Duftstoff-Deklarationspflicht Duftstoffallergikern

Prof. Dr. med. Wolfgang Uter, Dermatologe an der Friedrich-Alexander Universität (FA) Erlangen und Präsident der European Society of Contact Dermatitis (ESCD): Duftstoff-Deklarationspflicht - hilft sie Menschen mit Allergie auf Duftstoffe?

Duftstoff-Deklarationspflicht: Hilft sie Duftstoffallergikern?

Die Nachfrage der Verbraucher nach tierversuchfreien Produkten ist sehr groß….

Es gibt eine Reihe von Kosmetikherstellern, die auch schon vor dem Verbot der Tierversuche im Jahr 2013 damit geworben haben, dass für ihre Produkte keine Tierversuche durchgeführt wurden. Allerdings sollte man wissen, dass viele der genutzten Inhaltsstoffe bereits von der Konkurrenz zugelassen wurden und zwar mit Hilfe von Tierversuchen. Untersucht werden ja nicht nur Duftstoffe, sondern auch andere Inhaltsstoffe und dies nicht nur auf deren Allergenität, sondern auch auf die Kanzerogenität und andere wichtige toxikologische Endpunkte.

Werden bei den alternativen Testverfahren immer nur einzelne Substanzen, z.B. auf ihre Allergenität untersucht, oder testet man auch mögliche Interaktionen?

Es ist eine potenzielle Schwäche aller Testmethoden, auch der Tierversuche, dass die Interaktion der unterschiedlichen eingesetzten Stoffe nicht untersucht wird.

Bei Kosmetika ist man mit einer Vielzahl von Kombinationen von Stoffen konfrontiert und es gibt durchaus Hinweise darauf, dass diese Kombinationen dazu führen können, dass man dadurch gegen einen oder mehrere dieser Stoffe leichter sensibilisiert werden kann. Es kommt also durchaus darauf an, welche Substanzen miteinander kombiniert werden und in welcher Dosierung, gerade im Hinblick auf Duftstoffallergien. Schließlich werden Duftstoffe in unglaublich vielen Produkten eingesetzt. Wozu die Interaktionen führen, weiß man nicht.

Zu Interaktionen zwischen unterschiedlichen Duftstoffen kommt es jedoch nicht nur innerhalb eines Produktes, sondern auch durch die Verwendung verschiedener Produkte.

Wie können Interaktionen von Duftstoffen in verschiedenen Produkten zu Sensibilisierungen oder Duftstoffallergien führen?

An den Händen kann man z.B. Kontakt zu Seife, Handcreme und Putzmitteln haben und alle enthalten die unterschiedlichsten Duftstoffe. Wenn man dann noch ein Haargel benutzt, das ebenfalls Duftstoffe enthält, kommen quer durch all diese Produkte unzählige Duftstoffe zusammen. Diese Duftstoffe können alle miteinander interagieren und dies bedingt eine sehr intensive Exposition. Man fängt gerade erst an, Überlegungen zu den nötigen Höchstgrenzen in den jeweiligen Produkten anzustellen, damit diese auch noch in Kombination verträglich sind. Im übrigen begegnet man auch ein und demselben Duftstoff in mehreren Produkten, so dass sich hier Summationseffekte ergeben, also eine höhere kumulative Dosis für die Haut.

An den Händen besteht eine besonders große Gefahr, eine Sensibilisierung auf Duftstoffallergene zu erwerben?

Bei den Händen ist die Gefahr, eine Duftstoffallergie zu entwickeln, sehr groß, aber auch an anderen Körperstellen kommt es zu multiplen Expositionen. Man kann am ganzen Körper z.B. mit Duschgel, Shampoo, Haarspülung, Körperlotion, Parfüm etc. in Kontakt kommen und alles enthalten eine Vielzahl von Duftstoffen.  

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden. Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen gemäß DSGVO.