Reizdarmsyndrom Intoleranz

Dr. oec. troph. Astrid H. Gerstemeier, Praxis für bewegte Ernährung, Wiesbaden

Reizdarmsyndrom – wo liegt der Unterschied zu Allergien oder Unverträglichkeiten?

Die Definition des Krankheitsbildes Reizdarmsyndrom (RDS) ist für den Laien nicht so leicht zu fassen. Laut der S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom definiert sich das Krankheitsbild wie folgt:

1. Es bestehen chronische, d.h. länger als 3 Monate anhaltende Beschwerden (z.B. Bauchschmerzen, Blähungen), die von Patient und Arzt auf den Darm bezogen werden und in der Regel mit Stuhlgangveränderungen einhergehen.

2. Die Beschwerden sollen begründen, dass der Patient deswegen Hilfe sucht und/oder sich sorgt und so stark sein, dass die Lebensqualität hierdurch relevant beeinträchtigt wird.

3. Voraussetzung ist, dass keine für andere Krankheitsbilder charakteristischen Veränderungen vorliegen, welche wahrscheinlich für diese Symptome verantwortlich sind.*

Menschen mit Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten klagen über ähnliche Symptome. MeinAllergiePortal sprach deshalb mit Frau Dr. oec. troph. Astrid H. Gerstemeier, Praxis für bewegte Ernährung, Wiesbaden über die Unterschiede bei Symptomen und Therapie.

Frau Dr. Gerstemeier, welche Diagnose treffen Sie in Ihrer Praxis häufiger an: Reizdarmsyndrom, Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Um das Ganze in eine Reihenfolgen zu bringen: Nahrungsmittelunverträglichkeiten machen sicher den größten Teil aus, gefolgt vom Reizdarmsyndrom bei dem jeweils zu hinterfragen ist, ob nicht doch eine noch nicht diagnostizierte Unverträglichkeit ursächlich für die Beschwerden verantwortlich ist. Anders als seitens der Patienten häufig subjektiv empfunden hat eine deutlich kleinere Gruppe der Patienten eine echte Nahrungsmittelallergie.

Gerade die eingangs genannte Nummer 3 der drei Kriterien der Leitlinie ist in der Praxis das, was bei der Diagnose Reizdarm häufig noch nicht abschließend geklärt wurde. Zwar wurden wünschenswerterweise in der Regel chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) und auch Stenosen (Darmverengungen), Verwachsungen und Meteorismus, um nur einige zu nennen, im Vorfeld ausgeschlossen. Seltener allerdings werden auch Kohlenhydratverwertungsstörungen - Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption oder Sorbitmalabsorption - oder eine bakterielle Fehlbesiedelung verlässlich ausgeschlossen, um klar die Diagnose Reizdarm stellen zu können. Auch dass nicht nur Durchfälle, sondern auch chronische Verstopfung ein deutliches Symptom eines Reizdarmes sein kann, wird häufig noch nicht treffend in Zusammenhang gebracht.

Dennoch ist die Problematik Reizdarm nicht ausschließlich ein ernährungsbedingtes Thema, sondern kann durch einen großen Einfluss psychoemotionaler Einflüsse begleitet bzw. verstärkt werden.

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Wie unterscheiden sich die Symptome, bzw. wie erfolgt die Abgrenzung der Krankheitsbilder?

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Colitis ulcerosa (CU) oder Morbus Crohn (MC), müssen, wie bereits erwähnt,  im Vorfeld der Diagnostik des Reizdarms ausgeschlossen werden.

Typische Symptome bei entzündlichen Darmerkrankungen, die beim Reizdarmsyndrom (RDS) jedoch nicht auftreten, sind:

  • Kurze Anamnese
  • Gewichtsverlust
  • Blut im Stuhl
  • Unter Stress keine Verschlimmerung
  • Nächtliche Beschwerden
  • Fieber
  • Erhöhte Entzündungsparameter

Typische Symptome für das Reizdarmsyndrom (RDS), das zu den chronisch funktionellen Darmerkrankungen zählt, sind Symptome wie:

  • Durchfälle
  • Obstipation (Verstopfung)
  • Wechsel von Verstopfung und dünnem Stuhl
  • Krampfartige Bauchschmerzen
  • Bauchschmerzen durch Meteorismus (Blähbauch)
  • Häufiger Stuhldrang
  • „Empfindlicher Darm häufig bereits seit frühestem Kindesalter, bzw. seit einer Darminfektion

Beim Reizdarmsyndrom (RDS) sind die Beschwerden beispielsweise unter Stress schlimmer oder im Urlaub besser und es findet sich kein Blut im Stuhl.

Man unterscheidet beim Reizdarmsyndrom (RDS) vier Typen:

  1. Diarrhö-Typ: Täglich mehr als drei Darmentleerungen
  2. Obstipations-Typ: wöchentlich weniger als drei Darmentleerungen
  3. Schmerz-Typ: Krampfartige Schmerzen, ausgelöst durch eine gestörte Motilität, d.h. durch eine übermäßige Bewegung des Darms (Peristaltik)
  4. Meteorismus-Typ: Blähbauch

Die bei den Patienten vorliegenden Störungen können in Form von Störungen der intestinalen Barriere, der Motilität oder der Sekretion und/oder der viszeralen Sensibilität Sekretion auftreten.

 

Bei einer Störung der intestinalen Barriere ist die Barrierefunktion des Darms gestört. Die Durchlässigkeit des Darms erhöht sich, so dass z.B. nicht vollständig resorbierte Nahrungsbestandteile die Darmwand durchdringen können, und so Beschwerden verursachen. Ist die Motilität gestört, kommt es zu vermehrten Darmbewegungen, d.h. der Darm zieht sich häufiger und stärker zusammen, als dies für den bloßen natürlichen Weitertransport des Darminhaltes nötig wäre. Bei Störungen der Sekretion wird im Darm zu viel oder zu wenig an Sekreten gebildet. Ist die viszerale Sensibilität gestört können natürliche Darmbewegungen als schmerzhaft wahrgenommen werden, obwohl hierfür eigentlich keine Ursache vorliegt. Es handelt sich dann um ein erhöhtes Schmerzempfinden.

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