Zöliakie Glutensensitivität Weizensensitivität

Dr. med. Michael Schumann, Berlin, und Diplom-Oecotrophologin Ute Körner, Bornheim, erläuterten Besonderheiten der neuen Zöliakie-Leitlinie und gaben Anregungen für eine erfolgreiche Umsetzung in der Ernährungstherapie von Patienten mit Zöliakie und Gluten-/ Weizensensitivität

Leitlinie schafft Fakten zu Zöliakie und Gluten- bzw. Weizensensitivität

Burgstall/Wolfsburg, 19. Mai 2015 – Am 8. Mai 2015 lud Dr. Schär auf dem Kongress des VDD e. V. und BDEM e. V. Diätassistenten, Oecotrophologen und Ernährungswissenschaftler zu einer Expertenrunde ein. Dr. med. Michael Schumann, Berlin, und Diplom-Oecotrophologin Ute Körner, Bornheim, erläuterten Besonderheiten der neuen Zöliakie-Leitlinie und gaben Anregungen für eine erfolgreiche Umsetzung in der Ernährungstherapie von Patienten mit Zöliakie und Gluten-/Weizensensitivität.

Die neue S2k-Leitlinie zu Zöliakie und Gluten-/Weizensensitivität

Über 300 Diätassistenten, Oecotrophologen und Ernährungswissenschaftler erhielten am 8. Mai 2015 auf dem 57. Bundeskongress des Verbandes der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband e. V. (VDD) und der 16. Jahrestagung des Bundesverbandes Deutscher Ernährungsmediziner e. V. in Wolfsburg ein Update zum Thema Zöliakie und Gluten-/Weizensensitivität. Dr. med. Michael Schumann von der Berliner Charité stellte die neue S2k-Leitlinie vor, die 2014 veröffentlicht wurde und neben der Zöliakie erstmalig auch die Gluten-/ Weizensensitivität umfasst. Anhand von Fallbeispielen beschrieb er die klassische und die symptomatische Zöliakie. „In der Leitlinie wird konkret empfohlen, Verwandte ersten Grades eines Zöliakiebetroffenen auf Zöliakie zu testen, bei Kindern auch wiederholt“, so Schumann. So könnten auch Betroffene mit einer gering ausgeprägten Symptomatik oder vor Auftreten der Symptome entdeckt und mögliche Folgeerkrankungen, wie Osteoporose, Probleme bei einer Schwangerschaft oder Nachtblindheit, verhindert werden.

Anzeige

Weizensensitivität nur durch Ausschlußdiagnose feststellbar

Bezüglich der Nomenklatur sollen laut Leitlinie Begriffe wie typische, overte oder silente Zöliakie oder „einheimische Sprue“ zukünftig nicht mehr verwendet werden. Hinsichtlich der Glutensensitivität hat die Leitliniengruppe den Begriff Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität (kurz: Weizensensitivität) festgelegt. International wird hingegen nach wie vor von einer Non Celiac Gluten Sensitivity gesprochen. Während es für die Zöliakie feste Biomarker gibt, ist die Weizensensitivität momentan nur durch Ausschlussdiagnose feststellbar. „Ganz wichtig ist, dass ein Patient bei der zum Zeitpunkt der Zöliakiediagnostik unter einer Glutenbelastung ist“, erläuterte Schumann. „Ohne eine normale Glutenzufuhr sind die Tests nicht aussagekräftig, somit gilt: Erst die Diagnostik, dann die Therapie.“

Strukturierter Beratungsprozess hilft dem Patienten

Diplom-Oecotrophologin Ute Körner ergänzte praktische Hinweise zur Beratung und Therapie. Wert legte sie auf einen gut strukturierten Beratungsprozess, idealerweise die Durchführung anhand der 3-Stufen-Beratung. „Zu Beginn der Beratung sollte man den Patienten nicht überfrachten“, unterstrich Körner. „Die Gefahr ist groß, dass der Betroffene überfordert wird und die Beratung zu früh abbricht.“

Die saubere und vor allem möglichst objektive Dokumentation lag Körner besonders am Herzen. Der Befund des Arztes und der Pathologie bzw. Histologie sollten beide schriftlich vorliegen. „Ich lasse zudem jeden Patienten ein Symptom- und Ernährungstagebuch führen – während, nach und am besten schon vor der Diagnose bzw. glutenfreien Diät.“ Vor der Diagnose sei es wichtig, die täglich verzehrte Glutenmenge zu überprüfen und während der glutenfreien Diät ist nicht nur auf Diätfehler zu achten, sondern auch an die Ballaststoffe zu denken.

Des Weiteren schilderte Ute Körner die aktuellen Ergänzungen der Lebensmittelinformationsverordnung, die eine Deklaration der enthaltenen Allergene, u. a. Gluten, bei losen Waren vorschreibt.

Eine ausführlichere Einführung in die Angaben auf Etiketten gibt die Ernährungstherapeutin im Online-Modul „Zöliakie – die glutenfreie Ernährung“ auf dem E-Learning-Portal des Dr. Schär Institutes unter http://www.drschaer-institute.com/de/e-learning/. Wer das Modul mit anschließendem Fragebogen erfolgreich besteht, kann mit der Teilnahmebestätigung einen Fortbildungspunkt bei seinem jeweiligen Fachverband beantragen. Beim Dr. Schär Institute finden sich neben weiteren Modulen auch Vorträge, Webinare und Experteninterviews rund um die Themen Zöliakie und Gluten-/Weizensensitivität.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass Cookies verwendet werden.