Zöliakie-Verdacht beim Kind: DZG rät zu ärztlicher Abklärung

Stuttgart, Juni 2018 – Verzögertes Wachstum, häufige Bauchschmerzen und Durchfälle – Eltern, die diese Symptome bei ihrem Nachwuchs feststellen, sollten einen Kinderarzt zu Rate ziehen. Denn hinter den Beschwerden kann sich eine Unverträglichkeit gegen das in vielen Getreiden enthaltene Klebereiweiß Gluten verbergen. Etwa ein Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind hiervon betroffen. Der Verzehr von Gluten verursacht bei ihnen eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut mit Zurückbildung der Darmzotten. Nährstoffmangel und Verdauungsbeschwerden, aber auch Auswirkungen auf Wachstum und Entwicklung können die Folge sein. Eine strikte glutenfreie Ernährung sorgt hier in den meisten Fällen für rasche Besserung. Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. (DZG) rät Eltern jedoch davon ab, glutenhaltige Lebensmittel ohne gesicherte Diagnose vom Speiseplan ihres Kindes zu streichen. „Zöliakie lässt sich heutzutage gut und schonend durch Bluttests diagnostizieren“, so Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin bei der DZG. „Invasive Eingriffe sind heutzutage nicht in jedem Fall mehr notwendig.“

Im Kleinkindalter tritt Zöliakie häufig in den ersten Monaten nach der Einführung glutenhaltiger Nahrungsmittel wie Grieß- oder Getreidebrei auf. „Die klassischen Symptome sind Untergewicht, Wachstumsverzögerungen, Bauchschmerzen und Durchfall. Je jünger ein Kind beim Ausbruch der Erkrankung ist, umso eher treten diese typischen Zeichen auf. Etwas ältere Kinder wachsen oftmals langsamer als ihre Geschwister oder kommen später in die Pubertät. Die Beschwerden sind manchmal nicht so eindeutig. Das Krankheitsbild kann von Kind zu Kind sehr unterschiedlich ausfallen“, sagt Dr. Baas. Bei anhaltenden oder unklaren Beschwerden sollte deshalb ein Arzt mit Fachwissen zu Zöliakie oder ein Kindergastroenterologe aufgesucht werden. Setzen Eltern ihre Kinder hingegen auf Verdacht und ohne ärztliche Betreuung auf eine glutenfreie Diät, riskieren sie, dass die Diagnose nicht frühzeitig gesichert werden kann, da sich die Veränderungen im Blut und am Dünndarm unter glutenfreier Kost zurückbilden. Unsicherheit in Bezug auf eine gesicherte Diagnose kann später zu einer schlechten Diäteinhaltung, vor allem bei Jugendlichen führen.

„Besteht der Verdacht auf Zöliakie, wird der Facharzt zunächst eine Blutuntersuchung veranlassen“, so Baas. „Hierbei wird das Blut auf die Zöliakie-typischen Gewebstransglutaminase-Antikörper untersucht.“ Sind diese erhöht, ist eine Zöliakie sehr wahrscheinlich. „Um den Verdacht zu bestätigen, wurde früher in der Regel eine Dünndarmbiopsie empfohlen“, so Baas. „Diese insgesamt risikoarme Untersuchung findet bei Kindern unter einer kurzen Narkose statt. Sie wird trotzdem von vielen Kindern und Eltern als belastend empfunden“, sagt die Expertin. „Neue Erkenntnisse ersparen den kleinen Patienten heute häufig den Eingriff.“ So erkannten Wissenschaftler des Haunerschen Kinderspitals in München, dass in über der Hälfte der Fälle eine zuverlässige Diagnose auch ohne die Entnahme von Gewebeproben aus dem Dünndarm gestellt werden kann. Stellt der Kinderarzt die Vermutung, bei einem Kind könnte eine Zöliakie bestehen und wird dies durch den ersten Antikörpertest bestätigt, sollte dringlich eine Überweisung an einen Spezialisten erfolgen, der mit den Eltern das genaue Vorgehen planen kann. Dabei werden alle Kriterien einbezogen, ob ein Vorgehen ohne Biopsie möglich ist. Durch eine rasche Abklärung und zielgerichtete Diagnostik unter glutenhaltiger Ernährung kann die Diagnose in der Regel eindeutig geklärt und ein unnötiger Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel vermieden werden. Da es sich um eine lebenslange Ernährungsumstellung handelt, soll diese gut abgesichert sein.

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