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Anna Greta Pietsch von glutenfreiumdiewelt, dem Blog für Reisespaß trotz Zöliakie!

Glutenfreiumdiewelt: Der Blog für Reisespaß trotz Zöliakie!

Es gibt mittlerweile einige Regionen, die sich auf Gäste mit Unverträglichkeiten spezialisiert haben. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

glutenfreiumdiewelt glutenfreies panini kopenhagenGlutenfreies Panini in Kopenhagen!Meine Begeisterung ist da manchmal etwas geteilt. Generell sehe ich dieser Entwicklung aber positiv entgegen.

Vor zwei Wochen war ich in der Ferienregion Scuol, Samnaun, Val Müstair im Unterengadin in der Schweiz eingeladen. Das ist ein Beispiel, wo dieses Konzept voll aufgeht und ich wirklich begeistert bin! Hier haben sich Restaurants, Hotels, Apartments, Lebensmittelgeschäfte und andere Dienstleister zusammengeschlossen, um ihren Gästen unbeschwerte gluten- und laktosefreie Ferien bieten zu können. Regelmäßig finden Schulungen mit der ansässigen Zöliakiegesellschaft statt, so dass hier bestmöglich über den Umgang mit glutenfreien Lebensmitteln geschult wird.

Genauso gibt es aber leider auch immer erschreckende Beispiele, die ich gerade für Zöliakie-Neulinge schwierig finde. Da erinnere ich mich an ein Lokal in Porto, Portugal. Hier wurde auf einer Reklametafel ganz groß mit glutenfreien Crêpes geworben – im Laden gab es aber nur eine Platte für den glutenhaltigen und glutenfreien Teig. Diese Entwicklung finde ich schwierig – einerseits ist es toll, dass durch die immer größer werdende Nachfrage mehr und mehr glutenfreie Produkte auf den Markt kommen. Andererseits ist es schwierig, wenn z.B. Restaurants auf den „glutenfreien Zug“ aufspringen, sich mit dem Thema aber eigentlich kaum auskennen und für die das Wort „Kontamination“ ein Fremdwort ist.

Es gibt also in meinen Augen Sonnen- und Schattenseiten bei dieser Entwicklung.

Sie suchen sich Ihre Reiseziele ja nicht nach dem glutenfreien Angebot aus, aber wie gehen Sie konkret bei der Reiseplanung vor?

Wenn ich mich für ein Reiseziel entschieden habe, suche ich zunächst erst einmal online, ob es bereits Erfahrungsberichte oder Tipps zu meiner Unterkunft und dem Land bzw. Ort gibt. Meist schreibe ich auch das Hotel an und frage, ob sie ein glutenfreies Angebot haben und ob sie sich mit einer möglichen Kontaminationsgefahr auskennen. Am liebsten buche ich aber Apartments, damit ich mich selbst versorgen und auf mich alleine verlassen kann. Ich überschlage grob, was ich an Vorräten in der Zeit brauche (je nachdem wie sicher ich vor Ort noch glutenfreie Lebensmittel bekomme).  Dafür habe ich von meinem Hausarzt ein Attest auf Englisch, das bestätigt, dass ich Zöliakie habe und auf spezielle Lebensmittel angewiesen bin: Falls der Zoll mal komisch gucken sollte! Das ist mir bisher aber noch nie passiert.

Und sonst lasse ich einfach alles auf mich zukommen. Wenn ich Online schon tolle Empfehlungen gefunden habe, dann schreibe ich mir die Adressen raus – quasi als Highlights zwischendurch, die ich dann wie Sehenswürdigkeiten unterwegs besuche. Gerne informiere ich mich auch vorab, was traditionell in einem Land gegessen wird, das vielleicht von Natur aus schon glutenfrei ist. In Mexiko konnte ich mich den ganzen Tag von Maistortillas versorgen!

Natürlich habe ich auch immer „Die Bitte an den Koch“ in der jeweiligen Landessprache dabei und bestellte bei der jeweiligen Fluggesellschaft ein glutenfreies Menü vor.

Haben Sie noch einen Tipp für die Neulinge unter den „glutenfrei“-Reisenden?

Wichtig ist auch, dass die Erwartungen an das glutenfreie Essen im Ausland nicht so hoch sind - dann kann man auch nicht enttäuscht werden. In vielen Ländern hat man von Zöliakie einfach noch nie etwas gehört. Da müssen auch wir als Betroffene Rücksicht drauf nehmen und können nicht erwarten, dass sich Jedermann dann damit auskennt. Hier hilft es oft, wenn man sich etwas Zeit nimmt und versucht, sein Problem und seine Wünsche zu erklären und beim Kochen dabeibleibt. Das hat bei mir bisher meist super funktioniert.

Und ganz wichtig finde ich immer: Lieber einmal mehr nachfragen und darauf achten, wie etwas zubereitet wird, als einmal zu wenig. Und wenn man dann immer noch unsicher ist, lässt man lieber die Finger davon. In vielen Ländern fällt es oft schwer „Nein“ zu sagen, weil sich die Menschen oft so viel Mühe geben – da ist dann Fingerspitzengefühl und Einfühlvermögen gefordert, damit man niemandem auf die Füße tritt! Wenn man aber lieb zu verstehen gibt, dass man sonst sehr krank wird, haben aber meist alle Verständnis dafür!

Frau Pietsch, herzlichen Dank für dieses Interview!

 

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