Hautpilze atopisches Ekzem Neurodermitis Malassezia

Dr. med. Martin Glatz, Allergiestation, Dermatologische Klinik Universitätsspital Zürich

Atopisches Ekzem: Welche Rolle spielen Haut-Pilze bei Neurodermitis?

Beim Mikrobiom des Darms geht man aktuell davon aus, dass jeder Mensch eine individuelle Mikrobiom-Zusammensetzung aufweist. Wie ist das beim Mikrobiom der Haut?

In Bezug auf Bakterien und Pilze beim Mikrobiom der Haut sieht es so aus, als seien die Unterschiede zwischen den Individuen geringer als die Unterschiede zwischen den Körperregionen innerhalb eines Haut-Mikrobioms.

Das bedeutet, das Mikrobiom am Unterarm eines Menschen unterscheidet sich von dem Mikrobiom an seiner Kniekehle deutlicher, als die Unterarm-Mikrobiome zweier Individuen. Aus diesem Grund ist es bei unserer Forschung von höchster Wichtigkeit, stets klar zu definieren, welche Hautregion untersucht wird, denn nur so sind die Studienergebnisse präzise und vergleichbar.

Abgesehen vom atopischen Ekzem, weiß man, welche Einflussfaktoren für das Mikrobiom der Haut eine Rolle spielen?

Wahrscheinlich gibt es unzählige Einflussfaktoren auf das Mikrobiom der Haut. Prinzipiell unterscheidet man zwischen den exogenen Faktoren, d.h. den Faktoren, die von außen kommen und den endogenen Faktoren, den Faktoren, die von innen kommen.

Zu den exogenen Faktoren gehören z.B. das Licht, d.h. die UV-Bestrahlung, möglicherweise die Kleidung, die wir tragen und eventuell auch die Nahrung, die möglicherweise nicht nur das Darm-Mikrobiom beeinflusst, sondern auch die Haut. Auch Medikamente, vor allem Antibiotika, gehören zu den exogenen Faktoren, die das Hautmikrobiom beeinflussen. Das betrifft nicht allein Antibiotika, die zur Behandlung einer Erkrankung eingenommen werden, sondern auch die Antibiotika-Aufnahme über das Trinkwasser und über Nahrungsmittel. Das ist ein bekanntes Problem in der Mikrobiomforschung!

Zu den endogenen Faktoren zählt man verschiedene Hautkrankheiten, die die Haut so verändern, dass sie den Nährboden des Mikrobioms, das Mikroklima, beeinträchtigen. Dazu gehören z.B. der Lipidgehalt der Haut, d.h. der Fettanteil, die Bakterienzusammensetzung und möglicherweise auch andere Nährstoffe, die noch nicht identifiziert sind.

Gibt es für das Hautmikrobiom beim atopischen Ekzem schon Therapieansätze?

Noch wissen wir nicht genau, inwieweit eine gezielte Therapie des Mikrobioms, insbesondere im Hinblick auf Pilze und Bakterien, möglich ist und welchen Einfluss dies auf Hautkrankheiten wie z.B. die Neurodermitis haben könnte.  

Ein Beispiel: Bei Neurodermitis helfen Antibiotika bei der Bekämpfung des Bakteriums Staphylococcus aureus. Zusätzlich haben viele Antibiotika einen antientzündlichen Effekt, der nichts mit der antibakteriellen Wirkung zu tun hat und wirken deshalb positiv auf die entzündlichen Vorgänge bei neurodermitischer Haut.  

Im Hinblick auf den Hautpilz Malassezia hat man in mehreren Studien untersucht, ob ein Antimykotikum, d.h. spezifisch gegen Pilze wirksame Antibiotika, bei Neurodermitis-Patienten helfen können. Bei einigen Studien zeigte sich unter der antimykotischen Therapie für das atopische Ekzem ein guter Erfolg, in anderen zeigte sich keinerlei Effekt. Möglicherweise liegen diese unterschiedlichen Ergebnisse aber am Studiendesign. Es könnte z.B. sein, dass die Auswahlkriterien der Studienteilnehmer nicht klar genug definiert waren, dass Faktoren nicht berücksichtig wurden, die relevant sind oder dass „Confounding Factors“, d.h. Störfaktoren, eine Rolle spielten, die man nicht berücksichtig hatte.

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In der Konsequenz heißt das, wir müssen zunächst die Rolle der Pilze beim atopischen Ekzem besser verstehen, bevor wir aussagekräftige Therapiestudien durchführen können. Sinnvoll könnte es z.B. sein, in Therapiestudien ausschließlich Neurodermitis-Patienten zu behandeln, die jeweils eine bestimmte Malassezia-Spezies auf der Haut haben und dann die Ergebnisse untereinander zu vergleichen.

Wahrscheinlich kann man nicht davon ausgehen, dass Malassezia-Pilze die einzige Ursache für das atopische Ekzem sind. Wir glauben eher, dass dies ein Puzzleteil im gesamten Krankheitsbild sein könnte. Grundlagenforschung betreiben wir, um die zugrundeliegenden Mechanismen zu verstehen und darauf aufbauend Therapien zu entwickeln.

Herr Dr. Glatz, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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