Zöliakie Dünndarmbiopsie

Dr. Stephanie Baas zum Thema: Zöliakie - Was passiert bei einer Dünndarmbiopsie?

Zöliakie: Was passiert bei einer Dünndarmbiopsie?

Bei der Diagnose von Zöliakie sind eine Vielzahl von Faktoren relevant. Die Dünndarmbiopsie, auch Duodenalbiopsie genannt, ist ein Teil dieses diagnostischen Weges. Was passiert bei einer Dünndarmbiopsie? Worauf muss man achten? Welchen Stellenwert hat die Duodenalbiopsie bei der Diagnose von Zöliakie? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Stephanie Baas, medizinische Beraterin der Deutschen Zöliakie Gesellschaft e.V. (DZG) in Stuttgart.

Frau Dr. Baas, was genau ist eine Dünndarmbiopsie?

Die Dünndarmbiopsie, auch Duodenalbiopsie genannt, ist eine Probenentnahme, hauptsächlich aus dem Zwölffingerdarm, auf Latein Duodenum genannt. Die Biopsieentnahme erfolgt im Rahmen einer Magenspiegelung. Sie erfolgt immer dann, wenn der Verdacht auf eine Zöliakie besteht. Aber auch bei Verdacht auf andere Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes bedient man sich der Dünndarmbiopsie. Dazu gehört zum Beispiel Morbus Crohn, da man weiß, dass diese Erkrankung alle Abschnitte des Darms befallen kann, von der Mundschleimhaut bis zum After.

Eine Dünndarmbiopsie wird in der Regel unter Sedierung durchgeführt, also einer milden Narkose, bei der der Patient schläft.

Wo befindet sich der Zwölffingerdarm und wo genau werden bei einer Dünndarmbiopsie die Proben entnommen?

Der Dünndarm, lateinisch Intestinum, schließt sich direkt an den Magenausgang an. Der erste Teil ist der Zwölffingerdarm, dann kommt der Leerdarm, lateinisch Jejunum, und schließlich der Krummdarm, lateinisch Ileum.

Früher hat man zur Probenentnahme den Darmabschnitt bis zum Übergang in das obere Jejunum bzw. den unteren Zwölffingerdarm empfohlen. Heute weiß man, dass man die Proben am besten an unterschiedlichen Stellen und Höhen entlang des Zwölffingerdarms entnimmt. Es sollten möglichst auch aus dem ersten Abschnitt des Zwölffingerdarms, dem sogenannten Bulbus duodeni, Proben entnommen werden, weil die Veränderungen manchmal nur dort zu finden sind.

Aber: Biopsien aus anderen Darmabschnitten, vor allem am Ende des Dünndarms, wären nicht geeignet, um eine Zöliakie festzustellen. Auch bei der Dickdarmspiegelung, bei der man über den After bzw. das Ende des Dickdarms, das sogenannte terminale Ileum, an den Dünndarm gelangt, sind die Proben zur Diagnose einer Zöliakie nicht diagnostisch verwertbar, auch wenn dort in manchen Fällen Veränderungen feststellbar sind.

Was genau wird bei einer Dünndarmbiopsie untersucht?

Bei einer Dünndarmbiopsie wird der Zustand des gesamten Schleimhautaufbaus des Dünndarms untersucht. Dazu geht man mit einem Endoskop über den Mund und die Speiseröhre durch den Magen in den Zwölffingerdarm hinein, um dort die Biopsie durchzuführen. Dies dauert ca. 15 bis 20 Minuten.

Die Biopsie erfolgt nicht nur oberflächlich, sondern geht etwas tiefer ins Gewebe der Schleimhaut. Proben werden an fünf bis sechs Stellen entnommen, davon ein bis zwei aus dem Bulbus duodeni und die anderen vier aus etwas tieferen Abschnitten, ebenfalls an verschiedenen Stellen. Man sieht dann strukturelle Auffälligkeiten im Zwölffingerdarm, kann dann den Aufbau der Schleimhaut beurteilen und den Gehalt an Entzündungszellen einschätzen.

Mit Hilfe der Dünndarmbiopsie kann die Frage beantwortet werden, ob eine Zöliakie oder eine andere Erkrankung des Darms vorliegt. Auch die Wirkung therapeutischer Maßnahmen kann so überprüft werden. Eine Duodenalbiopsie dient jedoch auch dazu, eine Zöliakie oder andere Erkrankungen auszuschließen.

Warum werden bei einer Dünndarmbiopsie so viele Proben entnommen?

Um eine Zöliakie sicher zu diagnostizieren, müssen deshalb fünf bis sechs Proben entnommen werden, weil die Zöliakieveränderungen nicht immer gleichmäßig auftreten. Es handelt sich um sogenannte Mosaikläsionen, auf Englisch „patchy lesions“. Studien haben gezeigt, dass man mit einer sehr hohen Sicherheit auch die schlimmsten Veränderungen erfasst, wenn man ca. 5 bis 6 Proben entnimmt. So erhöht sich die Sicherheit der Diagnose.

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