Trockene Haut allergisches Hautekzem

Univ.-Prof. Dr. med. Natalija Novak, Leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Bonn zum Unterschied zwischen trockener Haut und allergischem Hautekzem!

Trockene Haut? Allergisches Hautekzem? Was ist der Unterschied?

Gerade in der kalten Jahreszeit kommt es bei vielen Menschen zu extrem trockener, manchmal sogar rissiger Haut. Trockene, rissige Haut kann aber auch auftreten, wenn man ein allergisches Hautekzem hat. Wann ist die Haut „nur“ trocken und wann handelt es sich um ein Ekzem? Wie unterscheiden sich die Symptome und was tut man dagegen? MeinAllergiePortal sprach im Vorfeld der Düsseldorfer Allergietage mit Referentin Univ.-Prof. Dr. med. Natalija Novak, Leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Bonn.

Frau Prof. Novak, wie häufig glauben Patienten, dass sie ein Hautekzem haben, obwohl es sich nur um trockene Haut handelt?

Gerade im Winter kommt es relativ häufig vor, dass Patienten den Eindruck haben, sie hätten ein Hautekzem. Auch der Beruf und die Hobbies spielen eine Rolle. Menschen, die sehr häufig die Hände waschen oder desinfizieren oder sehr häufig putzen, können an den Händen eine massive Trockenheit entwickeln – ein häufiges Phänomen.

Was ist der Unterschied zwischen „trockener Haut“ und einem Hautekzem?

Trockene Haut ist keine Erkrankung, vor allem in der Winterzeit leiden viele Menschen unter trockener Haut. Die Definition für „trockene Haut“ besagt, dass die Haut zwar noch eine normale Hautfarbe aufweist, aber verstärkt schuppt und auch rissig sein kann. In den trockenen Hautarealen kann es zu einem Spannungsgefühl oder Juckreiz kommen. Auf dem Boden trockener Haut kann sich im weiteren Verlauf u.U. auch ein Hautekzem („Austrockgnungsekzem“) entwickeln.

Das Ekzem ensteht häufig auf dem Boden trockener Haut, geht aber zudem auch mit einer Rötung der Haut einher, d.h. mit einer sichtbaren Entzündungsreaktion. Zusätzlich kann das Hautekzem mit schuppenden Veränderungen oder Bläschen vergesellschaftet sein oder nässen.

Sowohl trockene Haut als auch Hautekzeme können sich verbessern, wenn man die Haut mit einer Basistherapie unterstützt. Mit „Basistherapie“ ist eine Behandlung der Haut mit feuchtigkeitsspendenden oder rückfettenden Lotionen, Cremes oder Salben gemeint, die die trockene Haut regenerieren und die natürliche Hautbarrierefunktion stärken. Vor allem nach dem Händewaschen, Baden oder Duschen sollte die Hautbarrierefunktion gestärkt werden.

Auch die Hautekzeme gehen mit einer verstärkten Trockenheit einher, Hier ist es wichtig, die Ursache der Hautveränderung zu ermitteln, da sich Hautekzeme häufig nicht von alleine zurückbilden, immer wiederkehren oder sich gegebenenfalls sogar weiter ausbreiten.

Es gibt viele verschiedene Ursachen für Ekzeme an der Haut, wie z.B. das atopische Ekzem (Neurodermitis), das seborrhoische Ekzem, das Kontaktekzem, chronische Hauterkrankungen die mit Ekzemen einhergehen und innere Erkrankungen die sich an der Haut u.a. widerspiegeln und mit Ekzmen einhergehen. Die Hautbarriere spielt eine wichtige Rolle.

Beim atopischen Ekzem ist die Hautbarriere sogar nicht nur an den betroffenen Hautarealen gestört, sondern generell, auch an den ekzemfreien Stellen. Das liegt daran, dass bei vielen Betroffenen eine genetische bedinge Störung der Hautbarrierefunktion vorliegt.

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Welche Stellen des Körpers können von Hautekzemen betroffen sein?

Zu Hautekzemen kommt es an Körperstellen, die sehr stark belastetet werden bzw. mit dem Allergen oder Kontaktallergen in direkten Kontakt kommen. Menschen, die sehr viel mit den Händen arbeiten oder sich sehr häufig die Hände waschen oder Reinigungsmitteln ausgesetzt sind,  haben oft Ekzeme an den Händen. Bei älteren Patienten sind oft die unteren Extremitäten bzw. der Bereich der Unterschenkel betroffen. Das liegt daran, dass bei dieser Patientengruppe häufig zusätzlich auch Störungen des venösen Systems vorliegen.

Bei den Säuglingen und Kleinkindern ist häufig der Gesichts- oder Halsbereich vom atopischen Ekzem betroffen. Bei den Kindergartenkindern treten die typischen Beugenekzeme auf. Bei Erwachsenen können alle Körperbereiche betroffen sein.


Allergische Kontaktekzeme sind also an jeder Körperstelle möglich?

Das Kontaktekzem kann an jeder Körperstelle auftreten. Typischerweise findet man es an den Stellen des Körpers, die mit dem Kontaktallergen in Berührung kommen. Deshalb lassen sich aus der Lokalisation auch Hinweise auf das auslösende Kontaktallergen ableiten. Z.B. kann  sich eine Allergie auf Gummi an Körperstellen zeigen, an denen gummihaltige Bündchen der Unterwäsche mit der Haut in Berührung kommt oder eine Nickelallergie an der Stelle, an der ein Hosenknopf oder nickelhaltiger Schmuck die Haut berührt.

Häufig, oft bei beruflicher Exposition oder aufgrund von Hobbies, sind die Hände betroffen, seltener die Ellenbogen. Auch Inhaltsstoffe aus Textilien oder Schuhen wie Farbstoffe, Duftstoffe oder Gerbstoffe können ein Kontaktekzem verursachen. Im Gesichtsbereich sind oft Inhaltsstoffe von Kosmetika die Auslöser von Ekzemen.

Wie gehen Sie bei der Diagnose von Hautekzemen vor?

Vermutet man ein allergisches Kontaktekzem, ist die Diagnose nicht leicht. Die Voraussetzung für eine exakte Diagnose sind die möglichst genauen Beobachtungen des Patienten. Je besser dieser beschreiben kann, wann und in welchem Zusammenhang das Hautekzem auftritt und je genauer er beobachtet hat, welche Veränderungen dem vorausgingen, desto größer die Chance, das auslösende Allergen zu identifizieren.

Es gibt eine Art Hitliste der Kontaktallergene, die ständig aktualisiert wird und gewisse Standardsubstanzen enthält, die zunächst im Block getestet werden. Besteht darüber hinaus der Verdacht auf weitere Substanzen als Auslöser des Kontaktekzems, gibt es definierte Testreihen, auch für verschiedene Berufsgruppen.

Grundsätzlich sind die Beobachtungen des Patienten auch bei der Frage, ob es sich nur um sehr trockene Haut oder doch um ein Ekzem handelt, von größter Wichtigkeit, denn eine frühzeitige Behandlung mit einer Basistherapie ermöglicht es oft, auf eine Kortisonbehandlung zu verzichten.

Andere Formen der Ekzeme, auch die mit inneren Erkrankungen einhergehenden, müssen ausgeschlossen werden.

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Wie genau testet man bei Verdacht auf Kontaktekzem auf die verdächtigen Allergene?

Um Kontaktallergene zu identifizieren, nutzt man den Epikutantest. Dafür werden kleine Pflaster auf den Rücken des Patienten aufgeklebt, bei denen Allergene in die Trägersubstanz Vaseline eingebracht wurden. Diese Pflaster verbleiben dann zwei  bis drei Tage und wenn eine Allergie auf eines der getesteten Allergene besteht, entwickelt sich im Testareal ein Ekzem, das eine Sensibilisierung nachweist.

Ist das Allergen über die Standardtests nicht nachweisbar, muss man versuchen, Substanzen zu finden, die ebenfalls als Allergen in Frage kommen. Dafür gilt es zunächst, die in Frage kommenden Allergenquellen einzugrenzen und deren Inhaltsstoffe zu ermitteln. Handelt es sich z.B. um ein Haarfärbemittel, ist es oft nicht so leicht, dies herauszufinden. Sind die Substanzen bekannt, muss man abklären, ob diese getestet werden dürfen und wie dies erfolgen soll, damit eine verlässliche Aussage möglich wird. So spielt es z.B. eine Rolle, in welchem Verdünnungsgrad eine Substanz für einen Epikutantest eingesetzt werden kann, denn viele Substanzen wirken in hoher Konzentration irritativ, ohne dass zwangsläufig eine Allergie bestehen muss.


Wie sieht die Therapie beim Hautekzem aus?

Die Voraussetzung für eine effiziente Therapie ist die genaue Ermittlung des Allergens und die dementsprechende Meidung. Kann man das auslösende Allergen nicht identifizieren oder ist eine Allergenmeidung nicht möglich, gibt es verschiedene Behandlungsstrategien.

Mit symptomatischen Therapien mit z.B. Antihistaminika behandelt man den Juckreiz. Lokal antientzündlich behandelt man mit kortisonhaltigen Externa, d.h. Cremes. Bei ausgeprägten, chronischen Ekzemen kann auch eine kurzzeitig systemische Kortisontherapie erfolgen. Auch UV-Therapien kann man zur Behandlung von Hautekzemen einsetzen.

Darüber hinaus erhalten Patienten mit chronischen beruflich bedingen Handekzemen eine Schulung, bei der sie lernen, wie sie im Alltag die natürliche Hautbarriere schonen bzw. stärken können.

Und was empfehlen Sie Ihren Patienten, die lediglich unter trockener Haut leiden?

Patienten mit trockener Haut empfehlen wir bestimmte Hautpflegeprodukte, die frei an Zusatz- und Duftstoffen sind und regelmäßige Pflegestrategien, die den Wasserverlust der Haut oder bestimmte fehlende Bestandteile, wie z.B. Fette, ausgleichen sollen. Zudem muss neben äußeren Faktoren die zur Hauttrockenheit führen, unter Umständen auch nach innere Faktoren die Hauttrockenheit auslösen oder verstärken können gesucht werden. Es gibt unterschiedliche Substanzen, die die Haut- und Hautbarriere stärken und die natürliche Fett-und Feuchtigkeitsregulation der Haut unterstützen bzw. wieder herstellen. Zudem gibt es unterschiedliche Grundlagen, z.B. eher fetthaltige oder eher feuchtigkeitshaltige. Diese Grundlagen werden von den Patienten sehr unterschiedlich wahrgenommen. Deshalb ist es bei der Wahl des richtigen Pflegeproduktes sehr wichtig, die individuellen Vorlieben des Patienten zu beachten und gemeinsam mit dem Patienten ein Pflegeprodukt zu finden, dass dieser als angenehm empfindet. Nur wenn ein Pflegeprodukt als positiv empfunden wird, wird der Patient es auch mehrmals täglich anwenden.  

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Auch die Körperpflegeprodukte, die zum Händewaschen, Duschen oder Baden benutzt werden, sollte man mit dem Patienten besprechen, wenn die Haut sehr trocken ist. Viele Produkte verändern den pH-Wert der Haut so negativ, dass die Symptome verstärkt werden. Deshalb raten wir mittlerweile zu möglichst neutralen, duftstofffreien Waschsyndets und eher zum Duschen als zum Baden, weil Baden die Haut deutlich stärker austrocknet. Es gibt auch die Möglichkeit, bei Wannenbädern rückfettende Öle zu verwenden, die eine Film auf der Haut bilden, der dann aber auch nicht zu heftig wegfrottiert werden darf.  

Frau Prof. Novak, herzlichen Dank für dieses Interview!

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