Neurodermitis Kind richtig eincremen

PD Hagen Ott zum Thema: Neurodermitis beim Kind: Wie cremt man richtig?

Neurodermitis beim Kind: Wie cremt man richtig?

Was ist bei einer guten Basispflege für ein Kind mit Neurodermitis zu beachten? Wie oft sollte man das Kind eincremen und wie genau? MeinAllergiePortal sprach mit PD Dr. med. Hagen Ott, Chefarzt Pädiatrische Dermatologie und Allergologie am Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER BULT in Hannover über das Thema Neurodermitis beim Kind: Wie cremt man richtig?

Herr Privatdozent Ott, wie cremt man richtig, wenn ein Kind Neurodermitis hat?

Wichtig bei Cremen von Kindern mit Neurodermitis ist, dass die Basistherapie angepasst an das aktuelle Erkrankungsstadium, das aktuelle Klima und das Alter des Kindes erfolgt. Das bedeutet, je nach Krankheitsaktivität, klimatischen Umgebungsbedingungen und Patientenalter kann ein anderes Pflegeprodukt oder eine andere Creme-Frequenz angeraten sein. Allerdings geht es hier nicht nur um das Cremen, sondern auch um andere Maßnahmen.

Was bedeutet die Anpassung an die Krankheitsaktivität beim Cremen und welche weiteren Maßnahmen sind möglich?

Hier gilt die dermatologische Grundregel: "Feucht auf feucht und fett auf trocken". Das bedeutet: Bei nässenden, akut betroffenen Neurodermitis-Arealen sollte man mit feuchten Umschlägen behandeln. Sehr gut geeignet hierfür sind z.B. Tupfer, die mit Schwarztee getränkt wurden.

Auf keinen Fall sollte man nässende Hautareale mit fetthaltigen Cremes und Salben behandeln. Dies kann sogar dazu führen, dass sich der Hautzustand verschlechtert.

Handelt es sich um einen akuten, aber nicht nässenden Hautzustand, ist eine wasserhaltige Creme empfehlenswert.

Für die Langzeitbehandlung einer sehr trockenen Neurodermitis-Haut sind Cremes mit höherem Lipid-Anteil oder Fettsalben sinnvoll.

 

Sie erwähnten, dass bei Neurodermitis auch das Klima eine Rolle für das Cremen spielt…

In Bezug auf das Klima ist es wichtig, dass man im Sommer bei hohen Temperaturen nicht zu fettige Cremes und Salben verwendet. Diese führen zu einem Okklusionseffekt, das heißt das Schwitzen der Haut wird unterbunden und es kommt zu einem Flüssigkeitsstau. Irritative Reaktionen mit verstärkter Hautrötung und Juckreiz können die Folge sein.


Was ist bei Kindern mit Neurodermitis in Bezug auf Sonnencreme zu beachten?

Für Kinder mit Neurodermitis gelten die allgemeinen Regeln zum Sonnenschutz im Kindesalter.

Säuglinge sollten nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden und einen textilen Sonnenschutz, bestehend aus Hemd, Hose und Hut tragen.

Nach aktuellem Kenntnisstand gelten Sonnenschutz-Produkte mit organischen, das heißt chemischen, Sonnenschutz-Substanzen zwar als sicher. Allerdings werden z. Zt. potenzielle Nebenwirkungen diskutiert, so dass insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern Sonnencremes mit anorganischen, physikalischen Sonnenschutz-Substanzen, wie zum Beispiel Zinkoxid oder Titandioxid, bevorzugt werden sollten.

Grundsätzlich ist ein Produkt mit ausreichendem Schutzspektrum, UVA und UVB, zu empfehlen, wobei der Lichtschutzfaktor 30 in der Regel ausreicht. Patienten mit sehr heller Haut und/oder sonnenlicht-abhängigen Erkrankungen, wie z. B. Rosacea sollten einen höheren Sonnenschutzfaktor wählen.

Welche Rolle spielt das Alter des kindlichen Neurodermitis-Patienten für die Auswahl der Pflegeprodukte?

Im Säuglingsalter würde man eher auf Produkte zurückreifen, die Glycerin als Moisturizer enthalten.

Bei Kleinkindern und Schulkindern, sowie bei Jugendlichen würde man Pflegeprodukte verwenden, die zusätzlich Harnstoff (Urea) in Konzentrationen von 5 bis 10 Prozent enthalten.

Bei älteren Kindern mit Neurodermitis während und jenseits der Pubertät sollte man auf stark fetthaltige Cremes verzichten. Die körpereigene Produktion von Hautfetten ist in der Regel ausreichend.

 

Wie häufig sollte man Kinder mit Neurodermitis eincremen?

Für die meisten Neurodermitis-Patienten, die fettreiche Pflegeprodukte einsetzen, reicht eine zweimal tägliche Anwendung.

Ist die neurodermitische Haut sehr trocken und verdickt, empfehlen sich häufigere Anwendungen, insbesondere dann, wenn Hände und Füße betroffen sind. Ein Pflegeprodukt, das Feuchthaltefaktoren (Moisturizer) enthält, ist in diesen Fällen sinnvoll.

Grundsätzlich richtet sich die Häufigkeit der Basispflege nach dem eingesetzten Pflegeprodukt und der Krankheitsaktivität. Deshalb sollte ein Pflegeplan individuell auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten werden um optimal zu wirken.

Welche Rolle spielt das Waschen oder Baden bei der Basispflege von Kindern mit Neurodermitis?

Wasser ist bei Neurodermitis Teil der Basistherapie, wobei sich die Häufigkeit der Anwendung am aktuellen Krankheitsstadium orientiert.

Bei einer akuten Verschlechterung der Neurodermitis kann es empfehlenswert sein, ein- bis zweimal täglich zu baden. So werden Salben- und Hautreste, sowie Bakterien entfernt. Außerdem wirkt ein Bad in körperwarmem Wasser, nicht jedoch bei höheren Temperaturen, für viele Neurodermitis-Patienten kühlend und juckreizlindernd.

Befindet sich der Neurodermitis-Patient in einer stabilen Krankheitsphase, reichen zwei bis drei Mal wöchentliche Bäder meist aus. Wichtig ist, dass im Anschluss an das Bad oder die Dusche erneut gecremt wird, damit die Haut nicht austrocknet.

Herr Privatdozent Ott, herzlichen Dank für dieses Interview!

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