Kinder- und Jugendärzte: Insektensterben bedroht die Zukunft

Kinder- und Jugendärzte fordern vor dem Hintergrund eines konstanten Rückgangs der gesamten Biomasse fliegender Insekten einen konsequenten, ökologischen Umbau der landwirtschaftlichen Produktionsweise. Allein dadurch kann die biologische Diversität der Insekten-, Vogel- und Pflanzenwelt in Deutschland und Europa und damit eine enkeltaugliche Zukunft unserer Kinder gesichert werden. Weder das Klima noch Änderungen im Landschaftsbild können laut Expertenmeinung als Erklärung für den Rückgang dienen. Vielmehr verantwortlich sind die intensiven Praktiken der Landwirtschaft wie die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln, Dünger sowie die Beseitigung von Blühstreifen und Hecken entlang der Felder.

Massiver Rückgang der Biomasse

„Mehr als 75% Rückgang der gesamten Biomasse fliegender Insekten in geschützten Gebieten in 27 Jahren“ – so betitelte das Forscherteam um Hallmann seine im Oktober 2017 veröffentlichte und seither oft zitierte Longitudinalstudie [1], in der in 63 Naturschutzgebieten Deutschlands über einen Zeitraum von 27 Jahren die gefangene Biomasse bei Fluginsekten analysiert wurde. Im Hochsommer, wenn die Insektenbiomasse ihr Maximum erreicht, konnte sogar ein Rückgang um 81,6% festgestellt werden. An diesen massiven Verlusten sind nicht nur ohnehin gefährdete Arten wie Schmetterlinge, Wildbienen und Motten beteiligt, vielmehr ist die gesamte fliegende Insektengemeinschaft betroffen. Weder das veränderte Klima noch Änderungen im Landschaftsbild können laut den Experten als Erklärung dienen, sie benennen dafür die intensiven Praktiken der Landwirtschaft wie die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln und Dünger als auch die Beseitigung von Blühstreifen und Hecken entlang der Felder, denn 94% der untersuchten Naturschutzgebiete sind von zunehmend durch Monokulturen geprägten Nutzflächen umschlossen.

 

Bienensterben - es begann schon vor 10 Jahren!

Schon vor mehr als 10 Jahren waren in den USA ca. 23% der Bienenzüchter vom Phänomen des Völkerkollaps oder auch „Bienensterben“ betroffen [2], eine Beobachtung, die später auch in Europa gemacht wurde. Hierbei kam es bei der westlichen Honigbiene zu einem bis dato unerklärlichen Verschwinden von Arbeiterbienen. Als mögliche Ursachen des Völkerkollapses konnten einige Faktoren identifiziert werden wie die beiden parasitären Organismen Varroa destructor, eine Milbe, und die Mikrosporidien Nosema spp. V. destructor kann überdies pathogenes Material in Form von schädlichen Viren auf ihren Wirt übertragen. Auch bakterielle Brutkrankheiten wie die amerikanische und europäische Faulbrut können Bienenstämmen ernsten Schaden zufügen [3]. Zwar ist weltweit von 1961−2014 dank steigender Zahlen in Asien ein Wachstum der Bestände an domestizierten Bienenstöcken um etwa 55% zu verzeichnen [4]. Gleichwohl sind geschätzte 40% der wilden Bestäuber, insbesondere Bienen, vom Aussterben bedroht [4].

Neonicotinoide - schädliche Wirkung gilt als erwiesen

Mitverantwortlich sind dafür auch die sog. Neonicotinoide, die bei Insekten neurotoxisch wirken und zu deren Paralyse und zum Tod führen [5]. Seit mehr als 20 Jahren wurden sie bevorzugt in der Saatgutbeize eingesetzt, so dass die daraus wachsende Pflanze vor saugenden und beißenden Schädlingen geschützt ist. Deren Pollen und Nektar dient Bienen wiederum als Nahrungsquelle. Viele Studien haben seither die schädliche Wirkung von Neonicotinoiden bewiesen [6]. Nach einem langen Entscheidungsprozess hat der zuständige EU-Ausschuss Ende April 2018 ein endgültiges Verbot für den Einsatz unter freiem Himmel − also auch für die Saatgutbeizung − und das Wintergetreide verfügt, lediglich in geschlossenen Treibhäusern ist er noch erlaubt [7].

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