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Durchfall: Ursachen, Formen, was hilft schnell?

Durchfall
Was hilft wirklich gegen Durchfall und wie wird es ausgelöst? Bildquelle: canva iryna zastrozhnova, shidlovski, gorica poturak

Der Transport von Wasser und Mineralien im menschlichen Körper ist ein sehr komplexes und ausgeklügeltes System. Dabei gelangen etwa 8,5 l Flüssigkeit pro Tag in den Darm, wovon innerhalb von 24 Stunden lediglich 100ml Wasser ausgeschieden werden. Der Großteil an Wasser wird auf seinem Weg durch den Darm resorbiert, das heißt wieder vom Körper aufgenommen. Bei Durchfall kommt es zu einem Ungleichgewicht in diesem Flüssigkeitshaushalt, aber was hilft? Nicht alles, was als Durchfall empfunden oder beschrieben wird, ist auch wirklich Durchfall und die Ursachen für und Formen von Durchfall sind vielfältig. Dieser Beitrag klärt über mögliche Ursachen, wichtige Merkmale und Warnsymptome sowie Behandlungsoptionen von Durchfall auf.

Autor: Dr. med Anna Eger

 

Durchfall: Die wichtigsten Fakten!

Durchfall ist ein sehr häufiges Symptom, das akut oder chronisch auftreten kann

Nicht jeder vermeintliche Durchfall ist auch wirklich Durchfall

Man unterscheidet verschiedene Formen von Durchfall

Durchfall können zahlreiche Erkrankungen zugrunde liegen

Meistens ist Durchfall selbstlimitierend und erfordert keine ärztliche Behandlung

Bei bestimmten Begleitsymptomen oder chronischem Durchfall sollte eine Abklärung durch einen Arzt erfolgen

Zur weiterführenden Durchfalldiagnostik stehen verschiedene Testverfahren und Untersuchungsmethoden zur Verfügung

Das Wichtigste in der Therapie des Durchfalls ist der Flüssigkeits- und Mineralausgleich

In einigen Fällen ist je nach Grunderkrankung eine spezifische Therapie erforderlich

Wird man im Freien überrascht, kann ein Mund-Nasen-Schutz hilfreich sein

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Was ist Durchfall?

Auf die Frage, wann es Durchfall, der medizinische Fachbegriff lautet „Diarrhö“, und wann der Stuhlgang noch normal ist, gibt es eine relativ klare theoretische Antwort.

Von Durchfallspricht man, wenn mindestens eins der folgenden Voraussetzungen gegeben sind:

  • Mindestens drei ungeformte Stühle pro Tag
  • Mehr als 75 Prozent Wassergehalt des Stuhls
  • Über 250 g Stuhlmasse täglich

Welche Arten von Durchfall gibt es?

Durchfall kann akut oder chronisch bestehen. Wenn der Durchfall länger als 14 Tage anhält, spricht man von chronischem Durchfall. Akuten Durchfall kann man nochmals in infektiösen und nicht-infektiösen Durchfall unterteilen.

Bei chronischem Durchfall unterscheidet man je nach seinem auslösenden Mechanismus die folgenden Durchfall-Formen:

  • Osmotischer Durchfall
  • Sekretorischer Durchfall
  • exsudativer Durchfall
  • hypermotiler Durchfall.

Gibt es beim Durchfall Sonderformen?

Sonderformen des Durchfalls sind die sogenannte falsche Diarrhoe und die paradoxe Diarrhoe. Falsche Diarrhoe bedeutet, dass die Häufigkeit des Stuhlgangs zwar erhöht, das Gewicht des Stuhls aber normal ist. Bei einer paradoxen Diarrhoe gibt es im Darm ein Passagehindernis, zum Beispiel bei starker Verstopfung, vom dem sich wenig flüssiger Stuhlgang löst und sich entleert.

Akuter Durchfall bei Magen-Darm-Infekt

Bei einem Magen-Darm-Infekt kommt es zu einer meist infektiösen Entzündung der Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes, die mit Durchfall einhergeht. Verschiedene Viren, Bakterien, aber auch Parasiten können die Ursache sein. Meistens sind diese akuten Episoden selbstlimitierend, einige Erreger erfordern aber eine spezifische Therapie. Neben dem Durchfall verursachen Magen-Darm-Entzündungen häufig unangenehme Begleitsymptome.

Häufig treten bei Magen-Darm-Entzündungen eine oder mehrere der folgenden Beschwerden gemeinsam auf:

- Durchfall und Übelkeit
- Durchfall und Erbrechen
- Durchfall und Bauchschmerzen
- Durchfall und Blähungen
- Durchfall und Gliederschmerzen
- Durchfall mit Fieber
- Durchfall und Darmgeräusche, also ein Gluckern im Bauch
- Durchfall und brennende Schmerzen am After

Bauchschmerzen, Erbrechen und Fieber als führende Begleitsymptome können auf Mikroorganismen als Ursache hindeuten, die teilweise Toxine produzieren und die Darmwand infiltrieren können. Wenn Durchfall regelmäßig nach dem Essen auftritt, muss herausgefunden werden, ob der Durchfall im Zusammenhang mit bestimmten Lebensmitteln steht. Eine Lebensmittelvergiftung kann bei erstmaligem, akutem Durchfall nach dem Essen eine mögliche Ursache sein. Erscheint der Durchfall regelmäßig nach dem Essen, sollte an eine Nahrungsmittelunverträglichkeit gedacht werden. Durchfall kann aber auch einfach ohne weitere Symptome möglich sein und es gibt noch zahlreiche weitere mögliche Ursachen und Erkrankungen, die mit akutem Durchfall einhergehen können.

Verschiedene Merkmale von Durchfall

Der Durchfall kann sehr unterschiedlich beschaffen sein, aussehen und riechen:

Beschaffenheit und Beimengungen des Durchfalls

Wenn der Durchfall wie Wasser ist, kann das typischerweise auf eine Virusinfektion hindeuten. Wässriger Durchfall kann aber auch bei nicht-infektiösen Erkrankungen auftreten. Durchfall, der viral bedingt ist, ist selten blutig. Durchfall mit Blut tritt stattdessen häufiger bei bakterieller Darmentzündung auf, zum Beispiel durch Salmonellen oder Shigellen. Hinter Durchfall mit Blut kann sich jedoch auch eine andere Ursache verbergen, wie eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED), wie zum Beispiel Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, eine Divertikelblutung oder eine Durchblutungsstörung des Darmes. Blutiger Durchfall sollte immer weiter abgeklärt werden. Neben Blut können auch Schleim oder Eiter im Stuhlgang enthalten sein. Öltröpfchen im Durchfall können auf ein Malabsorptionssyndrom hindeuten.

Farbe des Durchfalls

Die Farbe des Durchfalls kann verschieden sein und sollte immer beachtet werden. Unterschiedliche Brauntöne, gelber Durchfall oder grünlicher Durchfall können auftreten, aber er kann auch weiß, grau, orange, rot oder schwarz verfärbt sein. Häufig treten diese Farbänderungen durch eine Störung der Darmflora bei Entzündungen, durch Medikamente, Blutbeimengungen, unvollständig resorbierte Gallensäure oder Gallensäureproduktionsstörung oder besondere verzehrte Nahrungsmittel auf. Beispiele für durch Nahrungsmittel verfärbte Stühle sind ein dunkel gefärbter Stuhl nach dem Verzehr von Heidelbeeren oder Spinat oder rot gefärbter Stuhl nach Rote Bete-Genuss.

Geruch des Durchfalls

Durch ein Ungleichgewicht der Darmflora, bestimmte Durchfallerreger, Unverträglichkeiten mit übelriechenden Stoffwechselprodukten und unverdaute Nahrungsreste kann es zu einem üblen Geruch des Durchfalls kommen. Durchfall, der stinkt, weist auf eine Störung der Verdauung hin. Der Geruch kann faulig, säuerlich oder süßlich sein. Auch der Geruch nach Fisch ist möglich, wenn zum Beispiel eine Fischvergiftung vorliegt. Trimethylamin ist ein Stoff, der in manchen Lebensmitteln vorkommt und bei reichlichem Verzehr einen fischartigen Geruch des Stuhlgangs verursacht.

Wann ist Durchfall ansteckend?

Durchfall ist ansteckend, wenn er eine infektiöse Ursache hat, also durch Viren oder Bakterien hervorgerufen wird. Die Ansteckung geschieht entweder durch direkten Kontakt mit der erkrankten Person, oder über kontaminierte Oberflächen, Lebensmittel und Wasser. Um eine Weiterverbreitung des Durchfalls zu verhindern, ist deshalb eine gute Hygiene wichtig, welche regelmäßiges gründliches Händewaschen ebenso beinhaltet wie gegebenenfalls geeignete Desinfektionsmaßnahmen und das Meiden von Gemeinschaftseinrichtungen.

Welche Ursachen kann Durchfall haben?

Ursachen für Durchfall sind mannigfaltig. Dabei kann man Ursachen, die zu akutem Durchfall führen, von denen, die chronischen Durchfall zur Folge haben, unterscheiden.

Ursachen für akuten Durchfall sind:

  • Mikroorganismen (Viren, Bakterien, Parasiten, Protozoen, Pilze)
  • Lebensmittelvergiftung (Staphylokokken, Bacillus cereus, Clostridium perfringens)
  • Nahrungsmittelallergien
  • Medikamente

Medikamente, die zu Durchfall führen können, sind:

  • Abführmittel
  • Magnesiumhaltige Magensäureblocker
  • Koffein
  • Chemotherapeutika
  • Antibiotika
  • Colchicin
  • Chinin/ Chinidin
  • Prostaglandinanaloga
  • Hilfsstoffe, wie Laktose

Ursachen des chronischen Durchfalls können sein:

  • Autoimmunerkrankungen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Malabsorptionssyndrome
  • Tumore
  • Stress (Reizdarmsyndrom)
  • Hormonelle Störungen
  • Darm-Operationen
  • Bestrahlung/ Strahlentherapie
  • Medikamente
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn

Bei welchen Erkrankungen kommt es zu Durchfall?

Neben der Einteilung nach seinem Verlauf in akuten und chronischen Durchfall kann man Durchfall auch nach seiner Entstehungsform in unterschiedliche Kategorien einteilen:

  • Osmotische Diarrhö
  • Sekretorische Diarrhö
  • Exsudative Diarrhö
  • Hypermotile Diarrhö

Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten möglichen Erkrankungen, bei denen es zu Durchfall kommt, eine Erklärung der einzelnen Spalten folgt danach. Bei einigen Erkrankungen spielen mehrere Mechanismen eine Rolle.

Übersicht der verschiedenen Durchfallarten! Bildquelle: meinallergieportal

Osmotische Diarrhö

Osmotische Diarrhoe bedeutet, dass es durch unverdaute Nahrungsbestandteile zu einer höheren Osmolarität des Darminhaltes kommt. Dann ist im Stuhl eine besonders hohe Konzentration von Teilchen vorhanden, die dazu führt, dass passiv mehr Flüssigkeit in den Darm tritt und sich dadurch Durchfall entwickelt. Das kann passieren durch die Schädigung der Schleimhaut, die eigentlich für die Resorption von Nahrungsbestandteilen verantwortlich ist, wie zum Beispiel bei einer akuten Entzündung. Auch Malabsorption, beispielsweise bei Glucose-Galactose-Malabsorption, oder Maldigestion wie bei einer Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse oder Fruktosemalabsorption führen zum Verbleib gelöster Stoffe im Darm, die Wasser anziehen. Außerdem kommt es durch hyperaktive Darmperistaltik zu einer geringeren Kontaktzeit des Stuhls mit der Schleimhaut, wodurch die Konzentration der gelösten Stoffe ebenfalls erhöht wird.

Sekretorische Diarrhö

Wenn die Darmwand so geschädigt ist, dass Elektrolyte nicht ausreichend resorbiert, also aufgenommen, oder fehlerhaft sezerniert werden, wird durch diese Elektrolyte im Darm vermehrt Wasser gebunden und gemeinsam mit dem Stuhl als Durchfall ausgeschieden. Typischerweise verursachen Bakterien, Toxine bei Nahrungsmittelvergiftungen, Viren oder Protozoen diese Durchfallform.

Exsudative Diarrhö

Bei der exsudativen Diarrhö bewirken entzündliche Schleimhautdefekte einen Verlust von osmotisch wirksamen Substanzen sowie eine Absonderung von Schleim und/oder Eiter. Ursache hierfür können neben infektiösen Durchfallerkrankungen auch chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Tumoren sein.

Hypermotile Diarrhö

Einige Erkrankungen oder Zustände, wie Schilddrüsenüberfunktion, Reizdarmsyndrom oder psychische Erregungszustände wie Angst oder Panik stimulieren die Peristaltik des Darmes zu stark. Dann können die Nährstoffe aus dem Darminhalt nicht ausreichend resorbiert werden und dem Stuhl wird zu wenig Flüssigkeit entzogen.

Durchfall beim Baby und Kind: Was ist anders als bei Erwachsenen?

Durchfall ist auch bei Babys, Kleinkindern und Kindern ein sehr häufiges Problem. Kinder dehydrieren bei akutem Durchfall schneller als Erwachsene. Weltweit gibt es durch Durchfall und dem daraus folgenden Wasserverlust des Körpers zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Todesfälle pro Jahr. Chronischer Durchfall kann bei Kindern zu Wachstums- und Entwicklungsverzögerung führen.

Die häufigsten Ursachen für akuten Durchfall bei Kindern sind:

  • Magen-Darm-Infekt
  • Antibiotikabehandlung
  • Lebensmittelallergie
  • Lebensmittelvergiftung

 Die häufigsten Ursachen für chronischen Durchfall bei Kindern sind:

  • Ernährungsfaktoren
  • Infektionen
  • Zöliakie
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Wann sollte man bei Durchfall zum Arzt gehen?

Nicht immer muss man bei Durchfall einen Arzt aufsuchen, da der Durchfall bei den meisten infektiösen Ursachen in der Regel selbstlimitierend ist, das heißt, von selbst wieder verschwindet. Viele fragen sich, ab wann der Durchfall „nicht mehr normal“ ist, ab wann man sich Sorgen machen muss. Wenn besondere Umstände vorliegen oder bestimmte Warnhinweise bestehen, dann kann eine ernsthaftere Ursache verantwortlich sein und ein Arzt sollte zu Rate gezogen werden.

Diese Befunde können ein Anzeichen für eine ernstzunehmende Ursache des Durchfalls sein:

  • Fieber
  • Eiter- oder Blutbeimengungen
  • Dehydratation, das heißt starker Flüssigkeitsmangel
  • Gewichtsverlust
  • Chronischer Durchfall

Welcher Arzt ist bei Durchfall der richtige?

Die erste Anlaufstelle bei Durchfall ist bei Erwachsenen der Hausarzt und bei Kindern der Kinderarzt. Ein Facharzt wie ein Gastroenterologe, also ein Spezialist für Magen-Darm-Erkrankungen, muss nur in bestimmten Fällen beziehungsweise bei Verdacht oder Diagnose von bestimmten Krankheiten wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn hinzugezogen werden. Patienten mit einer Colitis ulcerosa oder einem Morbus Crohn werden langfristig – auch in durchfallfreien Intervallen – von einem Gastroenterologen betreut.

Ganz akute Zustände mit erheblichem Flüssigkeits- und Salzverlust, Blutverlust oder anderen kritischen Begleiterscheinungen sollten direkt in der Notaufnahme eines Krankenhauses vorgestellt werden. Dort sind neben Internisten notfalls auch Chirurgen anwesend, falls eine operationsbedürftige Erkrankung vorliegt.

Was untersucht der Arzt, um die Ursache für Durchfall zu finden?

Der Arzt beginnt seine Diagnosefindung zur Ursache von Durchfall mit einer ausführlichen Anamnese. Das bedeutet, er sammelt wichtige Informationen über Dauer, Schweregrad, Häufigkeit, Stuhlbeschaffenheit, weitere Symptome und Begleitumstände des Durchfalls. Dazu zählen zurückliegende Reisen, Nahrungsaufnahme, Trinkwasserqualität etc. Außerdem erfragt er den Gebrauch von Medikamenten. Auch Durchfall bei Kontaktpersonen wird erfasst.

Darüber hinaus wird nach Symptomen gefahndet, die andere Organsysteme betreffen, aber mit dem Durchfall zusammenhängen können:

  • Gelenkschmerzen => chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie
  • Hautrötungen => Karzinoid, Mastozytose
  • Chronische Bauchschmerzen => chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Reizdarmsyndrom, Gastrinom
  • Magen-Darm-Blutungszeichen => Colitis ulcerosa, Tumor

Des Weiteren sind vorangegangene Operationen im Bauchbereich wissenswert, ebenso wie bestehende weitere chronische Erkrankungen.

Nach dem Anamnesegespräch folgt die körperliche Untersuchung. Dabei beurteilt der Arzt den Hydrierungszustand des Patienten. Während der Ganzkörperuntersuchung legt er besonderen Wert auf die Untersuchung des Bauches inclusive einer rektalen Untersuchung.

Verschiedene Testverfahren bei Durchfall 

Nicht jeder Durchfall muss weiter intensiv abgeklärt oder ein Erreger festgestellt werden.

Untersuchungen bei akutem Durchfall

Bei einem akuten Durchfall, der erst weniger als 4 Tage andauert, müssen normalerweise keine Blut- oder Stuhluntersuchungen gemacht werden. Bestehen jedoch Warnsymptome für eine ernste Ursache beziehungsweise einen komplizierten Verlauf, dann sollten – insbesondere bei sehr jungen und sehr alten Menschen – Blut- und Stuhlproben erfolgen. Im Blut interessieren vor allem das Blutbild, Entzündungszeichen, Blutsalze (Elektrolyte) und Nierenparameter.

Dauert der Durchfall etwas länger an und der Betroffenen hat eine schwere Grunderkrankung oder ist immungeschwächt, dann muss ebenfalls eine weiterführende Untersuchung erfolgen.

Untersuchungen bei chronischem Durchfall

Chronischer Durch bedarf immer einer eingehenden Abklärung, je nachdem, was Anamnesegespräch und körperliche Untersuchung für eine Richtung vorgeben.

Zu den Untersuchungsmöglichkeiten bei chronischem Durchfall gehören:

  • Test auf verstecktes Blut im Stuhl
  • Fettgehalt des Stuhles, Elastase im Stuhl
  • Elektrolyte in Blut und Stuhl
  • Giardia lamblia-Antigen im Stuhl bzw. PCR
  • Calprotectin oder Lactoferrin im Stuhl
  • Mikrobiologische Stuhlkultur
  • Mikroskopische Untersuchung des Stuhls auf Eier oder Parasiten bei entsprechender Reiseanamnese
  • Stuhluntersuchung auf Toxin von Clostridium difficile bei vorangegangener Antibiotikabehandlung
  • Bestimmung der sogenannten osmotischen Lücke im Stuhl zur Unterscheidung zwischen osmotischer und sekretorischer Diarrhö
  • Großes Blutbild
  • Zöliakie-Serologie mit Nachweis von Autoantikörpern im Blut
  • Schilddrüsenhormonwerte
  • Leber-, Gallen- und Bauchspeicheldrüsenwerte im Blut
  • Kohlenhydratmalabsorptionstests
  • Endokrine Diagnostik mit Gastrin, Calcitonin, VIP, Histamin im Blut und 5-Hydroxyindolessigsäure im Urin
  • Ultraschalluntersuchung des Bauches
  • Magenspiegelung mit Gewebsentnahme
  • Enddarmspiegelung oder Darmspiegelung mit Gewebsentnahme
  • Computertomographie/ Magnetresonanztomographie
  • Ggf. Gewebsentnahme aus dem Dünndarm
  • Ggf. Kapselendoskopie
  • Ernährungsprotokoll
  • Fastentest

Was hilft schnell bei Durchfall?

Durchfall ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom. Wenn möglich, sollte also die zugrundeliegende Krankheit behandelt werden. Dennoch ist es manchmal notwendig, die Diarrhö symptomatisch zu behandeln. Grundsätzlich ist ein Ersatz des Flüssigkeits- und Mineralienverlustes wichtig. Ist der Durchfall leichter, dann kann das in Form einer Glukose-Elektrolytlösung zum Trinken erfolgen. Bei schwererem Durchfall ist es oftmals notwendig, den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust über eine Infusion in die Venen zu korrigieren.

Welche Medikamente helfen gegen Durchfall?

Mit Medikamenten den Durchfall unterdrücken darf man nicht in jedem Fall, zum Beispiel wenn es sich bei der Ursache um toxinbildende Bakterien handelt. Bei unkompliziertem Durchfall können zusätzlich zu den Rehydrierungsmaßnahmen Arzneimittel eingesetzt werden, die zur Andickung des Stuhlgangs führen.

Medikamente, die den Durchfall stoppen können, sind zum Beispiel:

  • Loperamid
  • Racecadodril
  • Aktivkohle
  • Codein im Einzelfall
  • Psyllium als Quellstoff
  • Cholestyramin bei Durchfall durch Gallensäureverlust

Die Behandlung von Durchfall mit Antibiotika bleibt bestimmten Krankheitserregern vorbehalten und sollte erst nach mikrobiologischem Nachweis des Erregers erfolgen.

Wie lange darf Durchfall anhalten? 

In den meisten Fällen hält Durchfall nicht länger als ein paar Tage an und hört von selbst wieder auf. Die Dauer des Durchfalls hängt von verschiedenen Faktoren und natürlich von der verursachenden Erkrankung ab. Dauert der Durchfall länger als ein paar Tage und/oder kommen weitere Symptome hinzu, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Gibt es Hausmittel gegen Durchfall?

Durchfall ist ein unangenehmes Symptom, selbst wenn keine weiteren Begleitbeschwerden vorliegen. Auch, wenn man nicht immer einen Arzt aufsuchen muss, will man natürlich den Durchfall loswerden - und das so schnell wie möglich. Außerdem sollte unbedingt ein zu starker Flüssigkeitsverlust und eine Mineralstörung des Körpers vermieden werden.

Diese Hausmittel können dabei helfen, unkomplizierten Durchfall zu lindern:

  • Rehydratationslösung aus 3,5 g Kochsalz, 2,5 g Natriumbikarbonat, 1,5 g Kaliumchlorid und 20 g Glucose auf 1 Liter Wasser
  • Uzarawurzel - darf aber nicht gemeinsam mit herzwirksamen Glykosiden wie Digitoxin angewendet werden
  • Gerbstoffhaltige Pflanzenextrakte, wie Heidelbeeren, Brombeerblätter, Frauenmantelkraut, Eichenrindenextrakt
  • Pektine in Form von geriebenen Äpfeln oder Bananenbrei zur Verdickung des Darminhaltes
  • Medizinische Kohle (Aktivkohle), allerdings nicht bei fieberhaftem Durchfall

Beachten sollte man bei allen Hausmitteln, dass sie lediglich auf Anwendungsbeobachtungen basieren und aufgrund geringer Studienlage keine allgemeinen Empfehlungen vorhanden sind. Zwar können sie therapieunterstützend eingesetzt werden, in Bezug auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sollte jedoch insbesondere bei bindenden Wirkstoffen sicherheitshalber Rücksprache mit einem Arzt erfolgen.

Was soll man bei Durchfall essen und was nicht?

Bei Durchfall ist es empfehlenswert eine leicht verdauliche, stopfende Kost auszuwählen. Dazu zählen klassischerweise Zwieback, Banane, Reis, Gelatine, Toastbrot, Salzstangen, geriebener Apfel, bittere Schokolade und Heidelbeeren. Fettige und scharf gewürzte Speisen sollten bei Durchfall gemieden werden. Früchte mit einem hohen Fruktosegehalt, wie Trauben, Datteln, Pflaumen sind ebenso durchfallfördernd wie zuckerfreies Kaugummi, Süßkirschen und Pfefferminz aufgrund ihres Gehaltes an Hexitol, Sorbitol und Mannitol. Außerdem sind laktosehaltige Produkte für Durchfallpatienten nicht gut geeignet.

Was soll man bei Durchfall trinken und was nicht?

Insgesamt muss auf eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden. Aber nicht alle Getränke sind geeignet. Kaffee, konzentrierter Saft, Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke regen die Darmmotilität an und sind bei Durchfall nicht geeignet. Stattdessen sind die meisten Teesorten, darunter Fencheltee, schwarzer und grüner Tee, sowie verdünnte Fruchtsäfte eine gute Variante, Flüssigkeit auszugleichen.

Quellen:

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S2k-Leitlinie akute infektiöse Gastroenteritis im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter; AWMF online, AWMF Registernummer 068-003; 068-003l_S2k_AGE-Akute-infektioese-Gastroenteritis-Saeuglinge-Kinder-Jugendliche-2019-05.pdf (awmf.org) (Abruf 08.08.2023)

Krahwinkel, S.: Diarrhö; Gelbe Liste; zuletzt aktualisiert 21.10.2022; https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/diarrhoe#Ursachen (Abruf 08.08.2023)

Phytopharmaka, Adsorbenzien und andere Substanzen; Gelbe Liste; zuletzt aktualisiert 09.10.2021; https://www.gelbe-liste.de/selbstmedikation/durchfall/phytopharmaka-adsorbenzien-durchfall (Abruf 08.08.2023)

Lankisch et al.: Leitsymptom Diarrhö, zertifizierte medizinische Fortbildung; in: Deutsches Ärzteblatt 2006; 103 (5); A 261-9.
Storr, M., Scheidhauer, K.: Chologene Diarrhö: Der Weg in die Beschwerdefreiheit; CME-Verlag 2021

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

23. August 2023

Autor: Dr. med. Anna Eger, www.mein-allergie-portal.com

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