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Allergie Eschenpollen Eschenallergie

Prof. Karl-Christian Bergmann, Charité

Eschenpollen-Allergie: Heuschnupfen auch durch andere Ölbaumgewächse!

Die Blütenpollen der Esche gehören zu den klassischen Baumpollen-Allergenen, die Menschen mit Heuschnupfen Probleme bereiten können. Was vielen nicht klar ist: Eschen gehören zur Familie der Ölbaumgewächse. Bedeutet das für Pollenallergiker, die auf Eschenpollen allergisch reagieren,  dass Sie auch andere Pflanzen meiden müssen? Welche Pflanzen gehören zu den Ölbaumgewächsen? Wann blühen Sie? Gibt es auch Kreuzreaktivitäten auf Nahrungsmittel? Prof. Karl-Christian Bergmann, Leiter der interdisziplinären allergologisch-pneumologischen Ambulanz im Allergie-Centrum- Charité Berlin und Vorstand der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst in Berlin, beantwortete die Fragen von MeinAllergiePortal.

Herr Prof. Bergmann, wie häufig haben Pollenallergiker eine Allergie auf Eschenpollen?

Es gibt eine gute Untersuchung von Marjolein Haftenberger et. al. aus dem Jahr 2013. Nach dieser Studie liegt die Sensibilisierung gegen das Allergen der Esche bei der erwachsenen Bevölkerung bei 9,4 Prozent. Das bedeutet bei 9,4 Prozent der Erwachsenen in Deutschland über 18 Jahren findet man Antikörper auf Eschenpollen im Serum oder in der Haut, wenn man einen Allergietest macht. Bei Pollenallergien kann man davon ausgehen, dass die meisten Sensibilisierten auch tatsächlich an allergischer Rhinitis oder allergischem Asthma erkranken.

Gibt es Unterschiede in der Symptomatik zwischen Eschenpollen-Allergikern und anderen Pollenallergikern?

Das Allergen der Eschenpolle führt bei den Betroffenen zu der gleichen typischen Heuschnupfen- Symptomatik wie z.B. bei Hasel- oder Gräserpollen.

Wann blühen Eschen und wo kommen sie vor?

Eschenpollen fliegen von März bis April. Die Pollenflugzeiten überschneiden sich fast vollständig mit denen der Birkenpollen. Eschen kommen in ganz Europa vor und gehört zu den Ölbaumgewächsen. Es gibt vier Eschenarten, die gemeine Esche, die schmalblättrige Esche, die mandschurische Esche und die Schwarz-Esche. Alle Arten können gleichermaßen allergische Reaktionen auslösen.


Auf welche anderen Pollenallergene kann ein Eschenpollen-Allergiker mit Symptomen reagieren?

Da Eschen zu den Ölbaumgewächsen gehören, können Menschen mit Eschenpollen-Allergie auch auf andere Ölbaumgewächse allergisch reagieren:

Zu den Ölbaumgewächsen gehören unter anderem:

•    Flieder

•    Jasmin

•    Liguster

•    Forsythien

•    Olivenbäume

Insbesondere Olivenbäume sind relevant, weil sie sehr große Pollenmengen produzieren. Das sollte man nicht nur dann berücksichtigen, wenn man einen Urlaub im Süden plant. Auch am Alexanderplatz in Berlin kann man auf die Pollen der Olivenbäume treffen, denn in den letzten Jahren erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Viele Restaurants nutzen Olivenbäume als Dekoration sowohl im Innen- als auch im Außenbereich und auch in Privathaushalten sind sie häufig anzutreffen.  

Heißt das, man muss auch außerhalb der eigentlichen Eschenpollenflugzeiten im März und April mit allergischen Symptomen rechnen, wenn man eine Eschenpollen-Allergie hat?

Die Zeit der allergischen Reaktionen kann sich für Eschenpollen-Allergiker dadurch verlängern, dass andere Ölbaumgewächse blühen. So blühen Forsythien in der Regel von März bis Mai, Flieder und Ginster von April bis Mai, der Olivenbaum blüht von April bis Juni, Liguster von Mai bis Juli und Jasmin von Juni bis September. Je nach Pflanzensorte und Wetterlage können sich diese Blühzeiten aber auch verschieben.  

Gibt es bei der Eschenpollen-Allergie auch Kreuzreaktionen zu Nahrungsmitteln?

Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel sind bei der Eschenpollen-Allergie sehr selten. Hierfür verantwortlich ist die 1,3-beta-glucanase (Fra e 9 in Esche), welches auch in Olive vorkommt (Ole e 9). Hier kann es zu Reaktionen auf Banane, Tomate, Paprika, Kartoffel und Latex kommen, was wir in unserer Ambulanz jedoch noch nicht gesehen haben. Man kann als Eschenpollen-Allergiker also unbesorgt z.B. Oliven essen, ohne ein orales Allergiesyndrom befürchten zu müssen.  

Kann die Diagnose der Allergie auf Eschenpollen mit den traditionellen Sensibilisierungstests erfolgen?

Die traditionelle Allergiediagnostik ist zur Diagnose der Eschenpollen-Allergie völlig ausreichend. Der behandelnde Allergologe muss lediglich darauf achten, dass beim Hauttest standardmäßig auch auf Eschenpollen getestet wird. Die meisten Patienten mit Eschenpollen-Allergie werden angeben, dass sie zur Zeit des Pollenflugs der Birke an Symptomen leiden, was den Verdacht natürlich zuerst auf das Birkenpollen-Allergen lenkt. Möglicherweise sind diese Patienten jedoch gar nicht auf Birkenpollen allergisch, sondern auf Eschenpollen, die ja zur gleichen Zeit fliegen. Wird auf Eschenpollen nicht getestet, bekommt man natürlich ein falsches Ergebnis.


Man hört immer wieder, dass die Testextrakte knapp werden, sind die entsprechenden Präparate für Eschenpollen aktuell erhältlich?

Die Allergen-Testextrakte werden generell knapp, weil sich immer mehr Firmen aus diesem Markt zurückziehen seit sie für die Allergen-Extrakte, genauso wie für Medikamente, eine Zulassung beantragen müssen. Die Kosten für die Zulassung von Allergenextrakten sind hoch, so dass sich für viele Firmen eine Zulassung nicht lohnt.

Auf der anderen Seite muss ein Arzt für den Allergietest zugelassene, standardisierte, d.h. kommerziell hergestellte Extrakte verwenden. Aktuell sind Allergenpräparate, die konkret zur Diagnose der Eschenpollen-Allergie eingesetzt werden können, noch vorhanden.

Ist ein standardisiertes Präparat jedoch nicht erhältlich, ist es dem Arzt möglich, für einen einzelnen Patienten ein individuelles Allergenextrakt herzustellen. Dieses individuelle Extrakt kann jedoch nur für diesen einen Patienten eingesetzt werden und nicht standardmäßig für eine Vielzahl von Patienten. Aktuell bemüht man sich um Klarheit in dieser komplexen Fragestellung, zumal diese auch je nach Bundesland unterschiedlich gehandhabt wird.  

Zu welcher Therapie raten Sie bei Eschenpollen-Allergie?

Die wichtigste Voraussetzung bei der Therapie ist die exakte Diagnose des auslösenden Allergens. Einen ersten Hinweis kann dabei die Pollenapp 4.0. geben, die man sich kostenlos im Internet herunterladen kann (Apple iPhone/iPad/iPod Touch und Android). In das Pollentagebuch der App kann man seine Symptome eingeben und dann vergleichen, welche Pollen in diesem Zeitraum geflogen sind. Man sieht dann z.B. ob man Heuschnupfensymptome hatte, obwohl z.B. nur Eschenpollen geflogen sind und keine Birkenpollen und hat einen ersten Anhaltspunkt, der durch die besprochene Allergiediagnostik abgeklärt werden muss.

Zur Therapie der Symptome der Eschenpollen-Allergie setzt man Antihistaminika der neuen Generation ein, z.B. den Arzneistoff Ceterizin. Die neuen Wirkstoffe machen nicht mehr so müde wie die älteren Antiallergika. Werden die Symptome damit nicht ausreichend unterdrückt, werden kortisonhaltige Nasensprays bzw. Augentropfen eingesetzt, die nächste Stufe wäre dann der Einsatz von Kortisontabletten. Handelt es sich um eine schwere allergische Rhinitis, ist eine spezifische Immuntherapie anzuraten.

Herr Prof. Bergmann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!   

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