JAK-Inhibitoren

Autor: Prof. Dr. med. Johannes Wohlrab

JAK-Inhibitoren - Januskinasen: Was ist das?

Unter „JAK-Inhibitoren“ versteht man eine Gruppe von Wirkstoffen, die seit 2020 für die Neurodermitis-Therapie zur Verfügung stehen.

Der Begriff „JAK“ ist eine Abkürzung, die aus der Forschung stammt. Es wird berichtet, dass Enzyme aus der Gruppe der Kinasen entdeckt wurden, deren Bedeutung unklar war, so dass man sie umgangssprachlich als „just another kinase (JAK)“ bezeichnete. Als man später ihre Bedeutung für die Regulation wichtiger Zellfunktionen erkannte, wurde die Abkürzung „JAK“, in Anlehnung an eine römische Gottheit etwas seriöser in „Januskinase (JAK)“ umbenannt. Da der Gott Janus in der römischen Mythologie zwei Gesichter hat und der Gott der Türen und Tore ist, wurde dies auf die besondere Funktionalität der Januskinasen als „Türöffner“ für Signalwege der Zelle übertragen. Einzelne Subtypen der JAKs können nämlich unterschiedliche, z.T. entgegengesetzte Effekte vermitteln. JAK-Inhibitoren wiederum sind Substanzen, die die Aktivitäten der Januskinasen „inhibieren“, das heißt hemmen oder unterbinden können.

Januskinasen: Welche Rolle spielen sie bei Neurodermitis?

Bei den Januskinasen gibt es vier verschiedene Grundtypen. Dazu gehören die Januskinasen JAK-1, JAK-2 und JAK-3, sowie die Tyrosinkinase 2, abgekürzt TYK-2. Alle vier Typen sind in unterschiedlicher Weise an Entzündungsprozessen beteiligt, indem sie an der Regulation der Produktion verschiedener Signalproteine beteiligt sind. Diese Signalproteine können zum Beispiel Entzündungen oder Juckreiz auslösen, wie dies auch bei der Neurodermitis der Fall ist. Außerdem regulieren Januskinasen Proteine, die die Kommunikation zwischen Entzündungszellen beeinflussen. Insgesamt sind Januskinasen also Enzyme, die in die Regulation von verschiedenen Zellfunktionen eingebunden sind.

JAK-Inhibitoren: Wo setzt die Therapie bei Neurodermitis an?

Januskinasen steuern über Signalwege Entzündungsprozesse. Wenn durch den Einsatz von Hemmstoffen dieser Enzyme, also von JAK-Inhibitoren, diese Steuerung inhibiert wird, kann die Entzündungsreaktion abgeschwächt oder sogar unterbunden werden. Aus diesem Grund werden JAK-Inhibitoren auch als Immunsuppressiva bezeichnet. JAK-Inhibitoren stellen eine heterogene Gruppe von Arzneistoffen dar, deren therapeutische Wirksamkeit und Verträglichkeit nicht pauschal, sondern immer mit Substanzbezug bewertet werden muss.

Einzelne JAK-Inhibitoren eignen sich deshalb zur Therapie von bestimmten Erkrankungen, die mit chronischen Entzündungsprozessen einhergehen, wie z.B. bei der Neurodermitis. Da Januskinasen auch die Aktivität von Nervenfasern beeinflussen, kann durch den Einsatz von JAK-Inhibitoren auch Juckreiz unterbunden werden. Beide Symptome, Entzündung und Juckreiz, sind typisch für die Neurodermitis. Nach heutigem Erkenntnisstand stellen JAK-Inhibitoren eine vielversprechende Therapieoption dar.

JAK-Inhibitoren: Wie wirken sie auf das Krankheitsgeschehen bei Neurodermitis?

Die wesentlichen pathogenetischen Faktoren, die auf der Basis einer genetischen Veranlagung die Neurodermitis bedingen, sind: Entzündung, Juckreiz und eine Barrierestörung der Haut. Alle Faktoren bedingen sich gegenseitig und können bei Betroffenen unterschiedliche klinische Relevanz besitzen.

Durch die Anwendung von JAK-Inhibitoren werden die für Betroffene besonders belastenden Symptome wie Entzündung und Juckreiz deutlich reduziert. Auch wenn der direkte Einfluss von JAK-Inhibitoren auf die Barrierestörung eher gering ist, so tritt durch die Reduktion der Entzündung auch hier eine Besserung ein. So kann man unter der Therapie mit JAK-Inhibitoren eine Verbesserung der Krankheitsaktivität insgesamt beobachten. Dabei fällt besonders auf, dass der Juckreiz rasch reduziert wird und sich damit die Lebensqualität der Betroffenen meist bereits nach wenigen Tagen der Anwendung deutlich verbessert.

JAK-Inhibitoren bei Neurodermitis: Wie werden sie verabreicht?

JAK-Inhibitoren sind klassische Arzneistoffe. Sie werden in Form von Tabletten verabreicht, in der Regel einmal täglich. Darüber hinaus werden derzeit Präparate in Form von Cremes für die lokale Anwendung entwickelt.

JAK-Inhibitoren: Einsatz bei anderen Erkrankungen und Nebenwirkungen

JAK-Inhibitoren werden bereits auch zur Therapie von chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen, wie der rheumatoiden Arthritis und der Psoriasisarthritis, erfolgreich eingesetzt. Das Nebenwirkungspotential kann wegen einer unterschiedlichen Pharmakologie nur substanzspezifisch bewertet werden. Wie bei anderen Immunsuppressiva ist eine erhöhte Infektanfälligkeit auch unter JAK-Inhibitoren zu beobachten. Der Grund hierfür ist, dass Januskinasen in Prozesse der Immunantwort involviert sind. Die JAK-Inhibitoren unterdrücken diese Prozesse und damit kann es zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Infektionen kommen. Zudem wurde bei einigen JAK-Inhibitoren in klinischen Studien das Auftreten von Akne beobachtet, die aber in den meisten Fällen mild ausgeprägt war. Die Nebenwirkungen der einzelnen, für die Neurodermitis-Therapie zugelassenen Präparate variieren und können den jeweiligen Fachinformationen entnommen werden.

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