Futtermittelunverträglichkeit Katze

Dr. Nina Glos Diplomate European College of Veterinary Dermatology und Fachtierärztin für Dermatologie der Kleintiere am Zentrum für Kleintiermedizin München zur Futtermittelunverträglichkeit bei Katzen

Futtermittelunverträglichkeit: Wenn die Katze das Futter nicht verträgt

Was sollte man beachten, wenn man bei der Katze eine Eliminationsdiät durchführen soll?

Die Durchführung einer Eliminationsdiät kann sich oft schwieriger gestalten, als gedacht. In vielen Fällen ist die genaue Futterhistorie nicht (mehr) bekannt. Bei Katzen kann auch die Akzeptanz der neuen Diät ein großes Problem darstellen.

Mit älteren Personen und Kindern im Haus, sowie bei Freigängerkatzen kann eine strikte Eliminationsdiät nahezu unmöglich sein.
Generell wissen wir so gut wie nichts über Kreuzreaktionen von Futterantigenen (z.B. bei Rind, Wild oder Ziege)

Wäre hausgemachtes Katzenfutter für die Eliminationsdiät besser als das kommerzielle Katzenfutter?

Prinzipiell wird für die Eliminationsdiät eine Eiweiß- und eine Kohlenhydratquelle gesucht, die bisher nie gefüttert wurde. Da Katzen obligate Karnivoren sind, brauchen sie nicht unbedingt ein Kohlenhydrat. Ein neues Eiweiß als einzige Quelle für 4 (-6) Wochen ist ausreichend und kann die Akzeptanz der Diät erhöhen.

Die Verwendung von hydrolisierten Proteinen mit erniedrigter Allergenität ist ebenfalls eine Möglichkeit. Allerdings können bei Hunden – und nur für Hunde gibt es Studien - trotzdem allergische Reaktionen auf das hydrolisierte Protein beobachtet werden und aus diesem Grund sollte auch eine hydrolisierte Diät keine Eiweiße beinhalten, die bereits vorher gefüttert wurden.

Sollen hausgemachte Diäten langfristig gefüttert werden, müssen sie unbedingt bedarfsgerecht balanciert werden. „Balanciert“ bedeutet „ausgewogen“ und bezieht sich auf das "Gesamtpaket" der Ernährung. Wichtig sind vor allem Vitamine, Mineralien etc. und: Katzen brauchen Taurin! Balancierte Diäten sind somit entweder kommerzielle Eliminationsdiäten oder hausgemachte Diäten mit Mineralstoffmischungen, die entweder kommerziell erwerblich sind oder besser von einem Tierarzt für Tierernährung bedarfsgerecht ausgerechnet werden.

Besonderer Bedacht sollte bei Eliminationsdiäten für junge, wachsende Tiere an den Tag gelegt werden.

Auswahl der Proteine/Kohlenhydrate

Proteinquellen Kohlenhydratquellen
Pferd    Kartoffeln
Hirsch    Süßkartoffeln
Elch Kürbis
Ziege Pastinake
Kaninchen Tapioka
Strauß  
Krokodil     
Känguru  
Quelle: Dr. med. vet. Nina Glos

Wie lange sollte denn eine Eliminationsdiät bei der Katze dauern?

Die Dauer der Diät steht unter anhaltender Debatte. Bei Katzen sind in der Regel 4 Wochen ausreichend. Dabei ist zu beachten, dass es einige „Stolpersteine“ gibt.

Wenn Besitzer es gewohnt sind, Leckerli zu geben, sind Alternativen für eine erfolgreiche Diät nötig.
Kleine Fleischstücken, die im Ofen getrocknet werden, sind hilfreich (60-70° im Backofen für 4 bis 6 Stunden).

Viele Tabletten, z.B. Vitamine, Entwurmung, Antibiotika, Schmerzmittel, oder Zahnpasta sind mit Geschmacksstoffen und Proteinen versetzt. Darauf sollte während einer Diät immer geachtet werden.

Nach einer klinischen Besserung der Symptome während der Diät ist eine Verschlechterung durch eine Provokationsprobe (Wiederfüttern des alten Futters) nötig, um die Diagnose Futtermittelallergie zu stellen.

Eine Besserung der Symptome während der Diät und eine Verschlechterung mit dem alten Futter innerhalb von 2 Wochen mit wieder anschließender Besserung durch die Eliminationsdiät bestätigen die Diagnose Futtermittelallergie.

In dieser Phase ist es sehr wichtig, dass juckende Sekundärinfektionen der Haut mit Bakterien oder Hefen ausgeschlossen sind, damit diese das Ergebnis der Diät nicht maskieren können.

Kommt es zu keiner oder nur geringen Besserung der Symptome während der Diät und zu keiner Verschlechterung während der Provokation, leidet die Katze nicht unter einer Futtermittelallergie, sondern an einer Umweltallergie.

Wie sieht die Therapie bei erwiesener Futtermittelunverträglichkeit der Katze aus?

Die beste Therapie bei der Futtermittelunverträglichkeit der Katze ist die Allergenvermeidung. Freigänger sollten im Optimalfall während der 4-wöchigen Eliminationsdiät und wenn möglich auch danach im Haus gehalten werden. Dies ist aber in der Regel nur selten machbar. Trotzdem macht auch bei Freigängern die Allergenvermeidung Sinn. Wenn möglich sollten Nachbarn, bei denen die Katzen gefüttert wird oder mitfrisst, informiert werden, damit kein frei zugängliches Futter zur Verfügung steht.

Frau Dr. Glos, herzlichen Dank für dieses Interview!

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