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Allergie Nahrungsmittel nsLTP

Allergie auf pflanzliche Nahrungsmittel „nsLTP“!

Allergie auf pflanzliche Nahrungsmittel „nsLTP“

Allergien gegenüber nsLTP in pflanzlichen Nahrungsmitteln wurden erstmals Mitte der 90er Jahre beobachtet und schienen hauptsächlich im Mittelmeerraum vorzukommen. In Südeuropa gelten sie auch heutzutage als wichtige Ursache für primäre Nahrungsmittelallergien. Allerdings beobachtet man zunehmend auch in anderen europäischen Ländern Sensibilisierungen auf „Nicht-spezifische Lipid-Transfer-Proteine“. Das bedeutet zwar noch nicht, dass all diese Menschen allergisch gegen nsLTPs sind, aber es besteht eine gewisse Bereitschaft, auf pflanzliche Nahrungsmittel wie Pfirsich, Apfel, Kirsche, Banane, Melone, Mango, Avocado, etc. eine Allergie zu entwickeln. Was heißt das für Nahrungsmittelallergiker? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. rer. medic. Imke Reese, Ernährungsberatung und -therapie Schwerpunkt Allergologie, in München.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Dr. Imke Reese

Was sind Nicht-spezifische Lipid-Transfer-Proteine?

Mit „Nicht-spezifische Lipid-Transfer-Proteine“ bezeichnet man eine Proteinfamilie, die in der Vergangenheit, insbesondere in den Mittelmeerländern, mit schweren allergischen Reaktionen assoziiert wurde. Die meisten Betroffenen sensibilisieren sich über den Pfirsich. Neu war, dass nsLTPs nicht durch Erhitzung kaputt gingen, so dass auch Pfirsch aus der Dose das Potential hatte, schwere allergische Symptome hervorzurufen. Das nsLTP des Pfirsichs, Pru p 3, gilt immer noch als das Leitallergen eines nsLTP-Syndroms.

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In welchen pflanzlichen Nahrungsmitteln sind Nicht-spezifische Lipid-Transfer-Proteine noch enthalten?

Nicht-spezifische Lipid-Transfer-Proteine (nsLTP) sind in sehr vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten, insbesondere in der Schale bzw. äußeren Schicht des Nahrungsmittels.

Inzwischen sind nsLTPs, ähnlich wie Profiline, in multiplen pflanzlichen Nahrungsmitteln beschrieben und werden damit auch als Panallergene bezeichnet. Die am häufigsten genannten Nahrungsmittel nach Pfirsich sind:

  • Apfel u. a. Rosengewächse
  • Orange
  • Kohl
  • Senf
  • Walnuss und
  • Esskastanie

Bei Pfirsch, Apfel und anderen Rosengewächsen denkt man hierzulande automatisch an eine Kreuzreaktion zu Birkenpollen. Werden ungewöhnlich heftige Symptome beschrieben, sollte auch bei uns eine LTP-Allergie abgeklärt werden. Aber auch Getreide, Nüsse und Hülsenfrüchte enthalten nsLTP, so dass hinter einer berichteten allergischen Reaktion auf pflanzliche Nahrungsmittel manchmal auch eine Sensibilisierung auf Nicht-spezifischen Lipid-Transfer-Proteine stecken kann.

imkre reese nahrungsmittelallergien nsltp aktualisiertEinige identifizierte PR-10-assoziierte Komponenten in pflanzlichen Nahrungsmitteln (Quelle: ImmunoCAP Explorer)

 

imke reese nsltp speicherprotein2Einige identifizierte Speicherprotein-assoziierte Komponenten in pflanzlichen Nahrungsmitteln (Quelle: ImmunoCAP Explorer)

Was bedeutet eine Sensibilisierung auf nsLTP, ist man dann automatisch allergisch auf pflanzliche Nahrungsmittel?

Eine Sensibilisierung bedeutet, es besteht eine gewisse Allergiebereitschaft. Erst wenn bei Allergenkontakt Symptome auftreten, spricht man von einer Allergie, in diesem Fall auf pflanzliche Nahrungsmittel. Für die Nahrungsmittelallergiker im Mittelmeerraum – und zunehmend auch hierzulande – spielen die nsLTP eine sehr wichtige Rolle, denn es kann durch eine Vielzahl von pflanzlichen Nahrungsmitteln zu allergischen Symptomen kommen. Die Lipidtransferproteine sind stabil gegenüber Hitze und Säure und unterscheiden sich damit deutlich von den labilen PR-10 Proteinen, die bei Birkenpollenallergikern für die Kreuzreaktionen zu Nahrungsmitteln verantwortlich sind. Während der Verzehr roher oder wenig verarbeiteter birkenassoziierter Nahrungsmittel Reaktionen in der Mundhöhle und dem Kopfbereich hervorrufen kann, können bei einer LTP-Allergie auch stark verarbeitete Nahrungsmittel allergische Reaktionen über die Mundhöhle hinaus, bis hin zur Anaphylaxien auslösen. Es muss aber nicht zu schweren Reaktionen kommen, viele Betroffene aus dem Mittelmeerraum berichten ausschließlich milde Symptome.

Bei nsLTP Allergien werden nicht selten multiple Sensibilisierungen nachgewiesen, ohne dass es zwischen den betreffenden pflanzlichen Nahrungsmitteln eine Gemeinsamkeit in Hinblick auf die Pflanzenfamilie, -gattung oder -art geben muss. Allerdings sind diese nur selten alle klinisch relevant.

Wie kann man sich auf nsLTP in pflanzlichen Nahrungsmitteln sensibilisieren?

Es gibt drei Sensibilisierungswege auf nicht-spezifische Lipid-Transfer-Proteine in Nahrungsmitteln:

  • Über die Haut
  • Über den Magen-Darm-Trakt
  • Über die Atemwege

Grundsätzlich ist eine nsLTP-Sensibilisierung über die Haut möglich. Dies kann im frühen Kindesalter bei einer gestörten Hautbarriere der Fall sein. Aber auch eine durch Pfirsich ausgelöste Kontakt-Urtikaria konnte auf eine nsLTP Sensibilisierung zurückgeführt werden.

Die häufigste Sensibilisierungsroute verläuft vermutlich über den Magen-Darm-Trakt. Studien haben gezeigt, dass das Allergen des Pfirsichs, Pru p 3, die gastrointestinale Barriere durchdringen kann.

Aber auch über die Atemwege kann eine Sensibilisierung auf nsLTP entstehen.

Aber nicht nur eine Sensibilisierung ist über diesen Weg möglich, sondern auch Symptome können über die Atemwege hervorgerufen werden. So wurde von Fällen berichtet, bei denen ein Gang durch eine Pfirsichplantage allergische Atemwegssymptome ausgelöst hat bzw. die Arbeit in einem Obstlager einen allergischen Schnupfen. In beiden Fällen kam es dann durch den Verzehr eines Pfirsichs zu schweren allergischen Reaktionen. In späteren Untersuchungen stellte sich heraus, dass das Allergen Pru p 3 auch in den Blättern des Pfirsichs enthalten ist. Das könnte der Grund dafür sein, dass man auch bei Anwohnern von Pfirsichplantagen eine Pru p 3-Sensibilisierung vorgefunden hat.  

Ausserdem wird davon ausgegangen, dass man sich über die Atemwege gegen nsLTP aus Pollen, aber auch aus Cannabis-Rauch sensibilisieren kann.

Welche Pollen werden denn mit einer nsLTP Allergie in Verbindung gebracht?

Als Träger von nsLTPs in ihren Pollen und damit möglicherweise verantwortlich für ein Pollen-Nahrungsmittel-Syndrom sind vor allem  Beifuß (Art v 3) und Platane (Pla a 3) bekannt. Aber auch im Mauer-Glaskraut (Par j 2) und in Olivenbäumen (Ole e 7) wurde LTP beschrieben.

Wie sehen die Symptome einer Allergie auf pflanzliche Nahrungsmittel aus?

Die Symptome einer Allergie auf pflanzliche Nahrungsmittel sind extrem vielfältig, auch in Bezug auf den Schweregrad. Die Reaktionen können tatsächlich die ganze Bandbreite allergischer Symptome umfassen vom milden OAS bis hin zur Anaphylaxie. Da spielen Co-Faktoren offenbar eine nicht zu unterschätzende Rolle, so dass wie bei der WDEIA manchmal schwere Reaktionen und manchmal gar keine nach einem bestimmten Nahrungsmittel berichtet werden. In so einem Fall sollten mögliche Augmentationsfaktoren unbedingt erfragt werden.

Wie wird die Diagnose einer nsLTP-Allergie auf pflanzliche Nahrungsmittel gestellt?

Die Diagnose einer Allergie auf Nicht-spezifische Lipid-Transfer-Proteine wird in der Regel über das Leitallergen, das Pru p 3, gestellt. Dies kann als Bluttest oder mit einem angereicherten Pricktest-Extrakt erfolgen. Eine umfangreiche lebensmittelspezifische Diagnostik hat den Nachteil, dass auf diese Weise möglicherweise nur zu erwartende Kreuzsensibilisierungen nachgewiesen werden, die aber klinisch nicht relevant sein müssen. Das sollte vermieden werden, damit die Patienten nicht unnötig auf eine Vielzahl von pflanzlichen Nahrungsmitteln verzichten müssen.

Auch ein Prick-to-Prick-Test mit Pfirsich ist möglich. Durch die fehlende Standardisierung könnte ein unterschiedlicher Allergengehalt jedoch das Ergebnis verfälschen.

Eine weitere Option zur Diagnose einer nsLTP Allergie ist der basophile Aktivierungstest (BAT). Doch auch mit diesem Test gelingt es nicht immer,  zwischen klinisch relevanten und nicht relevanten Sensibilisierungen zu unterscheiden. Außerdem gibt es nur wenige Labore, die in der Lage sind, diesen Test durchzuführen.

Der Goldstandard zur Diagnose von Nahrungsmittelallergien ist die orale Provokation. Aber ein validiertes Protokoll für die Diagnose einer nsLTP-Allergie auf pflanzliche Nahrungsmittel gibt es bislang nicht.

Wie behandelt man eine Allergie auf pflanzliche Nahrungsmittel?

Die Basis der Therapie einer Allergie auf ein oder mehrere pflanzliche Nahrungsmittel ist der Nachweis des zugrunde liegenden Allergens. Im Falle eines Verdachts einer nsLTP Allergie wäre das der Nachweis von Pru p 3. Der Fokus der Therapie liegt dann auf der Allergenvermeidung, um das Risiko einer allergischen Reaktion möglichst zu minimieren. Allerdings sollten nur solche Nahrungsmittel vermieden werden, die auch klinisch relevant sind. Maßgeblich ist dafür die Anamnese. Denn nsLTPs finden sich in vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln. Aber nicht jedes dieser Nahrungsmittel führt nach dem Verzehr zu Reaktionen. Um die individuell relevanten Nahrungsmittel zu identifizieren und in Folge zu meiden, ist eine ernährungstherapeutische Beratung unbedingt erforderlich. Adressen erhält man hier. Auch möglicherweise relevante Co-Faktoren müssen identifiziert und therapeutisch eingeordnet werden. Das therapeutische Vorgehen kann sehr komplex in der Umsetzung sein, und deshalb ist die Mitwirkung des Patienten von enormer Wichtigkeit. Der Patient muss „seine Allergene“ und „seine Co-Faktoren“ kennen und verstehen, was bei einer allergischen Reaktion oder Anaphylaxie im Körper passiert. Das Ziel ist dabei, eine möglichst große Therapietreue zu erreichen und Ängste sowie unnötige Diätvorschriften zu vermeiden. Natürlich gehören zur Therapie auch ein Notfallset und eine Anaphylaxie Schulung.

Frau Dr. Reese, herzlichen Dank für dieses Interview!

Quellen:

Isabel J. Skypala, et. al., The diagnosis and management of allergic reactions in patients sensitized to non-specific lipid transfer proteins, Received: 1 November 2020 | Revised: 29 January 2021 | Accepted: 24 February 2021, DOI: 10.1111/all.14797

Isabel J. Skypala, et. al., Non‐specific lipid‐transfer proteins: Allergen structure and function, cross‐reactivity, sensitization, and epidemiology, Received: 18 December 2020 - Accepted: 8 January 2021,   DOI: 10.1002/clt2.12010

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