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Schweres Asthma: Sind Hormone ein Risiko für Frauen? Inwiefern wirken sich weibliche Sexualhormone auf Asthma aus?

Cezmi A. Akdis: Schweres Asthma: Sind Hormone ein Risiko für Frauen? Bildquelle: Cezmi A. Akdis

Schweres Asthma: Sind Hormone ein Risiko für Frauen?

Schweres Asthma zeigt sich bei Frauen deutlich anders als bei Männern. Die Hormone scheinen dabei ein gewisses Risiko darzustellen. Wie wirken sich Östrogen, Testosteron und Progesteron bei Frauen auf die Asthma-Symptome aus? Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. med. Cezmi A. Akdis, Universität Zürich und Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF),

 Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Prof. Dr. med. Cezmi A. Akdis

Professor Akdis, woher weiß man, dass Sexualhormone wie Östrogen einen Einfluss auf Asthma bronchiale haben?

Dass die Hormone das Asthma beeinflussen, sieht man allein schon an diesem Phänomen: Im Kindesalter haben zunächst mehr Jungen als Mädchen ein Asthma. Nach der Pubertät ändert sich das aber, denn bei den Erwachsenen dreht sich das Verhältnis um. Dann diagnostiziert man bei Frauen deutlich häufiger ein Asthma als bei Männern. Das lässt vermuten, dass die Sexualhormone beim Asthma eine Rolle spielen.

Wirken sich die Hormone bei Frauen denn auch auf ein bestehendes Asthma aus?

Ja, auch auf ein bestehendes Asthma zeigt sich die Wirkung der weiblichen Sexualhormone. Studien haben gezeigt, dass sich die beim Menstruationszyklus wechselnden Estradiol-Spiegel und Progesteron-Spiegel negativ auf das Asthma auswirken können. Die Asthma Symptome der betroffenen Frauen können sich dann verschlechtern. Dagegen scheint sich Testosteron sowohl bei Männern als auch bei Frauen eher dämpfend auf die Asthmasymptome auszuwirken. Dazu passt, dass sich bei Männern mit Asthma ab dem Alter von circa 50 Jahren die Asthmasymptome oftmals verschlechtern, denn dann sinkt bei Männern der Testosteronspiegel. Man hat bei Frauen aber auch hormonelle Auswirkungen auf den Schweregrad des Asthmas festgestellt.

Wie wirken sich die Sexualhormone bei Frauen auf den Schweregrad des Asthmas aus?

Zunächst einmal wird die Diagnoseschweres Asthmabei Frauen grundsätzlich häufiger gestellt als bei Männern. Die Hormone beeinträchtigen aber bei Frauen auch die Wirksamkeit der Asthmatherapie.

Neue Studie!

Wie wird die Wirksamkeit der Asthmatherapie bei Frauen durch die Sexualhormone beeinflusst?

Bei der Behandlung von schwerem Asthma spielen hohe Dosen an Glucocorticoiden, also Cortison, eine wichtige Rolle. Frauen mit schwerem Asthma sprechen aber auf die Behandlung mit Kortison oftmals nicht ausreichend an. In diesem Zusammenhang hat man festgestellt, dass Frauen über weniger Rezeptoren für diese Glucocorticoide verfügen. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass die Kortisonbehandlung bei Frauen mit schwerem Asthma oft nicht erfolgreich ist.

Was genau passiert im Körper, wenn weibliche Sexualhormone Asthma triggern?

Sexualhormone sind bei vielen Autoimmunerkrankungen und entzündlichen Erkrankungen involviert und eben auch bei Asthma. Dabei modulieren diese Hormone sowohl das angeborene als auch das erworbene Immunsystem. Hormone wie Östrogene und Testosteron werden dabei von verschiedenen Zellen und Geweben produziert. Darunter sind auch Zellen wie Eosinophile, Mastzellen und T-Zellen, die in enger Verbindung mit der Entstehung von Asthma stehen. Wie gesagt, fördern Östrogen und Progesteron dabei eher die angeborene Immunantwort, während Testosteron die angeborene Immunantwort eher unterdrücken. Damit fördern Östrogen und Progesteron eine Typ-2-Entzündung. Diese Typ-2-Inflammation wiederum ist eine wesentliche Ursache der speziellen Form des schweren Asthmas.

Was können Frauen mit schwerem Asthma tun, um die Symptome zu bessern?

Dazu muss noch geforscht werden. Aber möglicherweise könnte man bei jungen Frauen die Hormonproduktion mit Hilfe von hormonellen Kontrazeptiva regulieren und so die schweren Asthmasymptome lindern.

Wie wirken sich die Wechseljahre auf Frauen mit schwerem Asthma aus, werden die Symptome besser, wenn die Hormonproduktion nachlässt?

Man könnte davon ausgehen, dass Frauen in der Menopause ihre schweren Asthmasymptome verlieren, weil die Östrogenproduktion sinkt bzw. eingestellt wird. Allerdings dürfen die Frauen dann keine Hormonersatztherapie (HRT) durchführen, denn dies würde den positiven Effekt der reduzierten Hormonproduktion zunichtemachen. Eine Hormonersatztherapie führt ja Östrogene zu und dies könnte die Symptome von Frauen in den Wechseljahren mit schwerem Asthma verschlimmern oder sogar ein Asthma erstmals auslösen. Dazu passt die folgende Beobachtung: Frauen, die unter einer Hormonersatztherapie Asthma-Symptome hatten, konnten oftmals auf ihre Asthmamedikamente verzichten, wenn sie die HRT beendeten.

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Gibt es denn bei Frauen ein Asthma, das erstmals nach der Menopause auftritt?

Es gibt tatsächlich eine spezielle Form des Asthmas, das bei Frauen erst nach der Menopause auftritt. Man spricht dann von einem menopausalen oder post-menopausalen Asthma. Eine Hormonersatztherapie erhöht das Risiko der Frauen, erstmals ein schweres Asthma zu entwickeln.

Das heißt, es ist in erster Linie das Östrogen, das die schweren Asthma Symptome auslöst?

Einen Zusammenhang zwischen Hormonspiegel bzw. Östrogen und schweren Asthmasymptomen hat man in Studien an Frauen in den Wechseljahren gesehen. Bei post-menopausalen Frauen mit schwerem Asthma war der Östradiol-Spiegel höher als bei Frauen mit leichten Asthmasymptomen. Der erhöhte Östradiol-Spiegel zeigte sich sowohl im Blutserum als auch in Sputum, also im Auswurf.

Und welchen Hormonspiegel findet man bei Frauen mit Asthma, die noch nicht in den Wechseljahren sind?

Bei Frauen, die noch nicht in den Wechseljahren waren, konnte man in Studien niedrige Östradiol-Spiegel beobachten und dies ging einher mit einem weniger schweren Asthmatyp, also ohne Typ-2-Entzündung. Zum Asthma bei Frauen vor den Wechseljahren muss allerdings weiter geforscht werden.

Herr Prof. Akdis, herzlichen Dank für dieses Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.