Patientenrechtegesetz Rechte Patienten

Karsten Menn, Leiter Verträge der BARMER Landesvertretung Baden-Württemberg zum Patientenrechtegesetz!

Patientenrechtegesetz: Welche Rechte haben die Patienten?

Zurück zu den Ärzten, bei denen die Zeit ja ein knappes Gut ist. Wie profitieren Ärzte vom Patientenrechtegesetz?

Vorteile, etwa in Form eines Bonussystems für besonders gute Patientenaufklärung, gibt es im Rahmen des Patientenrechtegesetzes für die Ärzte leider nicht. Aber das Patientenrechtegesetz regelt doch auch das Recht des Behandelnden auf Vergütung.

Die Aufklärung der Patienten nach dem Patientenrechtegesetz ist auch nicht mit einer Gebührenposition hinterlegt. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass dies Bestandteil der allgemeinen Aufklärung und Beratung ist. Der Bewertungsausschuss hat dies deshalb unter der Beratungsziffer subsummiert. Viele Ärzte setzten zur Aufklärung der Patienten deshalb medizinische Fachangestellte mit ein, was den Vorteil hat, dass viele Patienten dann offener nachfragen.

Was raten Sie Patienten im Hinblick auf das Patientenrechtegesetz?

Zunächst sein nochmals gesagt, dass die Patienten ein Recht auf Information und auf Selbstbestimmung haben. Erfolgt die Information durch einen Leistungserbringer nicht proaktiv, sollten sie sie einfordern und nachfragen.

Weiter empfehle ich den Patienten, sich auf den Arztbesuch, bei dem es um eine Therapieentscheidung geht, gut vorzubereiten. Dabei kann es sehr hilfreich sein, alle offenen Fragen zu notieren, damit nichts vergessen wird und sich dann während des Gesprächs auch Notizen zu machen.

Ebenso hilfreich kann es sein, eine Begleitperson mitzunehmen, die einfach nur zuhört. Man weiß, dass bei einem Gespräch cairca. 50 Prozent der Informationen „nicht ankommen“. und eine Begleitperson kann dabei helfen, diese Quote zu erhöhen.

Ganz wichtig ist auch: Wenn es sich nicht um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt, die schnelles Handeln erfordert, sollten die Patienten sich bei der Therapieentscheidung Zeit lassen, über die verschiedenen Optionen intensiv nachdenken und gegebenenfalls eine Zweitmeinung einholen.

 

Sie befürworten ausdrücklich eine Zweitmeinung, obwohl dies die Kosten für die Krankenkassen erhöht?

Eine Zweitmeinung ist sinnvoll, zum Beispiel im Hinblick auf die spätere Therapietreue. Zudem hat der Gesetzgeber hier bereits reagiert. Das 2015 in Kraft getretene GKV-Versorgungsstärkungsgesetz sieht im neuen § 27 b Sozialgesetzbuch V vor, dass Versicherte von Ärzten bei bestimmten planbaren Eingriffen über ihr Recht aufgeklärt werden sollen, eine Zweitmeinung einzuholen. Bei der BARMER haben wir auch vorher schon Zweitmeinungsverträge für unsere Kunden abgeschlossen, weil wir wollen, dass der Patient mündig ist und mitreden kann.

Welche Risiken tragen Patienten, die ihre im Patientenrechtegesetzt verankerten Rechte nicht wahrnehmen?

Im schlimmsten Fall kann es passieren, dass ein Patient eine Therapie erhält, die nicht den aktuellen medizinischen Standards entspricht oder das er unnötig operiert wird.

Herr Menn, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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