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Gluten-Intoleranz kein Grund gegen COVID-19-Impfung

Der 34-jährige Weltklasse Tennisspieler Novak Djokovic hat heute einen Erfolg vor Gericht in Melbourne in der Auseinandersetzung um seine Einreise nach Australien errungen. Ein Richter hat seine Freilassung aus der Quarantäne im Park Hotel in Melbourne angeordnet. Weiterhin ist aber unklar, ob er in Australien bleiben und an den Australian Open teilnehmen darf. Bei diesen Auseinandersetzungen gerät zunehmend aus dem Blickfeld, warum Djokovic eigentlich bislang nicht gegen COVID-19 geimpft ist. Dass er ungeimpft ist, hat er im Laufe des Gerichtsverfahrens nun erstmals öffentlich eingestanden und als Grund hierfür werden vielfach seine „Immunerkrankungen“ wie seine Gluten-Intoleranz angeführt. Die serbische Premierministerin Ana Brnabic hatte selbst erklärt: „Wir haben es geschafft, ihm glutenfreies Essen zu liefern...“.

Autor: PM Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V.

Was ist eine Gluten-Unverträglichkeit?

Professor Ludger Klimek (57), Leiter des Allergiezentrums in Wiesbaden und Präsident des deutschen Allergologenverbandes AeDA erläutert hierzu:


„Gluten ist ein Sammelbegriff für Klebereiweiße (Proteine), die in den Getreidesorten Weizen (inkl. der „alten“ Weizensorten Einkorn, Emmer und Kamut), Gerste, Roggen und Hafer enthalten sind. Wichtig ist, dass Gluten auch in Dinkel und Ur-Dinkel, Grünkern vorkommt – daher auch ein Ausweichen auf Dinkel-Produkte nicht sinnvoll ist. Als Folge einer Gluten-Unverträglichkeit können Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Blutarmut, Eisenmangel und andere Vitaminmangel (z.B. Vitamin B12, Vitamin D), Gewichtsverlust, Hautreaktionen, Bauchschmerzen und Verdauungsbeschwerden wie Durchfall oder Verstopfung, Blähungen und Erbrechen auftreten“.

Welche Formen der Glutenunverträglichkeit gibt es?

Professor Klimek: „Ursache einer Glutenunverträglichkeit können verschiedene Krankheiten sein:

  • 1 Die Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung
  • 2 Die Weizenallergie ist eine durch IgE-Antikörper vermittelte Allergie
  • 3 Die Glutensensitivität ist eine echte Intoleranz-Erkrankung

Obwohl die Ursachen sehr unterschiedlich sind und ganz verschiedene Tests für die Diagnose gemacht werden müssen, werden die Begriffe teilweise synonym genutzt. Zwischen einer Allergie, Zöliakie oder einer Glutensensitivität bestehen jedoch grundlegende Unterschiede. Während die Zöliakie eine angeborene und lebenslang bestehende Erkrankung ist, bei der durch die Autoimmunreaktion die Dünndarm-Zotten zerstört werden, kann die Glutensensitivität durch eine Diät gut behandelt werden und führt so gut wie nie zu Dauerschäden“.



Welche dieser Arten von Glutenunverträglichkeit beim Tennisspieler Djokovic vorliegt, ist nicht bekannt, er beschreibt in seinem Buch “Serve to Win” aus dem Jahr 2013, dass er sich seit 2011 Gluten- und auch Milch-frei ernährt und zuvor von einem serbischen Arzt einige Tests gemacht wurden.

Gibt es Hinweise, dass bei Patienten mit einer Gluten-Unverträglichkeit eine Gefahr bei COVID-19 Impfungen besteht?

Professor Klimek: „Keine der verschiedenen Formen der Gluten-Unverträglichkeit stellt ein erhöhtes Risiko für eine COVID-19 Impfung dar. Der AeDA hat gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften und dem Paul Ehrlich-Institut schon früh zu Beginn der Impfkampagne in Europa Empfehlungen zum Umgang mit Allergien und Unverträglichkeiten bei COVID-19 Impfungen herausgegeben (1, 2, 3). Ein Risikopotential für eine SARS- CoV2-Impfung besteht bei einer Allergie auf einen Bestandteil der Impfstoffe oder nach einer schweren allergischen Reaktion (Anaphylaxie) auf die Erst-, Zweit-, oder Booster-Impfung. Weitere risikobehaftete Patienten sind aus allergologischer Sicht Patienten mit einer Mastozytose oder einer Anaphylaxie auf Medikamente, Narkose-, Röntgenkontrast- oder Abführmittel und frühere Impfungen mit (bislang) unklarem Auslöser“.



In unklaren Fällen rät der AeDA daher dazu, eine adäquate Allergie-Diagnostik rechtzeitig vor der Impfung durchzuführen.
Weitere Informationen finden Sie auf der AeDA Infopage | Allergische Reaktionen auf COVID19 Impfstoff.



Für Interview-Anfragen stehen Ihnen die Experten des AeDA gern zur Verfügung.


Weitere Informationen zum Ärzteverband Deutscher Allergologen erhalten Sie unter www.aeda.de

 

Literaturhinweise:

1) Klimek L, Bergmann K-C, Brehler R, et al.: Practical handling of allergic reactions to COVID-19 vaccines: A position paper from German and Austrian Allergy Societies AeDA, DGAKI, GPA and ÖGAI. Allergo Journal International 2021: 1-17.

2) Klimek L, Novak N, Hamelmann E, et al.: Severe allergic reactions after COVID-19 vaccination with the Pfizer/BioNTech vaccine in Great Britain and USA. Allergo Journal International 2021; 30: 51-5.

3) Klimek L, Worm M, Lange L, et al.: Management von Anaphylaxie-gefährdeten Patienten während der Covid-19-Pandemie. Allergo Journal 2020; 29: 16-26.

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.