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Otitis Hund Hundebesitzer

Dr. med. vet. Ariane Neuber zum Thema: Otitis beim Hund: Was sollten Hundebesitzer wissen?

Otitis beim Hund: Was sollten Hundebesitzer wissen?

Die Otitis externa ist mit circa 90 Prozent die häufigste Form der Ohrenentzündung bei Hunden. Die Otitis media, also eine Mittelohrentzündung und die Otitis interna, eine Entzündung des Innenohrs, sind bei Hunden deutlich seltener. Unter welchen Symptomen betroffene Hunde leiden, und wie eine Ohrenentzündung beim Hund festgestellt und behandelt werden kann, darüber sprach MeinAllergiePortal mit Dr. med. vet. Ariane Neuber, Tierarztpraxis Hund Katze Haut in Königswinter Eudenbach.

Frau Dr. Neuber, was sollten Hundebesitzer über Otitis bzw. Ohrenentzündungen beim Hund wissen?

Genau wie beim Menschen gibt es auch beim Hund drei Formen der Otitis. Die betroffenen Tiere leiden größtenteils an einer Otitis externa, die auch in eine Otitis media, also eine Mittelohrentzündung, übergehen kann, wenn die Entzündung das Trommelfell durchbricht. Eine Otitis interna ist ebenfalls möglich, aber bei Hunden eher selten.

Welche Ursachen hat die Otitis bzw. Ohrenentzündung beim Hund?

Bei der Otitis externa gibt es immer eine Primärerkrankung, wie zum Beispiel eine Allergie. Wenn diese nicht erkannt und erfolgreich behandelt wird, wird die Otitis immer wiederkehren. Normalerweise handelt es sich um Futtermittel- oder Umweltallergien. Oft, aber nicht immer, leidet der Hund auch an anderen Allergiesymptomen, wie zum Beispiel an Juckreiz oder geröteten Pfoten. Einseitige Otitiden werden meist von Fremdkörpern oder Tumoren hervorgerufen.

Die Hunde können sogar nur eine einseitige Ohrenentzündung haben, die trotzdem von Allergien hervorgerufen werden kann, obwohl eine einseitige Otitis häufiger von Fremdkörpern oder seltener von Tumoren verursacht wird.

Prädestinierende Faktoren, also Faktoren die eine Otitis begünstigen, wie eine starke Ohrenbehaarung oder eine abnormale Ohrform, können ebenfalls zu häufigen Ohrenentzündungen beitragen.

Eine Otitis media kann sich durch eine Otitis externa entwickeln, doch es gibt auch eine sogenannte primäre sekretorische Otitis media. Diese tritt vor allem bei Brachycephalen Hunderassen auf, bei denen, aufgrund der Kopfform, das im Mittelohr produzierte Sekret nicht richtig abtransportiert werden kann. Ein Beispiel hierfür sind Cavalier King Charles Spaniel.

Die Otitis interna wird manchmal durch eine schwere Mittelohrentzündung, durch Trauma, oder durch gehörschädigende Substanzen ausgelöst. Sie kann in seltenen Fällen aber auch ohne erkennbaren Grund auftreten.

An welchen Symptomen erkennt man die Otitis beim Hund?

Bei der Otitis externa sieht man häufig einen „verschmutzten“ Gehörgang und übelriechenden Ohrausfluss. Die Hunde schütteln oft den Kopf, kratzen sich das Ohr und halten den Kopf schief. Teilweise leiden die Hunde an starken Schmerzen, wehren sich also dagegen, wenn man sie am Ohr berührt.

Bei Entzündungen des Mittel– oder Innenohrs, das heißt, einer Otitis media oder interna, kann es zu Bewegungsstörungen kommen. Eine Gleichgewichtsstörung deutet auf eine Innenohrentzündung hin.

Wie erfolgt die Diagnose der Otitis externa, media und interna beim Hund?

Die Diagnose wird durch eine ausführliche klinische Untersuchung gestellt. Dabei wird versucht, die folgenden Fragen zu beantworten:

  • Gibt es eine Vorerkrankung, oder auch prädisponierende, also eine Otitis begünstigende, Faktoren?
  • Welche Symptome zeigt das Tier?
  • Sind Bakterien oder Hefepilze im Ohr zu finden? Wenn Bakterien da sind, sind es runde (Kokken) oder Stäbchen-förmige? Oft sind diese schwieriger zu behandeln. Eine baterielle Kultur sollte eingechickt werden.

Die ausführliche Diagnose der verschiedenen am Krankengeschehen beteiligten Faktoren ist entscheidend, da sie die Basis einer gezielten Behandlung ist. Wenn beispielsweise hinter der Ohrenentzündung eine Futtermittelallergie vermutet wird, kann die Diagnose durch eine Ausschlussdiät, also eine Futtermittelumstellung, bestätigt werden. Wird eine Umweltallergie vermutet, bringt ein Allergietest Klarheit.

Wie sieht die Behandlung bei einer Otitis bzw. Ohrenentzündung beim Hund aus?

Die Behandlung der Otitis beim Hund muss das Ziel haben, nicht nur die aktuellen Beschwerden zu lindern, sondern auch die zugrundeliegende Ursache zu behandeln. Liegt eine Futtermittelallergie vor, hilft oft schon ein Wechsel des Futtermittels. Bei einer Umweltallergie kann z. B. eine Immuntherapie Verbesserung bringen. Wenn Bakterien gefunden wurden, müssen diese identifiziert und zielgerichtet behandelt werden, da verschiedene Bakterien unterschiedlich auf Antibiotika reagieren. Manche lassen sich sehr gut, andere schwieriger behandeln.

Welche bei einer Otitis des Hundes auftretenden Bakterien sind schwer zu behandeln?

Pseudomonas sind Stäbchen-förmige Bakterien, die oft auf mehrere Antibiotika Resistenzen aufweisen und auch rasch neue Resistenzen entwickeln können. Daher ist eine sehr intensive Behandlung nötig, die auch mehrmalige Ohrspülungen unter Narkose bedeuten kann. Pseudomonas Otitis ist oft sehr schmerzhalft. Daher kann es bei betroffenen Patienten zu Verhaltensstörungen, wie Angstagressionen, kommen. Diese müssen ebenfalls behandelt werden.

Eine amerikanische Studie ergab, dass viele Streunerhunde, die aufgrund von Verhaltensstörungen eingeschläfert werden mussten, an Ohrenentzündungen litten. Das heißt, man sollte dies unbedingt kontrollieren, wenn ein Hund scheinbar grundlos aggressiv ist.

Reicht es, bei einer Otitis beim Hund einfach die Bakterien zu behandeln?

Das Wichtigste bei der Behandlung von Otitis beim Hund ist, dass ein langfristiger Plan gemacht wird, damit alle beteiligten Faktoren erkannt und behandelt werden. Also die Grunderkrankung (wie z. B. eine Allergie) und alle anderen Faktoren. Bei einer akuten Otitis müssen die Bakterien natürlich auch bekämpft werden, und der Erfolg sollte gut beobachtet und in einer Kontrolluntersuchung in der Tierarztpraxis überprüft werden. Oberstes Ziel sollte es aber langfristig sein, erneute Schübe zu vermeiden, anstelle von wiederholten antibiotischen Ohrentropfen.

Herzlichen Dank, Frau Dr. Neuber, für das Gespräch.