Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden und als erstes erfahren wann unsere Webinare stattfinden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Darmhypnose Therapie Reizdarm

Prof. Dr. med. Martin Storr über Darmhypnose bei Reizdarm-Beschwerden! Bildquelle: M. Storr

Darmhypnose, eine wirksame Therapie beim Reizdarm-Beschwerden?

Für Reizdarm-Beschwerden gibt es nicht die eine Therapie. Für Patienten mit Reizdarmsyndrom (RDS) kann es deshalb durchaus interessant sein, neue Optionen zu wie die Darmhypnose auszuprobieren. Man nennt das auch "gut directed hypnosis". MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Martin Storr, Gastroenterologe am Gesundheitszentrum Starnberger See (MVZ) und 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität e. V. über die Darmhypnose beim Reizdarmsyndrom.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Prof. Dr. med. Martin Storr

Herr Prof. Storr, was versteht man unter Darmhypnose?

Die Darmhypnose wird in den nationalen und internationalen Leitlinien zur Therapie des Reizdarmsyndroms empfohlen. Sie setzt als einzige ursächliche Therapie direkt an der Darm-Hirn-Achse an und bearbeitet dort fehlerhafte Verknüpfungen, falsche Erinnerungen und inadäquate Reflexantworten. Im Gegensatz zu anderen Maßnahmen werden mit der Darmhypnose die Ursachen des Reizdarmsyndroms und nicht nur die Beschwerden angegangen.

Man hört auch öfter den Begriff „Bauchhypnose“ ist das das gleiche wie eine „Darmhypnose“?

Ja, die Begriffe Bauchhypnose und Darmhypnose meinen das gleiche. Gerade in der Selbstanwendung mit dem Darmhypnose Booklet und der CD, zum Beispiel aus der Stadtbücherei, ist dies eine exzellent wirksame Maßnahme und laut Behandlungsleitlinie eine Reizdarmbasismaßnahme. Medikamente gehören im Gegenzug zur speziellen Therapie und werden erst in der zweiten oder dritten Therapielinie, zusätzlich zur Basistherapie Darmhypnose, angewendet.

Welche Erfahrungen hat man mit Darmhypnose gemacht?

Der ursprüngliche Ansatz der „gut directed hypnosis“ wurde in Manchester, UK, von Prof. Dr. P. Whorwell zur Behandlung von Reizdarm-Beschwerden und anderen Verdauungsbeschwerden entwickelt und in zahlreichen klinischen Studien getestet.1)2) Unabhängig von der Verbesserung der Darmbeschwerden bringt die Darmhypnose den Patienten grundsätzlich ein hohes Maß an Entspannung.

Wie funktioniert Reizdarm-Behandlung durch Hypnose, gibt es eine Anleitung?

Es gibt zwei Optionen zur Durchführung einer Reizdarm-Behandlung durch Hypnose. Man kann die Darmhypnose mit Hilfe eines persönlichen Therapeuten durchführen, den man drei Mal die Woche aufsucht. In Deutschland ist dies jedoch, anders als in England, wo es Hypnosezentren gibt, nicht etabliert. Das psychotherapeutische Angebot in Deutschland ist recht schwach ausgeprägt und nur wenige Therapeuten wurden gezielt für Hypnotherapien ausgebildet. Eine Alternative bieten Audioprogramme zur Selbstanwendung, die man zu Hause in aller Ruhe nach Anleitung anwenden kann.

Ist eine Hypnose gegen Reizdarm mit einem Audioprogramm genauso wirksam, wie eine Darmhypnose mit einem Therapeuten?

In klinischen Studien hat man das getestet und gesehen, dass sowohl die Darmhypnose mit Therapeuten als auch die Audio-Darmhypnose bei Reizdarmpatienten zu mehr oder weniger den gleichen Ergebnissen führt.3)

Wie funktioniert eine Audio-Darmhypnose zur Therapie des Reizdarmsyndroms konkret?

Für den Patienten ist das relativ einfach, denn die Darmhypnose ist eine Art „fortgeschrittenes autogenes Training“, ein Training, das sich direkt auf den Darm bezieht. Dafür muss der Patient eine ruhige Position einnehmen und das Audiotape anhören und nachvollziehen und Nachruhen. Auf dem Audiotape wird erklärt, was eine Darmhypnose genau bedeutet und die Wirkmechanismen werden dargestellt.

Bei der Darmhypnose selbst werden Bilder von „Ruhe“ und von „Fließen“ aufgebaut, die der Tätigkeit des Darms entsprechen. Auch an der Atmung wird bei der Darmhypnose gearbeitet, denn Atmung und Zwerchfell können sich beruhigend auf die Darm-Hirn-Achse auswirken.

Das Ziel der Darmhypnose ist also, den Darm zu entspannen?

Man weiß sehr gut, dass die Darm-Hirn-Achse beim Reizdarmsyndrom eine zentrale Stellung einnimmt und dass es Teil der Problematik sein kann, wenn an dieser Stelle Unruhe entsteht. Ist die Darm-Hirn-Achse in Alarmstellung, verursacht sie bei Reizdarm-Patienten permanente Beschwerden.

Mit einer Darmhypnose spricht man dieses „Fehlverhalten“ an und versucht, es zu korrigieren bzw. positiv zu beeinflussen.

Ist der Effekt der Darmhypnose vergleichbar mit dem Effekt von Darm-Relaxanzien?

Nein, denn glattmuskuläre Darm-Relaxanzien wirken, indem sie ausschließlich den Darmmuskel an der Kontraktion hindern. Das bedeutet Darm-Relaxanzien nehmen dem Darm die Möglichkeit, sich zu verkrampfen. Im Grunde wird durch Relaxanzien eine Art „Lähmung“ am Darm selbst erzeugt, was verhindert, dass Darmkrämpfe auftreten. Eine ursächliche Entspannung des Darmnervensystems erfolgt durch Relaxanzien allerdings nicht, und deshalb ist die Wirkung nach ca. drei Stunden in der Regel auch wieder vorbei.

Wie lange dauert eine Darmhypnose zur Behandlung des Reizdarms und wie oft sollte man sie durchführen?

Eine Darmhypnose-Sitzung dauert ca. 25 Minuten und sollte regelmäßig durchgeführt werden. Am Anfang sollten die Patienten die Sitzungen sehr häufig durchführen. Ideal wäre es, täglich eine Darmhypnose-Sitzung durchzuführen. Dabei ist es den Patienten möglich, die Sitzungen an die individuelle Situation anzupassen, also am Vormittag oder abends, je nach Bedarf.

Wann ist die Darmhypnose erfolgreich beim Reizdarm, gibt es Erfahrungen?

Die Voraussetzungen für ein gutes Gelingen der Darmhypnose sind nach meiner Erfahrung die realistische Einschätzung des eigenen Wochenablaufs und eine gute Planung. Manche schaffen es, die Darmhypnose vier Wochen lang täglich durchzuführen, aber das ist nicht bei allen Patienten möglich. In diesen Fällen ist eine Frequenz von drei Mal pro Woche auch ein guter Anfang, solange die Sitzungen regelmäßig durchgeführt werden und die Patienten „dabeibleiben“. Viele Patienten schlafen im Zuge einer Darmhypnose ein und fragen sich, ob das denn in Ordnung sei. Tatsächlich ist dies sogar sehr sinnvoll, denn man weiß, dass es ein Zeichen einer hohen Wirksamkeit ist, wenn man in einen Einschlafmodus gerät. Das bedeutet, man hat sich wirklich entspannt.

Wie schnell wirkt die Darmhypnose beim Reizdarm?

Das ist sehr unterschiedlich. Manche Patienten sprechen sehr gut und sehr schnell auf die Darmhypnose an und berichten bereits nach eine Woche über eine Verbesserung ihrer Symptome. Bei anderen stellt sich erst nach drei oder vier Wochen ein Therapieerfolg ein.

Man muss der RDS-Therapie durch die Darmhypnose ein wenig Zeit geben, aber das trifft bei Reizdarm-Beschwerden auf alle Maßnahmen zu. Mindestens vier Wochen sollte man die Darmhypnose durchführen, um beurteilen zu können, ob man von der Behandlung profitiert.

Ist denn die Darmhypnose bei allen Patienten wirksam?

Interessanterweise ist die Darmhypnose bei Reizdarm-Betroffenen, die schon viele andere Maßnahmen ausprobiert haben, wirksamer, als medikamentöse Therapien, die Gründe dafür sind unklar. In Kombination mit anderen Therapiemaßnahmen werden bei der Darmhypnose zusätzliche positive Wirkungen beobachtet, so dass die Darmhypnose sowohl als alleinige Maßnahme als auch in einer Kombinationstherapie angewendet werden kann.

Klinische Studien zur Darmhypnose belegen die gute Wirksamkeit der Darmhypnose bei Reizdarmbeschwerden sowohl kurz- als auch langfristig. Der positive Effekt tritt bei einer Darmhypnose durch einen Therapeuten ebenso wie bei einer selbstangewendeten Darmhypnose ein.

Kann die Darmhypnose den Reizdarm dauerhaft beruhigen?

Auch dies ist sehr unterschiedlich. Es gibt Betroffene, die nach einem Behandlungszyklus von vier, sechs oder acht Wochen in eine deutlich beschwerdeärmere Phase kommen, aber die Symptome kehren rasch zurück, wenn die Therapie beendet wird. Dann kann es sinnvoll sein, die Darmhypnose kontinuierlich weiterzuführen, eventuell nicht mehr mit der gleichen Frequenz. In einer klinischen Studie hat man Patienten, die einen vollen Darmhypnose-Zyklus durchgeführt hatten, 12 Monate nach Therapieende erneut kontaktiert und gesehen, dass bei manchen Patienten auch nach dieser therapiefreien Zeit der Effekt noch sehr gut nachzuweisen war.4)

Wie sieht die Therapietreue der Patienten aus?

Die Therapietreue der Patienten ist gut, wenn sie eine positive Einstellung zur Darmhypnose haben. Wenn sich die Patienten auf eine entspannende Therapie einlassen und sich die Zeit und die Ruhe dafür nehmen, ist die Therapietreue sehr, sehr hoch.

Ist ein Patient jedoch von vornherein skeptisch und hält Hypnose für Vodoo, funktioniert die Darmhypnose nicht. Es gibt Menschen, die können sich auf eine solche Maßnahme nicht einlassen und dann ist es auch wenig sinnvoll.

Es gibt jedoch auch unter den Patienten, die sich auf die Darmhypnose einlassen, immer den ein oder anderen Patienten, bei dem es nicht zu einer Symptomverbesserung kommt. Keine Therapie wirkt bei allen.

Wie können Patienten sich zur Darmhypnose informieren bzw. sie erlernen?

darmhypnoseDarmhypnose - den Reizdarm dauerhaft beruhigen!Zusammen mit cand. med. Björn Babst habe ich die Darmhypnose weiterentwickelt, an die deutsche Sprache und deutsche Notwendigkeiten angepasst und in einer klinischen Studie getestet. Das Darmhypnose Programm zur Selbstanwendung ist seit Sommer 2017 als Audio-CD mit Begleitbooklet zur Anleitung erhältlich.

 

 

Herr Prof. Storr, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

Quellen:
1) Shahbazi K, Solati K, Hasanpour-Dehkordi A., Comparison of Hypnotherapy and Standard Medical Treatment Alone on Quality of Life in Patients with Irritable Bowel Syndrome: A Randomized Control Trial., J Clin Diagn Res. 2016 May;10(5):OC01-4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27437261. DOI: 10.7860/JCDR/2016/17631.7713.

2) Miller V, Carruthers HR, Morris J, Hasan SS, Archbold S, Whorwell PJ, Hypnotherapy for irritable bowel syndrome: an audit of one thousand adult patients, Aliment Pharmacol Ther. 2015 May;41(9):844-55. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25736234. DOI: 10.1111/apt.13145.

3) Rutten JMTM, Vlieger AM, Frankenhuis C, George EK, Groeneweg M, Norbruis OF, Tjon A Ten W, van Wering HM, Dijkgraaf MGW, Merkus MP, Benninga MA, Home-Based Hypnotherapy Self-exercises vs Individual Hypnotherapy With a Therapist for Treatment of Pediatric Irritable Bowel Syndrome, Functional Abdominal Pain, or Functional Abdominal Pain Syndrome: A Randomized Clinical Trial, JAMA Pediatr. 2017 May 1;171(5):470-477 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28346581. DOI:10.1001/jamapediatrics.2017.0091.

4) Moser G, Trägner S, Gajowniczek EE, Mikulits A, Michalski M, Kazemi-Shirazi L, Kulnigg-Dabsch S, Führer M, Ponocny-Seliger E, Dejaco C, Miehsler W., Long-term success of GUT-directed group hypnosis for patients with refractory irritable bowel syndrome: a randomized controlled trial, Am J Gastroenterol. 2013 Apr;108(4):602-9, https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23419384. DOI:10.1038/ajg.2013.19.

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.