hunderte verschiedene Duftstoffe findet man zunächst einmal in allen Parfüms. Auch in Hautcremes und in Detergentien, wie Seifen und Flüssigseifen, die die Hautbarriere tendenziell schwächen können, werden Duftstoffe eingesetzt. Ebenfalls enthalten Waschmittel und Putzmittel eine Vielzahl verschiedener Duftstoffe.

Eine Fülle von Duftstoffen findet man auch in Deodorants. In Europa bevorzugt man die Methode, den Achselgeruch zu maskieren, d.h. mit einem angenehmeren Duft überdecken. In Amerika setzt man eher auf Antiperspirantien, z.B. auf Basis von Aluminiumsalzen, die das Schwitzen an sich verhindern, so dass der Geruch erst gar nicht entsteht. Die Achselhöhle ist deshalb im Hinblick auf potenzielle Sensibilisierungen kritisch zu sehen, auch aufgrund der Tatsache, dass sie tendenziell feucht ist, es zu Reibung kommt und dass durch Rasieren Mikrotraumata entstehen können. Die Industrie hat deshalb maximale Einsatzkonzentrationen für jede Substanz vorgesehen, in Abhängigkeit vom Einsatzort. Das bedeutet ein in Deos eingesetzter Stoff wird deutlich niedriger dosiert, als z.B. in Putzmitteln, bei denen man nur kurz Kontakt mit den Substanzen hat.

Welche Duftstoffe können zu Allergien führen?

Es gibt verschiedene Moleküleigenschaften, die dafür sorgen, dass ein Molekül allergieauslösend wirken kann. Eine dieser Eigenschaften ist eine kleine Molekülgröße, d.h. je kleiner das Molekül, desto größer das Sensibilisierungsrisiko. Da Duftstoffe flüchtig sein müssen, um ihre Funktion wahrnehmen zu können, sind sie klein und deshalb besteht hier ein Allergierisiko. Auch bestimmte chemische Eigenschaften von Molekülen können das Allergierisiko befördern.

Hinzu kommt, dass es durchaus Duftstoffe gibt, die per se harmlos sind, aber durch bestimmte chemische Reaktionen gefährlich werden können. Die beiden am häufigsten eingesetzten Duftstoffe sind z.B. Limonene und Linanool. In Verbindung mit dem Sauerstoff aus der Luft oxidieren sie jedoch, z.B. in angebrochenen Parfümflaschen u.ä., und ihre Oxidationsprodukte sind dann etwa 10 Mal so allergen wie das Ausgangsprodukt.  

Sie hatten erwähnt, dass die Industrie permanent neue Duftstoffe entwickelt, gibt es neue Allergene?

Neue Entwicklungen werden von der Industrie in der Regel nicht an die Dermatologen kommuniziert. Vertreter der International Fragrance Association (IFRA) gehen aber von jährlich mindestens fünf synthetischen Duftstoff-Neuentwicklungen aus. Ob diese neuen Duftstoffe allergen wirken, merkt man in vielen Fällen nicht. Um die Hintergründe besser zu verstehen, muss man wissen, wie sich die aktuell bestehende EU-Deklarationspflicht für Duftstoffe entwickelt hat.

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