Asthma neue Therapieoptionen spezifische Immuntherapie

Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann zum Thema: Asthma - Neue Therapieoptionen durch die spezifische Immuntherapie!

Asthma: Neue Therapieoptionen durch die spezifische Immuntherapie

Bisher wurde die spezifische Immuntherapie (SIT) nicht zur Therapie von Asthma eingesetzt. Mit der neuen „Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) Asthma, ändert sich das. Was heißt das für Asthma-Patienten? Beim 13. Deutschen Allergiekongress 2018 (DAK) in Dresden sprach MeinAllergiePortal mit dem Koautoren der Leitlinie, Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Chefarzt im Kinderzentrum Bethel des Evangelischen Klinikums Bethel in Bielefeld und 1. Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) über neue Therapieoptionen durch die spezifische Immuntherapie bei Asthma.

Herr Prof. Hamelmann, wie wurde die spezifische Immuntherapie in Bezug auf Patienten mit einem allergischen Asthma bisher gehandhabt?

Bisher wurde die spezifische Immuntherapie zur Behandlung von Asthma-Patienten nicht wirklich empfohlen.

Lediglich bei Patienten mit gut kontrolliertem Asthma war es möglich, eine spezifische Immuntherapie zur Behandlung einer gleichzeitig bestehenden Pollenallergie, Hausstaubmilbenallergie oder Tierhaarallergie durchzuführen. Das heißt, man hat diese Formen der allergischen Rhinitis trotz eines bestehenden Asthmas behandelt, aber vorausgesetzt, das Asthma war kontrolliert. Als Asthmatherapie wurde die spezifische Immuntherapie ausdrücklich nicht eingesetzt.

Es gibt jedoch Asthmapatienten, bei denen die allergische Komponente eine große Rolle spielt.

Sie betonen, dass die spezifische Immuntherapie bisher bei Patienten mit „gut kontrolliertem“ allergischem Asthma zur Therapie der allergischen Rhinitis eingesetzt wurde.

Ein unkontrolliertes oder nur teilkontrolliertes Asthma wurde bisher als Kontraindikation zu einer spezifischen Immuntherapie gesehen, das heißt als Grund dafür, dass man die SIT hier nicht anwenden darf. Man bewertete das Risiko, dass es bei der spezifischen Immuntherapie bei diesen Patienten zu vermehrten Asthmaanfällen kommen könnte, als zu hoch, um die Behandlung zu riskieren.

Was ändert sich durch die neue nationale Versorgungsleitlinie für die Asthmapatienten?

Die NVL stellt jetzt die Bedeutung der Allergie sowohl für Diagnostik als auch die Behandlung des Asthmas neu auf. Für Asthma-Patienten bedeutet das in der Praxis, dass der Arzt im Rahmen der Asthma-Diagnostik bei Allergieverdacht auch eine allergologische Abklärung vornehmen soll. Das Hat er sicher auch bisher so getan, nun wird es aber in der Leitlinie ganz klar als Behandlungsempfehlung noch einmal stärker betont.

Für die Therapie legt die neue Nationale Versorgungsleitlinie Asthma fest, dass die spezifische Immuntherapie jetzt ausdrücklich als Teil der Asthmatherapie zu sehen ist. Das bedeutet für die Patienten, dass sie  grundsätzlich ein Anrecht darauf haben, mit ihrem behandelnden Arzt über die Möglichkeit einer spezifischen Immuntherapie zur Behandlung ihres Asthmas zu reden.


Was sollten die Patienten noch über die neue Asthmatherapieoption „spezifische Immuntherapie“ wissen?

Für die Patienten ist es wichtig zu wissen, dass es sich bei einer spezifischen Immuntherapie um eine kausale Behandlungsform handelt. Das bedeutet, diese Therapie kann die Ursachen des allergischen Asthmas an der Wurzel bekämpfen, und nicht nur die Symptome behandeln.

Wichtig ist auch: Es gibt keine Beschränkung mehr, die die SIT auf bestimmte Therapiestufen des Asthmas festlegt, sondern sie ist theoretisch in jeder Stufe möglich. Auch ein höhergradiges Asthma, zum Beispiel der höchsten Stufe 5, schließt eine spezifische Immuntherapie nicht mehr aus, wenn die Behandlung in dieser Stufe zu einer guten oder teilweise guten Symptomkontrolle geführt hat. Die grundsätzliche Kontraindikation eines hochgradigen schweren Asthmas gibt es für die SIT somit also nicht mehr.  

Damit ist die SIT eine Therapieoption bei Asthma, die den gleichen Stellenwert hat wie die klassischen Empfehlungen zur Asthmatherapie, zum Beispiel Salbutamol oder eine Asthmaschulung.

Wie kommt es zu dieser veränderten Einschätzung des Risikos einer spezifischen Immuntherapie bei Asthmapatienten?

Neue Studien haben gezeigt, dass die SIT in der Tat eine Asthmatherapie ist. Für Patienten mit einem teilkontrollierten Asthma und einer Allergie auf Hausstaubmilben konnte gezeigt werden, dass die Exazerbationshäufigkeit und die Symptomkontrolle durch eine spezifische Immuntherapie verbessert werden können. Auch hat sich nicht bestätigt, dass das Risiko für Asthmaanfälle bei einer SIT höher ist.

Heißt das, dass die spezifische Immuntherapie die klassischen Asthmamedikamente ersetzt?

Die Patienten sollten wissen, dass die SIT keineswegs die klassischen Asthmatherapien ersetzt. Vielmehr ist die spezifische Immuntherapie eine zusätzliche Therapieoption, die zur klassischen anti-entzündlichen Therapie, in der Regel mit mindestens inhalativen Steroiden, hinzukommt.

Welche Verbesserungen kann ein Asthma-Patient von der spezifischen Immuntherapie erwarten?

Wenn der Patient ein allergisch bedingtes Asthma hat, kann er von einer SIT eine Verbesserung der Symptomkontrolle erwarten. Das bedeutet im besten Falle, dass der Patient weniger schwere oder mittelschwere Asthmaanfälle hat. Weiter kann der Patient erwarten, dass sich sein Gesundheitszustand stabilisiert und dass er somit ein vermindertes Risiko für schwere Exazerbationen hat.

Im optimalen Fall, und dies konnte in Kinderstudien gezeigt werden, kann der Patient mit einer SIT auch erreichen, dass die Höhe der täglichen Einnahme von Steroiden reduziert werden kann, gerade bei Kindern und Jugendlichen ist dies ein wichtiger Aspekt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Dauertherapie mit Steroiden wegfallen kann.

Herr Prof. Hamelmann, herzlichen Dank für dieses Interview!

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