Allergologie Kloster 2017

Prof. Ludger Klimek begrüßt die Teilnehmer!

Allergologie im Kloster 2017: Aus der Forschung für die Praxis: Teil I

Konzept der homologen Therapieallergene: Die AIT vereinfachen

 

prof martin wagenmann zum konzept der homologen therapieallergeneProf. Martin Wagenmann zum Konzept der homologen Therapieallergene!

Eine Möglichkeit, die Allergen Immuntherapie (AIT) zu vereinfachen, könnte das Konzept der homologen Therapieallergene bereithalten. „Dahinter steckt die Idee, dass man einen Allergiepatienten auch dann wirkungsvoll therapieren könnte, wenn die Hyposensibilisierung auf ein Allergen innerhalb der gleichen homologen Gruppe erfolgt“ erklärte Prof. Dr. med. Martin Wagenmann, Hals-Nasen-Ohrenarzt und Allergologe an der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Düsseldorf.

In homologen Gruppen werden biologisch artverwandte Allergene zusammengefasst, bei denen eine Kreuzreaktivität anhand von Studiendaten gesichert ist. Man könnte also mit einem Leitallergen einer homologen Allergengruppe eine Allergie auf ein anderes Allergen aus eben dieser Gruppe therapieren. Diese Möglichkeit wäre insbesondere bei Allergien auf frühblühende Bäume interessant, die in Deutschland zu den häufigsten Allergieauslösern gehören. So weist das Majorallergen der Birke Bet v1 eine große Sequenzhomologie und Kreuzreaktivität mit den jeweiligen Majorallergenen von Erle, Hainbuche, Rotbuche, Haselnuss, Eiche und Kastanie auf. Außerdem ist es mit rekombinantem Bet v 1 möglich, die IgE-Reaktivität von Seren gegenüber diesen Baumpollen zu inhibieren, was für die Möglichkeit einer Monotherapie sprechen könnte. „Das bedeutet, eine Einzelallergentherapie auf z.B. die Allergene der Birke könnte auch bei multiplen Sensibilisierungen ausreichen, solange diese der gleichen homologen Gruppe angehören, möglicherweise würde sogar die Therapie allein mit dem rekombinaten Bet v 1-Allergen ausreichen“ so Prof. Wagenmann. Für multi-allergische Patienten könnte das Konzept der homologen Therapieallergene die Immuntherapie vereinfachen.

Allergie bei Kindern: Was weiß man über Ursachen und Präventionsmöglichkeiten?

prof ulrich wahn zu allergieursachen und allergiepraeventionProf. Ulrich Wahn zu Ursachen, Prädiktion und Prävention von Allergien bei Kindern!Die Kinderallergologie ist ein noch junges Fach, erst als sich in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts abzeichnete, dass die Prävalenz von Allergien stetig zunimmt, rückte das Thema bei den Pädiatern und Hochschulen in den Fokus. Mittlerweile sind sowohl die Zusammenhänge der einzelnen Krankheitsmanifestationen als auch deren Dynamik und langfristige Risikoabschätzung weitgehend geklärt. „So weiß man z.B., dass eine hoher IgE-Spiegel bei sehr kleinen Kindern ein Prädiktor sowohl für die Ausprägung, als auch für die Dauer der allergischen Erkrankungen ist“, so Prof. Ulrich Wahn, der eine allergologisch-pneumologische Praxis für Kinder und Jugendliche in Berlin führt. Auch ist erwiesen, dass eine Allergieprävention durch hydrolisierte Säuglingsnahrung bei atopisch vorbelasteten Kindern bis zu einem gewissen Grade möglich ist.

Der Fokus der Forschung liegt heute auf der Primär- und Sekundärprävention - ein Durchbruch ist noch nicht gelungen, es gibt jedoch Anhaltspunkte. So geht die Hygienehypothese davon aus, dass die Konfrontation mit einer möglichst großen Vielfalt an bakteriellen Endotoxinen in der frühen Kindheit - und sogar vor der Geburt - einen vor Heuschnupfen bzw. allergischen Sensibilisierungen schützenden Effekt hat. Gestützt wird diese Hypothese durch eine jüngst in den USA durchgeführte Studie, die das Vorkommen von Allergien bei zwei bäuerlich lebenden Volksgruppen, den traditionell arbeitenden Amish und den hochtechnisiert arbeitenden Hutterer, untersucht hat. Während es bei den Amish kein Asthma gab, ist dies bei den Hutterer durchaus der Fall – die Exposition gegenüber Bakterien und Keimen macht wohl den Unterschied. Ebenso besagt die erst jüngst publizierte Allergenexpositionshypothese, dass eine frühe Allergenexposition auf Nahrungsmittel, über die Haut und oral, ebenfalls einen protektiven Effekt haben könnte, eine Studie an potenziellen Erdnussallergikern hat dies gezeigt. „Vieles muss noch erforscht werden“, so Prof. Wahn, „die Kombination eines Allergens mit einer mikrobiellen Komponente könnte der Schlüssel sein“!

Anaphylaxie-Register: Daten zu Anaphylaxien und Patientenversorgung

prof margitta worm zum anaphylaxie registerProf. Margitta Worm zum Anaphylaxie-Register!Im Anaphylaxie-Register werden seit dem Jahr 2006 schwerere Anaphylaxiefälle von Allergiezentren aus dem deutschsprachigen Raum und einzelnen europäischen Ländern erfasst. Ziel des Registers ist es, aus einer möglichst großen Datenmenge Erkenntnisse zu gewinnen, die bei der Prävention und Therapie von anaphylaktischen Ereignissen von Nutzen sein können. Mittlerweile liegen im Anaphylaxie-Register über 10.000 Anaphylaxiefälle vor.

Deutlich wird anhand des Registers, dass die Anzahl der Anaphylaxie-Fälle, die stationär behandelt werden müssen, zunimmt. „Das Risiko, eine Anaphylaxie zu erleiden, steigt an, wenn bestimmte Komorbiditäten bestehen“ erklärte die Initiatorin des Registers, Univ.-Prof. Margitta Worm, Allergie-Centrum-Charité, „so kommt es bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen und Mastozytose deutlich häufiger zu anaphylaktischen Reaktionen, ebenso wie im höheren Alter“. Darüber hinaus spielen bestimmte Medikamente, z.B. ACE-Hemmer und Beta-Blocker eine Rolle für den Schweregrad der anaphylaktischen Reaktion. Auch Alkohol, körperliche Anstrengung und endokrinologische Faktoren können Anaphylaxien beeinflussen.

Auslöser sind bei Kindern häufig Nahrungsmittel, während bei Erwachsenen Insektengift und Arzneimittel dominieren. Bei den schweren Nahrungsmittelanaphylaxien spielen zunehmend relativ „neue Allergene“ eine Rolle, z.B. die häufig als „Superfood“ bezeichneten Goji Beeren und Safran, ein Gewürz, das z.B. in der indischen und nordafrikanischen Küche häufig Verwendung findt. Seit 2010 weist das Anaphylaxie-Register auch zunehmend häufig Fälle mit verzögerten anaphylaktischen Reaktionen auf Fleisch aus, das Alpha-Gal-Syndrom.

Was das Anaphylaxie-Register auch deutlich zeigt: Noch immer besteht bei der Behandlung von akuten schwereren Anaphylaxien eine gewisse Scheu, Adrenalin als First-Line-Medikament einzusetzen, obwohl sowohl die nationale Leitlinie als auch die internationalen Leitlinien dies aufgrund dessen schnellster Wirksamkeit empfehlen. „Dies ist unbefriedigend und die Ursachen hierfür sind vielfältig, aber zumindest lässt sich aktuell ein positiver Trend im Sinne eines früheren Adrenalin-Einsatzes erkennen“ sagte Prof. Worm, “die Anaphylaxieschulungen sind dabei ein wichtiger Faktor“.

 

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