Neurodermitis, richtig cremen im Sommer

Prof. Dr. med. Knut Schäkel, Leitender Oberarzt an der Universitäts-Hautklinik in Heidelberg

Neurodermitis im Sommer: Wie cremt und pflegt man sich richtig?

Wie sollte die Hautpflege bei Neurodermitispatienten aussehen, die auch offene aufgekratzte Hautstellen haben?

Neurodermitispatienten mit aufgekratzten Hautstellen brauchen eine Therapie mit antientzündlichen Wirkstoffen, z.B. mit Kortison. Die Kortisonsalbe sollte dann für einige Tage angewendet werden, damit die Entzündung wieder zurückgehen kann. Bei einer vom Arzt begleiteten kurzzeitigen Anwendung ist Kortison ein gut wirksamer Wirkstoff.

Alternativ zum Kortison gibt es zur Behandlung von Neurodermitis Cremes, die Calcineurin Inhibitoren enthalten und ebenfalls antientzündlich wirken. Hier sollte man allerdings beachten, dass diese Präparate das Immunsystem beeinflussen kann. Die entsprechenden Präparate sollten deshalb nur unter ärztlicher Aufsicht und für einen befristeten Zeitraum eingesetzt werden.

Bei Menschen mit Neurodermitis finden sich auf der Haut viel häufiger Bakterien, wie z.B. Staphylokokken, die die Ausprägung des Ekzems deutlich verstärken. Deshalb sollten aufgekratzte Krusten bei Neurodermitis auch desinfizierend behandelt werden. Hierfür gibt es Cremezusätze wie z.B. den Wirkstoff Triclosan, die desinfizierend wirken. Eine solche keimtötende Behandlung wird man jedoch nicht dauerhaft, sondern zwischenzeitlich durchführen.

Leider gibt es bisher kein Präparat, das den Juckreiz gut behandelt. Manchen Patienten hilft der Wirkstoff Polidocanol.

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Warum ist bei Neurodermitis die Basispflege so wichtig und wie sollte sie aussehen?

Die Basispflege ist bei Neurodermitispatienten ausgesprochen wichtig, weil die Haut, wie gesagt, grundsätzlich sehr trocken ist. Auslöser dafür ist eine Mutation im Filaggrin-Gen. Dadurch ist die Hautbarriere der Patienten am ganzen Körper reduziert und die Haut wird durchlässiger für Allergene. Mit der Basispflege ist es jedoch möglich, diese Hautbarriere zu verbessern bzw. nahezu gänzlich wiederherzustellen - hier haben sich Cremes mit dem Inhaltsstoff Urea, d.h. Harnstoff, bewährt. Urea wirkt antientzündlich, löst die Hautschüppchen ab und erhöht die Wasserbindungskapazität der Haut. Allergene können dann nicht mehr durch die Hautbarriere eindringen.

Übrigens ist auch bei vielen älteren Menschen die Hautbarriere dadurch gestört, dass sie eine zu trockene Haut haben, weil die Talgproduktion im Alter nachlässt. Schon allein dadurch kann es zu einem Austrocknungs-Ekzem kommen. Es ist deshalb auch gerade für ältere Menschen empfehlenswert, ihre Haut regelmäßig einzucremen, auch, wenn sie nicht unter Neurodermitis leiden.

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Sollte sich die Creme fürs Gesicht von der Creme unterscheiden, die für den Körper bzw. für Hände und Füße verwendet wird? Wenn ja, inwiefern?

In Bezug auf die Qualität sind die Salben grundsätzlich für alle Körperpartien geeignet. Es gibt aber Cremes mit speziellen Zusatzstoffen, z.B. Handcremes. Hier sorgen Zusatzstoffe wie u.a. Aluminiumhydroxychlorid dafür, dass die Hände nach dem Eincremen nicht „kleben“ und dass die Creme eine gewisse „wasserabweisende“ Eigenschaft hat.

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