Lufthansa Service für Allergiker

Prof. Dr. med. Jürgen Graf

Der Lufthansa Service für Allergiker und Nahrungsmittelintolerante

Die Lufthansa verzichtet auf ihren Flügen inzwischen generell auf Erdnüsse, da diese bei Erdnussallergikern einen anaphylaktischen Schock auslösen könnten. Haben die Mediziner der Lufthansa also Einfluss auf den Speiseplan?

Wir haben eine steuernde Funktion im Konzern, was Medizin und Gesundheit angeht. Insofern sind wir einbezogen und melden uns auch pro-aktiv bei solchen Themen zu Wort. Die Erdnüsse sind ein klares Beispiel für eine hohe allergene Potenz – hier gibt es nicht wenige Betroffene. Wir reichen deshalb in der Regel Mandeln statt Erdnüsse an Bord.

Aber auch die Caterer achten von sich aus bei der Ernährung an Bord auf solche Themen, denn der Kunde, also die Airline, nimmt ihnen die Nahrung nicht mehr ab, wenn es zu viele Beschwerden bei den Flugpassagieren gibt. Insofern ist das ein sich selbst regulierendes System.

Bei der Nussallergie haben wir die Schwierigkeit zu identifizieren, wo überall Nüsse oder auch nur Spuren von Nüssen enthalten sind.  Es gibt z.B. indische Saucen, in denen Spuren von Nüssen enthalten sind oder auch Müsliriegel mit Nüssen oder Spuren davon.

Menschen, die auch auf Spuren von Nüssen mit einem allergischen Schock reagieren, sollten unbedingt einen Autoinjektor mit sich führen. Das sollten sie uns, dem medizinischen Dienst, vorab bekannt geben. Dann können wir sie beraten, welche Ernährung auf dem speziellen Flug für sie geeignet ist. Mitunter darf neben dem Betroffenen auch keine andere Person sitzen, die Nüsse isst. In dem Fall können wir die Crew dahingehend beraten, wie sie auf die neben, vor und hinter dem Nussallergiker sitzenden Passagieren entsprechend einwirken können.

Das Kabinenpersonal wird bei der Deutschen Lufthansa zum Thema „Allergie“ gesondert instruiert. Im Notfallkoffer befindet sich kein Autoinjektoren zur Behandlung des anaphylaktischen Schocks, sondern reines Adrenalin in Ampullen, das in Spritzen aufgezogen werden muss. Die Crew darf aber nicht spritzen, auch nicht im Notfall. Inzwischen trainiert man mit standardisierten  Adrenalin-Autoinjektoren jedoch bereits Lehrer und Kindergärtnerinnen. Müsste der medizinische Dienst hier nicht umdenken?

lufthansa doctors kitSie sprechen ein sehr schwieriges Thema an. Wir haben die einzelnen Medikamente, z.B. Mastzellenstabilisatoren, Adrenalin oder Cortison für die Behandlung einer Anaphylaxie an Bord. Das Adrenalin führen wir in Form von Ampullen mit. Das begründet sich unter anderem mit der Haltbarkeitsdauer der Medikamente. Zu beachten sind hier auch die enormen  Temperaturschwankungen in einem Flugzeug. Viele der Autoinjektoren können nicht so einfach gelagert werden. Zudem kommt die relativ geringe Anzahl von Anwendungen. Der Anaphylaktische Schock ist unter den Notfällen an Bord etwas sehr Seltenes.

Die Crew ist geschult in der Behandlung von Notfällen an Bord. Aber es handelt sich um Flugbegleiter und nicht um medizinisch ausgebildetes Personal oder Pflegekräfte. Die Crew-Hilfsleistungen können sich somit nur auf nichtinvasive Tätigkeiten zum Beispiel auf das Begleiten von hilfsbedürftigen Personen zur Toilette, oder Blutdruckmessen bzw.  die Sauerstoffsättigung des Blutes messen, beschränken. Darüber hinaus gilt, dass das Kabinenpersonal nur in einem Maße helfend tätig werden darf, das seine Kompetenz nicht übersteigt.   Im Zweifelsfall würde sich das Crewmitglied bei medizinisch nicht indizierter, also nicht angezeigter,  Verabreichung einer Spritze strafbar machen und die Lufthansa könnte schadensersatzpflichtig werden. Das kann in zweistellige Millionenhöhen gehen. Wir sind auch verpflichtet,  unsere Crewmitglieder davor zu schützen, medizinische Aufgaben auferlegt zu bekommen, die sie weder beherrschen noch kontrollieren können.

Bei Lehrern und Kindergartenangestellten ist das insofern anders, als sie erstens in der Regel das betroffene Kind gut kennen und auf seine Allergie dezidiert hingewiesen wurden und zweitens diese Personen rechtlich auch für den Betreuungszeitraum fürsorgeberechtigt sind.

Wie sieht es bei Kontaktallergien aus? Wird beim Bau neuer Flugzeuge inzwischen darauf geachtet, aggressive Metalle wie Chrom und Nickel weniger häufig in den Bereichen mit Körperkontakt (z.B. Verschluss der Sicherheitsgürtel) einzusetzen?

Diese Metalle verschwinden sowieso sukzessive aus dem Flugzeugbau, weil sie schwer sind. Flugzeugkonstrukteure lieben leichte und inerte Metalle,  unter anderem auch aus Brandschutzgründen. Wo immer es geht, wird man also Edelstahl und Titan einsetzen und nicht Nickel.

Bei den neuen Bestecken sind es nun Chrombestecke mit einem so geringen Nickelanteil, dass dies keine allergischen Reaktionen auslösen kann. Dies wurde getestet und darauf wird auch geachtet.
Schließlich schützen wir damit nicht nur die Passagiere, sondern auch unsere Crewmitglieder unter denen sich auch Personen mit Kontaktallergien befinden.

Ein kurzer Blick in die nahe Zukunft. Wird die Deutsche Lufthansa das Thema Allergie und Nahrungsmittelunverträglichkeit künftig stärker beschäftigen? Sind neue Service-Angebote in Sicht?

Wir haben bereits ein vielfältiges Angebot und bieten viele Informationen. Die Deutsche Lufthansa ist die einzige Airline weltweit die ein eigenes Medical Operation Center betreibt. An uns können sich der Fluggast oder sein Arzt wenden, wenn sie medizinische Fragen haben, wie z.B.  „Darf ich meine Insulinspritze mitnehmen?“ oder „ Wie kann man meine Medikamente während des Fluges kühl halten?“ und vieles mehr. Da kümmern wir uns schon sehr stark um aktuelle Gesundheitsthemen. Wir werden die Entwicklung aber genau beobachten und reagieren, wenn sich in signifikantem Umfang neue Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten abzeichnen.

Zu erreichen ist das Medical Operation Center unter

Tel.: +49-69-696-55077

Fax: +49-69-696-83677

E-Mail: medicaloperation@dlh.de

Herr Prof. Graf, vielen Dank für das Interview!

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