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Low-FODMAP-Diät Reizdarm-Syndrom

Dr. Yvonne Braun zum Thema: Low-FODMAP-Diät beim Reizdarm-Syndrom: Das muss man beachten!

Low-FODMAP-Diät beim Reizdarm-Syndrom: Das muss man beachten!

Insbesondere im Zusammenhang mit dem Reizdarmsyndrom (RDS) ist immer wieder von der Low-FODMAP-Diät die Rede. Worum geht es dabei genau? Für welche Patienten ist die Diät geeignet? Was darf man essen, was nicht? Wie lange kann Low-FODMAP-Diät gefahrlos durchgeführt werden und was kommt danach? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Yvonne Braun, Diplom-Oecotrophologin, Ernährungsberaterin/DGE und Ernährungsfachkraft Allergologie (DAAB) über die Low-FODMAP-Diät beim Reizdarm-Syndrom und was man beachten muss.

Frau Dr. Braun, was bedeutet die Abkürzung FODMAP?

FODMAP steht für „Fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide und Monosaccharide“, sowie auf Englisch "and" Poliole. Dabei handelt es sich um Zucker und Zuckeralkohole und wenn man von einer Low-FODMAP-Ernährung spricht, bedeutet dies, dass diese arm an diesen Zuckern und Zuckeralkoholen ist.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang "fermentierbar"?

"Fermentierbar" bedeutet, dass die Stoffe, die im Dünndarm nicht resorbiert bzw. aufgenommen, werden, in den Dickdarm gelangen. Dort werden sie durch die Darmbakterien abgebaut, ein Prozess, den man „Fermentation“ nennt. Durch die Fermentation kann verstärkt Wasser in den Dickdarm einströmen und die Produkte der Fermentation können vermehrt Gase bilden. Beides kann zu Problemen führen, wie zum Beispiel Durchfall oder Blähungen, also vermehrte Luft im Darm.

Sie sagten, bei FODMAPs handelt es sich um Zucker und Zuckeralkohole, was genau bedeutet das?

Zu den FODMAPs gehören die Oligosaccharide und dazu gehören wiederum die Fruktane, zum Beispiel das Inulin aus der Pastinake, oder die Galaktane, zum Beispiel aus der Kartoffel oder dem Knoblauch. Aber auch die Disaccharide, also die Zweifachzucker, wie zum Beispiel die Laktose aus der Milch oder die Monosaccharide, die Einfachzucker, wie die Strukturen aus dem Obst, gehören zu den FODMAPs. Weitere FODMAPs sind die Poliole, die Polialkohole wie zum Beispiel Sorbit, Xylit und Erythrit.


Wozu dient eine FODMAP-arme Ernährung und wofür eignet sie sich nicht?

Studien zeigen, dass gerade Reizdarm-Betroffene von einer Low-FODMAP-Ernährung profitieren können. Allerdings ist nicht bekannt, warum dem so ist. Dennoch konnte gezeigt werden, dass es durchaus für manche Reizdarm-Betroffene einen Vorteil bringt, sich FODMAP-arm zu ernähren.

Wozu eignet sich die Low-FODMAP-Ernährung nicht?

Die Low-FODMAP-Ernährung eignet sich definitiv nicht als gesunde Dauerernährung und sie eignet sich auch nicht als gesunde Ernährung zur Gewichtsreduktion.

Handelt es sich bei der Low-FODMAP-Diät um eine diagnostische Diät bzw. hat sie einen Stellenwert bei der Diagnose?

Bei der Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten spielt die Low-FODMAP-Ernährung keine Rolle. Es gibt, in den Leitlinien verankert, ganz klare Richtlinien zur Diagnose, zum Beispiel, einer Laktoseintoleranz oder einer Fruktosemalabsorption. Hierzu gehört auf jeden Fall der H2-Atemtest oder aber auch das Führen eines Ernährungs- und Symptomprotokolls. Dabei können die Symptome auch dem entsprechenden Lebensmittel oder der entsprechenden Lebensmittelgruppe zugeordnet werden.

Allerdings: Die Diagnose „Reizdarmsyndrom“ ist ja eine Ausschlussdiagnose, das heißt, wenn alle anderen Diagnosen negativ sind und keine anderen Erkrankungen oder Unverträglichkeiten vorliegen, dann wird häufig die Diagnose "Reizdarmsyndrom" gestellt. Davon abgesehen spielt die Low-FODMAP-Ernährung aber auch in den Leitlinien der Diagnose für das Reizdarmsyndrom keine Rolle.

Trotzdem ist die Low-FODMAP-Diät eine Möglichkeit, auszuprobieren, ob ein Patient mit einem Reizdarmsyndrom von dieser Ernährung profitiert und zur Beschwerdefreiheit gelangt.


Wie führt man jetzt eine Low-FODMAP-Ernährung durch?

Die FODMAP-arme-Diät sollte auf jeden Fall nicht ohne einen geschulten Ernährungsberater durchgeführt werden. Das hat folgende Gründe: Zum einen widersprechen sich häufig die Listen, die man im Internet zu Low-FODMAP-geeigneten Lebensmitteln findet. Manche Lebensmittel sind laut der einen Liste erlaubt, bei der anderen Liste verboten, oder nur in ganz kleinen Mengen erlaubt. Deswegen sollte man sich hier auf jeden Fall an einen Ernährungsberater wenden, um eine Hilfestellung bei der Auswahl der richtigen Nahrungsmittel zu bekommen.

Ein weiterer Grund dafür, dass man sich fachkundige Unterstützung holen sollte, ist, dass es sich bei der Low-FODMAP-Diät um eine sehr einschränkende Kostform handelt. Als Dauerernährung ist sie nicht geeignet. Gerade gegen Ende der Diät, insbesondere dann, wenn sich die Symptome unter der Diät gebessert haben, trauen sich viele Patienten nicht, die Diät zu beenden. Es ist aber wichtig, die während der FODMAP-Diät verbotenen Lebensmittel auch wieder einzuführen. Deswegen sucht man sich hier wirklich am besten die Hilfe eines Ernährungsberaters, der einem dann auch wieder beim Einführen der Lebensmittel hilft.

Unabhängig davon empfehle ich bereits vor der Ernährungsumstellung auf eine Low-FODMAP-Kost das Führen eines Ernährungs- und Symptomprotokolls. Geschulte Ernährungstherapeuten können anhand dessen erkennen, welche Lebensmittelgruppen oder Lebensmitteln mit welchen Symptomen verknüpft sind. Das hilft nach Abschluss der FODMAP-armen Diät bei der Wiedereinführung von Lebensmitteln.

Wie lange sollte denn eine Low-FODMAP-Ernährung durchgeführt werden?

Das Ziel der Low-FODMAP-Ernährung ist die Beschwerdefreiheit, beziehungsweise die Symptomreduktion. Mit der Beschwerdefreiheit ist die Therapie jedoch noch nicht beendet. Im Anschluss an die Low-FODMAP-Ernährung, die maximal vier bis sechs Wochen durchgeführt werden sollte, schließt sich das sukzessive Wiedereinführen von Lebensmitteln an, um den Patienten wieder an eine normale Kost heranzuführen.

In Studien konnte gezeigt werden, dass auch bei Patienten, die sehr gut auf Low-FODMAP ansprachen und dadurch beschwerdefrei wurden, eine Wiedereinführung FODMAP-reicherer Lebensmittel sehr gut möglich ist. Diese Patienten blieben dann auch unter FODMAP-haltiger Kost beschwerdefrei.

Warum eignet sich die Low-FODMAP-Ernährung nicht als dauerhafte Diät?

Bei einer Low-FODMAP-Diät werden einige wichtige Lebensmittelgruppen komplett aus dem Speiseplan eliminiert. Das heißt, man muss darauf achten, dass es nicht auch über diesen kurzen Zeitraum von vier bis sechs Wochen zu einem Nährstoffmangel kommt.
Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass die Low-FODMAP-Ernährung nicht unbedingt förderlich für die Darmflora ist, da unter dieser Ernährung eher das Wachstum der schädlichen, ungünstigen Darmbakterien gefördert wird. Zum Beispiel fördert gerade die Gruppe der Oligosaccharide, die während der Low-FODMAP-Ernährung weggelassen wird, das Wachstum von positiven Darmbakterien.

Nicht zu vernachlässigen ist aber auch wirklich die stark eingeschränkte Lebensqualität während einer Low-FODMAP-Ernährung. Es erfordert ein hohes Maß an Disziplin eine Low-FODMAP-Ernährung wirklich streng durchzuführen und eigentlich „normale“ Dinge, wie zum Beispiel Essen gehen oder Essen in der Kantine, sind in unter einer FODMAP-armen Diät unmöglich.


Was kann man konkret essen bei einer FODMAP-armen Diät?

Wie gesagt gibt es zahlreiche Listen mit FODMAP-armen und FODMAP-reichen Nahrungsmitteln, die sich teilweise widersprechen.

Grob gesagt kann man sagen, dass die folgenden Nahrungsmittel als FODMAP-reich gelten und deshalb bei einer Low-FODMAP-Diät verboten sind:

  • Weizen und glutenfreie Getreidesorten
  • Hülsenfrüchte
  • Milch und Milchprodukte
  • unterschiedliche Gemüsesorten
  • diverse Obstsorten
  • Light- und Diätprodukte

Als FODMAP-arme Nahrungsmittel, die bei der Low-FODMAP-Ernährung erlaubt sind, gelten:

  • Laktosefreie Milch und Milchprodukte
  • Getreidedrinks
  • Hauptsächlich glutenfreie Getreidesorten, ich sage hier "hauptsächlich glutenfreie Getreidesorten" weil in einigen Listen Dinkel, obwohl er Gluten enthält, erlaubt ist
  • bestimmte Gemüsesorten
  • bestimmte Obstsorten, zum Teil nur in bestimmten Mengen, oder nicht allzu reif
  • bestimmte Mengen an Nüssen
  • Proteinreiche Lebensmittel wie Fisch, Fleisch, Eier und Geflügel
  • Viele Gewürze und frische Kräuter

Darf man bei der Low-FODMAP-Ernährung Fertigprodukte verwenden?

Fertigprodukte sollten bei der Low-FODMAP-Ernährung gemieden werden, weil sie häufig einen relativ hohen Gehalt an FODMAPs aufweisen.

Es gibt einige Firmen, die jetzt schon auf den Low-FODMAP-Zug „aufspringen“ und einige ihrer Produkte als Low-FODMAP-geeignet ausweisen. Diese Produkte können natürlich verwendet werden. Allerdings, egal ob Low-FODMAP oder darmgesund, immer ist es relativ wichtig, natürliche Lebensmittel und so wenig Fertigprodukte wie möglich zu verwenden.

Sie hatten die Gefahr des Nährstoffmangels bei der Low-FODMAP-Diät erwähnt…

Bei der Low-FODMAP-Ernährung muss man auf zahlreiche Nahrungsmittel verzichten, zum Teil auf ganze Lebensmittelgruppen. So besteht tatsächlich die Gefahr, dass sich ein Nährstoffmangel entwickeln kann, insbesondere dann, wenn man die Low-FODMAP-Ernährung sehr lange durchführt. Deswegen ist hier noch mal zu sagen, dass diese Ernährungsart wirklich nur maximal über vier bis sechs Wochen durchgeführt werden sollte, und dass eine kompetente Beratung sehr hilfreich ist. Gerade wenn sich eine Verbesserung einstellt und man langsam wieder neue Lebensmittel einführen sollte, sind viele ängstlich und trauen sich nicht.

Wenn sich keine Verbesserung der Symptome einstellt, dann waren es nicht die FODMAPs. Das bedeutet, man muss auf die Suche nach anderen Ursachen gehen.

Sie sagten, dass eine dauerhafte Low-FODMAP-Ernährung nicht darmgesund sei…

Gerade bei Reizdarm-Patienten ist eine gesunde Darmflora, ein gesundes Mikrobiom, sehr wichtig. Daher sollte sich die Ernährung bei Reizdarmpatienten natürlich an einem gesunden Mikrobiom orientieren. Die Low-FODMAP-Ernährung entspricht einer darmgesunden Ernährung jedoch nicht. Unter anderem gehören zu einer darmgesunden Ernährung Sauermilchprodukte, wie zum Beispiel Kefir, Buttermilch, Ayran, aber auch Dickmilch und stichfester Joghurt. Auch Hülsenfrüchte und eine Vielfalt an unterschiedlichen Gemüsen sind gut für den Darm. All diese Nahrungsmittel fallen bei der FODMAP-armen Ernährung jedoch weg, so dass die guten Darmbakterien keine „Nahrung“ finden.

Deswegen ist es umso wichtiger, dass man wirklich am Ende dieser Low-FODMAP-Phase gerade die darmgesunden Nahrungsmittel, die förderlich für das Mikrobiom sind, langsam wieder einführt.

Für eine darmgesunde Ernährung spielt aber auch das Essverhalten eine Rolle. Dazu gehört, dass angemessene Portionsgrößen gegessen werden, dass beim Essen Ruhe herrscht und dass regelmäßige Mahlzeiten gegessen werden sollten. Am besten beherzigt man dies bereits während der Low-FODMAP-Phase.

Frau Dr. Braun, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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