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Nahrungsmittelunverträglichkeits Test

Dr. Maud-Bettina Hilka, HNO-Gemeinschaftspraxis Wiesbaden

Allergie? Sinn und Unsinn von Nahrungsmittel-Unverträglichkeits-Tests!

Bei vielen Menschen kommt zu Beschwerden im Magen-Darm-Bereich. Oft wird dann vermutet, dass man unter einer Allergie auf Nahrungsmittel leidet. Frei im Internet verkäufliche Nahrungsmittelunverträglichkeits-Tests scheinen diesen Verdacht häufig zu bestätigen, doch nicht immer sind die Beschwerden wirklich allergiebedingt. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Maud-Bettina Hilka, HNO-Gemeinschaftspraxis Wiesbaden, über Nahrungsmittelunverträglichkeits-Tests, welche sinnvoll sind und welche nicht.

Frau Dr. Hilka, das Thema „Nahrungsmittelunverträglichkeits-Tests“ liegt Ihnen ganz besonders am Herzen, warum?

In unsere Praxis kommen vermehrt Patienten mit dem Wunsch nach dem Ausschluss einer Nahrungsmittelallergie. Nahrungsmittelallergien sind bei Erwachsenen jedoch sehr selten, im Gegensatz zu Nahrungsmittelintoleranzen, die sehr häufig auftreten. Man fragt sich also, woher es kommt, dass Patienten so häufig bei sich eine Erkrankung vermuten, die nur bei 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung, also relativ selten, vorkommt und noch seltener bei Erwachsenen.

Aus meiner Sicht wird ein Teil des Problems durch die Berichterstattung der Medien verursacht.  Laut einem Artikel in „Die Welt“ leiden ca. 30 bis 40 Prozent der deutschen Bevölkerung an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit. Die Frage ist jedoch, wann liegt tatsächlich eine allergisch bedingte Nahrungsmittelunverträglichkeit, d.h. eine echte Nahrungsmittelallergie vor, und wann handelt es sich lediglich um eine Nahrungsmittelintoleranz, die mit einer Allergie nichts zu tun hat? In der Laienpresse werden die beiden Krankheitsbilder häufig vermischt und viele Patienten glauben deshalb, sie hätten eine Allergie, obwohl sie nur eine Intoleranz haben. Eine genaue Differenzierung ist absolut relevant für die Frage, in welchen Fällen die Patienten tatsächlich auf alle möglichen Lebensmittel verzichten müssen und wann nicht!

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Die nicht-allergischen Nahrungsmittelallergien sind als ein häufiges Phänomen?

Es gibt deutlich mehr Intoleranzreaktionen als echte Nahrungmittelallergien. Eine Nahrungsmittelallergie ist eine gefährliche Sofortreaktion, bei der man tatsächlich das Allergen meiden muss. Bei den Intoleranzen hingegen kommt es auf die richtige Dosierung an.

Von den genannten 30 bis 40 Prozent der deutschen Bevölkerung mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit, leidet etwa die Hälfte an einer Laktoseintoleranz. Die Laktoseintoleranz entsteht aufgrund des Mangels an einem bestimmten Enzym, der Laktase, die den Milchzucker im Darm aufspaltet. Die Reaktionen auf Laktase sind innerhalb der Gruppe der Betroffenen sehr unterschiedlich. Es gibt Menschen, die schon bei der geringsten Menge an Milch große Probleme bekommen und andere, die schon eine gewisse Menge an Laktose zu sich nehmen können, bevor Symptome auftreten. Die Oecotrophologen empfehlen bei Laktoseintoleranz deshalb stets, die individuell verträgliche Menge auszutesten und nicht rigoros alle Milchprodukte wegzulassen. Für Laktoseintolerante ist eine konsequente Meidung von Laktose eben nicht sinnvoll, denn es kann dadurch zu Mangelernährung kommen!

 Was sagen Sie den Patienten, die einen Allergietest auf Nahrungsmittelallergien machen wollen?

An erster Stelle kommt die ausführliche Anamnese und hier zeigt sich, ob es sich eher um eine Allergie oder um eine Intoleranz handelt. Während Allergien teilweise lebensbedrohliche Reaktionen hervorrufen können, ist dies bei Intoleranzreaktionen niemals der Fall. Symptome wie Durchfälle, Bauchgrimmen, Übelkeit, Erbrechen etc. sind zwar lästig, aber nicht gefährlich.

Bei Allergien setzen die Mediatoren durch das Andocken des Allergens an die Mastzelle IgE frei, was bis zum allergischen Schock führen kann – ein klar definierter Prozess. Für Allergien gibt es deshalb etablierte Tests. Geht die Anamnese in Richtung Allergie, werden die wichtigsten Allergene getestet. Besteht z.B. eine allergische Rhinitis, kann es dadurch zu Kreuzreaktionen auf bestimmte Nahrungsmittel kommen. Sind die Allergietests negativ, würde man weiter in Richtung Intoleranzen untersuchen.


Und wenn es sich eher um eine Intoleranz handelt?

Im Gegensatz zu den Allergien lassen sich manche Intoleranzen nur bis zu einem gewissen Grad nachweisen. Weist die Anamnese eher auf eine nicht allergische Unverträglichkeit, lässt sich z.B. die Laktoseintoleranz oder die Fruktoseintoleranz mit einem Atemtest untersuchen.

Viele Patienten kommen mit den sogenannten IgG4-Testungen zu uns. In diesem Bluttest, den die Patienten mit ca. 250,- € selbst bezahlen müssen, werden etliche Nahrungsmittel durchgetestet. Meist ist das Ergebnis, dass die Patienten auf eine ungeheure Vielzahl von Nahrungsmitteln positiv reagieren und sie in der Konsequenz aus dem Speiseplan streichen.

Was bedeutet eine positive Reaktion bei einem IgG4-Test?

Der IgG4-Test zeigt lediglich an, dass sich der Organismus mit dem Nahrungsmittel auseinandergesetzt hat, insbesondere dann, wenn man sie erst kürzlich verzehrt hat. Das ist eine normale Reaktion, bildet den aktuellen Speiseplan ab und bedeutet nicht, dass es sich um eine allergische Reaktion handelt und man all diese Nahrungsmittel nicht mehr essen darf. Viele Patienten kommen dann völlig verzweifelt in die Praxis, weil sie nichts mehr essen können. Leider sind diese Tests sehr verbreitet. Er wird im Internet und leider auch in manchen Arztpraxen angeboten. In vielen Fällen führen IgG4-Tests zu Verunsicherung, unsinnigen Diäten und Mangelernährung, obwohl hinter den Beschwerden oft nur eine Intoleranz steckt.

Wenn auch in Arztpraxen IgG4-Tests angeboten werden, welche Fragen muss der Patient stellen, um diese zu erkennen?

Allergietests, Atemtests bei Intoleranzen oder Tests auf Zöliakie kosten den Patienten nichts und werden von den Krankenkassen übernommen. IgG4-Tests zahlt die Krankenkasse nicht, denn sie sind eine IGeL-Leistung, d.h. eine „Individuelle Gesundheitsleistung“, die der Patient selbst finanzieren muss. Deshalb ist die beste Frage, die der Patient dem Arzt stellen kann: Was kostet mich das? Soll der Patient eine höhere Summe selbst tragen, sollte er klar sagen, dass er sich die Sache nochmals überlegen will und einen Arzt seines Vertrauens ansprechen.

Was raten Sie Patienten, die den Verdacht haben, an einer Intoleranz zu leiden?

Am besten wäre es, die Patienten würden zunächst einmal konsequent über vier Wochen ein Ernährungstagebuch führen und einfach protokollieren, was sie essen und welche Beschwerden wann auftreten. Auf Basis dieses Protokolls sollte dann ein Termin mit einem Arzt und – bei Bedarf in letzter Instanz - mit einem Allergologen stattfinden.

Frau Dr. Hilka, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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