Zeckenbiss Katze

Bei welchem Wetter stechen Zecken Katzen besonders oft? Was tun bei Zeckenstich? Bildquelle: M. Leschnik

Wie entfernt man Zecken bei Katzen?

Eine Freigänger-Katze kommt meist irgendwann auch einmal mit Zecken nach Hause. Dann stellt sich die Frage: Wie entfernt man sie und was hilft im Vorfeld? Zecken bei der Katze sind meist nicht tragisch, aber es kann vorkommen, dass es nach einem Zeckenbiss, eigentlich ist es ja ein Stich, zu einer auffälligen Hautveränderung wie einer Beule oder Entzündung kommt. Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Priv.-Doz. Dr. med. vet. Michael Leschnik, Abteilung Interne Medizin Kleintiere an der Universitätsklinik der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Priv.-Doz. Dr. med. vet. Michael Leschnik

Herr Privatdozent Leschnik, bei welchen Temperaturen muss man bei der Katze mit Zecken rechnen?

Für den gesamten mitteleuropäischen Raum kann man davon ausgehen, dass Zecken bereits sehr früh anfangen aktiv zu werden, ab einer Außentemperatur von 8 bis 12 °C. Richtig aktiv werden vor allem die adulten, das sind die erwachsenen Zecken, ab einer Temperatur von 14 bis 15 °C. Je nach Wetterlage setzt sich diese Aktivität bis in den Mai bzw. Juni hinein fort, bis zu Temperaturen von 20 bis 25 °C, dann nimmt die Aktivität ab.

Spielt auch die Wetterlage eine Rolle beim Zeckenbefall von Katzen?

Sehr trockenes Wetter und extrem nasses Wetter, zum Beispiel starke Regenfälle, mögen Zecken nicht, egal bei welcher Temperatur. Das bedeutet, in den Monaten Juli und August treten in Mitteleuropa weniger Zecken auf. Ab September, Oktober kommt es dann zu einem zweiten Zeckenschub, wobei es sich nicht immer um die gleichen Arten handelt. Zum Beispiel sind die Auwaldzecken, die bei uns die Hundemalaria übertragen, im Herbst, das heißt im Oktober und November, ganz besonders häufig. Für die Katze ist eher der klassische Holzbock relevant, der im Frühjahr und im Herbst seine aktivsten Zeiten hat.

Heißt das, im Juli und August haben Katzen eher keine Zecken?

Zecken sind sehr flexibel. Wenn die Wetterlage in den Sommermonaten entsprechend kühler ist, können Zecken auch im Juli und August wieder aktiv werden. Dass Zecken in dieser Zeit in der Regel weniger aktiv sind, bedeutet deshalb nicht, dass man keine Zeckenprophylaxe betreiben sollte.

Gibt es einen Zeckenschutz bzw. wie kann man Zecken bei der Katze verhindern?

Es ist nachweislich nicht zielführend, die Zeckenprophylaxe erst dann zu verabreichen, wenn man die Zecken schon auf der Katze entdeckt hat. Man sollte schon ein Gesamtkonzept haben, das den Befall durch Zecken von vornherein vermeidet. Die Zeckenprophylaxe wirkt in der Regel über drei bis vier Wochen, manche Zeckenhalsbänder auch länger. Auch wenn die Wetterlage sehr trocken oder sehr nass ist, kann man sich darauf nicht verlassen, die besten Wettervorhersagen gehen nicht über wenige Tage hinaus.

Dies gilt für Freigänger-Katzen, bei Wohnungskatzen ist es ausgesprochen unwahrscheinlich, dass eine Katze von Zecken befallen wird, es sei denn ein Hund ist im Haus und bringt die Zecke rein.

Zu welchen Haut-Reaktionen kann es bei Katzen durch Zecken kommen? Was ist „normal“ was nicht?

Eine leichte Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle der Zecke ist sicher eine normale Reaktion bei der Katze. Zecken injizieren ihren Speichel in den Wirt und das löst eine Immunreaktion aus. Solange sich die Rötungen im 2-mm-Bereich bewegen, ist das nicht bemerkenswert. Alles was darüber hinausgeht, oder wenn sich gar Knoten bilden, ist keine normale Reaktion mehr.

Was könnte die Ursache sein, wenn sich bei der Katze nach einen Zeckenstich an der Einstichstelle größere Rötungen und Knoten zeigen?

Die wahrscheinlich häufigste Ursache für größere Rötungen und Knoten an der Einstichstelle, vor allem dann, wenn die Zecke schon weg ist, ist, dass die Katze geschleckt oder gekratzt und damit Bakterien in diese Wunde hineingebracht hat.

Eine alternative Möglichkeit ist aber auch, wir kennen das von anderen Tieren, dass Tiere, die sehr häufig und wiederholt von Zecken befallen werden, irgendwann eine Immunreaktion gegen den Zeckenspeichel entwickeln. Auch dies kann zu kleinen lokalen Entzündungen führen.

Heißt das, Katzen können allergisch auf Zeckenstiche reagieren?

Um eine klassische Allergie, bei der es, unabhängig von der Allergenmenge, zu einer Reaktion kommt, handelt es sich hierbei nicht. Eher liegt hier eine lokale Immunreaktion gegen den Zeckenspeichel vor. Letztendlich basiert die Nahrungsaufnahme der Zecke auf dem Prinzip, durch das Injizieren von Speichel für eine gute Durchblutung der Region um die Einstichstelle zu sorgen. Dies erleichtert der Zecke die Nahrungsaufnahme und macht sie schneller satt.

Ist diese Hauveränderung nach Zeckenstich vergleichbar mit der Reaktion mancher Katzen auf Flohbisse?

Nein, beim Floh kommt es beim Wirtstier tatsächlich zu einer echten Allergie. Wenn eine Flohallergie besteht, genügt der Biss eines einzigen Flohs und es kann zu einer allergischen Reaktion bei der Katze kommen. Allergiesymptome auf Flohbisse können sich auch nicht nur an der Bissstelle zeigen, sondern auch an anderen Körperstellen. Beim Zeckenstich ist die Reaktion jedoch lokal, deshalb spricht man in der Veterinärmedizin von einer lokalen Immunreaktion.

Wie behandelt man eine lokale Immunreaktion auf Zeckenstiche bei der Katze?

Eine Behandlung ist hier nicht nötig, denn sobald die Zecke entfernt wurde, sollten sich die Hautveränderungen von selbst wieder zurückbilden. Eine Creme sollte man bei der Katze nicht auftragen. Das würde dazu führen, dass die Katze an dieser Stelle noch mehr schleckt, als ohnehin schon und hätte somit einen gegenteiligen Effekt.

Beim Menschen fürchtet man Zecken, weil sie Lyme-Borreliose und Frühsommer-Mengingoenzephalitis (FSME) übertragen können, gilt das auch für Katzen?

Lyme-Borreliose und FSME gibt es bei Katzen nicht.

Es gibt aber eine durch Zecken übertragene Erkrankung, die Katzen, Hunde und Menschen bekommen können, die sogenannte Anaplasmose. Dabei handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung, deren Erreger die Zecke in sich trägt und die durch das Injizieren des Zeckenspeichels bei der Katze zum Tragen kommt. Die Anaplasmose tritt bei Katzen jedoch sehr selten auf.

Wie zeigt es sich, dass die Katze eine Anaplasmose hat?

Meist haben Katzen mit Anaplasmose Fieber und mitunter auch Blutarmut. Katzen erkranken eher an Anaplasmose, wenn sie generell ein schwaches Immunsystem haben. Häufig bestehen dann noch weitere Erkrankungen. Betroffen sind deshalb oft wilde Katzen, ältere Tiere oder Tiere, die bereits andere Infektionen in sich tragen.

Gibt es, abgesehen von der Anaplasmose, andere Erkrankungen, die Katzen durch Zecken erwerben können?

Es gibt eine Erkrankung, bei der man sich nicht ganz sicher ist, die Hämoplasmose oder Mykoplasmose. Diese Bakterien können bei der Katze eine Blutarmut verursachen. Man weiß jedoch noch nicht genau, ob diese Bakterien eher von Zecken oder eher von Flöhen übertragen werden.

Und woran erkennt man, dass eine Katze mit Hämoplasmen oder Mykoplasmen infiziert ist?

Man erkennt eine Infektion der Katze mit Hämoplasmen oder Mykoplasmen am Fieber, mitunter kommt es zu Blutungen und ebenfalls zu Blutarmut, was sich in der Regel anhand des Blutbildes feststellen lässt, genau wie bei den Anaplasmen. Diese bakteriellen Infektionen behandelt man mit antibiotischen Tabletten.

Was hilft bei Katzen gegen Zecken bei der Katze, welche Zeckenmittel gibt es und wie wendet man sie an?

Zur Zeckenprophylaxe bei Katzen gibt es Spot-on-Präparate, die auf die Haut aufgebracht werden und Zecken-Halsbänder. Für beide Methoden gibt es sehr wirksame Präparate. Halsbänder wirken länger, mehrere Monate, das heißt die Besitzer müssen sich weniger um das Thema kümmern, vor allem, wenn die Katzen nur unregelmäßig nach Hause kommen. Die Wirkung von Spot-on Präparaten hält in der Regel drei bis vier Wochen an - die Frage ist, was für die eigene Katze am besten ist.

Was ist beim Zeckenschutz „Spot-on“ oder Zeckenhalsband“ bei Katzen zu beachten?

Das Risiko, dass die Katzen im Freien mit den Halsband irgendwo hängenbleiben und sich strangulieren, ist mit den modernen Zecken-Halsbändern durch die Sollbruchstellen schon deutlich reduziert worden. Aber: Eine 100prozentige Wirkung haben weder Zecken-Halsbänder noch Spot-on Präparate. Die Katzen sollten deshalb regelmäßig auf Zecken abgesucht bzw. beim Streicheln oder Kämmen abgetastet werden, und die Zecken sollten dann schnell vernichtet werden.

Sind Kleinkinder in der Umgebung der Katze, die alles in den Mund nehmen und mit der Katze spielen, sind Zecken-Halsbänder nicht zu empfehlen und auch in den ersten beiden Tagen nach der Spot-on Applikation sollte man Kleinkinder von der Katze besser trennen. Egal ob Halsband oder Spot-on, vom Menschen aufgenommen werden sollten diese Präparate grundsätzlich nicht. Diese Mittel wirken über die Haut und helfen nur dann gegen Zecken, wenn sie giftig sind.

Übrigens: Bei Spot-on Präparataten, aber auch bei den Zecken-Halsbändern, muss man sehr aufpassen, dass man keinesfalls für Hunde gedachte Produkte verwendet.

Warum darf man Zecken-Spot-on Präparate und Zecken-Halsbänder für Hunde nicht für Katzen verwenden?

Zecken-Spot-on Präparate und Zecken-Halsbänder für Hunde, können bei Katzen zu schwersten Vergiftungen führen! Deshalb sollte man sich vom Tierarzt informieren lassen, welches Präparat für die jeweilige Katze geeignet ist.

Wie bewerten Sie alternative Empfehlungen zum Zeckenschutz bei Katzen, wie Kokosöl, Schwarzkümmelöl, Teebaumöl, Bierhefe?

Es gibt offizielle Studien, die belegen, dass diese Substanzen bei Katzen gegen Zecken nicht wirksam sind. Zudem belasten diese Mittel die Katzen extrem durch ihren Geruch, und Katzen sind sehr geruchsempfindlich. Katzen, aber auch Hunde, werden in der Regel durch solche alternativen Maßnahmen mehr behindert, als durch die Zecken selbst.

Warum schadet es Katzen, wenn man sie mit Kokosöl, Schwarzkümmelöl, Teebaumöl etc. behandelt?

Wenn man einer Katze Öle aufs Fell appliziert, wird sie immer versuchen, es abzuschlecken. Im Falle von, zum Beispiel Teebaumöl, kann man sich vorstellen, wie unangenehm das für die Katze in der Maulhöhle sein muss. Teilweise sind diese Mittel sogar giftig für die Katze.

Sie hatten empfohlen, die Katze regelmäßig auf Zecken abzusuchen: Wie entfernt man Zecken bei der Katze?

Zecken sollte man auf jeden Fall entfernen und nicht warten, bis sie von selbst abfallen. Je länger eine Zecke an der Katze bleibt, umso länger hat sich die Möglichkeit, Speichel zu injizieren und Krankheitserreger zu übertragen.

Man entfernt Zecken am besten mit einer einzigen, leicht ziehenden, leicht drehenden Bewegung. Das Ziehen ist wichtiger als das Drehen und zu viel Drehen sollte man auf keinen Fall. Am besten ist es, gleichmäßig und nicht ruckartig zu ziehen, obwohl das zugegebenermaßen bei Katzen nicht so einfach ist, weil sie nicht stillhalten. Man kann auch Zeckenzangen oder Pinzetten verwenden, um die Zecken bei Katzen zu entfernen. Dabei sollte man aufpassen, dass man nicht die Haare der Katze erwischt, denn das mögen Katzen nicht so gerne.

Sollte der Kopf der Zecke in der Haut stecken bleiben, so ist das nicht tragisch und muss auch nicht behandelt werden. Eventuell kann es ein wenig eitern, aber das wird sich auswachsen.

Herr Privatdozent Leschnik, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.